Hermeneutik

Erklären und Verstehen nach Georg Henrik von Wright

 

 

1       Georg Henrik von Wright

 

2       Hermeneutik

 

3       Erklären und Verstehen

 

3.1    Anknüpfung an die Aristotelische Tradition

 

3.2    Verhalten und Handeln

- „Verhalten“ wird als Grundbegriff verwendet

- „Handlungen“ bieten eine mögliche intentionale Erklärung

 

3.3    Ergebnis und Folge einer Handlung

- Als Ergebnis wird bezeichnet, wenn es eine logische notwendige Bedingung infolge

einer Handlung darstellt (logische Konsequenz).

- Die Folge oder Wirkung einer Handlung ist ein Bestandteil des äußeren Aspekts, die

zeitlich auf das Ereignis der Handlung folgt.

 

3.4    Die intensionalistische Erklärungstheorie (IE)

 

3.4.1 Der Praktische Syllogismus im Vergleich mit dem kausalistischen Erklärungsschema (KS) oder der Ducasse – Satz.

Der Grundgedanke der intensionalistischen Erklärungstheorie (PS) entspricht dem des Praktischen Syllogismus (KS).

Der Unterschied besteht darin, dass das (KS) in seiner Prämisse eine allgemeingültige Gesetzmäßigkeit beinhaltet.

 

3.4.2 Das kognitive Element der Intension

Damit die Person ihre Intention in die Tat umsetzen kann, ist es notwendig ein kognitives Element hinzuzufügen, nämlich das Wissen darum, wie der Gegenstand ihrer Intension herbeigeführt/verwirklicht werden kann.

 

3.4.3 Der Zeitindex

 

3.4.4 Der Vergleich mit der Entscheidungstheorie

Der Vergleich zeigt, dass die (IE) folgende Aspekte außer Acht lässt:

- dass der Handelnde mehrere Wünsche oder Ziele hat, zwischen denen er wählen muss

- dass  mehrere Möglichkeiten der Zielerreichung existieren

- dass er zwischen den zu wählenden Mitteln, sowie zwischen den Wünschen Präferenzen hat.

 

3.5    Das Verhalten des Individuums als Mitglied der sozialen Gemeinschaft

 

3.5.1 Parallelen und Unterschiede zwischen Natur- und Sozialwissenschaften

 

3.5.2 externe Determinanten

 

3.5.3 Normativer Druck

Der Handelnde nimmt als Mitglied der Gesellschaft teil an „institutionalisierten Verhaltensformen und – Praktiken“, die er sich während seiner Erziehung zu einem Mitglied der Gemeinschaft angeeignet hat.

Die Person lernt zu beurteilen, wann sie nach einem Verhalten positive oder negative Folgen erwarten kann und richtet u.a. danach sein Handeln aus.

 

3.5.4 Internalisierung externer Faktoren

Die Befolgung institutionalisierter Regeln geschieht durch deren innerliche Aneignung Begründbar dadurch, dass dies für die einzelnen Gesellschaftsmitglieder von Vorteil ist. Die Person handelt sozusagen aus der Einsicht in die Vorteile, die diese Regeln ihr selbst bringen.

 

3.5.6 Pflicht und Neigung oder Logik der Ereignisse

Die vier Determinanten:

- Bedürfnisse und Wünsche

- Pflichten

- Fähigkeiten

- Gelegenheiten

Das Zusammenspiel dieser vier Komponenten fasst v.W. als Logik der Ereignisse zusammen.

 

3.6    Erklärung menschlicher Aktivitäten durch eine mehrstufige Analyse

 

 

4  Zusammenfassung

 

 

 

 

 

Biographie von Georg Henrik von Wright

 

Georg Henrik von Wright geboren am 14. Juni 1916 in Helsingfors / Helsinki war ein finnischer Philosoph, politischer Denker und Logiker, nach dem Vorbild Aristoteles.

 

Sein Philosophieprofessor Eino Kaila fragte von Wright: „Was interessiert sie mehr, Psychologie oder Logik?“ und er antwortete „Logik!“. Kaila gilt als führender Vertreter des logischen Empirismus und stand im engen Kontakt zum Wiener Kreis.

 

1939 vervollständigte der junge von Wright sein Studium in Cambridge, wo er von Ludwig Wittgenstein unterrichtet wurde. Die beiden verband eine tiefe Freundschaft.

 

In Helsingfors begann von Wright seine akademische Lehrtätigkeit als Professor für Philosophie.

1948 als Wittgenstein aus seinem Amt in Cambridge austrat, wurde von Wright sein Nachfolger. Diese Professur gab er schon bald 1951 kurz nach dem Tod Wittgensteins auf und ging zurück nach Finnland. Motive dafür waren u. a. Heimweh, Familienangelegenheiten, aber auch, dass ihm England nach dem Krieg zu wenig dynamisch vorkam.

Im selben Jahr erschien sein Aufsatz über die deontische Logik, durch die er zum Begründer der modernen Normenlogik wurde.

1963 wurden zwei Bücher von Wright veröffentlicht: Norm and Action und Varieties of Goodness.

1971 erschien sein wohl bekanntestes Buch: Explanation and Understanding (Erklären und Verstehen)

Mit diesem Buch wollte von Wright eine Brücke zwischen der analytischen Philosophie und der Hermeneutik schlagen.

 

Von Wright wandte sich nach dem Vietnam-Krieg auch der Politik zu. Im Herbst 1967 schrieb er eine Analyse über die amerikanische Aggression.

Er wird als Zivilisationskritiker und „Stimme des Gewissens“ bezeichnet.

Von Wright beschäftigte sich u. a. mit dem Entwicklungsoptimismus, den er als falsch bezeichnete. Themen wie die Umweltbelastung, Klimaveränderung, die Verbreitungsgefahr atomarer Waffen und Terrorismus nahm er ernst.

 

Seiner Meinung nach entfremdet sich der Mensch durch technologische Entwicklung immer weiter von der Natur, bis er kein Teil mehr von ihr ist und es entsteht eine Diktatur der Verhältnisse.

 

Er sah die Demokratie in Gefahr, da die übernationalen, gigantischen Industrieunternehmen nicht mehr innerhalb von politischen Systemen operieren, sonder über diesen stehen. Politiker entscheiden nach dem Interesse des Technosystems.

 

Von Wright bezeichnete sich selbst als provokanter Pessimist, wobei er einen Optimisten als einen meist schlecht informierten Pessimisten hielt.

„Wer mit dem Stand der Dinge zufrieden ist, schert sich nicht um ihre Schattenseiten, die es ja auch gibt“, so von Wright wörtlich in einem Interview.

 

Georg Henrik von Wright starb in seinem Haus in Helsinki am 16. Juni 2003, im Alter von 87 Jahren.

 

 

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Hermeneutik

 

Hermeneutik vom griechischen hermeneutiké téchne ist die Kunst des Interpretierens, Übersetzens, Erklärens und Auslegens.

 

Hermeneutik leitet sich her, von dem griechischen Götterboten Hermes, der den Menschen den Götterwillen immer verschlüsselt gebracht hat.

Ursprünglich ist es die Lehre von Verstehen eines Textes.

 

In der Spätantike versteht man unter Hermeneutik die juristische Auslegung der Gesetze und die theologische oder philosophische Interpretation von heiligen oder klassischen Texten. Renaissance und Reformation knüpften an diese Tradition an, indem sie die Überlieferung klassischer Texte wieder entdeckten und die Fragwürdigkeit der üblichen Bibelauslegung erkannten.

Um 1500 stellte die Hermeneutik Methodenregeln auf, für die konkrete Auslegung theologischer und klassisch –humanistischer Texte.

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Hermeneutik eher als Kunstlehre aufgefasst, die die richtige Rekonstruktion der psychischen Zustände der Autoren in deren Texten sichern sollte.

 

Schleiermacher versteht Hermeneutik als eine universale Lehre des Verstehens und Auslegens. Von diesem Zeitpunkt an geht es in der Hermeneutik um Verstehen (im Gegensatz zum Erklären).

 

Die Anwendungsgebiete der Hermeneutik sind verschieden.

Hermeneutik hat eine große Bedeutung bei der Auslegung von Texten, Kunstwerken oder Musikstücken.

Auch in der Theologie findet die Hermeneutik in Form der Biblischen Hermeneutik Anwendung. Zur Debatte steht z. B. inwieweit biblische Texte wörtlich zu verstehen sind.

Die Hermeneutik versteht Hans Georg Gadamer als Weltdeutung und prägte so die hermeneutische Philosophie.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Rechtshermeneutik, die sich mit der Anwendung und Interpretation von Gesetzestexten befasst. Sie stellt sich die Frage, ob das Gericht die Gesetzestexte wörtlich verstehen muss oder ob es Spielraum für eine übertragene Anwendung gibt.

In der Wissenschaftstheorie wird die Hermeneutik (Geisteswissenschaft) der Naturwissenschaft gegenübergestellt, wobei die Naturwissenschaften erklären und nach Ursachen suchen (erklären den Tod medizinisch) und die Geisteswissenschaften versuchen den Sinn zu verstehen (fragen was der Tod ist).

Die Sozialwissenschaften unterscheiden zwischen subjektiver und objektiver Hermeneutik. Die subjektive Hermeneutik meint das einfühlende Verstehen und die objektive Hermeneutik vertritt die tatsächliche Botschaft.

Die objektive Hermeneutik stellt eine Methode der qualitativen Sozialforschung dar.

 

Eines der größten Probleme der Hermeneutik kristallisiert sich aus der Unterscheidung zwischen dem vorliegenden Text, mit einem manifesten Inhalt und den nicht unmittelbar ersichtlichen, tieferen Bedeutungen, die interpretativ erschlossen werden.

 

Die meiste Kritik betrifft die Glaubwürdigkeit hermeneutischer Aussagen.

 

 

 

 

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Anknüpfen an die Aristotelische Tradition

 

Als Ausgangspunkt für das Erklären und Verstehen menschlichen Verhaltens dient v. Wright der Praktische Syllogismus (PS) von Aristoteles.

In dessen Grundform zwei Urteile zu einem logischen dritten verknüpft werden. Für  v. W. galt es darzulegen, dass der PS ein adäquates Erklärungsmodell für das menschl. Handeln bietet.

In gleicher Weise, wie dies das Subsumtionsmodell durch allgemein gültige Gesetze für die Naturwissenschaft vollbringt.

 

Zunächst sollten zum besseren Verständnis noch einige Begriffe definiert werden:

 

Definition Verhalten und Handeln

  1. Verhalten verwendet v. W. als Grundbegriff
  2. Handlungen bieten eine mögliche intentionale Erklärung

 

 

                                                     Handeln

 

 

Innerer Aspekt                                                                 Äußerer Aspekt

=> Intentionalität                                                             => behavioristische Makrosprache

 

 


                                                        unmittelbar                                     entfernter

                                                        -> Muskeltätigkeit                          -> Ereignisse, die                                   

                                                                                                                      durch Muskel-   

                                                                                                                       tätigkeit erzeugt

                                                                                                                       werden     

 

 

                                                                                                 Ergebnis                             Folge

 

Ergebnis und Folge einer Handlung

Ergebnis: Als Ergebnis wird bezeichnet, wenn es eine logische notwendige Bedingung infolge

                Handlung darstellt (logische Konsequenz).

Folge:      Die Folge oder Wirkung einer Handlung ist ein Bestandteil des äußeren Aspekts,

                die zeitlich auf das Ereignis der Handlung folgt.

 

Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

 

  1. X drehte den Fenstergriff und als Folge davon öffnete sich das Fenster und der Raum      

kühlte ab.

  1. X öffnete dadurch, dass er den Fenstergriff drehte, das Fenster und als Folge davon

kühlte der Raum ab.

  1. X führte eine Abkühlung der Zimmertemperatur dadurch herbei, dass er das Fenster

Öffnete, was er dadurch bewirkte, dass er zuvor den Fenstergriff drehte.

 

Der innere Aspekt, die Intension, besteht in der Absichtlichkeit mit welcher die Person die Handlung vollzog. Das Ergebnis einer Handlung wird auch als „Objekt der Intension“ bezeichnet.

Allerdings ergibt sich bei genauerer Betrachtung die Schwierigkeit eine Handlung zu benennen, da diese abhängig davon ist, was der Betrachter als Ergebnis ansieht. Im gleichen Zuge ist die Intension des Handelnden abhängig von der Beschreibung für die man sich ent-

Scheidet.

Man kann also feststellen, dass es möglich ist, bei ein und demselben Verhalten von verschiedenen Handlungen zu sprechen.

 

 

Die intensionalistische Erklärungstheorie

 

Der praktische Syllogismus im Vergleich mit dem (KS) od. Der Ducasse-Satz

 

Der Grundgedanke der intentionalistischen Erklärungstheorie findet sich zur Vereinfachung in Anlehnung an den Praktischen Syllogismus.

Er soll den Zusammenhang zwischen Erklären und Verstehen deutlich machen.

V.W. nimmt hier den Vergleich mit dem kausalistischen Erklärungsschema (KS), welches nach dem Subsumtionsmodell verfährt und dessen Prämisse ein allgemeines Gesetz beinhaltet zur Hilfe.

 

(PS)  1. X intendiert, p zu verwirklichen.

         2. X glaubt (ist der Überzeugung), dass er p nur dann herbeiführen kann, wenn er q tut.

         3. Daher schickt sich X an, q zu realisieren.

 

(KS) 1’ X intendiert, p zu verwirklichen.

         2’ X glaubt, dass er p nur dann herbeiführen kann, wenn er q tut.

         3’ Wenn immer jemand p intendiert und glaubt, dass q für p kausal notwendig ist, so

              realisiert er q.

         4’ Daher schickt sich X an, q zu realisieren.

 

Den Unterschied der beiden Schemata stellt die Prämisse 3’ des (KS) dar, welche eine Gesetzmäßigkeit beinhaltet, wie nach dem Subsumtionsmodell üblich.

Die Prämisse wird auch der „Ducasse – Satz“, nach seinem erstmaligen Anwender Ducasse, genannt. Er versuchte ebenfalls mit dessen Hilfe das Subsumtionsmodell für die Erklärung menschlichen Handelns anzuwenden.

Nach v.W. ist der Ducasse – Satz gänzlich unnötig zur Erreichung seines Zieles und stellt daher Überlegungen in anderer Richtung an.

 

 

Das kognitive Element der Intension

 

Wie verhält es sich, wenn X zwar eine Theaterkarte kaufen kann, jedoch nicht zum Ticketschalter kommt, entweder weil er nicht weiß wie oder weil er zwar weiß wie, aber kein Geld für Bus oder Bahn hat?

In diesem Fall wäre (PS) ungültig, da die Conclusion nicht einträte.

Deshalb ist es notwendig in der Prämisse 1 dem Ausdruck „intendieren“ ein kognitives Element hinzuzufügen, nämlich ein Wissen darum, wie der Gegenstand seiner Intension/ seines Vorhabens herbeigeführt werden kann.

 

 

 

 

Der Zeitindex

 

Eine weitere Ergänzung bildet der Zeitindex.

Denn das Objekt einer Zielsetzung, die Intension also, liegt gewöhnlich in der Zukunft.

Die Prämisse 1 muss also lauten:

 

X intendiert von jetzt an, p zur Zeit t zu verwirklichen.

 

Ebenso muss für q ein Zeitindex t’ gelten um  p zur Zeit t verwirklichen zu können.

Zusätzlich darf X weder den Zeitpunkt t’ noch seine Intention vergessen.

Genauso darf X nicht davon abgehalten werden seine Intention in die Tat umzusetzen.

 

 

Die entgültige Fassung der (IE) lautet:

 

P(1): X intendiert von jetzt an, p zur Zeit t zu verwirklichen.

P(2): X glaubt von jetzt an, dass er p nur dann zur Zeit t verwirklichen kann, wenn er q nicht

         Später als zur Zeit t’ tut.

P(3): X vergisst weder seine Intention noch die Zeit t’; außerdem wird X nicht davon abge-

         Halten, q zu tun.

P(4): Daher schickt sich X nicht später als zu der Zeit, da er t’ für gekommen erachtet, an, q

         Herbeizuführen.

 

 

Kritik

 

Das Schlussschema liefert allerdings noch keine vollständige Erklärung davon, warum der Mensch so handelt, wie er es tut.

Deutlich wird dies, wenn man die (IE) den Überlegungen der Entscheidungstheorie gegenüberstellt. Jene berücksichtigt u.a., dass der Handelnde

 

  1. mehrere Wünsche oder Ziele hat, zwischen denen er wählen muss
  2. mehrere Möglichkeiten der Zielerreichung existieren
  3. zw. den zu wählenden Mitteln, sowie zw. den Wünschen Präferenzen hat

 

Zusätzlich beachtet die Entscheidungstheorie den Wünschbarkeitsgrad und die Wahrscheinlichkeit (wie sehr).

Welche Voraussetzungen sind aber dazu notwendig menschliches Verhalten zu erklären?

Nach einem Kritiker v. W.’s  müsste im (IE) letztendlich eine allgemeine Gesetzesaussage in die Prämissen mit aufgenommen werden, die den Menschen als rational Handelnden sieht.

Was bedeuten würde, dass der  Handelnde weder Fehler in der Lagebeurteilung beginge, noch sich in seinen Überlegungen und Entscheidungen von Emotionen beeinflussen ließe.

Unter solchen Ausgangsbedingungen würde der Mensch zu einem idealisierten rationalen Wesen, fern ab von jeglicher Realität. Somit käme man mit der Aufnahme einer allgemeingültigen Gesetzesaussage im Sinne einer logischen Schlussfolgerung nicht weiter.

(kausalistisch)

 

 

 

 

 

 

 

Soziale Institutionen und normative Determinanten menschlichen Handelns.

 

Zwischen den Naturwissenschaften einerseits und den Wissenschaften vom Menschen, also der Historie und der Sozialwissenschaften andererseits bestehen eine methodologische Parallelität und fundamentale Unterschiede.

 

Parallelen: Die Naturwissenschaft studiert Phänomene, soweit diese von Naturgesetzen beherrscht werden, während die Wissenschaft vom Menschen Phänomene untersucht, die der Herrschaft von sozialen Institutionen und Regeln unterliegt.

 

Unterschiede: Die Naturgesetze sind deskriptiv während die sozialen Regeln normativen Charakter haben.

 

Von Wright wählt als methodischen Ausgangspunkt sein intentionalistisches Erklärungsschema.

 

Bespiel:

 

X hat zur Erreichung eines Ziels mit der Ausführung von q begonnen. Seine Intention und seine epistemische Haltung können als Determinanten seiner Handlung bezeichnet werden. Ist die Ausführung von q hinreichend, aber nicht notwendig für die Zielerreichung, da es noch anderer Mittel gibt. So kann man nicht beanspruchen die tatsächlich ausgeführte Handlung erklärt zu haben. Determinanten dieser Art sind interner Natur.

 

Dazu kommen noch externe Determinanten. Diese kann man summarisch unter der Bezeichnung „Teilnahme an institutionalisierten Verhaltensformen und –praktiken" zusammenfassen.

 

Häufig vorkommende Arten dieser Teilnahme:

Reaktion auf eine symbolische Herausforderung: Bitte erfüllen, Befehl gehorchen, stehen bleiben, weil die Ampel auf Rot zeigt.

 

Von solchen speziellen Fällen symbolischer Herausforderung kommt man auf einer allgemeineren Ebene der Betrachtungen dazu, Erklärungen zu akzeptieren, die auf Gesetze, einen Moralkodex und tradierten Gewohnheiten verweisen.

 

Unter normativen Druck versteht von Wright den Motivationsmechanismus, der die Glieder einer Gemeinschaft dazu bringt, an den institutionalisierten Verhaltensnormen teilzunehmen. Die Abweichung von diesen Regeln hat unangenehme Folgen für den Handelnden. Sei es wie im Fall rechtlicher Normen, bei dem die Folgen institutionalisiert sind oder bei moralischen Normen, die in Missbilligung oder Vertrauensverlust durch die anderen Mitglieder der Gemeinschaft enden.

 

Oft treten Schwierigkeiten bei der Beantwortung der Fragen auf, warum jemand im Einklang mit derartigen Normen lebt. Zum besseren Verständnis muss man auf die Internalisierung externer Faktoren zu sprechen kommen. Der Ausdruck Internalisierung ist hier auch als innerliche Abneigung beschreibbar.

 

Institutionen haben eine soziale Funktion, sie liegen im öffentlichen Interesse. Es wird dabei davon ausgegangen, dass die Regelbefolgung für die einzelnen Glieder von Vorteil ist. Jemand hat die Regeln innerlich angeeignet weil er sie akzeptiert und nicht weil er sich dem normativen Druck beugt.

 

Bezieht man den Freiheitsbegriff ein, kommt man zu einer Doppeldeutigkeit. Eine erste Art der Unfreiheit besteht darin, dass das stets unter normativem Druck handelt. Diese wird durch die innerliche Aneignung der gesellschaftlichen Normen überwunden.

 

Eine zweite Art von Unfreiheit besteht aber gerade in dieser Abneigung.

 

Die Einbeziehung des normativen Druckes sowie der externen Verhaltensdeterminanten bereichert die Erklärungen menschlicher Handlungen um eine weitere Dimension, die des zeitlichen Querschnittes.

 

Daneben besteht die Erweiterungsmöglichkeit nach einer zweiten Dimension, der des zeitlichen Längsschnittes.

 

Warum haben die Menschen diejenige Intentionen, welche sie tatsächlich haben? Vier Klassen von determinierenden Faktoren lassen sich hierfür angeben:

Bedürfnisse und Wünsche, Pflichten, Fähigkeiten und Gelegenheiten.

 

In Fällen in denen man nur einen Faktor der ersten Art anführt, kommt man rasch ans Ende seines Fragens. Warum beabsichtigst du ins Konzert zu gehen? Weil ich mir die fünfte Sinfonie von Anton Bruckner anhören möchte. Selbst durch weiteres Fragen, kommt man nicht zu tieferen Determinanten des Handelns.

 

Komplizierter sind Faktoren der zweiten Klasse. Es ergibt keinen Sinn zu fragen warum du gesund sein möchtest, weil es ein natürliches Bedürfnis ist.

 

Die dritte Klasse, die Fähigkeiten eines Menschen, bestimmen seine Handlung nicht positiv sondern negativ. Sie stecken den Horizont oder den Bereich der menschlichen Handlungsfreiheit ab.

 

Die vierte Klasse sind die Gelegenheiten. Wollen, Wissen, Können nützen nichts, wenn nicht die Gelegenheit zur Handlung gegeben ist.

 

Dieses Komplizierte Zusammenspiel nennt von Wright, Logik der Ereignisse.

 

Warum hast du das getan?

 

Die Antwort gilt als ausreichend, wenn der Befragte die erwünschte Rechtfertigung gibt. Von einer hypothetischen Rechtfertigung sprechen wir dann, wenn die Frage nicht in der zweiten sondern in der dritten Person gestellt wurde. Warum hat er das getan?

 

Im historischen Fall ist man fast immer auf die hypothetische Rechtfertigung angewiesen, da die Person nicht mehr lebt.

 

Die Erklärung der menschlichen Aktivität als eine komplexe Erscheinung durch eine mehrstufige Analyse:

 

  1. Die intentionale Detailerklärung

 

  1. hypothetische Rechtfertigung

 

  1. Die Fähigkeiten und die Gelegenheiten