Thema: Positivismus von Moritz Schlick &
Bertrand Russell
Positivismuskritik
Lebenslauf von
Bertrand Russell ( 1872 – 1970)
Bertrand ( Arthur
William) Russell, 3rd Earl R., einer der bedeutendsten Logiker des
20. Jahrhunderts, Mathematiker, Philosoph, Pädagoge, Literaturnobelpreisträger,
Pazifist.
Er wurde am 18. Mai 1872 von Lord John Amberlys und
seiner Frau Lady Kate in Südwales geboren. Nach dem frühen Tod seiner
progressiv-liberalen gesinnten Eltern kommt Bertrand Russell im Alter von 3
Jahren zu den Eltern seines Vaters, die sich hinfort um seine Erziehung
kümmern. Seine Großmutter, eine politisch und religiös liberale, aber in
moralischen Belangen äußerst strenge Frau, wird für ihn die bedeutungsvollste
Person seiner Kindheit.
Von 1890-94 besuchte er das Trinity College in
Cambridge, wo er später auch als Fellow
( 1895-1901) und Lecturer ( 1910-16) tätig ist.
Bertrand Russell beschäftigt sich zunächst hauptsächlich mit
logisch-mathematischen Arbeiten und veröffentlicht schließlich zusammen mit A.
N. Whitehead die >Principa mathematica<, eines der wichtigsten Werke der
modernen Logik. Sind es in der mathematischen Logik der Aufweis von Antinomien
der Mengenlehre G. Freges ( welche durch Selbstanwendungen entstehen) und ihre
Vermeidung durch einen
>typentheoretischen< Aufbau ( durch welche
Selbstanwendungen ausgeschaltet werden), so ist es in der Theorie der
Erkenntnis die „Philosophie des logischen Atomismus“ ( der Versuch, komplexe
„molekulare“ Aussagen auf einfache „atomare“ zurückzuführen und nur für die
letzteren Tatsachen zugrundezulegen), die die philosophische Diskussion
nachhaltig bestimmen.
Sein enormes Arbeitspensum verhindert indessen
keineswegs sein politisches Engagement. Er hat Kontakt zu führenden Sozialisten
( S. Webb und B. Shaw), setzt sich für das Frauenstimmrecht ein und ist ein
vehementer Gegner des 1. Weltkrieges. Sein unbeugsames Eintreten für seine Überzeugungen
führt zu seiner Entlassung und 1918 sogar zu einer Gefängnisstrafe. Bertrand
Russells Grundhaltung ist pazifistisch, gleichwohl lehnt er den Krieg gegen die
Nazis als letztes verbleibendes Mittel nicht ab. Zwischen den Weltkriegen
unternimmt er zahlreiche Studien- und Vortragsfahrten und bereiste die
Sowjetunion, China und die Vereinigten Staaten von Amerika.
Neben den daraus resultierenden
gesellschaftlich-politischen Arbeiten verfaßt er auch Schriften, in denen er
seine Auffassungen zur Religion ( z.B. >Warum ich kein Christ bin<, 1927)
und zur Pädagogik ( z.B.> On Education<,1926) zum Ausdruck bringt, um die
letzteren in die Praxis umzusetzen, gründete er 1931 die Beacon Hill School,
ein Schulversuch der trotz seines Scheiterns einen grossen Einfluss hatte.
1940/ 41 wurde eine Professur am College of New
York durch die Anti-Russell-Bewegung verhindert, die ihn u.a. wegen seiner
Forderung nach gesetzlicher Tolerierung der Homosexualität angriff.
1944 wird er erneut Fellow am Trinity College. Erstmals
werden seine Reden im Rundfunk übertragen. Die Aix-Provence verlieh ihm 1949
die Ehrendoktorwürde und er wurde in England mit dem Order of Merit
ausgezeichnet.
1950 erhält er den Nobelpreis für Literatur für
seine präzise wissenschaftliche Prosa.
1952 heiratet er achtzigjährig, zum vierten Mal. Er
setzt sich für ein Atomwaffenverbot und den Frieden ein. Bertrand
Russell ist Mitbegründer der >
>Atlantic
Peace Foundation< (1963). Zusammen
mit Jean Paul Satre veranstaltet er 1967 in Stockholm ein
>Vietnam-Tribunal<, daß auf der gleichen rechtlichen Grundlage wie die
Nürnberger Prozesse- über die den Amerikanern zur Last gelegten
Kriegsverbrechen im Vietnamkrieg entscheiden soll.
Bis zuletzt ist Bertrand Russell in theoretischer
und politisch-praktischer Hinischt aktiv. Noch als Achtundachtzigjähriger wurde
er 1961 wegen „Aufhetzung der Öffentlichkeit und gegen die Staatsgewalt“ – er
nahm an einem Sitzstreik teil – zu zwei Monaten Haft verurteilt. Nach
öffentlichen Protesten wurde er nach einer Woche wegen „ärztlicher Bedenken“
entlassen.
Er stirbt im Alter von 97 Jahren am 2. Februar 1970
in Penrhyndendraeth (Wales).
Russells Philosophie:
Russell war beeindruckt von der Gewißheit der
mathematischen Erkenntnis, der Sinnerfahrung und der Naturwissenschaft. Dieser
Gewißheit glaubte er am ehesten durch den Nachweis gerecht zu werden, daß die
Mathematik ein der Teil der Logik ist. Daher schloß er sich Freges Programm des
Logizismus an, durch welches alle mathematischen Begriffe definitorisch auf
Begriffe der Logik zurückgeführt werden und alle mathematischen Theoreme auf
der Basis solcher Definitionen unter ausschließlicher Benutzung logischer Prinzipien
bewiesen werden sollte. Bei seinen Bemühungen um die logische Grundlegung der
Mathematik stieß Russell auf eine Paradoxie, die man heute Russell`s Paradoxie
nennt.
Aus dem Bestreben, das logizistische Programm unter
Vermeidung der mengentheoretischen und verwandten Paradoxien für die gesamte
Mathematik anzuwenden, erwuchsen die gemeinsam mit A. N. Whitehead verfaßten
Principa Mathematica ( 1910-1913). Die dort durchgeführte Analyse der
Antinomien ergeben, daß sie durch fehlerhafte Definitionen zustande kommen.
Russell kritisierte die Religionen als unwahr und
schädlich in ihren Auswirkungen. Für schädlich hält er z.B., daß ein
unerschütterlicher Glaube als Wert angesehen wird.
Gegenargumente, die Zweifel verursachen, müssen
daher unterdrückt werden. Das verhärtet den Glauben auf beiden Seiten und
bereitet den Boden für Kriege. Die Überzeugung, daß es wichtig ist, etwas zu
glauben, obwohl unabhängige Untersuchungen diesen Glauben nicht bestätigen
würden, ist etwas, daß fast allen Religionen gemeinsam ist und alle staatlichen
Bildungseinrichtungen beeinflußt. Diese Konsequenz ist, daß die geistige
Entwicklung der Jugendlichen gehemmt wird und dass sie erfüllt werden von
fanatischer Feindschaft gegenüber denen, die einem anderen Fanatismus anhängen
oder, was noch schlimmer ist, gegenüber denen, die Fanatismus überhaupt
ablehnen. Eine Haltung, die die Überzeugungen auf Beweise und Gründe aufbaut,
würde die meisten Übel, an der die Welt leidet, kurieren.
Ein Weiterleben der Seele nach dem Tode hält er für
Wunsch denken. Er weist darauf hin, daß die Persönlichkeit, die Erinnerungen
und Eigenarten eines Menschen an seine Gehirnstruktur gebunden ist. Bereits
durch eine geringfügige Gehirnverletzung kann das Gedächtnis ausgelöscht
werden. Ein intelligentes Kind kann bereits durch Jodmangel schwachsinnig
werden. Angesichts solcher bekannten Tatsachen ist es kaum wahrscheinlich, daß
der Geist den totalen Zerfall der Gehirnstruktur übersteht, wie es durch den
Tod geschieht. Es sind nicht rationale Argumente sondern Emotionen, die den
Glauben an ein Leben nach dem Tode hervor rufen. Die wichtigste dieser
Emotionen ist die Todesangst, die instinktiv und biologisch sinnvoll ist. Es
zeigte sich aber in der Geschichte der Menschheit, daß der Glaube an das
Paradies großen militärischen Wert hat, da er die natürliche Kampfbereitschaft
erhöht. Es ist offensichtlich, daß Militaristen klug handeln, wenn sie den
Glauben an die Unsterblichkeit fördern.
Trotz seiner zahlreichen Aktivitäten war Russell
zeitlebens hauptsächlich als Schriftsteller tätig. Neben 70 Büchern zur
Mathematik, Philosophie, Politik und Pädagogik verfaßte er unzählige Aufsätze
und war weltweit auf Vortragsreisen unterwegs. Bevor er 1970 fast hundertjährig
starb, konnte er auf ein erfülltes Leben zurückblicken.
Er sagte:
Drei einfache, doch übermenschliche Leidenschaften
haben mein Leben bestimmt: das Verlangen nach Liebe, der Drang nach Erkenntnis
und ein unerträgliches Mitgefühl für die Leiden der Menschheit. Gleich heftigen
Sturmwinden haben mich diese Leidenschaften bald hier-, bald dorthin geweht in
einem launenhaften Zickzackkurs über ein Weltmeer von Qual hinweg bis zum
letzten Rand der Verzweiflung.
Nach Liebe trachtete ich, einmal, weil sie
Verzückung erzeugt, eine Verzückung so gewaltig, dass ich oft mein ganzes, mir
noch bevorstehendes Leben hingegeben haben würde für ein paar Stunden dieses
Überschwangs. Zum anderen habe ich nach Liebe getrachtet, weil sie von der
Einsamkeit erlöst, jener entsetzlichen Einsamkeit, in der ein einzelnes
erschauerndes Bewußtsein über den Saum der Welt hinab blickt in den kalten,
leblosen, unauslotbaren Abgrund. Und letztens habe ich nach Liebe getrachtet,
weil ich in der liebenden Vereinigung, in mystisch verkleinertem Abbild, die
Vorahnung des Himmels erschaute, wie er in der Vorstellung der Heiligen und
Dichter lebt. Danach habe ich gesucht und, wiewohl es zu schön erscheinen mag
für ein Menschenleben: ich habe es – am Ende – gefunden. Mit gleicher
Leidenschaft habe ich nach Erkenntnis gestrebt. Ich wollte das Herz der Menschen
ergründen. Ich wollte begreifen, warum die Sterne scheinen. Ich habe die Kraft
zu erfassen gesucht, durch die nach den Pythagoreern die Zahl den Strom des
Seins beherrscht. Ein wenig davon, wenn auch nicht viel, ist mir gelungen.
Liebe und Erkenntnis, soweit sie erreichbar waren,
führten empor in himmlische Höhen. Doch stets brachte mich das Mitleid wieder
zur Erde zurück. Widerhall von Schmerzensgeschrei erfüllt mein Herz.
Verhungernde Kinder, gefolterte Opfer – die ganze Welt der Verlassenheit, der
Armut, des Leids, all das macht ein hohnvolles Zerrbild aus dem, was
Menschenleben eigentlich sein soll. Es verlangt mich danach, dem Übel zu
steuern, allein ich vermag es nicht, und so leide auch ich.
So war mein Leben. Ich habe es lebenswert gefunden,
und ich würde es mit Freuden noch einmal leben, wenn sich mir die Möglichkeit
böte.
Zitate:
Die Wissenschaftler bemühen sich, das Unmögliche
möglich zu machen. Die Politiker bemühen sich oft, das Mögliche unmöglich zu
machen.
Es ist ein Jammer, daß die Dummköpfe so
selbstsicher sind und die Klugen so voller Zweifel
Wir haben eine doppelte Moral: eine, die wir
predigen, aber nicht anwenden, und eine, die wir anwenden, aber nicht predigen.
Die Welt, in der wir leben, läßt sich als das
Ergebnis von Wirrwarrr und Zufall verstehen; wenn sie jedoch das Ergebnis einer
Absicht ist, muß es die Absicht eines Teufels gewesen sein. Ich halte den
Zufall für eine weniger peinliche und zugleich plausiblere Erklärung.
Werke:
Bertrand Russell & A. N. Whitehead: Principia Mathematica.
Denker des Abendlandes. Eine Geschichte der
Philosophie.
Macht.
Lob des Müßiggangs.
Warum ich kein Christ bin.
Einführung in die mathematische Philosophie.
Die Analyse des Geistes.
Eroberung des Glücks. Neue Wege zu einer besseren
Lebensgestaltung.
Probleme der Philosophie.
Moral und Politik.
In Principa Mathematica wollten Russell und
Whitehead darlegen, daß die Mathematik mit Hilfe der Begriffe der allgemeinen
Logik ausgedrückt werden könne; das Buch wurde zu einem Meisterwerk rationalen
Denkens. Russell und Whitehead bewiesen, daß Zahlen als Klassen einer
bestimmten Art definiert werden können, und entwickelten dabei logische
Begriffe und eine Schreibweise, die die symbolische Logik zu einem wichtigen
Spezialgebiet innerhalb der Philosophie machten. In the Problems of Philosophie
beschäftigte sich Russell auch mit Fragen der Soziologie, Psychologie und
Physik, um gegen einen Idealismus vorzugehen, der Gegenstände und Erfahrungen
als Produkte des Intellekts begriff. Russell wollte hingegen nachweisen, daß
alles Gegenstände, die von den Sinnen wahrgenommen werden, eine ihnen
innewohnende Realität haben, die vom Geist unabhängig existiert.
Neben seinem Frühwerk lieferte Russell einen
wichtigen Beitrag zur Entwicklung des logischen Positivismus. Der bedeutende
österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein, der bei Russell in Cambridge
studierte, war stark von dessen ursprünglicher Vorstellung des sog. Logischen
Atomismus beeinflußt. Mit seiner Suche nach dem Wesen und den Grenzen des
Wissens trug Russell wesentlich zur Renaissance des Empirismus als
Erkenntnistheorie bei.
Bertrand Russell: Bezeichnungen.
( Auszug aus der deutschen Übersetzung aus seinem
Buch „On Denoting").
Eine >> Bezeichnung << nenne ich einen
Ausdruck von der Art der folgenden:
Ein Mensch, irgendein Mensch, jeder Mensch, alle
Menschen, der gegenwärtige König von England, der gegenwärtige König von
Frankreich, der Massenschwerpunkt des Sonnensystems im ersten Augenblick des
zwanzigsten Jahrhunderts, die Drehung der Erde um die Sonne, die Drehung der
Sonne um die Erde. Demnach ist ein Ausdruck einzig aufgrund seiner Form der
Bezeichnung. Wir können drei Fälle unterscheiden.
1. Ein Ausdruck kann eine Bezeichnung sein oder
doch gar nichts bezeichnen; z.B. >>der gegenwärtige König von
Frankreich<<.
2. Ein Ausdruck kann ein bestimmtes Objekt
bezeichnen; z.B. bezeichnet >>der gegenwärtige König von
England<<einen bestimmten Mann.
3. Ein Ausdruck kann in unbestimmter Weise
bezeichnen; >>ein Mensch<< bezeichnet z.B. nicht viele Menschen,
sondern einen unbestimmten Menschen. Die Interpretationen solcher Ausdrücke
bietet beträchtliche Schwierigkeiten, und es ist durchaus nicht leicht,
überhaupt eine Theorie zu entwerfen, die keiner formalen Widerlegung
offenstünde. Allen mir bewußten Schwierigkeiten begegnet, soweit ich erkennen
kann, die Theorie, die ich hier vorlegen will.
Die Thematik des Bezeichnens ist nicht nur für die
Logik und Mathematik von ungemeiner Wichtigkeit, sondern auch für die
Erkenntnistheorie.
Wir wissen beispielsweise, daß der
Massenschwerpunkt des Sonnensystems zu einer bestimmten Zeit ein bestimmter
Punkt ist, und wir können darüber eine Reihe von Sätzen aussagen, aber wir
haben keine unmittelbare Bekanntschaft mit diesem Punkt, über den wir aufgrund
einer Beschreibung etwas wissen. Die Unterscheidung zwischen den Dingen, von
denen wir Vorstellungen haben, und den Dingen, zu denen wir nur mit Hilfe von
Bezeichnungen Zugang finden. Häufig wissen wir nämlich, daß ein bestimmter
Ausdruck eine Sache unzweideutig bezeichnet, obwohl uns direkte Bekanntschaft
mit dieser bezeichneten Sache fehlt; das ist bei dem Beispiel des Schwerpunktes
der Fall. In der Wahrnehmung haben wir Bekanntschaft mit den Objekten der
Wahrnehmung, und im Denken sind wir mit Gegenständen von einem abstrakteren
logischen Charakter bekannt. Dagegen verbindet uns mit solchen Gegenständen,
die durch Ausdrücke bezeichnet werden, nicht die notwendige Bekanntschaft. Wir
sind hier nur mit der Bedeutung der Worte bekannt, aus denen der Ausdruck sich
zusammensetzt.
Um ein Beispiel zu nehmen:
Angesichts der Tatsache, daß das Bewußtsein anderer
Leute sich nicht unmittelbar wahrnehmen läßt, scheint kein Grund zu der Annahme
zu bestehen, daß wir damit jemals bekannt sind. Mithin stützt sich unser Wissen
hier nur auf Bezeichnungen. Zwar muß alles Denken von unmittelbarer
Bekanntschaft ausgehen, aber es gelangt zu einem Denken über viele Gegenstände,
mit denen wir nicht unmittelbar bekannt sind.
Meine Theorie lautet in Kürze folgendermaßen. Ich
setze den Begriff der Variablen als fundamental voraus, ich gebrauche also
>>C(x)<< für einen Satz oder besser eine Satzfunktion, in der x ein
Bestandteil ist, wobei die Variable x selber wesentlich und vollständig
unbestimmt ist. Nun können wir die beiden Gedanken >>C(x) ist stets
wahr<< und >>C(x7) ist manchmal wahr<< ins Auge fassen, und
dann lassen sich alles und nichts und etwas, welche den einfachsten,
bezeichnenden Ausdrücke sind, auf die folgende Weise interpretieren:
C(alles) bedeutet >>C(x) ist stets
wahr<<;
C(nichts) bedeutet >>C(x) ist falsch, ist
stets wahr<<;
C(etwas) bedeutet >>Es ist falsch, daß C(x)
ist falsch, stets wahr ist<<.
Hier wird also der Gedanke >>C(x) ist stets
wahr <<als ein letzter und undefinierbarer genommen, mit dessen Hilfe die
übrigen definiert werden. Den Ausdrücken >>alles, nicht, etwas<<
kommt allein genommen keine Bedeutung zu, sondern nur jedem Satz, in dem sie
erscheinen. Das Prinzip der Bezeichnungstheorie, für die ich eintreten möchte,
besteht darin, daß bezeichnende Ausdrücke niemals selber irgendeine Bedeutung
haben, sondern daß jeder Satz, in dessen sprachlicher Gestalt sie auftauchen,
als Satz eine Bedeutung hat. Die Schwierigkeiten, die man in der Frage des
Bezeichnens findet, sind meines Erachtens alles das Resultat einer falschen
logischen Analyse von Sätzen, in denen rein sprachlich Bezeichnungen vorkommen.
Die richtige Analyse kann, wenn ich mich nicht täusche, auf die folgende Weise
durchgeführt werden.
Gesetzt, wir wollen den Satz >>Ich traf einen
Menschen<< interpretieren.
Wenn der Sätze wahr ist, dann traf ich einen ganz
bestimmten Menschen. Aber das ist es gar nicht, was ich behaupte. Ich behaupte
vielmehr, der von mit vertretenen Theorie zufolge: >>Ich traf x, und x
ist menschlich<< ist nicht stets falsch.
Allgemein können wir, wenn wir die Klasse der
Menschen als die Klasse der Objekte definieren, die das Prädikat
>>menschlich<< tragen, das gleiche so sagen:
>>C(ein Mensch)<< bedeutet >>C(x)
und x ist menschlich<< ist nicht stets falsch. Dabei bleibt der Ausdruck,
>>ein Mensch<< für sich allein betrachtet aller Bedeutung bar,
hingegen erhält jeder Satz, in dessen Formulierungen >>ein Mensch<<
auftaucht, eine Bedeutung.
Sehen wir uns nun den Satz >>alle Menschen
sind sterblich<< an. Dieser Satz ist in Wahrheit hypothetisch und besagt,
daß, wenn irgend etwas ein Mensch ist, er dann auch sterblich ist. Das heißt:
er besagt, daß, wenn x ein Mensch ist, x sterblich ist, was immer sonst auch x
sein mag. Folglich ergibt sich, wenn wir für >>x ist ein Mensch<<
setzen: >>x ist menschlich<<:
>>Alle Menschen sind sterblich<<
bedeutet wie: >>x ist menschlich<< impliziert >>x ist
sterblich<< für alle Werte von x<<. Allgemeiner gewendet:
>>C(alle Menschen)<< bedeutet
>>Wenn x menschlich ist, dann ist C(x) falsch<< ist stets wahr.
>>C(kein Mensch)<< bedeutet>>Wenn
x menschlich ist, dann ist C(x) falsch<< ist stets wahr.
>>C(einige Menschen)<< wird dasselbe
bedeuten wie >>C(ein Mensch)<<, und
>>C(ein Mensch)<< bedeutet>> Es
ist falsch, daß >>C(x) und x ist menschlich<< stets falsch ist.
>>C(jeder Mensch)<< wird dasselbe
behaupten wie >>C(alle Menschen)<<.
Es bleibt noch übrig, Ausdrücke zu interpretieren,
die >>der (die, das)<< enthalten. Dies sind bei weitem die
interessantesten und schwierigsten Bezeichnungen.
Eine der ersten Schwierigkeiten für die Anhänger
der Auffassung, daß Bezeichnungen einen Sinn ausdrücken und eine Bedeutung
bezeichnen, muß bei den Fällen auftauchen, wo eine Bedeutung nicht vorhanden zu
sein scheint.
Russells Theorie der Kennzeichnungen ( v. a. in
>>On Denoting<<) versucht, den Gebrauch von Satzteilen, die nicht
Eigennamen sind, auf eine sichere logische und sprachliche Grundlage zu
stellen.
>>Kennzeichnende Ausdrücke<< haben
keine Bedeutung in sich selbst, sind >>unvollständige Symbole<< und
kommen deshalb nur als Teil von Sätzen vor.
Wichtig sind solche Kennzeichnungen deshalb, weil
wir viele Dinge nicht aus unmittelbarer Bekanntschaft, sondern nur aus
Beschreibungen kennen, wie >>den Massenmittelpunkt der Sonne<<.
Gleichzeitig ist ihre Verwendung von Paradoxien, wie z.B. im Satz >>Der
gegenwärtige König von Frankreich hat eine Glatze<<:
Gingen wir die Dinge durch, die eine Glatze haben,
und dann die Dinge, die keine Glatze haben, würden wir den gegenwärtigen König
von Frankreich nicht unter ihnen finden. >>D.h. er hat eine Glatze und er
hat keine, was das Widerspruchsgesetz verletzt.
Russell unterscheidet dazu drei Fälle von
Kennzeichnungen:
1. Ein Ausdruck ist eine Kennzeichnung ohne etwas
zu Kennzeichnen, z.B. >>Der gegenwärtige König von Frankreich<<.
2. Ein Ausdruck kennzeichnet ein bestimmtes Objekt:
>>Die gegenwärtige Königin von England<<.
3. Ein Satz kennzeichnet unbestimmt: >>ein
Mann<< kennzeichnet einen unbestimmten Mann.
Im ersten Satz wird so analysiert, daß die
Verbindung zweier Sätze behauptet wird: >>Mindestens eine Entität hat die
Eigenschaften so-und-so<< und >>Höchstens eine Entität hat die
Eigenschaft so-und-so.<< Anders gesagt, eine und nur eine Entität hat die
Eigenschaft. So wird >>der gegewärtige König von Frankreich
existiert<< analysiert in >>Eine und nur eine Entität ist König von
Frankreich<<, was eine falsche Aussage ist und damit auch die Verbindung
mit >> und dieser hat eine Glatze<<, weil der erste Teilsatz falsch
ist.
Literatur:
Kunzmann Peter, Burkard Franz-Peter, Wiedmann
Franz: dtv-Atlas Philosophie, München 2003, 221-222.
Dr. Bubner, R.: Bezeichnungen ( Deutsche
Übersetzung von >>On Denoting<<),
289-303.
Weblinks:
http://www.bautz.de/bbkl/r/russel-b.shtml
http://www.pas-berlin.de/chemie/ch-1/wissensch-theorie/russel.html
http://www.tu-harburg.de/rzt/rzt/it/sofie/node41.html
http://www.matheboard.de/lexikon/Bertrand-Russell,definiton.htm
Positivismus (=Lehre
vom Tatsächlichen)
Der Positivismus geht
zurück auf Auguste Comte (1798-1857).Er formulierte die philosophische
Prämisse, dass als Basis für wissenschaftliche Erkenntnis nur Tatsachen
zugelassen sind. Unter Tatsachen versteht er wirklich Gegebenes, das man
objektiv erkennen kann. Auguste Comte begründet mit seinem Hauptwerk
„Abhandlung über die positive Philosophie“ das System des Positivismus, wobei
das Ziel seiner wissenschafts-theoretischen Untersuchungen die Frage nach der
Entwicklung, Struktur und Funktion von Wissen in der Gesellschaft ist.
Grundlage seiner Theorien ist das sog. Dreistadiengesetz. Es betrifft die
geistige Entwicklung der Menschheit, die jeder einzelnen Wissenschaft, sowie
die des Individuums.
Diese wissenschaftliche Vorgehensweise hat ihren
Zielpunkt in der Aufstellung von Theorien, Gesetzen und Hypothesen. Hier findet
eine methodische Angleichung der Kultur- und Geisteswissenschaften an die
Naturwissenschaften statt, zu deren rasantem Aufschwung im 19. Jahrhundert der
Positivismus gewissermaßen die Leitideologie liefert.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die „reine“
(echte) Wissenschaftshaltung. Dieser Begriff richtet sich gegen die naive
Gläubigkeit oder gegen eine durch Glauben und Interessen ver- zerrte
Wissenschaftshaltung. Da der Positivismus im Verlauf der wissenschaftlichen
Entwicklung immer mehr dazu gedrängt wurde, Beweise für Behauptungen
vorzubringen, musste er seine Behauptungen – besonders im Bereich des
Gesellschaftlichen – immer mehr einengen, um sie beweisen zu können oder ihr
Gegenteil entkräftigen zu können. Die übervorsichtige Haltung positivistischer
Wissenschaftler verdeutlicht die folgende Anekdote: Zwei Positivisten fahren
über Land, auf dem Schafe weiden. Der eine sagt zum anderen: „Sieh, die Schafe
sind schon geschoren!“ Darauf der andere: „Was die uns zugewendete Seite
anbetrifft, so erweckt sie den Eindruck.“
Der jüngere Neopositivismus versucht den Beweis für
schwer belegbare Behauptungen dadurch zu erbringen, dass zuerst einmal
möglichst viele von ent-gegen gesetzten oder anderen (die Sache betreffenden)
Behauptungen entkräftet werden (è Falsifikation). Dadurch wird dann die erste
Behauptung immer wahrscheinlicher.
Auf diese Weise können wieder umfangreiche
Behauptungen (=Thesen) über gesellschaftliche Ereignisse und Zusammenhänge
gewagt zu werden. Sind alle konkurrierenden Thesen zur selben Sache
falsifiziert, so kann die Ursprungsbehauptung (=Hypothese) als einigermaßen
gesichert (verifiziert) angesehen werden è Erkenntnistheorie.
Die Mittel, die einem Positivisten zur Verfügung
stehen, sind sammeln, beschreiben und klassifizieren von literarischen wie
biographischen Materialien. Hauptvertreter in Deutschland waren Wilhelm Scherer
(1841-1886) und seine Schüler (Richard Heinzel, Richard Meyer, Franz Munker,
Erich Schmidt).
Lebenslauf von Moritz
Schlick
14.04.1882: Geburt
von Friedrich Albert Moritz Schlick in Berlin
später besuchte er das Luisenstädter Gymnasium in
Berlin
nach dem Abitur: Studium der Naturwissenschaften
und der Mathematik in Heidelberg,
Lausanne und Berlin
1904: Dissertation bei Max Planck mit der Arbeit
„Über die Reflexion des Lichtes
in einer inhomogenen Schicht“
1905-1907: Erhebungen von naturwissenschaftliche
Studien in Göttingen, Heidel-
berg, Berlin
1907: Heirat mit Blanche Hardy
1908: Erscheinen von „ Lebensweisheit. Versuch
einer Glückseligkeitslehre“
1908-1910: Zweijähriges Studium der Psychologie in
Zürich
1911: Habilitation zum Privatdozent an der
Universität Rostock mit der Schrift
„Das Wesen der Wahrheit nach der modernen Logik“.
Zehnjähriger Lehr- und Forschungstätigkeit in
Rostock. Freundschaft mit Albert Einstein. Schlick arbeitet als einer der
ersten über dessen Rel.-Theorie.
1917: Erscheinung von „Raum und Zeit in der
gegenwärtigen Physik. Zur
Einführung in das Verständnis der allgemeinen
Relativitätstheorie.“
Schlick erhält den Titel eines Professors in
Rostock
Im Ersten Weltkrieg zwei Jahre Heeresdienst auf
einem Militärflughafen
1918: Erscheinen der „Allgemeinen
Erkenntnistheorie“
1921: Schlick wird außerordentlicher Prof. mit
Lehrauftrag für Ethik und Natur-
philosophie in Rostock
Sommer 1921: Berufung als ordentlicher Prof. an der
Universität Kiel
1922: Berufung Schlicks auf den Lehrstuhl für
Naturphilosophie in Wien als
Nachfolger von Ludwig Boltzmann und Ernst Mach.
Begegnung mit Karl und Charlotte Bühler, Heinrich
Gomperz u.a.
Ab 1924: Schlick begründet einen wissenschaftlichen
Diskussionszirkel, aus
welchem der Wiener Kreis entsteht
Ab 1926: Begegnung und Korrespondenz mit Ludwig
Wittgenstein. Rege Lehr-
und Forschungstätigkeit.
Gastprofessur in USA und England.
Wiener Kreis zieht immer mehr internationale
Besucher an.
Ab 1929: Herausgeber der Reihe „Schriften zur
wissenschaftl. Weltauffassung“
(zusammen mit Philipp Frank, 1929-1937)
1930: Erscheinen von „Fragen zur Ethik“
22.6.1939: Moritz Schlick wird von einem ehemaligen
Studenten auf der Treppe
der Wiener Universität ermordet“.
Philosophie war für ihn die logische Erklärung von
Begriffen
Seine bedeutendsten Werke waren:
- Das Wesen der Wahrheit nach der modernen Logik,
1910
- Allgemeine Erkenntnislehre, Berlin 1918
- Fragen der Ethik, Wien 1930
- Gesammelte Aufsätze 1926-1936, Wien 1938
Mit diesen Fragen befasste sich der Neopositivist
am Liebsten:
Erkenntnis, Wahrheit, Logik und Mathematik
WIENER KREIS
Der Wiener Kreis gehört zu der Gruppe, der
neopositivistischen Philosophen. Leiter dieses Kreises war Moritz Schlick.
Erstmals trat der Wiener Kreis durch die Veröffentlichung der
Programmzeitschrift „wissenschaftliche Weltauffassung“. Der Wiener Kreis
hervor. Das Ziel der Philosophen war – im Anschluss an die Forschungen von
Ernst Mach – die Vereinigung von Empirismus(=griechisch empeiria,
lateinisch experientia= Erfahrung; ist eine erkenntnistheoretische
Richtung in der Philosophie und
Psychologie, die alle Erkenntnis aus Sinneserfahrungen ableitet. Die
Einschränkung der Erkenntnis auf den Bereich der bloßen Erfahrung lässt sich
jedoch letztlich nicht halten. Noch nicht einmal der Satz "Alle
Erfahrungs-erkenntnis ist wahr" lässt sich aus Erfahrung herleiten. Erst
recht gilt dies für den Grundsatz des Empirismus, dass alleine die Erfahrung
wahre Erkenntnis gewähr-leiste) und der modernen Logik zu einer
Einheitswissenschaft,
wobei die Metaphysik(=Metaphysik ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit
Ursprung, Grund und Ziel allen Seins, aber auch einem möglichen höchsten Sein
(Natürliche Theologie) befasst. Die Metaphysik ist dabei nicht als Gegensatz
zur Physik (respektive Naturwissenschaft) zu verstehen. Sie stellt
naturwissenschaftliche Gesetze nicht infrage, sondern befasst sich vielmehr mit
Fragestellungen, die sich einer naturwissenschaftlichen Bearbeitung entziehen)
abgelehnt wurde.
Grundlegend war das Bemühen, alle
wissenschaftlichen Aussagen in eine umfassende formale Sprache (z.B. in die der
Mathematik oder Physik) zu übersetzen, um die Objekte der Philosophie (die Sätze,
Begriffe und Theorien der Wissenschaft) darzustellen. Der Wiener Kreis erlangte
bald internationale Geltung (Polen, Großbritanien, USA, Skandinavien). Die
Treffen endeten 1936 nachdem Tod von Moritz Schlick. Viele Mitglieder des
Kreises verließen Österreich während des Aufstiegs der Nazis, sodass sich der
Kreis bis zum Jahr 1936 auflöste. Seit 1991 besteht in Wien ein Institut
„Wiener Kreis“, das sich der Dokumentation, Erforschung und Weiterentwicklung
der Philosophie des Wiener Kreises widmet.
Moritz Schlick, über das Fundament der Erkenntnis
Alle großen Versuche der Begründung einer Theorie
des Erkennens entspringt aus der Frage nach der Sicherheit menschlichen
Wissens, und diese Frage wiederum entspringt aus dem Wunsche nach absoluter
Gewissheit der Erkenntnis.
Alle Erfahrungen die ein Individuum in seinem Leben
macht, bringen immer den Zweifel mit sich, ob es nur eine Hypothese ist oder
nicht. Schon im Altertum wurde damals nach der Gewissheit „geforscht“, da man
auch in dieser Zeit immer reine Gewissheit haben wollte, d.h. ein stabiles
Fundament, auf welches unsere „menschliche Denkkraft“ festen Boden hat.
In der langen Zeitspanne wurde auf verschiedenste
Art und Weise versucht, dass „schwankende Gebäude“ solider zu gestalten. Um
„das Problem des letzten Wissensgrund“ aufzuklären, verwendete die Philosophie,
oder vielmehr die ent-schiedenen Empirismus, einen neuen Weg einzugehen; die
„Protokollsätze“.
Bei den Protokollsätzen handelt es sich um
Aussagen, die rein, unverändert und nur rohe Tatsachen wiedergeben. Es wird
nichts hinein interpretiert und ebenso wenig wird etwas weggelassen. Somit
scheinen diese die absolute unzweifelhaften Aus-gangspunkte aller Erkenntnis zu
sein.
Es ist dabei gleichgültig, ob diese sog.
Protokollsätze jemals wirklich protokolliert, also tatsächlich ausgesprochen,
aufgeschrieben oder auch nur explizit „gedacht“ werden.
Bei diesen Sätzen ist es nur wichtig, dass man
weiß, zu welchen Sätzen die wirklich gemachten Aufzeichnungen zurück zuführen
sind, und dass diese jederzeit rekon-struierbar sind.
Um Protokollsätze aufzustellen, muss man gewisse
Tatsachen festgelegen. Aber welcher Sinn steckt hinter dieser Festlegung? Ist
der Beginn im zeitlichen oder logischen Sinne zu Verstehen?
Wie bereits oben erwähnt ist es gleichgültig, ob
die Sätze jemals in der Wirklichkeit protokolliert worden sind. Nach diesem
Gesichtspunkt kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass diese Sätze zeitlich
nicht am Anfang zu stehen brauchen, sondern ebenso gut nachgeholt werden
können, wenn es erforderlich sein sollte.
Und man wird es dann erforderlich finden, wenn man
sich klar zu machen wünscht, was denn das tatsächlich Aufgeschriebene
eigentlich bedeutet. Also wäre die Rede von Protokollsätzen logisch zu
verstehen? Dann würden sie durch bestimmte lo-gische Eigenschaften, durch ihre
Struktur, ihre Stellung im System der Wissenschaft ausgezeichnet sein, und es
entstünde die Aufgabe, nun eben diese Eigenschaften wirklich anzugeben.
Ebenso darf man die zeitlichen Protokollsätze nicht
einfach mit den Behauptungen der Wissenschaft stehen lassen. Man muss ja
bedenken, dass es sich um das letzte Fundament der Wirklichkeitserkenntnis
handelt, dass es nicht genügen kann, die Sätze nur gleichsam als „ideale
Gebilde“ zu behandeln, sondern dass man sich um die realen Gelegenheiten, um
die in der Zeit eintretenden Ereignisse kümmern muss, in denen das Fällen der
Urteile besteht, also um die psychische Akte des „Denkens“, oder die physischen
des „Sprechens“ oder „Schreibens“.
Die Frage, die uns zuerst interessieren soll, ist
die: welcher Fortschritt ist dadurch erzielt, dass man das Problem der letzten
Grundlegung der Erkenntnis mit Hilfe des Begriffs des Protokollsatzes
formulierte?
Der Gegensatz beider Ansichten wird meist so
ausgesprochen, dass nach der einen, traditionellen, die Wahrheit eines Satzes
in seiner Übereinstimmung mit den Tat-sachen bestehe, nach der anderen aber,
der „Zusammenhangslehre“, in seiner Übereinstimmung mit dem System der übrigen
Sätze.
Wenn die Wahrheit eines Satzes in seiner Kohärenz
oder Übereinstimmung mit den anderen Sätzen bestehen soll, so muss man sich
darüber klar sein, was man unter „Übereinstimmung“ versteht, und welche Sätze
mit den „anderen“ gemeint sind.
Das Kriterium der Widerspruchsfreiheit allein
genügt durchaus nicht für die materiale Wahrheit, sondern es kommt ganz und gar
auf die Verträglichkeit mit höchst beson-deren eigentümlichen Aussagen an; und
es steht nicht im Wege – vielmehr ist es durchaus gerecht fertigt - für diese
Verträglichkeit den guten alten Ausdruck „Übereinstimmung mit der Wirklichkeit“
zu gebrauchen.
Bsp.: Märchen
Positivismuskritik:
„+“ : - Auf diese
Weise sind entstanden:
· Editionen
· Stoff- und motivgeschichtliche Untersuchungen
· Literaturgeschichten
· Umfassende Biographien (v.a. zu Dichtern)
· Nachschlagewerke
· Mit umfangreichem, faktenbezogenem Material
versehene Werksausgaben
- Editionsphilologie;
· diskutiert Regeln für die Editionen (=Herausgabe
von Texten)
· höchstes Gut sind historisch-kritische Ausgaben
- genaues Quellenstudium und Offenlegen vieler
unbekannter Texte lassen Autor und
Werk in einem neuen Licht erscheinen.
„-“ : - Perspektive der Positivisten auf die
Literatur blieb eingeschränkt:
· mechanischen Sammlung der Daten
· keine Interpretation bzw. Deutung
- Drei Gegenpositionen zum Positivismus in den
ersten Jahren des 20. Jhrdt
· Geistesgeschichtliche Strömung
- wendet sich gegen das scheinbar
naturwissenschaftliche
Selbstverständnis der positivistischen
Literaturwissenschaft
- Dilthey ordnet den Naturwissenschaften das Erkenntnisziel
„erklären“ zu, den Geisteswissenschaften das
Erkenntnisziel
„verstehen“
· Formtypologische Untersuchungen
- ist der Versuch, zahlreiche positivistische
Datenmenge zu sortieren,
um so zu genaueren Gattungs- oder Epochenbegriffen
zu gelangen
· Neuromantisch-nationalistische Germanistik
- Fühlte sich berufen, die vom Positivismus
hinterlassene kulturelle
Leere im neuen Kaiserreich zu füllen
Literaturangabe:
- http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/methoden/positivis
mus.htm vom 15.07.2004
- Peter Kunzmann u.a., dtv-Atlas Philosophie,
S.165,
Deutscher Taschenbuch Verlag, München Dezember 2003