Positivismus

Thema: Positivismus von Moritz Schlick & Bertrand Russell

Allgemeiner Positivismus

Lebenslauf Moritz Schlick

Wiener Kreis

Moritz Schlick über das Fundament der Erkenntnis

Lebenslauf Bertrand Russell

Allgemeines ( Zitate, Werke, Literatur)

Bezeichnungen

( Deutsche Übersetzung von „On Denoting“)

Positivismuskritik

Lebenslauf von Bertrand Russell ( 1872 – 1970)

Bertrand ( Arthur William) Russell, 3rd Earl R., einer der bedeutendsten Logiker des 20. Jahrhunderts, Mathematiker, Philosoph, Pädagoge, Literaturnobelpreisträger, Pazifist.

Er wurde am 18. Mai 1872 von Lord John Amberlys und seiner Frau Lady Kate in Südwales geboren. Nach dem frühen Tod seiner progressiv-liberalen gesinnten Eltern kommt Bertrand Russell im Alter von 3 Jahren zu den Eltern seines Vaters, die sich hinfort um seine Erziehung kümmern. Seine Großmutter, eine politisch und religiös liberale, aber in moralischen Belangen äußerst strenge Frau, wird für ihn die bedeutungsvollste Person seiner Kindheit.

Von 1890-94 besuchte er das Trinity College in Cambridge, wo er später auch als Fellow

( 1895-1901) und Lecturer ( 1910-16) tätig ist. Bertrand Russell beschäftigt sich zunächst hauptsächlich mit logisch-mathematischen Arbeiten und veröffentlicht schließlich zusammen mit A. N. Whitehead die >Principa mathematica<, eines der wichtigsten Werke der modernen Logik. Sind es in der mathematischen Logik der Aufweis von Antinomien der Mengenlehre G. Freges ( welche durch Selbstanwendungen entstehen) und ihre Vermeidung durch einen

>typentheoretischen< Aufbau ( durch welche Selbstanwendungen ausgeschaltet werden), so ist es in der Theorie der Erkenntnis die „Philosophie des logischen Atomismus“ ( der Versuch, komplexe „molekulare“ Aussagen auf einfache „atomare“ zurückzuführen und nur für die letzteren Tatsachen zugrundezulegen), die die philosophische Diskussion nachhaltig bestimmen.

Sein enormes Arbeitspensum verhindert indessen keineswegs sein politisches Engagement. Er hat Kontakt zu führenden Sozialisten ( S. Webb und B. Shaw), setzt sich für das Frauenstimmrecht ein und ist ein vehementer Gegner des 1. Weltkrieges. Sein unbeugsames Eintreten für seine Überzeugungen führt zu seiner Entlassung und 1918 sogar zu einer Gefängnisstrafe. Bertrand Russells Grundhaltung ist pazifistisch, gleichwohl lehnt er den Krieg gegen die Nazis als letztes verbleibendes Mittel nicht ab. Zwischen den Weltkriegen unternimmt er zahlreiche Studien- und Vortragsfahrten und bereiste die Sowjetunion, China und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Neben den daraus resultierenden gesellschaftlich-politischen Arbeiten verfaßt er auch Schriften, in denen er seine Auffassungen zur Religion ( z.B. >Warum ich kein Christ bin<, 1927) und zur Pädagogik ( z.B.> On Education<,1926) zum Ausdruck bringt, um die letzteren in die Praxis umzusetzen, gründete er 1931 die Beacon Hill School, ein Schulversuch der trotz seines Scheiterns einen grossen Einfluss hatte.

1940/ 41 wurde eine Professur am College of New York durch die Anti-Russell-Bewegung verhindert, die ihn u.a. wegen seiner Forderung nach gesetzlicher Tolerierung der Homosexualität angriff.

1944 wird er erneut Fellow am Trinity College. Erstmals werden seine Reden im Rundfunk übertragen. Die Aix-Provence verlieh ihm 1949 die Ehrendoktorwürde und er wurde in England mit dem Order of Merit ausgezeichnet.

1950 erhält er den Nobelpreis für Literatur für seine präzise wissenschaftliche Prosa.

1952 heiratet er achtzigjährig, zum vierten Mal. Er setzt sich für ein Atomwaffenverbot und den Frieden ein. Bertrand Russell ist Mitbegründer der >Champaign for Nuclear Disarmament< (1959), des >Committee of 100< (1960), der >B.R. Peace Foundation< und

>Atlantic Peace Foundation< (1963). Zusammen mit Jean Paul Satre veranstaltet er 1967 in Stockholm ein >Vietnam-Tribunal<, daß auf der gleichen rechtlichen Grundlage wie die Nürnberger Prozesse- über die den Amerikanern zur Last gelegten Kriegsverbrechen im Vietnamkrieg entscheiden soll.

Bis zuletzt ist Bertrand Russell in theoretischer und politisch-praktischer Hinischt aktiv. Noch als Achtundachtzigjähriger wurde er 1961 wegen „Aufhetzung der Öffentlichkeit und gegen die Staatsgewalt“ – er nahm an einem Sitzstreik teil – zu zwei Monaten Haft verurteilt. Nach öffentlichen Protesten wurde er nach einer Woche wegen „ärztlicher Bedenken“ entlassen.

Er stirbt im Alter von 97 Jahren am 2. Februar 1970 in Penrhyndendraeth (Wales).

Russells Philosophie:

Russell war beeindruckt von der Gewißheit der mathematischen Erkenntnis, der Sinnerfahrung und der Naturwissenschaft. Dieser Gewißheit glaubte er am ehesten durch den Nachweis gerecht zu werden, daß die Mathematik ein der Teil der Logik ist. Daher schloß er sich Freges Programm des Logizismus an, durch welches alle mathematischen Begriffe definitorisch auf Begriffe der Logik zurückgeführt werden und alle mathematischen Theoreme auf der Basis solcher Definitionen unter ausschließlicher Benutzung logischer Prinzipien bewiesen werden sollte. Bei seinen Bemühungen um die logische Grundlegung der Mathematik stieß Russell auf eine Paradoxie, die man heute Russell`s Paradoxie nennt.

Aus dem Bestreben, das logizistische Programm unter Vermeidung der mengentheoretischen und verwandten Paradoxien für die gesamte Mathematik anzuwenden, erwuchsen die gemeinsam mit A. N. Whitehead verfaßten Principa Mathematica ( 1910-1913). Die dort durchgeführte Analyse der Antinomien ergeben, daß sie durch fehlerhafte Definitionen zustande kommen.

Russell kritisierte die Religionen als unwahr und schädlich in ihren Auswirkungen. Für schädlich hält er z.B., daß ein unerschütterlicher Glaube als Wert angesehen wird.

Gegenargumente, die Zweifel verursachen, müssen daher unterdrückt werden. Das verhärtet den Glauben auf beiden Seiten und bereitet den Boden für Kriege. Die Überzeugung, daß es wichtig ist, etwas zu glauben, obwohl unabhängige Untersuchungen diesen Glauben nicht bestätigen würden, ist etwas, daß fast allen Religionen gemeinsam ist und alle staatlichen Bildungseinrichtungen beeinflußt. Diese Konsequenz ist, daß die geistige Entwicklung der Jugendlichen gehemmt wird und dass sie erfüllt werden von fanatischer Feindschaft gegenüber denen, die einem anderen Fanatismus anhängen oder, was noch schlimmer ist, gegenüber denen, die Fanatismus überhaupt ablehnen. Eine Haltung, die die Überzeugungen auf Beweise und Gründe aufbaut, würde die meisten Übel, an der die Welt leidet, kurieren.

Ein Weiterleben der Seele nach dem Tode hält er für Wunsch denken. Er weist darauf hin, daß die Persönlichkeit, die Erinnerungen und Eigenarten eines Menschen an seine Gehirnstruktur gebunden ist. Bereits durch eine geringfügige Gehirnverletzung kann das Gedächtnis ausgelöscht werden. Ein intelligentes Kind kann bereits durch Jodmangel schwachsinnig werden. Angesichts solcher bekannten Tatsachen ist es kaum wahrscheinlich, daß der Geist den totalen Zerfall der Gehirnstruktur übersteht, wie es durch den Tod geschieht. Es sind nicht rationale Argumente sondern Emotionen, die den Glauben an ein Leben nach dem Tode hervor rufen. Die wichtigste dieser Emotionen ist die Todesangst, die instinktiv und biologisch sinnvoll ist. Es zeigte sich aber in der Geschichte der Menschheit, daß der Glaube an das Paradies großen militärischen Wert hat, da er die natürliche Kampfbereitschaft erhöht. Es ist offensichtlich, daß Militaristen klug handeln, wenn sie den Glauben an die Unsterblichkeit fördern.

Trotz seiner zahlreichen Aktivitäten war Russell zeitlebens hauptsächlich als Schriftsteller tätig. Neben 70 Büchern zur Mathematik, Philosophie, Politik und Pädagogik verfaßte er unzählige Aufsätze und war weltweit auf Vortragsreisen unterwegs. Bevor er 1970 fast hundertjährig starb, konnte er auf ein erfülltes Leben zurückblicken.

Er sagte:

Drei einfache, doch übermenschliche Leidenschaften haben mein Leben bestimmt: das Verlangen nach Liebe, der Drang nach Erkenntnis und ein unerträgliches Mitgefühl für die Leiden der Menschheit. Gleich heftigen Sturmwinden haben mich diese Leidenschaften bald hier-, bald dorthin geweht in einem launenhaften Zickzackkurs über ein Weltmeer von Qual hinweg bis zum letzten Rand der Verzweiflung.

Nach Liebe trachtete ich, einmal, weil sie Verzückung erzeugt, eine Verzückung so gewaltig, dass ich oft mein ganzes, mir noch bevorstehendes Leben hingegeben haben würde für ein paar Stunden dieses Überschwangs. Zum anderen habe ich nach Liebe getrachtet, weil sie von der Einsamkeit erlöst, jener entsetzlichen Einsamkeit, in der ein einzelnes erschauerndes Bewußtsein über den Saum der Welt hinab blickt in den kalten, leblosen, unauslotbaren Abgrund. Und letztens habe ich nach Liebe getrachtet, weil ich in der liebenden Vereinigung, in mystisch verkleinertem Abbild, die Vorahnung des Himmels erschaute, wie er in der Vorstellung der Heiligen und Dichter lebt. Danach habe ich gesucht und, wiewohl es zu schön erscheinen mag für ein Menschenleben: ich habe es – am Ende – gefunden. Mit gleicher Leidenschaft habe ich nach Erkenntnis gestrebt. Ich wollte das Herz der Menschen ergründen. Ich wollte begreifen, warum die Sterne scheinen. Ich habe die Kraft zu erfassen gesucht, durch die nach den Pythagoreern die Zahl den Strom des Seins beherrscht. Ein wenig davon, wenn auch nicht viel, ist mir gelungen.

Liebe und Erkenntnis, soweit sie erreichbar waren, führten empor in himmlische Höhen. Doch stets brachte mich das Mitleid wieder zur Erde zurück. Widerhall von Schmerzensgeschrei erfüllt mein Herz. Verhungernde Kinder, gefolterte Opfer – die ganze Welt der Verlassenheit, der Armut, des Leids, all das macht ein hohnvolles Zerrbild aus dem, was Menschenleben eigentlich sein soll. Es verlangt mich danach, dem Übel zu steuern, allein ich vermag es nicht, und so leide auch ich.

So war mein Leben. Ich habe es lebenswert gefunden, und ich würde es mit Freuden noch einmal leben, wenn sich mir die Möglichkeit böte.

Zitate:

Die Wissenschaftler bemühen sich, das Unmögliche möglich zu machen. Die Politiker bemühen sich oft, das Mögliche unmöglich zu machen.

Es ist ein Jammer, daß die Dummköpfe so selbstsicher sind und die Klugen so voller Zweifel

Wir haben eine doppelte Moral: eine, die wir predigen, aber nicht anwenden, und eine, die wir anwenden, aber nicht predigen.

Die Welt, in der wir leben, läßt sich als das Ergebnis von Wirrwarrr und Zufall verstehen; wenn sie jedoch das Ergebnis einer Absicht ist, muß es die Absicht eines Teufels gewesen sein. Ich halte den Zufall für eine weniger peinliche und zugleich plausiblere Erklärung.

Werke:

Bertrand Russell & A. N. Whitehead: Principia Mathematica.

Denker des Abendlandes. Eine Geschichte der Philosophie.

Macht.

Lob des Müßiggangs.

Warum ich kein Christ bin.

Einführung in die mathematische Philosophie.

Die Analyse des Geistes.

Eroberung des Glücks. Neue Wege zu einer besseren Lebensgestaltung.

Probleme der Philosophie.

Moral und Politik.

In Principa Mathematica wollten Russell und Whitehead darlegen, daß die Mathematik mit Hilfe der Begriffe der allgemeinen Logik ausgedrückt werden könne; das Buch wurde zu einem Meisterwerk rationalen Denkens. Russell und Whitehead bewiesen, daß Zahlen als Klassen einer bestimmten Art definiert werden können, und entwickelten dabei logische Begriffe und eine Schreibweise, die die symbolische Logik zu einem wichtigen Spezialgebiet innerhalb der Philosophie machten. In the Problems of Philosophie beschäftigte sich Russell auch mit Fragen der Soziologie, Psychologie und Physik, um gegen einen Idealismus vorzugehen, der Gegenstände und Erfahrungen als Produkte des Intellekts begriff. Russell wollte hingegen nachweisen, daß alles Gegenstände, die von den Sinnen wahrgenommen werden, eine ihnen innewohnende Realität haben, die vom Geist unabhängig existiert.

Neben seinem Frühwerk lieferte Russell einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des logischen Positivismus. Der bedeutende österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein, der bei Russell in Cambridge studierte, war stark von dessen ursprünglicher Vorstellung des sog. Logischen Atomismus beeinflußt. Mit seiner Suche nach dem Wesen und den Grenzen des Wissens trug Russell wesentlich zur Renaissance des Empirismus als Erkenntnistheorie bei.

Bertrand Russell: Bezeichnungen.

( Auszug aus der deutschen Übersetzung aus seinem Buch „On Denoting").

Eine >> Bezeichnung << nenne ich einen Ausdruck von der Art der folgenden:

Ein Mensch, irgendein Mensch, jeder Mensch, alle Menschen, der gegenwärtige König von England, der gegenwärtige König von Frankreich, der Massenschwerpunkt des Sonnensystems im ersten Augenblick des zwanzigsten Jahrhunderts, die Drehung der Erde um die Sonne, die Drehung der Sonne um die Erde. Demnach ist ein Ausdruck einzig aufgrund seiner Form der Bezeichnung. Wir können drei Fälle unterscheiden.

1. Ein Ausdruck kann eine Bezeichnung sein oder doch gar nichts bezeichnen; z.B. >>der gegenwärtige König von Frankreich<<.

2. Ein Ausdruck kann ein bestimmtes Objekt bezeichnen; z.B. bezeichnet >>der gegenwärtige König von England<<einen bestimmten Mann.

3. Ein Ausdruck kann in unbestimmter Weise bezeichnen; >>ein Mensch<< bezeichnet z.B. nicht viele Menschen, sondern einen unbestimmten Menschen. Die Interpretationen solcher Ausdrücke bietet beträchtliche Schwierigkeiten, und es ist durchaus nicht leicht, überhaupt eine Theorie zu entwerfen, die keiner formalen Widerlegung offenstünde. Allen mir bewußten Schwierigkeiten begegnet, soweit ich erkennen kann, die Theorie, die ich hier vorlegen will.

Die Thematik des Bezeichnens ist nicht nur für die Logik und Mathematik von ungemeiner Wichtigkeit, sondern auch für die Erkenntnistheorie.

Wir wissen beispielsweise, daß der Massenschwerpunkt des Sonnensystems zu einer bestimmten Zeit ein bestimmter Punkt ist, und wir können darüber eine Reihe von Sätzen aussagen, aber wir haben keine unmittelbare Bekanntschaft mit diesem Punkt, über den wir aufgrund einer Beschreibung etwas wissen. Die Unterscheidung zwischen den Dingen, von denen wir Vorstellungen haben, und den Dingen, zu denen wir nur mit Hilfe von Bezeichnungen Zugang finden. Häufig wissen wir nämlich, daß ein bestimmter Ausdruck eine Sache unzweideutig bezeichnet, obwohl uns direkte Bekanntschaft mit dieser bezeichneten Sache fehlt; das ist bei dem Beispiel des Schwerpunktes der Fall. In der Wahrnehmung haben wir Bekanntschaft mit den Objekten der Wahrnehmung, und im Denken sind wir mit Gegenständen von einem abstrakteren logischen Charakter bekannt. Dagegen verbindet uns mit solchen Gegenständen, die durch Ausdrücke bezeichnet werden, nicht die notwendige Bekanntschaft. Wir sind hier nur mit der Bedeutung der Worte bekannt, aus denen der Ausdruck sich zusammensetzt.

Um ein Beispiel zu nehmen:

Angesichts der Tatsache, daß das Bewußtsein anderer Leute sich nicht unmittelbar wahrnehmen läßt, scheint kein Grund zu der Annahme zu bestehen, daß wir damit jemals bekannt sind. Mithin stützt sich unser Wissen hier nur auf Bezeichnungen. Zwar muß alles Denken von unmittelbarer Bekanntschaft ausgehen, aber es gelangt zu einem Denken über viele Gegenstände, mit denen wir nicht unmittelbar bekannt sind.

Meine Theorie lautet in Kürze folgendermaßen. Ich setze den Begriff der Variablen als fundamental voraus, ich gebrauche also >>C(x)<< für einen Satz oder besser eine Satzfunktion, in der x ein Bestandteil ist, wobei die Variable x selber wesentlich und vollständig unbestimmt ist. Nun können wir die beiden Gedanken >>C(x) ist stets wahr<< und >>C(x7) ist manchmal wahr<< ins Auge fassen, und dann lassen sich alles und nichts und etwas, welche den einfachsten, bezeichnenden Ausdrücke sind, auf die folgende Weise interpretieren:

C(alles) bedeutet >>C(x) ist stets wahr<<;

C(nichts) bedeutet >>C(x) ist falsch, ist stets wahr<<;

C(etwas) bedeutet >>Es ist falsch, daß C(x) ist falsch, stets wahr ist<<.

Hier wird also der Gedanke >>C(x) ist stets wahr <<als ein letzter und undefinierbarer genommen, mit dessen Hilfe die übrigen definiert werden. Den Ausdrücken >>alles, nicht, etwas<< kommt allein genommen keine Bedeutung zu, sondern nur jedem Satz, in dem sie erscheinen. Das Prinzip der Bezeichnungstheorie, für die ich eintreten möchte, besteht darin, daß bezeichnende Ausdrücke niemals selber irgendeine Bedeutung haben, sondern daß jeder Satz, in dessen sprachlicher Gestalt sie auftauchen, als Satz eine Bedeutung hat. Die Schwierigkeiten, die man in der Frage des Bezeichnens findet, sind meines Erachtens alles das Resultat einer falschen logischen Analyse von Sätzen, in denen rein sprachlich Bezeichnungen vorkommen. Die richtige Analyse kann, wenn ich mich nicht täusche, auf die folgende Weise durchgeführt werden.

Gesetzt, wir wollen den Satz >>Ich traf einen Menschen<< interpretieren.

Wenn der Sätze wahr ist, dann traf ich einen ganz bestimmten Menschen. Aber das ist es gar nicht, was ich behaupte. Ich behaupte vielmehr, der von mit vertretenen Theorie zufolge: >>Ich traf x, und x ist menschlich<< ist nicht stets falsch.

Allgemein können wir, wenn wir die Klasse der Menschen als die Klasse der Objekte definieren, die das Prädikat >>menschlich<< tragen, das gleiche so sagen:

>>C(ein Mensch)<< bedeutet >>C(x) und x ist menschlich<< ist nicht stets falsch. Dabei bleibt der Ausdruck, >>ein Mensch<< für sich allein betrachtet aller Bedeutung bar, hingegen erhält jeder Satz, in dessen Formulierungen >>ein Mensch<< auftaucht, eine Bedeutung.

Sehen wir uns nun den Satz >>alle Menschen sind sterblich<< an. Dieser Satz ist in Wahrheit hypothetisch und besagt, daß, wenn irgend etwas ein Mensch ist, er dann auch sterblich ist. Das heißt: er besagt, daß, wenn x ein Mensch ist, x sterblich ist, was immer sonst auch x sein mag. Folglich ergibt sich, wenn wir für >>x ist ein Mensch<< setzen: >>x ist menschlich<<:

>>Alle Menschen sind sterblich<< bedeutet wie: >>x ist menschlich<< impliziert >>x ist sterblich<< für alle Werte von x<<. Allgemeiner gewendet:

>>C(alle Menschen)<< bedeutet >>Wenn x menschlich ist, dann ist C(x) falsch<< ist stets wahr.

>>C(kein Mensch)<< bedeutet>>Wenn x menschlich ist, dann ist C(x) falsch<< ist stets wahr.

>>C(einige Menschen)<< wird dasselbe bedeuten wie >>C(ein Mensch)<<, und

>>C(ein Mensch)<< bedeutet>> Es ist falsch, daß >>C(x) und x ist menschlich<< stets falsch ist.

>>C(jeder Mensch)<< wird dasselbe behaupten wie >>C(alle Menschen)<<.

Es bleibt noch übrig, Ausdrücke zu interpretieren, die >>der (die, das)<< enthalten. Dies sind bei weitem die interessantesten und schwierigsten Bezeichnungen.

Eine der ersten Schwierigkeiten für die Anhänger der Auffassung, daß Bezeichnungen einen Sinn ausdrücken und eine Bedeutung bezeichnen, muß bei den Fällen auftauchen, wo eine Bedeutung nicht vorhanden zu sein scheint.

Russells Theorie der Kennzeichnungen ( v. a. in >>On Denoting<<) versucht, den Gebrauch von Satzteilen, die nicht Eigennamen sind, auf eine sichere logische und sprachliche Grundlage zu stellen.

>>Kennzeichnende Ausdrücke<< haben keine Bedeutung in sich selbst, sind >>unvollständige Symbole<< und kommen deshalb nur als Teil von Sätzen vor.

Wichtig sind solche Kennzeichnungen deshalb, weil wir viele Dinge nicht aus unmittelbarer Bekanntschaft, sondern nur aus Beschreibungen kennen, wie >>den Massenmittelpunkt der Sonne<<. Gleichzeitig ist ihre Verwendung von Paradoxien, wie z.B. im Satz >>Der gegenwärtige König von Frankreich hat eine Glatze<<:

Gingen wir die Dinge durch, die eine Glatze haben, und dann die Dinge, die keine Glatze haben, würden wir den gegenwärtigen König von Frankreich nicht unter ihnen finden. >>D.h. er hat eine Glatze und er hat keine, was das Widerspruchsgesetz verletzt.

Russell unterscheidet dazu drei Fälle von Kennzeichnungen:

1. Ein Ausdruck ist eine Kennzeichnung ohne etwas zu Kennzeichnen, z.B. >>Der gegenwärtige König von Frankreich<<.

2. Ein Ausdruck kennzeichnet ein bestimmtes Objekt: >>Die gegenwärtige Königin von England<<.

3. Ein Satz kennzeichnet unbestimmt: >>ein Mann<< kennzeichnet einen unbestimmten Mann.

Im ersten Satz wird so analysiert, daß die Verbindung zweier Sätze behauptet wird: >>Mindestens eine Entität hat die Eigenschaften so-und-so<< und >>Höchstens eine Entität hat die Eigenschaft so-und-so.<< Anders gesagt, eine und nur eine Entität hat die Eigenschaft. So wird >>der gegewärtige König von Frankreich existiert<< analysiert in >>Eine und nur eine Entität ist König von Frankreich<<, was eine falsche Aussage ist und damit auch die Verbindung mit >> und dieser hat eine Glatze<<, weil der erste Teilsatz falsch ist.

Literatur:

Kunzmann Peter, Burkard Franz-Peter, Wiedmann Franz: dtv-Atlas Philosophie, München 2003, 221-222.

Dr. Bubner, R.: Bezeichnungen ( Deutsche Übersetzung von >>On Denoting<<),

289-303.

Weblinks:

http://www.bautz.de/bbkl/r/russel-b.shtml

http://www.pas-berlin.de/chemie/ch-1/wissensch-theorie/russel.html

http://www.tu-harburg.de/rzt/rzt/it/sofie/node41.html

http://www.matheboard.de/lexikon/Bertrand-Russell,definiton.htm

Positivismus (=Lehre vom Tatsächlichen)

Der Positivismus geht zurück auf Auguste Comte (1798-1857).Er formulierte die philosophische Prämisse, dass als Basis für wissenschaftliche Erkenntnis nur Tatsachen zugelassen sind. Unter Tatsachen versteht er wirklich Gegebenes, das man objektiv erkennen kann. Auguste Comte begründet mit seinem Hauptwerk „Abhandlung über die positive Philosophie“ das System des Positivismus, wobei das Ziel seiner wissenschafts-theoretischen Untersuchungen die Frage nach der Entwicklung, Struktur und Funktion von Wissen in der Gesellschaft ist. Grundlage seiner Theorien ist das sog. Dreistadiengesetz. Es betrifft die geistige Entwicklung der Menschheit, die jeder einzelnen Wissenschaft, sowie die des Individuums.

Diese wissenschaftliche Vorgehensweise hat ihren Zielpunkt in der Aufstellung von Theorien, Gesetzen und Hypothesen. Hier findet eine methodische Angleichung der Kultur- und Geisteswissenschaften an die Naturwissenschaften statt, zu deren rasantem Aufschwung im 19. Jahrhundert der Positivismus gewissermaßen die Leitideologie liefert.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die „reine“ (echte) Wissenschaftshaltung. Dieser Begriff richtet sich gegen die naive Gläubigkeit oder gegen eine durch Glauben und Interessen ver- zerrte Wissenschaftshaltung. Da der Positivismus im Verlauf der wissenschaftlichen Entwicklung immer mehr dazu gedrängt wurde, Beweise für Behauptungen vorzubringen, musste er seine Behauptungen – besonders im Bereich des Gesellschaftlichen – immer mehr einengen, um sie beweisen zu können oder ihr Gegenteil entkräftigen zu können. Die übervorsichtige Haltung positivistischer Wissenschaftler verdeutlicht die folgende Anekdote: Zwei Positivisten fahren über Land, auf dem Schafe weiden. Der eine sagt zum anderen: „Sieh, die Schafe sind schon geschoren!“ Darauf der andere: „Was die uns zugewendete Seite anbetrifft, so erweckt sie den Eindruck.“

Der jüngere Neopositivismus versucht den Beweis für schwer belegbare Behauptungen dadurch zu erbringen, dass zuerst einmal möglichst viele von ent-gegen gesetzten oder anderen (die Sache betreffenden) Behauptungen entkräftet werden (è Falsifikation). Dadurch wird dann die erste Behauptung immer wahrscheinlicher.

Auf diese Weise können wieder umfangreiche Behauptungen (=Thesen) über gesellschaftliche Ereignisse und Zusammenhänge gewagt zu werden. Sind alle konkurrierenden Thesen zur selben Sache falsifiziert, so kann die Ursprungsbehauptung (=Hypothese) als einigermaßen gesichert (verifiziert) angesehen werden è Erkenntnistheorie.

Die Mittel, die einem Positivisten zur Verfügung stehen, sind sammeln, beschreiben und klassifizieren von literarischen wie biographischen Materialien. Hauptvertreter in Deutschland waren Wilhelm Scherer (1841-1886) und seine Schüler (Richard Heinzel, Richard Meyer, Franz Munker, Erich Schmidt).

Lebenslauf von Moritz Schlick

14.04.1882: Geburt von Friedrich Albert Moritz Schlick in Berlin

später besuchte er das Luisenstädter Gymnasium in Berlin

nach dem Abitur: Studium der Naturwissenschaften und der Mathematik in Heidelberg,

Lausanne und Berlin

1904: Dissertation bei Max Planck mit der Arbeit „Über die Reflexion des Lichtes

in einer inhomogenen Schicht“

1905-1907: Erhebungen von naturwissenschaftliche Studien in Göttingen, Heidel-

berg, Berlin

1907: Heirat mit Blanche Hardy

1908: Erscheinen von „ Lebensweisheit. Versuch einer Glückseligkeitslehre“

1908-1910: Zweijähriges Studium der Psychologie in Zürich

1911: Habilitation zum Privatdozent an der Universität Rostock mit der Schrift

„Das Wesen der Wahrheit nach der modernen Logik“.

Zehnjähriger Lehr- und Forschungstätigkeit in Rostock. Freundschaft mit Albert Einstein. Schlick arbeitet als einer der ersten über dessen Rel.-Theorie.

1917: Erscheinung von „Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik. Zur

Einführung in das Verständnis der allgemeinen Relativitätstheorie.“

Schlick erhält den Titel eines Professors in Rostock

Im Ersten Weltkrieg zwei Jahre Heeresdienst auf einem Militärflughafen

1918: Erscheinen der „Allgemeinen Erkenntnistheorie“

1921: Schlick wird außerordentlicher Prof. mit Lehrauftrag für Ethik und Natur-

philosophie in Rostock

Sommer 1921: Berufung als ordentlicher Prof. an der Universität Kiel

1922: Berufung Schlicks auf den Lehrstuhl für Naturphilosophie in Wien als

Nachfolger von Ludwig Boltzmann und Ernst Mach.

Begegnung mit Karl und Charlotte Bühler, Heinrich Gomperz u.a.

Ab 1924: Schlick begründet einen wissenschaftlichen Diskussionszirkel, aus

welchem der Wiener Kreis entsteht

Ab 1926: Begegnung und Korrespondenz mit Ludwig Wittgenstein. Rege Lehr-

und Forschungstätigkeit.

Gastprofessur in USA und England.

Wiener Kreis zieht immer mehr internationale Besucher an.

Ab 1929: Herausgeber der Reihe „Schriften zur wissenschaftl. Weltauffassung“

(zusammen mit Philipp Frank, 1929-1937)

1930: Erscheinen von „Fragen zur Ethik“

22.6.1939: Moritz Schlick wird von einem ehemaligen Studenten auf der Treppe

der Wiener Universität ermordet“.

Philosophie war für ihn die logische Erklärung von Begriffen

Seine bedeutendsten Werke waren:

- Das Wesen der Wahrheit nach der modernen Logik, 1910

- Allgemeine Erkenntnislehre, Berlin 1918

- Fragen der Ethik, Wien 1930

- Gesammelte Aufsätze 1926-1936, Wien 1938

Mit diesen Fragen befasste sich der Neopositivist am Liebsten:

Erkenntnis, Wahrheit, Logik und Mathematik

WIENER KREIS

Der Wiener Kreis gehört zu der Gruppe, der neopositivistischen Philosophen. Leiter dieses Kreises war Moritz Schlick. Erstmals trat der Wiener Kreis durch die Veröffentlichung der Programmzeitschrift „wissenschaftliche Weltauffassung“. Der Wiener Kreis hervor. Das Ziel der Philosophen war – im Anschluss an die Forschungen von Ernst Mach – die Vereinigung von Empirismus(=griechisch empeiria, lateinisch experientia= Erfahrung; ist eine erkenntnistheoretische Richtung in der Philosophie und Psychologie, die alle Erkenntnis aus Sinneserfahrungen ableitet. Die Einschränkung der Erkenntnis auf den Bereich der bloßen Erfahrung lässt sich jedoch letztlich nicht halten. Noch nicht einmal der Satz "Alle Erfahrungs-erkenntnis ist wahr" lässt sich aus Erfahrung herleiten. Erst recht gilt dies für den Grundsatz des Empirismus, dass alleine die Erfahrung wahre Erkenntnis gewähr-leiste) und der modernen Logik zu einer Einheitswissenschaft,

wobei die Metaphysik(=Metaphysik ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit Ursprung, Grund und Ziel allen Seins, aber auch einem möglichen höchsten Sein (Natürliche Theologie) befasst. Die Metaphysik ist dabei nicht als Gegensatz zur Physik (respektive Naturwissenschaft) zu verstehen. Sie stellt naturwissenschaftliche Gesetze nicht infrage, sondern befasst sich vielmehr mit Fragestellungen, die sich einer naturwissenschaftlichen Bearbeitung entziehen) abgelehnt wurde.

Grundlegend war das Bemühen, alle wissenschaftlichen Aussagen in eine umfassende formale Sprache (z.B. in die der Mathematik oder Physik) zu übersetzen, um die Objekte der Philosophie (die Sätze, Begriffe und Theorien der Wissenschaft) darzustellen. Der Wiener Kreis erlangte bald internationale Geltung (Polen, Großbritanien, USA, Skandinavien). Die Treffen endeten 1936 nachdem Tod von Moritz Schlick. Viele Mitglieder des Kreises verließen Österreich während des Aufstiegs der Nazis, sodass sich der Kreis bis zum Jahr 1936 auflöste. Seit 1991 besteht in Wien ein Institut „Wiener Kreis“, das sich der Dokumentation, Erforschung und Weiterentwicklung der Philosophie des Wiener Kreises widmet.

Moritz Schlick, über das Fundament der Erkenntnis

Alle großen Versuche der Begründung einer Theorie des Erkennens entspringt aus der Frage nach der Sicherheit menschlichen Wissens, und diese Frage wiederum entspringt aus dem Wunsche nach absoluter Gewissheit der Erkenntnis.

Alle Erfahrungen die ein Individuum in seinem Leben macht, bringen immer den Zweifel mit sich, ob es nur eine Hypothese ist oder nicht. Schon im Altertum wurde damals nach der Gewissheit „geforscht“, da man auch in dieser Zeit immer reine Gewissheit haben wollte, d.h. ein stabiles Fundament, auf welches unsere „menschliche Denkkraft“ festen Boden hat.

In der langen Zeitspanne wurde auf verschiedenste Art und Weise versucht, dass „schwankende Gebäude“ solider zu gestalten. Um „das Problem des letzten Wissensgrund“ aufzuklären, verwendete die Philosophie, oder vielmehr die ent-schiedenen Empirismus, einen neuen Weg einzugehen; die „Protokollsätze“.

Bei den Protokollsätzen handelt es sich um Aussagen, die rein, unverändert und nur rohe Tatsachen wiedergeben. Es wird nichts hinein interpretiert und ebenso wenig wird etwas weggelassen. Somit scheinen diese die absolute unzweifelhaften Aus-gangspunkte aller Erkenntnis zu sein.

Es ist dabei gleichgültig, ob diese sog. Protokollsätze jemals wirklich protokolliert, also tatsächlich ausgesprochen, aufgeschrieben oder auch nur explizit „gedacht“ werden.

Bei diesen Sätzen ist es nur wichtig, dass man weiß, zu welchen Sätzen die wirklich gemachten Aufzeichnungen zurück zuführen sind, und dass diese jederzeit rekon-struierbar sind.

Um Protokollsätze aufzustellen, muss man gewisse Tatsachen festgelegen. Aber welcher Sinn steckt hinter dieser Festlegung? Ist der Beginn im zeitlichen oder logischen Sinne zu Verstehen?

Wie bereits oben erwähnt ist es gleichgültig, ob die Sätze jemals in der Wirklichkeit protokolliert worden sind. Nach diesem Gesichtspunkt kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass diese Sätze zeitlich nicht am Anfang zu stehen brauchen, sondern ebenso gut nachgeholt werden können, wenn es erforderlich sein sollte.

Und man wird es dann erforderlich finden, wenn man sich klar zu machen wünscht, was denn das tatsächlich Aufgeschriebene eigentlich bedeutet. Also wäre die Rede von Protokollsätzen logisch zu verstehen? Dann würden sie durch bestimmte lo-gische Eigenschaften, durch ihre Struktur, ihre Stellung im System der Wissenschaft ausgezeichnet sein, und es entstünde die Aufgabe, nun eben diese Eigenschaften wirklich anzugeben.

Ebenso darf man die zeitlichen Protokollsätze nicht einfach mit den Behauptungen der Wissenschaft stehen lassen. Man muss ja bedenken, dass es sich um das letzte Fundament der Wirklichkeitserkenntnis handelt, dass es nicht genügen kann, die Sätze nur gleichsam als „ideale Gebilde“ zu behandeln, sondern dass man sich um die realen Gelegenheiten, um die in der Zeit eintretenden Ereignisse kümmern muss, in denen das Fällen der Urteile besteht, also um die psychische Akte des „Denkens“, oder die physischen des „Sprechens“ oder „Schreibens“.

Die Frage, die uns zuerst interessieren soll, ist die: welcher Fortschritt ist dadurch erzielt, dass man das Problem der letzten Grundlegung der Erkenntnis mit Hilfe des Begriffs des Protokollsatzes formulierte?

Der Gegensatz beider Ansichten wird meist so ausgesprochen, dass nach der einen, traditionellen, die Wahrheit eines Satzes in seiner Übereinstimmung mit den Tat-sachen bestehe, nach der anderen aber, der „Zusammenhangslehre“, in seiner Übereinstimmung mit dem System der übrigen Sätze.

Wenn die Wahrheit eines Satzes in seiner Kohärenz oder Übereinstimmung mit den anderen Sätzen bestehen soll, so muss man sich darüber klar sein, was man unter „Übereinstimmung“ versteht, und welche Sätze mit den „anderen“ gemeint sind.

Das Kriterium der Widerspruchsfreiheit allein genügt durchaus nicht für die materiale Wahrheit, sondern es kommt ganz und gar auf die Verträglichkeit mit höchst beson-deren eigentümlichen Aussagen an; und es steht nicht im Wege – vielmehr ist es durchaus gerecht fertigt - für diese Verträglichkeit den guten alten Ausdruck „Übereinstimmung mit der Wirklichkeit“ zu gebrauchen.

Bsp.: Märchen

Positivismuskritik:

„+“ : - Auf diese Weise sind entstanden:

· Editionen

· Stoff- und motivgeschichtliche Untersuchungen

· Literaturgeschichten

· Umfassende Biographien (v.a. zu Dichtern)

· Nachschlagewerke

· Mit umfangreichem, faktenbezogenem Material versehene Werksausgaben

- Editionsphilologie;

· diskutiert Regeln für die Editionen (=Herausgabe von Texten)

· höchstes Gut sind historisch-kritische Ausgaben

- genaues Quellenstudium und Offenlegen vieler unbekannter Texte lassen Autor und

Werk in einem neuen Licht erscheinen.

„-“ : - Perspektive der Positivisten auf die Literatur blieb eingeschränkt:

· mechanischen Sammlung der Daten

· keine Interpretation bzw. Deutung

- Drei Gegenpositionen zum Positivismus in den ersten Jahren des 20. Jhrdt

· Geistesgeschichtliche Strömung

- wendet sich gegen das scheinbar naturwissenschaftliche

Selbstverständnis der positivistischen Literaturwissenschaft

- Dilthey ordnet den Naturwissenschaften das Erkenntnisziel

„erklären“ zu, den Geisteswissenschaften das Erkenntnisziel

„verstehen“

· Formtypologische Untersuchungen

- ist der Versuch, zahlreiche positivistische Datenmenge zu sortieren,

um so zu genaueren Gattungs- oder Epochenbegriffen zu gelangen

· Neuromantisch-nationalistische Germanistik

- Fühlte sich berufen, die vom Positivismus hinterlassene kulturelle

Leere im neuen Kaiserreich zu füllen

Literaturangabe:

- http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/methoden/positivis mus.htm vom 15.07.2004

- Peter Kunzmann u.a., dtv-Atlas Philosophie, S.165,

Deutscher Taschenbuch Verlag, München Dezember 2003

- http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_soz/o_r/positivi.htm

vom 15.07.2004

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- http://www.matheboard.de/lexikon/Empirismus,definition.htm vom 15.07.2004

- Hans-Georg Gadamer, Philosophisches Lesebuch Band 3,

Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, Januar 1989

 

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