John Locke

 

 

 

 

Biographie John Locke. 1

Geschichtlicher Hintergrund. 3

Menschenbild von John Locke. 3

Werke von John Locke. 4

1. Buch: Weder Ideen noch Prinzipien sind angeboren. 5

2. Buch: Über die Ideen. 5

3. Buch: von den Wörtern. 16

4. Buch: Vom Wissen und der Wahrscheinlichkeit 17

Intuitives Wissen. 18

Religionsphilosophie. 18

Gedanken über Erziehung. 20

Politische Philosophie. 21

Zwei Abhandlungen über die Regierung. 21

Freiheitstheorie. 25

Lockes und Hobbes. 26

Bibliographie. 30

 

 

 

 

 

 

 

Biographie John Locke

 

 

 

 

Geschichtlicher Hintergrund

 

 

Das 18. Jahrhundert wird bezeichnet als das Zeitalter der Aufklärung. In dieser Epoche war ein wichtiges Kriterium der Gebrauch der Vernunft, wodurch weitreichende philosophische, soziale und politische Veränderungen stattfanden.

Vordenker der Aufklärung waren unter anderem Rene Descartes, Thomas Hobbes, sowie auch John Locke.

Lockes Schriften (vor allem sein Hauptwerk: Ein Versuch über den menschlichen Verstand) boten eine Grundlage der Philosophie der Aufklärung. Durch die kritische Tendenz seines Denkens und durch seinen Einsatz für den politischen Liberalismus wurde John Locke zu einem der wichtigsten Vorläufer der Aufklärung.

Locke ist Mitbegründer des Empirismus. Empirismus geht davon aus, dass alle Erkenntnis auf Erfahrung beruht .Die Erfahrung ist die einzige Wissensquelle.

Im Gegensatz dazu steht der Rationalismus. Hier bildet das Denken die Grundlage der Erkenntnis. Die Welt wird deduktiv erfasst.

Locke wird als Denker des Übergangs bezeichnet. Er stellte die Aufgabe Erkenntnisansprüche kritisch zu prüfen. Locke hatte sich einerseits von rationalistischen bzw. von metaphysischen Ansätzen nicht vollständig gelöst, andererseits leitete er eine Entwicklung ein, die zu empiristischen Auffassungen und schließlich zum Positivismus geführt hat.

 

 

Menschenbild von John Locke

 

 

§         Menschen sind wesensmäßig alle gleich

§         Vernunft bestimmt das Denken und Handeln des Menschen

§         Der Mensch ist aus eigener Erkenntnis grundsätzlich bereit in einem friedlichen Miteinander zu leben

§         Der Mensch hat Bedürfnisse wie Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Werke von John Locke

 

 

v     Ein Brief über Toleranz: Veröffentlichung 1689

v     Zwei Traktate über die Regierung: anonyme Veröffentlichung 1690

v     Über den menschlichen Verstand: Veröffentlichung 1690

v     Einige Betrachtungen über die Folgen der Zinssenkung und der Anhebung des Münzwertes: Veröffentlichung 1692

v     Einige Gedanken zur Erziehung: Veröffentlichung 1693

v     Die Vernünftigkeit des Christentums: anonyme Veröffentlichung 1695

 

 

 

 

 

 

 

Das Hauptwerk von John Locke „ Ein Versuch über den menschlichen Verstand –

 An Essay Concerning Human Understanding ist bereits um 1670 entstanden. Aber erst zwanzig Jahre  später wurde das Buch veröffentlicht.

„ Da es der Verstand ist, der den Menschen über alle übrigen empfindenden Wesen erhebt  und ihm die ganze Überlegenheit und Herrschaft verleiht, die er über sie besitzt, so ist er sicherlich ein Gegenstand, der eben durch seine hohe Würde die Mühe einer Untersuchung lohnt. Wie das Auge lässt uns der Verstand alle anderen Dinge sehen und wahrnehmen, ohne doch dabei seiner selbst gewahr zu werden, und es erfordert Kunst und Mühe, um einen gewissen Abstand von ihm zu gewinnen und ihn zu seinem eigenen Objekt zu machen.“[1]

Dieser Zitat unterstreicht den Titel und gibt dem Leser die Möglichkeit sich auf die Richtung des Werkes einzustellen. Locke teilt sein Werk in vier Bücher auf.

 

1. Buch: Weder Ideen noch Prinzipien sind angeboren

Für Locke gibt es weder angeborene Ideen noch angeborene Prinzipien.

Prinzipien sind die wahrheitsfähigen Grundgedanken, welche er in theoretische und praktische teilt. Zu den theoretischen gehören Axiome der Mathematik und der Logik, zu den praktischen die Gebote der Ethik und der Religion. Ideen sind dagegen die Bestandteile solcher Gedanken. Er untermauert seine Überzeugung mit dem Argument:

„Gäbe es angeborene Ideen oder Denkgrundsätze, so müssten auch unerfahrenen Kinder sie beherrschen und überdies die Menschen in aller Welt darüber einig sein. Weder das eine noch das andere trifft zu.“[2]

Locke lehnt die Vorstellung Descartes über angeborene Ideen ab.

Wenn Descartes von angeborenen oder eingeborenen Ideen spricht, so meint er damit, dass alle unsere Begriffe auf Grundbegriffen aufruhen, die ihren Ursprung in unserem eigenen Geist haben.

Locke vergleicht den Geist bei der Geburt des Menschen mit einem weißen Blatt Papier, das keine Schriftzeichen trägt.

„ In Locke ist also die Vorstellung von einer Seele als einer inhaltslosen tabula rasa, die nun erfüllt werde aus dem, was wir Erfahrung nennen.“[3]

 

2. Buch: Über die Ideen

umfasst die detaillierte Lockesche Ideenlehre.

 „Alles, was der Geist in sich wahrnimmt oder was unmittelbares Objekt der Wahrnehmung, des Denkens oder des Verstandes ist, das nenne ich eine Idee.“[4]

Geistiges Tätigsein ist für Locke identisch mit Haben von Ideen. Ideen basieren auf unserer Erfahrung.

Dabei werden sie aus zwei Quellen geschöpft, aus Sensation und Reflexion.

·        äußere Erfahrung / Sensation

sie nimmt die sinnliche Eindrücke = Sinneswahrnehmung

Unsere Sinne nehmen Ideen wahr und leiten sie an unseren Geist.

 

 

 

 

·        innere Erfahrung / Reflexion

eigene Akte, Zustände und Erlebnisse. Das Bewusstsein empfängt die Eindrücke nicht von außen, sondern durch die Beobachtung „von“/“aus“ sich selbst und seiner Tätigkeit. Ideen entspringen der Tätigkeit des Geistes selbst.

Locke unterscheidet das Erkennen: Wahrnehmen, Erinnern, Unterscheiden, Vergleichen und das Wollen.

Einfache Ideen

sind die einfachsten Bausteine unseres Denkens, einfache Abbilder von Eindrücken.

Locke erkennt, dass das, was durch Wahrnehmung ins Bewusstsein gelangt, niemals die Dinge / Substanzen selbst, sondern immer nur Qualitäten sind.

Er unterscheidet primäre und sekundäre Qualitäten.

·        Primäre Qualitäten

Es sind reale Eigenschaften der Dinge, nämlich Ausdehnung, Gestalt des Körpers, Undurchdringlichkeit, Bewegung, Ruhe und Zahl. Es ist egal ob diese Eigenschaften wahrgenommen werden, oder nicht. Die Eigenschaften haften den Körpern konstant an. Selbst bei fortschreitender Zerkleinerung / Zerstückelung eines Weizenkorns weisen die dabei entstehende Teilchen stets eine gewisse Größe und Gestalt auf.

Es besteht kein Grund anzunehmen, dass die Dinge in dieser Beziehung nicht so sein sollten, wie wir sie wahrnehmen.

·        sekundäre Qualitäten

Die sekundären Eigenschaften: Farbe, Geschmack, Geruch, Temperatur kommen den Körpern nicht konstant, sondern nur gelegentlich und in bestimmten Beziehungen zu.

Ein Körper ist warm, dann kalt, die Farbe kann wechseln usw.

Sie werden durch das Wirken der Dinge auf unsere Sinnesorgane hervorgerufen. Locke weist darauf hin, dass es unbegreiflich bleibt, wieso eine bestimmte Bewegung kleinster Teilchen nun in uns den Eindruck Wärme oder grün zustande bringt.

Komplexe Ideen

Der Verstand bildet  die komplexen Ideen durch die Kombination aus den einfachen Ideen .„Wenn eine Person sich einen goldenen Berg vorstellt, dann ist ihr Geist mit der Idee eines goldenen Berges befasst. Da es aber keine goldenen Berge gibt, ist nicht zu sehen, wie jene Person diese Idee aus der Erfahrung gewonnen haben soll. Die Idee des goldenen Berges ist kein Ganzes, sondern sie lässt sich in eine Gold – und in eine Bergkomponente zerlegen. Sowohl die Gold – als auch die Bergidee werden jedoch aus der Erfahrung gewonnen.“[5]

 

Komplexe Ideen werden bei Locke in drei Klassen unterteilt.

·        Modi oder Modifikationen

            Einfache Modi

Sie bestehen aus gleichartigen Teilelementen. Sie entstehen durch    Aneinanderreihen derselben Eigenschaft. Zu den einfachen Modi zählt Locke die Idee des Raumes, die auf der einfachen Vorstellung der Ausdehnung nach Länge, Breite und Tiefe beruht.

            Gemischte Modi

Sie bestehen aus ungleichartigen Elementen. Sie sind aus einfachen Ideen verschiedener Art zusammengesetzt. Der Geist bildet gemischte Modi gemäß seinen Bedürfnissen ganz nach eigenem Ermessen.  Gemischte Modi  wie Blutschande oder

 

 

 

Kirchenraub sind Ideen von Eigenschaften oder Tätigkeiten, die an realen Dingen und Personen vorkommen können, aber nicht vorkommen müssen.

 

 

·        Substanzen

Zusammensetzen verschiedener einfacher Ideen zu einem Komplex. Bestimmte Eigenschaften, primäre und sekundäre Qualitäten

·        Relationen

Die einfachen Ideen werden verglichen und in Beziehung gesetzt.

Sie entstehen  durch den Vergleich einer Idee mit einer anderen.

Identität und Verschiedenheit, Gleichheit und Ungleichheit und Kausalität / Ursache und Wirkung.

 

 

Von der Einerleyheit und Verschiedenheit ein Kapitel aus dem 2.Buch

          

Wenn wir ein Ding betrachten, das in einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort vorhanden ist, so vergleichen wir es mit einem Dasein des Dinges, welches wir aus der Vergangenheit kennen.

Stimmt das aktuelle Bild mit dem zweiten Dasein überein, so unterscheiden sie sich nicht im „geringsten[6] von einander, so ist dieses Ding gleich. In dem Falle spricht Locke von der „Einerleyheit“. Entdeckt der Betrachter eine Abweichung zwischen den beiden Bilder, so handelt es sich um die Verschiedenheit.

Bei diesem Vergleich stellen wir uns also die Frage, ob der gegenwärtige  Dasein des Dinges sich von dem Ding aus der Vergangenheit unterscheidet.

Nach Locke haben wir nur drei Gattungen von Substanzen: Gott, endliche Geister und den Körper. Als kleine Erinnerung : Substanzen sind einfache Ideen, die durch den Vergleich einer Idee mit einer anderen entstehen.

Da außer den Substanzen alle anderen Dinge nur Zufälle oder Verhältnisse sind, welche eine Substanz bilden, lässt sich die „Einerleyheit“ und Verschiedenheit durch Vergleichen bestimmen. Eine Bewegung und ein Gedanke können nie gleich sein. Denn die Bewegung baut sich als Folge des Gedankens zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt auf, somit sind sie verschieden. So gesehen, haben beide einen unterschiedlichen Anfang seiner Wirklichkeit.

 

 

 

 

 

Dasein ist nichts anderes als „Einzelnheit“. Durch Dasein wird ein Wesen zeitlich und räumlich eingeschränkt und bestimmt.

Beispiel:

Ein Körper – ein unteilbares Stäubchen – mit  einer unveränderbaren Fläche ist am bestimmten Ort und zur bestimmten Zeit wirklich vorhanden. Er ist handgreiflich. Solange sein Dasein dauert, so lange bleibt er das was er ist und kann kein anderes Ding sein. Wenn sich mehrere Stäubchen zu einer Masse schließen, gilt das gleiche. Solange die Teilchen der Masse zusammenbleiben und kein Teilchen weggenommen oder zugefügt wird, bleibt die Masse in ihrem Dasein gleich. Bei kleinster Abweichung wird die Masse geändert und somit auch ihr Dasein. Bei lebendigen Körpern wird die „Einerleyheit“ durch die Veränderung der Größe der Teilchen nicht beeinflusst.

Eine Eiche, die aus einem kleinen Bäumchen wächst, ist immer noch die gleiche Eiche, nur größer.

 

Wo liegt der Unterschied zwischen einer klumpen Materie und einer Eiche?

Die Eiche bildet organische Teile, welche für die Nahrungsaufnahme und Teilung der Pflanze zuständig sind. Da diese Bildung sich in einem gewissen Augenblick in einer gewissen Sammlung von Materie findet, so unterscheidet sie sich von anderen organischen Bildung.

Beim einem Tier sind während der Wachstumsphase die Änderungen minimal, so dass es immer als das gleiche angesehen wird.

Die „Einerleyheit“ von einem Menschen besteht in einer Gemeinschaft desselben Lebens, das bei ständigem Verfliegen der Teilchen der Materie fortdauert. Diese Teilchen sind mit dem organischen Körper auf eine ihm zugehörige Art verbunden. Die „Einerleyheit“ muss so sein, wie der Begriff ist, der zu einen Namen gehört. Die selbe Substanz, der selbe Mensch und die selbe Person, es sind drei unterschiedliche Dinge. Substanz, Mensch, Person sind drei Namen, die jeweils zu einem anderen Begriff gehören.

Locke meint, dass nicht der Begriff von einem denkenden oder vernünftigen Wesen allein den Begriff: „Mensch“ ausmacht, sondern von so und so „gestalteten Leibe der mit solchem Wesen“ vereinigt ist. Neben dem Körper mit seiner organischen Bildung, soll auch der   „unmaterialische“ Geist einen, den selben Menschen ausmachen.

Eine Person ist ein denkendes und vernünftiges Wesen, welches nicht nur Vernunft hat, und eine Sache überdenken kann, sondern auch sich als sich selbst und als ein Ding betrachten kann und in verschiedenen Zeiten und Orten denkt.

Das ist nur durch das Bewusstsein möglich, welches sich von dem  Denken nicht trennen lässt. Denn es ist unmöglich etwas zu empfinden, ohne etwas empfunden zu haben. Wenn wir etwas sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, betrachten und wollen, so wissen wir, dass wir es machen. Das betrifft alle unsere sinnliche Empfindungen und gegenwärtigen Wahrnehmungen. Das Bewusstsein begleitet das Denken und macht das aus, was die Person das Selbst nennt und sich dadurch von anderen Wesen  unterscheidet.

Das Zurückgreifen auf die Vergangenheit, somit auf das Geschehene und Gedachte macht die „Einerleyheit“ der Person aus. Es stellt sich die Frage, ob dieses Selbst auch die gleiche Substanz sei. Es lässt jedoch viele Zweifel aufkommen, weil das Bewusstsein immer wieder durch die Vergangenheit unterbrochen wird. Demnach gibt es keinen

Augenblick in unserem Leben, da wir nur eine Reihe unserer Handlungen vor den Augen haben. Es kann aber passieren, dass man bei der Beobachtung der anderen eigene Handlungen „aus dem Gesichte“ verliert. Die meiste Zeit unseres Lebens verbringen wir mit den gegenwärtigen und nicht  in der Vergangenheit liegenden Gedanken. Egal ob wir unsere

 

 

 

Gedanken mit Hilfe des Bewusstseins wahrnehmen können, oder auch nicht, auf jeden Fall wird das Bewusstsein unterbrochen. Dadurch ergeben sich verschiedene Zweifel ob das denkende Wesen dasselbe ist, wie die Substanz. Es mögen diese Zweifel vernünftig oder unvernünftig sein, so gehen sie die persönliche „Einerlyheit“ nicht im geringsten an. Denn das Bewusstsein macht das aus dem Menschen, was er ist. So hängt die persönliche „Einerleyheit“ von dem Bewusstsein ab. Es beeinflusst die vergangenen und zukünftigen Handlungen des Menschen. Es vereinigt die entferntesten Taten einer Person, in der Person selbst.

Der Beweis dafür finden wir in unseren Körpern, deren Teilchen insgesamt einen Teil von uns selbst ausmachen. Solange diese Teilchen mit dem denkenden Selbst auf eine zum Leben gehörige Art verbunden sind, solange können wir etwas fühlen, wenn wir berührt werden – das wird uns bewusst.

 

Eine Substanz, aus welcher das persönliche Selbst zu einer gewissen Zeit besteht, kann zu einer anderen Zeit geändert werden, ohne dass eine persönliche „Einerleyheit

eine Änderung durchmacht.

Beispiel:

Eine Person, der die linke Hand amputiert worden ist, bleibt die gleiche Person

ungeachtet dessen, dass sie jetzt keine linke Hand mehr hat.

Locke stellt zwei Fragen: „Ob eben die Substanz, welche denkt, eben dieselbe

Person sei, wenn sie verändert wird; oder ob sie , wenn sie dieselbige bleibt, verschiedene Personen ausmachen könne?

Er meint, dass diese Fragen diejenigen nichts angeht, die das Denken nur als reine „materialische“ und tierische Einrichtung ohne „unmaterialische“ Substanz sehen.

Damit die Menschen, die das Denken auf der unmaterialischen Substanz gründen, mit den anderen Menschen sprechen können, müssen sie ihnen zeigen, warum die persönliche „Einerleyheit“ bei einer Veränderung der unmaterialischen Substanz, oder bei einer Verschiedenheit besonderer unmaterialischen Substanzen nicht so wohl erhalten werden könne, oder bei verschiedenen besonderen Körpern erhalten wird.

Ich komme jetzt auf die erste Frage zurück. Ob eben die denkende Substanz , bei der Voraussetzung, dass nur unmaterialische Substanzen denken, eben dieselbe Person ausmachen könne, obwohl sie geändert wird?

Diese Frage kann nur von denen beantwortet werden, die eine Art der denkenden Substanzen kennen.

Locke gibt es zu, dass es nicht geschehen kann, „dafern eben dasselbe Bewusstsein dieselbige absonderliche und einzelne That wäre.“[8]

Dabei handelt es sich nur um eine gegenwärtige Vorstellung einer geschehenen Tat. Es ist nicht möglich eine unwirkliche, nie geschehene Vorstellung einer Tat dem Verstand als Wirklichkeit, Realität zu vermitteln.

Mangelnde Informationen über die Gattung der Taten, welche nie ohne das begleitende Bewusstsein der Empfindung stattfinden, erschwert die Bestimmung der Weite der Verknüpfung vom Bewusstsein der „vormaligen Taten“ und einem individuell wirkenden Wesen.

 

 

 

 

 

 

Ohne einer klaren Einsicht in die Natur der denkenden Substanzen können wir diese Frage nicht lösen. Aber jetzt steht fest, dass zwei denkende Substanzen nur eine Person ausmachen können, wenn dasselbe Bewusstsein von der einen denkenden Substanz in die andere gebracht werden kann.

Wenn dasselbe Bewusstsein in derselben oder in verschiedenen Substanzen erhalten bleibt, so wird auch die persönliche „Einerleyheit“ vorhanden sein.

Die Frage: „ob zwei unterschiedliche Personen sein können, wenn dieselbe

unmaterialische Substanz übrig bleibt“[9] baut  laut Locke auf einer anderen Frage auf. Nämlich: Kann dasselbe unmaterialische Wesen, das sich an seine vergangenen Taten erinnern kann, plötzlich seine Vergangenheit verlieren und dies niemals wieder erlangen?

Kann eine zeitlich neu angefangene Rechnung in das Bewusstsein gelangen, welches von dem neuen Zustand noch nicht betroffen ist?

Alle die, die an vorheriges Dasein der Seele glauben, sind einer Meinung,

„dass die Seele sich nicht mehr dessen bewusst wäre, was sie in demjenigen Zustand“ tat, „da sie schon vorher, entweder ganz ohne einen Körper, oder in einen anderen Körper wirklich gewesen ist.“[10]

Da die persönliche „Einerleyheit“ sich nicht weiter erstreckt, als das Bewusstsein geht. So muss der vorher vorhandene Geist, der nicht so viele Jahrhunderte in einem bewusstlosen Zustand zugebracht hat, notwendig verschiedene Personen ausmachen.

Ein Christe könnte sich dann einbilden, dass seine Seele seit der Zeit existiert in der Gott seine  Schöpfungswerke vollendet hat.

Somit könnte auch jemand meinen, dass er eine Seele von Sokrates habe.

 

Aber wie kann er es beweisen, wenn er die Taten und Gedanken von Sokrates nicht vorweisen kann?

Nach Locke können wir ohne Schwierigkeiten begreifen, was mit einer Person nach dem Tod bei der Auferstehung passiert.Auch wenn der Körper nicht mehr die gleiche Gestalt und Teile wie vor dem Tode hätte, so bleibt das Bewusstsein, welches die Seele begleitet, gleich.

Was würde mit einem Schuhmacher passieren, der von einer Seele eines Fürsten besetzt wäre und seine eigene Seele ihn verlassen hätte?

Locke ist der Meinung, dass neben der Seele auch der Körper den Menschen ausmacht. Dadurch bestimmt der Körper den Menschen, somit hätte die fürstliche Seele mit ihren Gedanken keinen Einfluss auf den Schuhmacher gehabt.

Was macht denselben Geist, denselben Menschen und dieselbe Person aus?

Bevor wir diese Frage jemandem stellen, müssen wir in unserer Seele die Begriffe von Geist, einem Menschen und einer Person definieren. Erst dann können wir diese Frage problemlos beantworten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Selbst ist ein bewusst denkendes Wesen, das Vergnügen oder Schmerz empfinden kann. Soweit sich mein eigenes Bewusstsein erstreckt, soweit bin ich auch selbst glücklich oder fühle mich elend. Dabei macht Locke keinen Unterschied aus welcher Substanz das Wesen, also das Selbst ist. Locke nennt hierfür ein Beispiel: man empfindet dass der kleine Finger, wenn er in meinem Bewusstsein mit inbegriffen ist, ein Teil von mir selbst ist. Wenn mich mein Bewusstsein begleitet, und z.B. ein Teil des Fingers abgetrennt wird und den übrigen Körper verlässt, so wird der Finger dieselbe Person sein. Dieses Selbst würde mit dem übrigen Körper nichts mehr zu schaffen haben. Aber da dasselbe Bewusstsein diese Substanz begleitet, macht es dieselbe Person aus. Dies geschieht auch mit Substanzen die zeitlich weit zurückliegen. Soweit sich das Bewusstsein erstreckt werden alle Handlungen des Wesens für sein Selbst anerkannt. Dies bezeichnet Locke als Einerleyheit.

 

Die persönliche Einerleyheit besteht nicht in der Einerleyheit der Substanz, sondern in der Einerleyheit des Bewusstseins. Locke nennt hier das Beispiel: ein wachender und ein schlafender Sokrates haben nicht am selben Bewusstsein teil, der Wache ist sich nicht bewusst, was der Schlafende gedacht hat. Würde man ihn bestrafen, weil er nicht weis was der schlafende gedacht hat, wäre dies ungerecht. Dieses Bewusstsein ist das was wir Selbst nennen. Ein Mensch kann zwei so unterschiedliche Personen ausmachen, wie zwei Menschen die in zwei verschiedenen Jahrhunderten gelebt haben. Nur das Bewusstsein kann entfernte Dinge in derselben Person vereinbaren, die Substanz kann das nicht. Eine Substanz ist ohne Bewusstsein keine Person.

Das Bewusstsein vereinigt Taten, die bereits sehr weit zurückliegen, sowie auch Taten die unmittelbar erst vor kurzem geschehen sind. Dies geschieht auch wenn die Taten der Person momentan nicht bewusst sind.

 

Locke stellt sich die Frage, was geschieht wenn mir einige Teile meines Lebens entfallen und ich sie mir niemals wieder bewusst machen kann? Bin ich dann nicht mehr dieselbe Person die diese Handlungen unternommen hat, die diese Gedanken hatte? Er sagt dazu: „... wir müssen hierbey beobachten, was dasjenige sey, welchem das Wort Ich zugeeignet wird;...“.[11]Es ist in diesem Fall der Mensch. Man meint dann, dieser Mensch ist auch dieselbe Person, also das Wort Ich ist auch dieselbe Person. Aber wenn es möglich ist, dass im Menschen zu verschiedenen Zeiten ein unterschiedliches unmittelbares Bewusstsein ist, so ist es ohne Zweifel, dass dieser Mensch in verschiedenen Zeiten verschiedene Personen ist. Die Gesellschaft macht auch Menschen zu verschiedenen Personen: Zu einem Wahnwitzigen sagt man er ist nicht mehr derselbe Mensch, er ist außer sich. Man könnte meinen das Selbst wäre verändert, dieselbe Person ist nicht länger im gleichen Menschen. Die Gesellschaft bestraft keinen Wahnwitzigen wegen der Taten eines Vernünftigen. Daraus folgt dass aus dem Wahnwitzigen zwei Personen gemacht werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Jedes vernünftige Wesen, welches Kenntnis von Glück oder Elend hat:“...muß dieses zugestehen, dass in ihm etwas sey, welches das Er selbst ist, um welches es sich bekümmert,...“.[12] Auch in einem zukünftigen Bewusstsein wird das Selbst dasselbe sein. Ein

jeder Teil unseres Körpers, der mit dem vereinigt ist was in uns bewusst ist, macht einen Teil von unserem Selbst aus.

 

Das Wort Person ist der Name für das Selbst. Wenn einer sich Er selbst nennt, kann ein anderer sagen, das dieser Er dieselbe Person ist. Person nennt man nur ein vernünftiges Wesen, welches Gesetze kennt und zu Glück oder Elend fähig ist. Das Selbst ist sich bewusst, dass es glücklich sein möchte.

Setzen wir einen Menschen gleich einem vernünftigen Geist. Dieser Geist ist derselbe Mensch, egal ob er im Körper ist oder vom Körper abgesondert ist.

Locke setzt voraus, dass dieselbe Seele in verschiedenen Zeiten in verschiedenen Menschen vereinigt wird.

 

 

3. Buch: von den Wörtern

 

Sprache

Die Sprache ist das hauptsächliche Werkzeug und das gemeinsame Band für die menschliche Gesellschaft.

Sie setzt die Fähigkeit voraus, Laute artikulieren und als Zeichen für innere Ideen verwenden zu können.

Diese Zeichen sollen als allgemeine Ausdrücke zusammengefasst werden.   

Die gesamte  Begriffsbildung von allgemeinen Wörtern und Namen oder Begriffen wird  durch die Abstraktion gebildet.

Abstraktion

Nach Locke bedeutet der Begriff der Abstraktion nur noch das äußere Weglassen bestimmter Inhalte der Eigenschaften, so dass wir die Dinge leichter ordnen und klassifizieren können.

Die wichtigste Aufgabe der Sprache besteht in der möglichst leichten und schnellen Mitteilung unserer Ideen, um auf diese Weise die Kenntnis von Dingen zu vermitteln.

Wort

Wörter sind die wahrnehmbaren Zeichen der Ideen.

Ein Wort bezeichnet immer nur diejenige Idee, welche der jeweilige Sprecher mit diesem Wort verbindet.

Wörter dienen vor allem der Kommunikation und insbesondere dazu, anderen mein Wissen, meine Meinungen, meine Vorstellungen und meine Erlebnisse mitzuteilen.

Für eine funktionierende Kommunikation ist deshalb nach Locke erforderlich, dass Sprecher und Hörer mit denselben Wörtern inhaltlich identische oder sehr  ähnliche Ideen verbinden.

Die Bedeutung eines Wortes ist das, was sich der Sprecher dabei denkt oder vorstellt. Je nachdem wie klar oder unklar dieser Gedanke oder wie genau oder ungenau diese Vorstellung ist, ist die Bedeutung des Wortes bestimmt oder unbestimmt.

 

 

 

 

Beispiel:

Das Wort Gold bezeichnet einen bestimmten Stoff.

Aber welchen?

Er bezeichnet den Stoff, der die Eigenschaften hat, die wir uns dem Wort „Gold“ vorstellen.

Eigenschaften Goldes: gelbe Farbe, hohes spezifisches Gewicht, Formbarkeit, und Schmelzbarkeit.

Für Sprecher A: ist Gold eine gelbglänzende Substanz, für B: eine dehnbare Substanz.

Wesenheit

Locke unterscheidet zwischen den realen, das eigentliche Sein eines Dinges darstellenden Wesenheiten und den mit den abstrakten Ideen übereinstimmenden nominalen Wesenheiten.

Nominale Wesenheit:

Abstrakte Ideen, durch den Gattungsnamen oder Artennamen bezeichnet.

Nur bei einfachen Ideen und Modi sind die realen und die nominalen  Wesenheiten identisch.

Die Unterscheidung der nominalen Wesenheiten treffen wir aufgrund der Ähnlichkeiten sinnlich wahrnehmbarer Qualitäten.

 

 

4. Buch: Vom Wissen und der Wahrscheinlichkeit

 

 

Wissen

besteht in der Erkenntnis der Übereinstimmung oder des Widerstreits der Ideen.

Locke teilt das Wissen in intuitives, demonstratives und sensitives Wissen auf.

Intuitives Wissen

Es bezeichnet  das Verhältnis zweier Ideen, welche ohne Vermittlung wahrgenommen

werden.

Demonstratives Wissen

Hier muss eine dritte Idee als Vermittler eingesetzt werden, da keine unmittelbare Wahrnehmung der Relation vorhanden ist.

Sensitives  Wissen

Das Wissen wird durch bestimmt Sinneswahrnehmungen gewonnen und es  erreicht keine volle Gewissheit. Das ist das Wissen, welches wir über alle anderen Dinge haben.

 

 

 

Religionsphilosophie

 

 

In seinem Werk „Die Vernünftigkeit des Christentums“ stellt John Locke seine Religionsphilosophie dar.

Laut seiner politischen Theorie, ist es die Aufgabe des Staates für den Schutz der Rechte eines jeden Menschen auf Leben, Freiheit und Eigentum zu sorgen.

Sache der Religion ist die Sorge um das Seelenheil, um das ewige Leben. Es ist eine rein individuelle Sache und hat nichts mit der Rechtsgewalt des Staates zu tun, denn religiöse Überzeugungen lassen sich nicht erzwingen. Man soll seinen Glauben aufgrund seines eigenen Urteils für wahr halten. Die staatliche Obrigkeit hat sich nicht in Glaubensangelegenheiten der Bürger einzumischen. Auch Kirchen und Privatpersonen sollen die religiöse Entscheidung des einzelnen dulden. Eine Kirche ist nach Locke eine freiwillige Gemeinschaft von Menschen mit gleichen religiösen Überzeugungen.

Glaube und Handlung gehören für Locke zusammen. Würde der Staat die Menschen zu Kulthandlungen zwingen, an die sie nicht glauben, so zwingt er den Menschen zur Sünde und fügt dadurch ihrem Seelenheil Schaden zu. Weil der Staat die Pflicht hat die Rechte

des einzelnen zu schützen, muss jedem freie Religionsausübung gestattet werden. Diese Toleranz gilt aber nicht uneingeschränkt. Wenn es durch die Ausübung der Religion zu Handlungen kommt, die die Rechte anderer angreifen, so hat der Staatszweck Priorität.

In Lockes Werk lässt sich eindeutig erkennen, dass diejenigen, die nicht an die Existenz Gottes glauben, kein Recht auf Duldung haben. Atheiisten sind aus der Toleranz ausgeschlossen, da sie Gott und die Offenbarung bestreiten. Wenn man Gott leugnet, gilt das Naturgesetz nicht mehr und daraus folgt, dass jegliche Rechte aufgehoben sind.

Locke missbilligt auch eine Duldung der Katholiken. Katholiken sind ausgenommen, weil sie durch ihre Abhängigkeit von Rom die bürgerliche Freiheit gefährden. Laut Locke fordert diese Religion blinden Gehorsam gegenüber dem Papst.