Nietzsches Biographie, Werke und
Grundzüge seiner Philosophie
Nietzsches Biographie,
Werke und
Grundzüge seiner Philosophie
3.1
Geburt
der Tragödie (1872) 6-7
3.2
Unzeitgemäße
Betrachtungen (1873-76) 7
3.3
Menschliches
Allzumenschliches (1878) 7
3.4
Morgenröte
(1881) 8
3.5
Die
fröhliche Wissenschaft (1881) 8
3.6
Also
sprach Zarathustra (1883-85) 8-9
3.7
Jenseits
von Gut und Böse (1886) 9
3.8
Wille
zur Macht (1886, hg. 1906) 9
3.9
Zur
Genealogie der Moral (1887) 10
3.10
Ecce
homo (1888) 10-11
3.11
Antichrist
(1886) 11
4.1
Nihilismus 12
4.2
Gott
ist tot 12
4.3
Welt
ein sinnloses Chaos 13
4.4
Übermensch
13
4.5
Drei
Wandlungsstufen (Folie) 13-14
4.6
Umwertung
aller Werte 14
4.7
Religionskritik 14-15
1.
Einleitung
Nietzsche gehörte zu den schärfsten Kritikern der
traditionellen Philosophie.
Charakteristisch für seine Werke sind eine scharfe
Beobachtung und Analyse, eine sprachgewaltige Darstellung, sowie die skeptische
Grundhaltung und perspektivische Sichtweise. Bei der Analyse stellt Nietzsche
fest, dass das Erkenntnisvermögen des Menschen von einem Bedürfnis nach Dauer
und Konstanz geprägt ist.
Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, ist der Mensch
gezwungen, in Kategorien und vereinheitlichenden Strukturen, wie „Sein“,
„Wahrheit“, „Einheit“ zu denken. Dabei handelt es sich um Vereinfachungen, die
dazu dienen, die Welt überschaubar und berechenbar zu machen.
2.
Biographie
Nietzsche ist am 15 Oktober 1844 in Röcken bei Lützen
geboren. Sein Vater Carl Ludwig ist protestantischer Pfarrer und seine Mutter Franziska
entstammt aus einer Pfarrersfamilie, sie bekommt Friedrich N. im Alter von 18
Jahren.
Am 10.07.46 nach Friedrichs Geburt kommt seine
Schwester Elisabeth auf die Welt.
1847 kommt sein Bruder Joseph auf die Welt der jedoch
wie 1849 verstirbt.
1849 stirbt ebenfalls sein Vater an Gehirnerweichung,
daraufhin zieht seine Familie nach Naumburg, wo Nietzsche Kontakt- und
Anpassungsschwierigkeiten hat.
Er ist sehr sensibel und introvertiert, aber
musikalisch und literarisch begabt und besitzt gute Bibelkenntnisse. Seine
Mutter, zwei Tanten und die Großmutter erziehen ihn.
“ Die Erziehung durch fromme Frauen dürfte der erste
Schritt in die Richtung des Antichristentum gewesen sein“.
Zwischen 1858-1864 ist er Schüler der streng
humanistischen Internatsschule in Pforta, er erhält
dort eine glänzende philologische Ausbildung, dort zieht er sich von seinen
Schulkameraden zurück, hängt seinen Gedanken nach; schreibt und komponiert,
aber ihn plagen schon zu dieser Zeit enorme Kopfschmerzen.
Da zu Hause keine Auseinandersetzungen mit dem
Glauben stattfinden baut er sich seine eigene Welt des Zweifels isoliert auf
und entfremdet sich von seiner Mutter.
1864 Studium der Theologie und klassischen Philologie
in Bonn.
1865 Wechselt er an die Universität Leipzig und gibt
sein Theologiestudium auf.
1868 Begegnet er Richard Wagner „ der wie kein
anderer das Bild dessen, was Schopenhauer das Genie nennt, mir offenbart“.
Seine philologischen Arbeiten finden bei ihm
Anerkennung.
Er verliebt sich in eine Schauspielerin, beschäftigt
sich mit dem Buddhismus und entschließt sich kurzer Hand zu einem
Chemie-Studium und wollte deswegen nach Paris.
1869 Mit 24 wird ihm jedoch eine Professur in Basel
angeboten, die er annimmt.
1870 pflegt er freiwillig Kranke im Deutsch-
Französischen Krieg und er erkrank (Ruhr); seither Unterleibsschmerzen.
1872 seine GEBURT DER TRAGÖDIE AUS DEM GEISTE DER
MUSIK (Synthese aus Wagner und Schopenhauer) führt zum Bruch mit der
Altphilologie, sein Ruf ist ruiniert.
Die Studenten bleiben aus und sein Gesundheitszustand
verschlechtert sich von nun an zusehends.
1876 geht er auf Distanz zu Schopenhauer, es kommt
zum Bruch mit Wagner und er distanziert sich auch von nationalistischen Reichsdeutschen.
So schreibt Nietzsche über Richard Wagner: „Richard Wagner, scheinbar der siegreichste,
in Wahrheit ein morsch gewordener, verzweifelter dekadent, sank plötzlich,
hilflos und zerbrochen, vor dem christlichen Kreuze nieder.“; “Alles erwogen,
hätte ich meine Jugend nicht ausgehalten, ohne Wagnerische Musik. Denn ich war
verurteilt zu Deutsch. Wenn man von einem unerträglichen Druck loskommen will,
so hat man Haschisch nötig. Wohlan, ich hatte Wagner nötig. Wagner ist das Gegengift
gegen alles Deutsche par excellence-Gift, ich bestreite es nicht.“
Alle Pläne die er bis dahin unternommen hat, eine
Heirat zu organisieren scheitern.
1878 Gibt er seine Baseler Professur wegen ständiger
Kopfschmerzen, Augen-schmerzen, Erbrechen und Schwermut auf.
1879 erfolgt seine Pensionierung und er erfährt, dass
eine Rückkehr an eine Universität wegen seiner Stellung zum Christentum
unmöglich ist. Er sagt daraufhin: „Bravo! Dieser Gesichtspunkt gab mir wieder
neuen Mut wieder“, sein Selbstlob beginnt sich ins Maßlose zu steigern.
1882 Er schließt Freundschaft
mit der Schriftstellerin Lou Andreas-Salome und verliebt sich in sie, er überwirft
sich mit seiner Schwester Elisabeth, die gegen diese Beziehung intrigiert hat. und
einen führenden Vertreter der antisemitischen Bewegung heiratet.
Nachdem Lou Salome den Heiratsantrag von Nietzsche
ablehnt flüchtet er nach Italien.
1883-1885 kommt das Buch Also sprach Zarathustra. Ein
Buch für alle und keinen heraus.
Es ist Nietzsches Hauptwerk.
Er verkündet pathetisch in kurzen Reden seine allen
Nihilismus überwindende Lehre vom „Übermenschen „ und von der „Ewigen
Wiederkehr des gleichen“.
1889 Kommt es zu einer folgenschweren Begebenheit,
Nietzsche sieht wie ein Droschkengaul erschlagen wird, umarmt das Tier weinend
und bricht zusammen.
Er wird nach Hause getragen, wo er Zettel an Bekannte
schreibt, die mit „Dionysos“ oder „Der Gekreuzigte„ unterzeichnet sind.
1894 Nietzsches 11 Geisteskrankheit, Wahrscheinlich
von einer Syphilis herrührend, führt zu Größenwahnvorstellungen und völliger
Umnachtung.
Am 25.08.1900 stirbt Nietzsche in Weimar. [1]
3.
Kurze Zusammenfassung von Nietzsches bekanntesten Werken
3.1
Die Geburt der Tragödie
„Die Geburt
der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ 1872
Die „Geburt der Tragödie“ stellt zwei Pole
gegeneinander, welche die Kunst, letztlich aber auch alle anderen Lebensformen
bestimmt und die bis zu einem gewissen grad auf Schopenhauers „Wille“ auf der
einen Seite und die “Vorstellung“ auf der anderen Seite abzubilden sind.
Das „Dionysische“ ist reine Lebensenergie, die den
einzelnen rauschhaft mit der Masse des Lebendigen verschmelzen lässt, aber auch
für Kampf und Leid steht, das „Apollinische“ bedeutet Form, ordnend Geist,
Distanz, Ruhe. Als Kunstformen ist dem ersteren die Musik, dem zweiten die Epik
zuzuschreiben (mit Blick auf die Griechische Antike). Die Verbindung beider
Pole, so Nietzsche, habe die attische Tragödie entstehen lassen. Von Richard
Wagner den der Junge Nietzsche bewunderte, erhoffe er sich eine Erneuerung der
Tragödie im Musikdrama, das als Gesamtkunstwerk ebenso wie die antike Tragödie
Werk und Zuschauer in starkem, instinktsicherem „tragischen Geist“ vereinigen
und hinter allen Formen der „Dekadenz“, die für Nietzsche schon mit Sokrates
begann, zurück führen kann.
Er entwirft ein ganz eigenes und ganz neues Bild der
griechischen Klassik, das von zeitgenössischen Fachkollegen keineswegs
akzeptiert wird, und kommt zu gleich als philosophische Abhandlung u. a. zu dem
Ergebnis: „nur als ästhetisches Phänomen ist das Dasein und die Welt ewig
gerechtfertigt“.
In zweierlei Hinsicht klingt in diesem Satz die
Tatsache an, dass Nietzsche in seiner frühen Zeit stark von Schopenhauer
beeinflusst war.
Dass Welt und Dasein außerästhetisch keine
Rechtfertigung haben sollen, hängt mit Schopenhauers pessimistischer
Gleichsetzung des sinnlosen „Willens“
mit der Welt „an sich“ zusammen. Nietzsche wird immer der Ansicht bleiben, dass
der Wille, als nicht individuelle metaphysisch verstandene Kraft, dem Leben, Denken
und Handeln zugrunde liegt. Dass ästhetische Phänomene anstelle z.B. von Gott,
Vernunft oder ethischen Prinzipien die Welt „rechtfertigen“ sollen, hängt mit
der besonderen Rolle zusammen, die Schelling und die Romantiker, aber eben auch
Schopenhauer der Kunst zugewiesen hatten und die der frühe Nietzsche nun
geradezu radikal ins Zentrum rückt.
Er modifiziert dabei allerdings Schopenhauers
Auffassung erheblich, nach der in der Kunsterfahrung die höchste Form der
Erkenntnis möglich ist und platonistisch verstandene Ideen angeschaut werden.
Für Nietzsche dagegen „verdeckt“ die Kunst durch
ihren Schein die Abgründe der Welt an sich, ohne das dies aber als Erzeugung
trügerische Illusion und falschen Bewusstsein Bloßgestellt werden können. Nicht
nur der Mensch braucht einen Anschein von Harmonie und Ganzheit, um nicht vor
der Sinnlosigkeit zugrunde zu gehen, sondern auch der Sinnlose Lebensgrund
braucht ihn.[2]
3.2
Unzeitgemäße Betrachtungen
Zwischen 1873 und 1876 entstehen die
“Unzeitgemäßen Betrachtungen” in vier Einzelveröffentlichungen, die alle
Zeichen des Wandels und der Neuorientierung zeigen. Das Jahr 1873 hat die
ersten Enttäuschungen der Freundschaft gebracht: Wagner ist im Januar verärgert
über Nietzsches Fernbleiben, und im April ist Nietzsche es, der von seinem nachgeholten
Besuch deprimiert ist, da die Gespräche sich um Wagners Sorgen und nicht um
Nietzsches halbfertiges Manuskript drehen. [3]
3.3
Menschliches Allzumenschliches
In Sorrent begegnen sich Wagner und der
Umhergetriebene zufällig. Es war das letzte Mal, dass sie sich sehen. In seinem
Buch “Menschliches - Allzumenschliches” (1878) höhnt Nietzsche über Wagner der
nur als “... Künstler ...” apostrophiert wird.[4]
3.4
Morgenröte
Ob der ruhelose Wanderer in Basel,
Sorrent, Naumburg, Bad Bex, Chur, Riva
oder Venedig ist, Nietzsche muss sich stets mit seinen Manuskripten
beschäftigen, die ihm als Basis für seine weiteren Bücher dienen, wie z. B. 1881
in der “Morgenröte“, die Gedanken über menschliche Vorurteile beinhaltet”.[5]
3.5
Die fröhliche Wissenschaft
Nach Morgenröte folgt “Die fröhliche
Wissenschaft”, in der Nietzsche den „Tollen Menschen“ darstellt, der Gott
sucht. Er beschreibt eine Welt, die ohne Horizont, ohne oben und unten aus den
Fugen gerät.[6]
Da laut Nietzsche “Gott tot ist” „wohin
ist Gott? Ich will es euch sagen. Wir haben ihn getötet,- ihr und ich Wir alle
sind Mörder!, stimmen unsere Anschauungen über
Wahrheit, Lüge, Wissenschaft, Kunst nicht mehr. Alles hat seinen Sinn verloren
und die Rolle des Menschen muss neu durchdacht werden.[7]
3.6
Also sprach Zarathustra
Wenn man in unserer Gesellschaft den
Namen Nietzsche hört, ist es unvermeidlich, dass jemand zitiert: „ Du gehst zu
Frauen? Vergiss die Peitsche nicht?“ Doch das dieses Zitat, von Nietzsche im
Zarathustra einem alten Weiblein in den Mund gelegt, gibt ein völlig falsches
Bild von seiner Stellung zum weiblichen Geschlecht.[8]
Die „ ewigen Wiederkehr des Gleichen“, die Nietzsche
seinem „Zarathustra“ verkünden lässt. Sie enthält in Dichterischer
Andeutung, komplizierte Überlegungen über das Problem der Zeit, der
Zeiterfahrungen und die Seinsauffassungen, besagt aber in kürze aber nur, dass
sich alles Geschehene, und zwar ohne Änderung und irgendeiner Steigerung, ewig
wiederholt.
“Also sprach Zarathustra” Nietzsche nennt
sein Werk auch das fünfte Evangelium, weil es ein Reich ohne Transzendenz
verheißen soll. Er bezieht sich auch in seinen Manuskripten und im Zarathustra
auf die Wichtigkeit des physischen Lebens auf der Erde und nicht auf die “...
überirdischen Hoffnungen...” (Jenseitsglaube). Das dionysische Prinzip,
versteht er als rauschhaft, irrationale Erleben, das er als schöpferische
Urkraft ansieht. Er stellt dies dem sokratischen Denken Gegenüber, das die
systematische Rationalität betont. [9]
3.7
Jenseits von Gut und Böse
Was ist "jenseits von Gut und Böse"? Was
ist überhaupt "gut"? Und was ist "böse"? Diese heiklen
Fragen, die letztlich Kernfragen sind, hat auch Nietzsche aufgegriffen und mit
unerbittlicher Menschen-, Religions- und "Gott“ -Kritik diskutiert – nicht
beantwortet. Seine für das ausgehende 19. Jahrhundert revolutionären
Ausführungen, da provokativ atheistisch, bieten hier an dieser Stelle einen
abenteuerlichen, indirekten Zugang zum Weltbild von "gut" und
"böse"; denn über waghalsige philosophische Gratwanderungen
verschaffte sich Nietzsche tatsächlich einen ersten Panoramablick in das weite
Land jenseits von Gut und Böse. Doch allein, ohne genaue Ziel- und Wegkenntnis
und ohne Bergführer stürzte er ab – um im nächsten Leben weiterzusuchen und zu
finden.[10]
3.8
Wille zur Macht – Versuch einer Umwertung aller Werte
Die alten Werte sind verblasst und die
neuen richten sich nach dem Prinzip des Willens zur Macht.
Macht den Willen zu haben von sich aus,
sich selbst zu verwirklichen und selbst zu handeln. Das Wichtigste ist, dass
man bei Misserfolgen nicht aufgibt und wenn nötig wieder von vorne anfängt.[11]
3.9 Zur
Genealogie der Moral- Eine Streitschrift
(Genealogie= Abstammungsgeschichte-Entstehung, hist.
orientierten Herleitung von Wert- und Normvorstellungen.) [12]
Nietzsche verfasst dieses Werk in Sils-Maria im
Sommer 1887. In der `Genealogie der Moral´, der er demonstrativ den Untertitel
`Eine Streitschrift´ gibt, greift er nun, in der letzten Phase seiner
Produktivität, direkt die Religion an. Der Ton verschärft sich. [13]
Nietzsche weist ausdrücklich im Untertitel der
Genealogie der Moral auf eine Streitschrift hin; nicht aus Lust am Streit,
sondern weil man in der Kritik der Moral selbst nicht frei von Moral sein kann;
es wird offen Moral gegen Moral gesetzt. Nietzsche verzichtet von vornherein
auf einen absoluten Standpunkt gegenüber der Moral, bekennt sich zu seiner
Moral und zum Streitbaren, Kämpferischen auch dieser Moral. Wogegen er kämpft,
ist gerade die Anmaßung eines absoluten Standpunkts in der Moral.[14]
Die „streitbaren Abhandlungen“ der Genealogie der
Moral sind, als Abhandlungen, dennoch um wissenschaftliche Objektivität bemüht.
Dies ist dann, worauf Nietzsche selbst in der III. Abhandlung zu sprechen
kommt, eine Objektivität neuer Art, eine Objektivität, von der man weiß, dass
sie nie frei von persönlichen Interessen sein kann und diese Freiheit dennoch
so weit wie möglich anstrebt.[15]
3.10
Antichrist
Seine Ansichten wechseln während seines
Lebens teilweise ins Gegenteil. Die Ursache ist die ständige kritische
Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, die ihm zu dieser Überzeugung führt. Zum
Beispiel ist er aufgrund seiner Erziehung und seines Elternhauses streng
religiös, doch 1888 entsteht sein Werk “Der Antichrist”, indem er nochmals
gegen das Christentum wütet. Dieser Verlust des Glaubens war wohl das
entscheidenste Ereignis in Nietzsches Entwicklung. Er stellt die Sklavenmoral
des Christentums der Moral des freien Geistes gegenüber. Auch seine Einstellung
zur Romantik verändert sich im Laufe des Lebens. Anfangs ist er überzeugt von
den Deutschen und pries sie als das “berühmte Volk der Innerlichkeit”. Später
kritisiert er die Deutschen und ihre Art als unterwürfig, neidisch und
zurückgeblieben. Die Besserwisserei der akademischen Betriebe und die
Oberflächlichkeit die sich im Kulturleben ausbreitete ist ihm zuwider.[16]
3.11
Ecce homo
Ebenfalls 1888 verfasst Nietzsche seine
Autobiographie „Ecce homo“, in der sich offen seine Selbstüberschätzung zeigt. wie
z. B. mit den Fragen „Warum ich so klug bin“, „Wie man wird, was man ist“ oder
„Warum ich so gute Bücher schreibe“.[17]
4.
Grundzüge der Philosophie Nietzsche
Nietzsches Philosophie steht unter dem Eindruck des
Fortschrittsglaubens und des optimistischen Atheismus von Feuerbach (ohne Gott,
Kern der Religion in der Hypostasierung des Selbstbewusstseins des Menschen als
Gattungswesen, dtv Atlas Seite 167.). Zwar wendet
sich Nietzsche auch gegen die Theologen - und das mit aller Schärfe und Härte
-, doch gleichzeitig greift er auch die allzu selbstsicheren Atheisten an, die
keine Leidenschaft empfinden. Für Nietzsche lebten im Atheismus weiterhin
christliche Ideen fort, vor allem das absurde Vertrauen zum Gang der Dinge und
zum Leben. Die Menschheit ist keine Entwicklung zum Besseren, Stärkeren,
Höheren. Der Fortschritt ist eine moderne, also falsche Idee. Nietzsches Glaube
an die Kultur ist zerbrochen.
Er nimmt Schopenhauer zum Ausgangspunkt, der in
dieser Zeit zu einer Art Ersatzreligion für Atheisten wurde, für diejenigen,
denen der Fortschrittsglaube zu optimistisch und das Christentum zu
unglaubwürdig war. Schopenhauers Pessimismus und Rückzug auf Naturprinzipien
(die mit Darwin noch mehr an Aktualität gewannen!) traf Jahrzehnte nach dem
Erscheinen den Zeitgeist, vor allem jedoch schaffte er Nietzsches
Ausgangspunkt.
4.1
Nihilismus
kommt
aus dem lat. nihil und bedeutet „nichts“, die absolute Verneinung (Negation)/fundamentale
Skepsis
3 Arten des
Nihilismus
- Theoretischer N.: Verneinung der Möglichkeit einer
Wahrheitsfindung
- N. in der Ethik: Verneinung von jeglichen Werten u.
Normen
- Politischer Nihilismus: verneint jede wie auch
immer geartete Gesellschaftsordnung
Vielfach dogmatisch radikaler Skeptizismus / ressemtimentvolle
(feindschaftliche) Reaktion gegen eine sinnlos erscheinende Weltordnung, deren
Unhaltbarkeit angeblich eingesehen ist
Stellt
alles relativ dar, verhindert somit also eine allgemeine Wahrheit
Sprache
des einzelnen bestimmt und begrenzt sein Weltbild
Vielfalt
an Perspektiven, Lebensformen, Denk- und Sprachstilen wird hoch gewertet
Kann
sich als philosophischer Höhepunkt oder als psychologischer Tiefpunkt äußern
4.2 Gott
ist Tod
Gott ist tot. Die Verkündigung des Todes ist ein Akt
der Befreiung und des Ethos. Gott ist vom Menschen erschaffen worden, um der
Welt Sinn und Ethos zu geben. Die Folgen des Todes Gottes sind noch unabsehbar,
sie bedeuten den großen Zusammenbruch. Nur der Übermensch ist ihnen gewachsen. Nach
dem Verlust der übermenschlichen Autoritäten (= Gott), sucht der Atheist nach
Ersatzautoritäten: Gewissen, Vernunft, sozialer Instinkt, Geschichte,
Utilitarismus. Die Wissenschaft mit ihrer Wertfreiheit arbeitet dem Nihilismus
entgegen, der aber nicht aufzuhalten ist. Die Folge des Nihilismus ist die
Umwertung aller Werte und die Vernatürlichung der Moral (Rückzug auf
Naturprinzip). Das Leben ist Wille zur Macht. Das Dionysische ist das
metaphysische Grundprinzip.
Die Seele ist eine Erfindung. Sie entstand aus
verdrängten Trieben, verinnerlichten Instinkten, äußerlichen Hemmungen und
Selbstzähmung.
4.3 Welt
ist ein sinnloses Chaos
Die Welt ist ein sinnloses Chaos. Alle
Interpretationen (auch die der Wissenschaft) sind Wertschätzungen unserer
Triebe und Interessen. Das Verstehen ist immer ein Verstehen aus der
Perspektive der Triebe. Moralische Wertvorstellungen wie Wahrheit sind
Machtinstrumente. Sinngebung ist Schwäche und Unehrlichkeit. Ideale sind ganz
Produkt menschlicher Erfindung. Es gibt keine Wahrheit, kein wahr, kein falsch,
kein gut, kein böse.
Demokratie ist Sklaverei. Sie bewirkt eine Vermittelmäßigung
der Massen, die Monotonie der Arbeit, die Menschheit als Maschinerie.
4.4
Übermensch
Der Übermensch ist ein Gleichnis für den vereinzelt
auftretenden "Besieger Gottes und des Nichts", hat eine
unvorstellbare Persönlichkeit. Er setzt sich an die Stelle Gottes, jenseits von
gut und böse, ist rücksichtslos gegenüber Schwachen und Kranken (=>
Ellbogengesellschaft, Macht des Stärkeren). Der Übermensch ist der Sinn der
Erde, nur er kann den Tod Gottes verkraften. Er ist aristokratisch, lebensbejahend,
kriegerisch, gesund und leidenschaftlich.
Hat den Mensch überwunden, hat den Willen
zur Macht, weiß um den Tod Gottes, lebt in einer dionysischen Welt, ist
Lebensbejahend, ist nicht die Höchstform des Menschen (Souveräner Mensch), hat
drei Wandlungsstufen erfolgreich durchlaufen. (Vertreter Nietzsches
Philosophie)
4.5
Drei Wandlungsstufen
|
Charakterisierung |
Das Kamel |
Der Löwe |
Das Kind |
|
Zweck der
Stufe |
das Richtige
lernen |
sich gegen
das |
vergessen |
|
Sozialverhältnis |
einsam |
widerspenstig |
vergnügt |
|
Gleichnis |
in die Wüste
gehen |
den Drachen
töten |
Unschuld, |
Folie aus
dtv-Atlas, Philosophie, Seite178.
Kamel ist
Ausgangsform
Sinn ist es
sich Frei zu machen, alles in Frage zustellen, ohne Rücksicht auf alles
Man kommt an einem
Punkt des Unbekannten, welches man restlos durchschauen muss.
Dann bricht der
Löwe aus
Er brüllt und
schlägt um sich
Alles ehemalig
heiliges wird zerstört und Überrannt (Kollegen und Familie die Meinung geigen)
Dadurch gelangt
man zu seinen eigenen Werten (Umwertung aller Werte)
Danach kann man
ganzen Ärger hinter sich lassenà man wird unschuldig wie ein Kind
Man hat die
absolute Macht über sich selbst Übermensch/Souveräner Mensch
4.6 Umwertung aller Werte
Man zerstört
die Vorgesetzten Normen und schafft sich eigene
Jeder soll sich
selber Werte/Regeln schaffen, die er einhalten will Unter den Regeln anderer
würde man zugrunde gehen
4.7
Religionskritik
Die Menschen haben Gott erschaffen. Ein Volk
projiziert (Feuerbach!) seine Lust an sich, das Machtgefühl, das ihn als fremd
überrascht, wird einem Stärkeren zugeschrieben. Die Religion ist ein Furcht-
und Schreckgefühl und gleichzeitig ein Höhen- und Glücksgefühl. Gott ist die
Projektion allen Neins, das der Mensch zu sich selbst, zur Natur,
Natürlichkeit, Tatsächlichkeit seines Wesens sagt. Die Entstehung des Gottesglaubens
widerlegt ihn.
Das Christentum ist eine reine Fiktionswelt, doch sie
spiegelt die Wirklichkeit nicht wider, sondern verfälscht, entwertet, verneint.
Der christliche Gott ist ein Verbrechen am Leben, ein Despot, der schwache,
hässliche und rückgratlose Kreaturen will, die sich freiwillig der
Nächstenliebe unterwerfen, geboren aus dem Ressentiment der Zu-kurz- Gekommenen.
Jesus war ursprünglich ein Fanatiker, Todfeind der
Priester und Theologen, mit einem Instinkthass gegen jede Realität, gegen jede
Formel, jeden Raum-Zeit-Begriff. "Der größte Symbolist aller Zeiten"
hebt alle Gegensätze auf und nur bedingungslose Seligkeit wird verheißen. Wahre
Christen zeigen keinen Widerstand gegen das Böse, keine Verteidigung ihrer
Rechte, passives Hinnehmen. Diese Lebenspraxis - nicht Lehre, nicht Glauben -
macht einen Christen aus.
Nietzsche begründet seinen Atheismus eigentlich
nicht, sondern setzt ihn als gegeben voraus. Sein Leben lang jedoch verbleibt
in Nietzsche ein Zweifeln, ein Sehnen; auch der Vernichtungskrieg ist ohne
diese starke emotionale Betroffenheit nicht zu verstehen. Entgegen den anderen
Religionskritikern sieht er im Atheismus keine Alternative. Vielmehr kommt mit
ihm der Nihilismus herauf, der komplette Wertverlust, die vollständige
Desorientierung. »Gott ist tot" ist zugleich der Befreiungsschrei einer
Tatsache, über die sich seine Zeitgenossen hinweggemogelt haben, und eine
erschütternde Gewissheit, die Grundlage allen Lebens verloren zu haben.
Er nimmt die christliche Kirche seiner Zeit zum
Ausgangspunkt und kritisiert sie als lebensfeindlich, unterdrückend,
duckmäuserisch, das Abbild dessen, was ihm in seiner Kindheit vermittelt wurde.
Seine Alternative, der Ȇbermensch", wird zu einer Art Ersatzreligion, der
das genaue Gegenteil dieses »Christen" verkörpert, auch eine Gegenfigur zu
ihm selbst, der von Krankheit geplagt war.
Auszüge der Philosophie Nietzsche gelesen in http://prace.sciaga.pl/12225.html
5. Nietzsche
und Hitler
Warum machten die Nazis aus Nietzsche einen
Volkshelden?
Klar dass sich die Nazis sofort auf Nietzsches Idee
den Übermenschen stürzten! Die deutsche Rasse, die Arier, das sollte Nietzsches
neue Menschenrasse sein, der Übermensch! Sie strebten nach der Vormachtstellung
in Europa und Nietzsche kam ihnen sehr gelegen, wenn er sagt: die tiefste
Sehnsucht der Menschen sei „Der Wille zur Macht“. Die Nazis machten daraus
jedoch den Willen zur Herrschaft.
Damit hatten sie ihre eigene Philosophie: die
deutschen Arier als die überlegene eigene definierte Rasse, die den Übermenschen hervorbringen
würde. Den Willen zur Macht, mit dem sie die ganze Welt beherrschen würden. Das
war ihre Bestimmung: Über die Untermanschen zu herrschen. Das war
offensichtlich, eine einfache Rechnung:
Der Übermensch herrschte über den Untermenschen.
Die Nazis nutzten
also nur den Übermenschen und den Wille zur Macht!!! Sie haben sich aber nie
die Mühe gemacht die hochkomplizierten Schriften von Nietzsche zu lesen,
sondern griffen nur die Begriffe auf, welche sie positiv für sich nutzen
konnten und interpretierten sie selbst. [18]
Für die Nazis war Nietzsche ein Seher -
seine Ausdrücke, wie zum Beispiel "Untermensch", gingen in die
Alltagssprache ein. Einig waren sich die Nazis und Nietzsche bei dem, was sie
ablehnten: Beide waren gegen die bürgerliche Gesellschaft, den Liberalismus und
die Demokratie. Dass Nietzsche mit größter Wahrscheinlichkeit auch gegen den Faschismus
gewesen ist, ist anzunehmen.
Die Nazis erschufen Nietzsche neu, so wie
er ihnen passte. Sie kehrten alles Abweichende unter den Tisch und übrig blieb
ein Philosoph, der den Faschismus quasi als Notwendigkeit vorhersah. Dass das
mit dem ursprünglichen Nietzsche nichts gemein hatte, versteht sich von selbst.
Aber aus diesem Grund war es nach 1945 in Deutschland lange Zeit unmöglich,
Nietzsche unvoreingenommen zu lesen.