Gliederung:

 

 

Biographie Mackie

Entwicklungslinien der Moralphilosophie

Die Unterscheidung zwischen moralischen Äußerungen erster und zweiter Ordnung

Einige metaethische Begriffe

 

Anti-Objektivismus

Die These und ihr Sinn

Die Argumente zugunsten des  moralischen Subjektivismuses zweiter Ordnung

Objektivierung statt Objektivität

 

Beziehung zwischen Ethik und Metaethik

Bedeutung von Gut

Bedeutung von Sollen

Universalisierbarkeitsdebatte

 

Der Utilitarismus: eine mögliche Alternative?

Kritik des Akt-Utilitarismus

Regelutilitarismus statt Akt-Utilitarismus

Der angebliche Beweis für das Nützlichkeitsprinzip

Die fünf negativen Thesen

Widerstreit zwischen individueller und kollektiver Rationalität

Der Zwang zur Flexibilität und Wandelbarkeit

Ansatz für praktizierbare Moral

 

 

Moralphilosophie ohne Metaphysik

Zu Beginn des Referates geben wir eine kurze Begriffserklärung des Themenbereichs:

Moral (frz.: moral, v. lat.: moralis die Sitten betreffend) beschreibt: die Gesamtheit der sittlichen Normen, Werte, Grundsätze, die das zwischenmenschliche Verhalten einer menschlichen Gesellschaft regulieren und von ihrem überwiegenden Teil als verbindlich akzeptiert oder zumindest hingenommen werden (herrschende Moral; bürgerliche Moral). In der Philosophie die Lehre vom sittlichen Verhalten des Menschen (häufiger Ethik genannt). Metaphysik ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit Ursprung, Grund und Ziel allen Seins, aber auch einem möglichen höchsten Sein befasst.

Biographie Mackie:

John Leslie Mackie (* 1917 in Sydney, Australien; † 1981) war Professor für Philosophie an den Universitäten Otago (Dunedin, Neuseeland), Sydney (Australien), York (England) und Oxford (England). Ab 1974 Mitglied der British Academy. Nach dem Kriegsdienst lehrte er Moralphilosophie und politische Philosophie an der Universität in Sydney. Mackie lieferte vielseitige Untersuchungen, die durch einen starken Empirismus gekennzeichnet waren. Er lieferte eine Bestimmung des Begriffs der Kausalität. Sein Vorschlag war es, die Ursache als eine INUS-Bedingung (nicht hinreichender, aber notwendiger Teil einer Bedingung, die selbst nicht notwendig, aber hinreichend für die Wirkung ist) zu deuten. Weiter bezweifelt Mackie die Haltbarkeit eines moralphilosischen Realismus. Er behauptet, dass sich ethische Fragen trotzdem rational diskutieren lassen. In The Miracle of Theism (1982) gelangt er zu dem Ergebnis, dass uns keiner der traditionellen Gottesbeweise gute Gründe dafür liefert, an die Existenz Gottes zu glauben.

 

 

 

Entwicklungslinien der Moralphilosophie

Es lassen sich zwei Strömungen unterscheiden:

moralphilosophische Objektivisten (z.B. Platon, Aristoteles, Kant)

moralphilosophische Subjektivisten (z.B. Hume, Hobbes; Mackie)

Zur Unterscheidung kommt es durch die unterschiedliche Beantwortung der drei zentralen Fragen:

- Sind Werte objektiv vorgegeben?

- Sind moralische Sollensurteile wahrheitsfähig?

- Sind Werte bzw. Normen vom Menschen erkennbar?

Die Subjektivisten beantworten diese Fragen ausnahmslos mit `Nein´. Die Moral wir vom Menschen selbst konstruiert, also gewollt, und ist deshalb frei von der Metaphysik.

 

Die Unterscheidung zwischen moralischen Äußerungen erster und zweiter Ordnung

Moralische Äußerungen erster Ordnung: Wenn ein  Mensch eine bestimmte Handlung als sittlich verwerflich, eine andere als moralisch richtig bezeichnet. Zu verstehen sind damit nicht nur Aussagen über Individuelles, sondern auch über Allgemeines (Tötungsverbot, man soll nicht stehlen).

Moralische Auffassungen erster Ordnung: Wenn  diese seinen wirklichen Überzeugungen entsprechen.

Moralische Auffassungen zweiter Ordnung: Nachdenken über moralisches Werten.

Moralische Äußerungen zweiter Ordnung: Resultat aus Überlegung durch sprachlichen Niederschlag.

 

Einige metaethische Begriffe

Hume und Mackie sind die beiden interessantesten empirischen Moralphilosophen. Auffassungen, die für das Handeln Konsequenzen haben, können lt. Hume: deskriptiv (X ist ein Gefühl der Billigung); emotivistisch (Gefühlsausdruck; ich billige dies); oder präskriptivistisch (handlungsanleitend) sein. Auf Grund der verschiedenen Deutungsmöglichkeiten kann es zu Mischdeutungen kommen. Einfache und einlinige Deutungen moralischer Ausdrücke gibt es nicht.

 

Anti-Objektivismus:

Die These und ihr Sinn

Laut Mackie existieren keine objektiven Werte auf Grund eines ethischen Skeptizismuses (= Zweifel an allgemeingültiger Wahrheit / sicherem Wissen). Für den Menschen gibt es kein objektiv höchstes Gut. Gut muss in diesem Zusammenhang als Dasein / Existieren verstanden werden und nicht als Wertigkeit. Am  Beispiel der Naturgesetze macht Mackie die unterschiedlichen Ansichten der beiden Strömungen deutlich: Der Objektivist sucht, entdeckt und erkennt Naturgesetze. Beim Subjektivisten hingegen werden diese schöpferisch hervorgebracht. Durch dieses Prinzip lässt Mackie es zu Wertäußerungen als wahr oder falsch zu bezeichnen. Wahrheit oder Falschheit kann man dann ermitteln wenn man sich auf allgemein anerkannte Wertungsmaßstäbe bezieht (egal ob schriftlich oder mündlich festgehalten). Es ist somit möglich, relativ zu anerkannten Wertemaßstäben, objektive Wertungen anzunehmen, so z.B. bei einem richterlichen Entscheid oder einer sportlichen Bewertung.

 

Die Argumente zugunsten des  moralischen Subjektivismuses zweiter Ordnung

Drei Argumentationen werden unterschieden:

1.       Relativitätsargument:  Es deutet die Verschiedenheit moralischer Regelsysteme und Überzeugungen verschiedener Personengruppen in derselben Gesellschaft. Begründet wird dies durch den unterschiedlichen Entwicklungstand und die unterschiedliche Lebensgestaltung der Individuen. Bsp.: Monogamie= Vorgegebenes Regelsystem. Man lebt in Übereinstimmung wegen Angemessenheit des Verhaltens in der Gesellschaft, aber nicht weil ich von dieser moralischen Angemessenheit überzeugt bin.

2.  Absonderlichkeitsargument: Glaubt man an objektive Werte müsste man `Getanwerden´ und `Unterlassenwerden´ anerkennen. Für den Objektivisten sind Werte  `nichtnatürliche Qualitäten´ (=gegeben) aufgrund der Fähigkeit zur moralischen Einsicht (= moralische Intuition = ahnendes Erfassen).  Somit ist der Subjektivist zweiter Ordnung nicht genötigt (da er sinnvoll über Moral reden kann) sich Entitäten die das Getanwerdensollen betreffen, aneignen zu müssen.

3.       Rätsel des Zukommens: Eine weitere Barriere für den Objektivisten stellt die Eigenschaft der Handlungen dar, da er nur beschreibt. Handlungen haben allerdings natürlichen Charakter. Bsp.: `grausam´ anhand Schmerzzufügung aus Lust.  Der Objektivist muss eine Verbindung herstellen zwischen der natürlichen Tatsache, dass dies eine grausame Handlung ist und der moralischen Tatsache, dass sie moralisch falsch ist. Der Subjektivist löst diese Schwierigkeit durch naturalistische Beschreibung der Handlung, gesellschaftlicher Beurteilung und Akzeptanz der Umwelt.

 

Objektivierung statt Objektivität

(Objektivierung: etwas in eine bestimmte, der objektiven Betrachtung zugängliche Form bringen / Objektivität: strenge Sachlichkeit) Der Werteobjektivismus beinhaltet das alltägliche Denken. Die Sprache wird dazu verwendet Einstellungen und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen unabhängig von subjektiven Werten, wie z.B. Wünsche, Präferenzen oder Entscheidungen. Mackie wirft den Objektivisten einen metaethischen Fehlschluss vor, da sie von einer verbreiteten Überzeugung auf Richtigkeit schließen. Der Subjektivist hingegen deutet dies als Irrtumstheorie, mit der Begründung, dass Handlungsanweisungen nicht vorschreibend sind, da jeder Mensch autonom ist und Handlungsfreiheit besitzt. Daraus folgt das Handlungen nicht vorschreibbar sind. Hume zeigt, dass es sich bei Werten um Produkte der Objektivierung handelt und nicht um objektive Entitäten (Größen/Gegebenheiten). Dies wird am Beispiel Ekel vor Spinnen deutlich, da der Spinne die nichtnatürliche Eigenschaft der Hässlichkeit zugeschrieben wird. Diese  Eigenschaft wird durch die Gesellschaft unterstützt. Solch ein Verhalten übt Druck auf Individuen aus und veranlassen es als sittliche Norm anzuerkennen. Damit wird der Eigenschaft eine Objektivität zugeschrieben ohne objektiv zu sein.

Beziehung zwischen Ethik und Metaethik

Bedeutung von Gut

Mackie versucht das Verständnis von Moral an Hand des Wortes `gut´ zu erläutern. Eigenschaften können einfach oder komplex und nach natürlicher oder nichtnatürlicher Qualität beurteilt werden. Moore stellte fest, das `gut´ eine einfache, nichtkomplexe, nicht analysierbare Qualität bezeichnet. `Gut´ ist nicht definierbar, da das Wort Intension (Inhalt des Begriffes) und nicht Extension (Umfang des Begriffes) umfasst.

Subjektivisten plädieren für die Verwendung eines attributiven Adjektivs, um `gut´ im moralischen und nichtmoralischen Kontext verwenden zu können. Durch die Verwendung attributiver Adjektive besteht eine Variabilität für die Verwendung bedeutungsgleicher Wörter. Dies bedeutet dass eine Person Skifahrer und Pianist sein kann, aber nicht in beiden Dingen gut sein muss. Bei der Verwendung attributiver Adjektive besteht jedoch das Problem der Gewichtung, welche Kriterien dazu verwendet werden, um von gut sprechen zu können. Laut Mackie ist dies kein Problem, wenn `gut´ = `geeignet´ entspricht. Die Bedeutung ist vom Zusammenhang abhängig. Der Mensch ist auch dann ein guter Skifahrer, wenn er die notwendigen Fähigkeiten besitzt, um etwas zu tun. Weiterhin kann der Mensch auch sagen, das der andere Mensch etwas gut kann ohne Eigeninteresse daran zu haben, da der erstere die Fähigkeiten besitzt dies zu tun. Daraus folgt laut Mackie, das `gut´ ein dispositionelles Merkmal ist, da `gut´ zwar einen einheitlichen Bedeutungskern hat, aber die volle Bedeutung sich erst aus dem Kontext ergibt.

 

Bedeutung von Sollen

Hume stellt fest, dass Philosophen häufig von Istsätzen zu Sollenssätzen übergehen. Dies ist in seinen Augen nicht möglich. Es besteht jedoch eine Ausnahme. Mackie legt den Begriff der Institution zugrunde, was er an hand des Schachspiels (Regelverstoß) und der moralischen Verwendung in der Gesellschaft (Akzeptanz der Regeln) deutlich macht. Damit ist die Bedeutung von `sollen´ ebenso Kontextabhängig wie das Wort `gut´. Es müssen die Handlungsgründe untersucht werden. Es werden  drei Arten unterschieden:

Hypothetisch – imperativer Art (Klugheitsregeln): Befehlsform: Du sollst x tun! Diese Art setzt ein kausales Wissen voraus, damit ein Ziel erreicht werden kann. Sollen beinhaltet somit eine `Empfehlung´.

Institutionelle Art: In unserem Leben gibt es moralische und rechtliche Institutionen. Die Regeln dieser Einrichtungen werden schon von Beginn an, mit dem zugehörigen Sprachgebrauch, verinnerlicht. Ein Handlungsgrund der sein kann, um die Wünsche anderer Menschen zu erfüllen oder Leiden anderer Menschen zu lindern wegen der geltenden moralischen Tradition. Diese Beruhen auf dem Wohlwollen anderen Menschen gegenüber, beinhalten aber keine Pflicht.

Egozentrische Art: „Du musst dies tun!“, „Warum?“, „Weil ich es will!“. Durch die Äußerung des Sollenssatzes wird eine Wunscherfüllung geäußert, die durch den Adressaten erfüllt werden soll. `Sollen´ und `müssen´ bekommen ähnliche Bedeutung. Somit wäre es angemessener für `müssen´ das Wort `sollen´ zu gebrauchen.

 

Universalisierbarkeitsdebatte

Nach Auffassung vieler Philosophen müssen Urteile universalisierbar sein, nämlich im Sinn von `verallgemeinerungsfähig´. Mackie ist hier nicht derselben Auffassung. Er erklärt diese Art von Moralverbreitung als unmöglich. Zur Klarheit seiner Theorie unterteilt er in drei Stufen der Universalisierbarkeit:

Universalisierungsprinzip erster Stufe: Numerische Unterscheidungen für moralische Beurteilung sind irrelevant. Imperative wie: “Töte niemals“ gelten für jeden. Es bedeutet also, das etwas nicht für den Einen moralisch richtig sein kann und für den Anderen nicht. Ein bekanntes Sprichwort sagt: „Was du nicht willst, was man dir tu´, das füg ´auch keinem anderen zu.“ verdeutlicht die Aussage. Um eine numerische Unterscheidung zulassen zu können müsste man einen Artenunterschied (z.B. Hautfarbe, Rasse, Geschlecht, Religion…) mit einbeziehen. Diese sind laut Mackie allerdings nicht vorhanden. Diese qualitative Unterscheidung wird durch das

Universalisierungsprinzip zweiter Stufe ergänzt, welches qualitative Unterschiede für irrelevant erklärt. Mackie gibt zu bedenken, dass man sich in den anderen Menschen versuchen muss hinein zu versetzen, mit der Hoffnung, dass damit die Unfairness ausgeschlossen wird (Unterschiede in Religion, Hautfarbe… werden ausgeschlossen). Diese zweite Stufe ist immer noch durch die fehlende Vorstellung der kulturellen Umgebung begrenzt, da man immer noch derselbe Mensch bleibt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer dritten Stufe.

Universalisierungsprinzip dritter Stufe sagt  aus, das Wünsche, Präferenzen, Kultur und Geschmack des anderen angenommen werden müssen, also in der Form zu denken wie der Andere.

Zusammenfassend kommt Mackie zu dem Ergebnis, dass die Moral nicht ausschließlich mittels metaethischer Methoden ermittelt werden darf. Im Folgenden versucht Mackie zu prüfen, ob der Utilitarismus eine Alternative zur Universalisierbarkeit darstellt, um ein Moralkonzept zu begründen.

 

Der Utilitarismus: eine mögliche Alternative?

Kritik des Akt-Utilitarismus

Utilitarismus ist die Bezeichnung für eine bestimmt Klasse teleologischer (zielgerichteter) Theorie. Der Zweck des Handelns soll Einzelpersonen oder der Gemeinschaft nutzen. Der Beurteilungsmassstab stellt die Nützlichkeit dar. Die nichtmoralischen (als gegeben hingenommen), subjektiven Werturteile bilden die Ausgangsbasis für eine Moral. Der sittliche Wert einer Handlung wird durch die Gegenüberstellung von Pro und Kontra ermittelt. Die Folgen der Handlung zählen dann für alle Betroffenen.  Die Nützlichkeit zählt demzufolge als einzige Grundlage für den Utilitarismus. Es wird  zu einem Handeln nach größt möglichem Nutzen für die Betroffenen angeleitet. Kann der Utilitarismus als Grundlage für eine Moralphilosophie verwendet werden? Mackie führt drei Kritikpunkte auf:

·        begriffliche Grundlagen:

1.       Wer gehört zum Kreis der Betroffenen, nur der Mensch? Die Moral schränkt nur den Bereich des Menschen ein. Eine solche Auffassung ist aber nicht sehr plausibel, da einerseits das Gute mit Lebensfreude und andererseits Übel mit Schmerz gleichsetzt wird und so Lebewesen ausklammert die Freude und Schmerz empfinden.

2.       Ist der Kreis der Betroffenen nur auf heute Lebende einzuschränken oder müssen auch künftige Generationen miteinbezogen werden? Es gibt zu dieser Frage nur eine sehr dürftige oder gar keine Antwort.

3.       Ist es für ein und denselben Menschen möglich Lebensfreude und Schmerz quantitativ zu messen? Vom Utilitaristen wird eine bejahende Antwort gegeben. Laut Mackie ist es nicht deutlich, wie man die Nutzenfunktionen verschiedener Personen vergleichen bzw. bewerten soll.

·        die Verteilungsproblematik:

Die Verteilungsproblematik stellt die Schwachstelle des Utilitarismus dar, da sie nur auf einem Summierungsprinzip beruht, wonach die Gesamtsumme an Wohlfahrt zu maximieren sei. Daher ist es noch keiner utilitaristischen Theorie gelungen Verbot der Sklaverei zu begründen.

·        die praktische Realisierbarkeit:

Der Utilitarismus ist nicht realisierbar, da der Mensch lt. Mackie nicht zum Wohle der Allgemeinheit handelt.

 

Regelutilitarismus statt Akt-Utilitarismus

Beim  Regelutilitarismus wird das Allgemeinwohl als Kriterium zum richtigen Handeln herangezogen. Regeln entstehen aus der Nützlichkeit, Maßstab der Handlungen sind die Regeln. Regeln werden als Regeln ernst genommen und utilitarische Überlegungen erst dann aufgeführt, wenn Rechtfertigung notwendig wird. Aus dem Regelutilitarismus ergibt sich ein zweistufiges Verfahren, da der Maßstab der Handlungen Regeln sind, die auf Nützlichkeit basieren. Im Gegensatz dazu, ist der Akt-Utilitarismus ein einstufiges Verfahren, da der Maßstab der Handlungen die Nützlichkeit ist (Regeln gelten hier nur als Faustregeln).

 

 

Der angebliche Beweis für das Nützlichkeitsprinzip

Es gibt Utilitaristen, die meinen einen Beweis für das Nützlichkeitsprinzip gefunden zu haben. Mill ist einer dieser Utilitaristen. Er behauptet das Glück des Einzelnen entspricht dem Glück der Gesamtheit der Menschen. Die Schlussfolgerung wird von Mackie als sinnlos erachtet, da die Gesamtheit der Menschen als ein Subjekt behandelt wird, aber diese es nicht sind. Mit der  Deutung von `Gut sein für´ im Sinne von `Streben nach oder in sich wünschenswert´ nimmt der Utilitarist einen Wertobjektivismus an, den Mackie kritisiert. Schlussfolgernd kommt Mackie zu der Ansicht,  dass der Utilitarismus nur einen Schein eines Beweises darstellt, auf Grund eines Verblüffungseffektes bedingt durch ein Zusammenspiel von Vagheiten,  Äquivokationen (Wortgleichheit bei Sachverschiedenheit) und unzulässiger Objektivierung.

 

Die fünf negativen Thesen

Die moralphilosophischen Irrtümer sind in den fünf negativen Thesen von Mackie nochmals aufgeführt:

Ablehnung des Objektivismus. Es gibt keine objektiven Werte, keine an sich geltenden moralischen Normen und auch kein allgemeines Sittengesetz.

Ablehnung des Intuitionismus. Es gibt keine Fähigkeiten die die Erkenntnis von moralisch Richtigem oder Falschem zulassen.

Moralphilosophie setzt Wünsche und Präferenzen des Individuums voraus. Er lehnt den Utilitarismus wegen der Wandelung des Menschen ab, da hier eine Illusion besteht.

Eine Moralphilosophie ist nicht durch die Universalisierbarkeit begründbar, da es sich bei der Deutung um metaethische und nicht um moralphilosophische Interessen handelt. Es ist keinem Menschen möglich in anderen Menschen zu denken.

Metaethische Studien haben keine moralphilosophische Bedeutung, da Werte und Normen nur angenommen werden (z.B. Intuitionismus, Universalisierbarkeit).

Die fünf negativen Thesen machen deutlich, dass wir uns entscheiden müssen auf welchen moralischen Standpunkt wir uns stellen und welche Regeln wir dafür  akzeptieren wollen. Moral ist laut Mackie ein System von Verhaltensregeln mit der Aufgabe die Interessen anderen Mitglieder der Gesellschaft dadurch zu wahren, dass den natürlichen Neigungen und spontanen Wünsche des Handelnden Schranken auferlegt werden. Die Moral erfordert eine zwischenmenschliche Kooperation (meine Freiheit hört auf, wo die des anderen beginnt). Das Problem einer jeden Moralphilosophie ist die eigene Konstruktion und Durchsetzung individueller Regeln eines Individuums ohne Rücksicht auf andere, die bei dieser Empfehlung zur sicheren Katastrophe führen könnte.

 

Widerstreit zwischen individueller und kollektiver Rationalität

Handeln kann ausgehend von der Rationalität aus zwei Sichtweisen betrachtet werden; entweder individuell-rational oder kollektiv-rational. Individuell-rational bedeutet, dass das Handeln nur aus eigener Sicht betrachtet wird. Dies wird anhand eines Beispiels genauer erläutert. Soldaten haben die Aufgabe eine Position zu verteidigen bis Unterstützung eintrifft, ausgehend davon, dass beide rationale Egoisten sind. Beide wissen auch über Ihre Situation bescheid, dass bei einer Flucht eines Soldaten die Überlebenschance für den Fliehenden wesentlich größer, als wenn beide bleiben. Aus der Sichtweise des Schützenwärters ist es wesentlich günstiger zu überleben, wenn beide bleiben würden. Anhand dieses Beispiels wird deutlich welche Auswirkungen die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten haben. Handle ich individuell- rational würde ich nur nach meinem persönlichen `Glück´ streben. Handle ich im Gegensatz dazu kollektiv-rational würde ich zum Wohle der Allgemeinheit handeln. Daraus folgt, dass beide im Graben verharren sollten um eine gewisse Gemeinnützigkeit zu entwickeln.

 

Der Zwang zur Flexibilität und Wandelbarkeit

Die Moral wird laut Mackie durch zwei Aspekte beeinflusst. Ein Aspekt ist die quantitative Unterscheidung zwischen größeren und kleineren Gruppen. Regeln in kleineren Gruppen sind weniger flexibel und spezieller, als in größeren Gruppen. Der zweite Aspekt stellt die Ethik dar. Es stellt sich die Frage, ob konservative oder reformatorische Einstellungen überwiegen? Darauf gibt es keine pauschale Antwort, da sich moralische Institutionen schon seit Jahrtausenden bewährt haben, aber Veränderung der Lebensbedingungen, wie z.B. Anwachsen der Abhängigkeit aufgrund weltwirtschaftlicher Verflechtung, führen trotzdem zu einer Ergänzung, Erweiterung, Flexibilität und Wandelbarkeit der geltenden Moralsysteme, da die Menschen eine größere Verantwortung allen gegenüber haben.  Die Moral ist uns nicht vorgegeben sondern wird durch uns konstruiert. Dieses `Schaffen´ darf nicht als eine Leistung der Vergangenheit  angesehen werden, sondern als ständiges Neuschaffen.

 

Ansatz für praktizierbare Moral

Zum Schluss unseres Referates stellt sich die Frage: Wie ist Moral praktizierbar? Zwei Möglichkeiten werden uns unterbreitet. Das eine wäre eine deontologische Theorie der Moral. Man versteht darunter verpflichtende Handlungen auszuführen unabhängig der Konsequenzen (pflichtorientiert). Die zweite Möglichkeit wäre der konsequentialistische Ansatz, bei dem es auf die Folgen der zu beurteilenden Handlungen ankommt. Laut Mackie kommt keine brauchbare Moral ohne konsequentialistische Gesichtspunkte zustande.