John Locke
1. Buch: Weder Ideen noch Prinzipien sind angeboren
4. Buch: Vom Wissen und der Wahrscheinlichkeit
Zwei Abhandlungen über die Regierung
Das 18. Jahrhundert wird bezeichnet als das
Zeitalter der Aufklärung. In dieser Epoche war ein wichtiges Kriterium der
Gebrauch der Vernunft, wodurch weitreichende
philosophische, soziale und politische Veränderungen stattfanden.
Vordenker der Aufklärung waren unter
anderem Rene Descartes, Thomas Hobbes, sowie auch John Locke.
Lockes Schriften (vor allem sein Hauptwerk:
Ein Versuch über den menschlichen Verstand) boten eine Grundlage der
Philosophie der Aufklärung. Durch die kritische Tendenz seines Denkens und
durch seinen Einsatz für den politischen Liberalismus wurde John Locke zu einem
der wichtigsten Vorläufer der Aufklärung.
Locke ist Mitbegründer des Empirismus.
Empirismus geht davon aus, dass alle Erkenntnis auf Erfahrung beruht .Die
Erfahrung ist die einzige Wissensquelle.
Im Gegensatz dazu steht der Rationalismus.
Hier bildet das Denken die Grundlage der Erkenntnis. Die Welt wird deduktiv
erfasst.
Locke wird als Denker des Übergangs
bezeichnet. Er stellte die Aufgabe Erkenntnisansprüche kritisch zu prüfen.
Locke hatte sich einerseits von rationalistischen bzw. von metaphysischen
Ansätzen nicht vollständig gelöst, andererseits leitete er eine Entwicklung
ein, die zu empiristischen Auffassungen und schließlich zum Positivismus
geführt hat.
§
Menschen
sind wesensmäßig alle gleich
§
Vernunft
bestimmt das Denken und Handeln des Menschen
§
Der
Mensch ist aus eigener Erkenntnis grundsätzlich bereit in einem friedlichen
Miteinander zu leben
§
Der
Mensch hat Bedürfnisse wie Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit
v
Ein
Brief über Toleranz:
Veröffentlichung 1689
v
Zwei
Traktate über die Regierung:
anonyme Veröffentlichung 1690
v
Über
den menschlichen Verstand:
Veröffentlichung 1690
v
Einige
Betrachtungen über die Folgen der Zinssenkung und der Anhebung des Münzwertes: Veröffentlichung 1692
v
Einige
Gedanken zur Erziehung:
Veröffentlichung 1693
v
Die
Vernünftigkeit des Christentums:
anonyme Veröffentlichung 1695
Das Hauptwerk von John Locke „ Ein Versuch über den menschlichen
Verstand –
An Essay Concerning Human Understanding“
ist bereits um 1670 entstanden. Aber erst zwanzig Jahre später wurde das Buch veröffentlicht.
„ Da es der Verstand ist, der den Menschen über alle übrigen
empfindenden Wesen erhebt und ihm die
ganze Überlegenheit und Herrschaft verleiht, die er über sie besitzt, so ist er
sicherlich ein Gegenstand, der eben durch seine hohe Würde die Mühe einer
Untersuchung lohnt. Wie das Auge lässt uns der Verstand alle anderen Dinge
sehen und wahrnehmen, ohne doch dabei seiner selbst gewahr zu werden, und es
erfordert Kunst und Mühe, um einen gewissen Abstand von ihm zu gewinnen und ihn
zu seinem eigenen Objekt zu machen.“[1]
Dieser Zitat unterstreicht den Titel und gibt
dem Leser die Möglichkeit sich auf die Richtung des Werkes einzustellen. Locke
teilt sein Werk in vier Bücher auf.
Für Locke gibt es weder angeborene Ideen noch angeborene
Prinzipien.
Prinzipien sind die wahrheitsfähigen Grundgedanken, welche er in
theoretische und praktische teilt. Zu den theoretischen gehören Axiome der
Mathematik und der Logik, zu den praktischen die Gebote der Ethik und der
Religion. Ideen sind dagegen die Bestandteile solcher Gedanken. Er untermauert
seine Überzeugung mit dem Argument:
„Gäbe es angeborene Ideen oder Denkgrundsätze, so müssten auch
unerfahrenen Kinder sie beherrschen und überdies die Menschen in aller Welt
darüber einig sein. Weder das eine noch das andere trifft zu.“[2]
Locke lehnt die Vorstellung Descartes über angeborene Ideen ab.
Wenn Descartes von angeborenen oder eingeborenen Ideen spricht, so
meint er damit, dass alle unsere Begriffe auf Grundbegriffen aufruhen, die
ihren Ursprung in unserem eigenen Geist haben.
Locke vergleicht den Geist bei der Geburt des Menschen mit einem
weißen Blatt Papier, das keine Schriftzeichen trägt.
„ In Locke ist also die Vorstellung von einer Seele als einer
inhaltslosen tabula rasa, die nun erfüllt werde aus
dem, was wir Erfahrung nennen.“[3]
umfasst die detaillierte Lockesche Ideenlehre.
„Alles, was der Geist in
sich wahrnimmt oder was unmittelbares Objekt der Wahrnehmung, des Denkens oder
des Verstandes ist, das nenne ich eine Idee.“[4]
Geistiges Tätigsein ist für Locke identisch mit Haben von Ideen.
Ideen basieren auf unserer Erfahrung.
sie nimmt die sinnliche Eindrücke =
Sinneswahrnehmung
Unsere Sinne nehmen Ideen wahr und leiten
sie an unseren Geist.
·
innere Erfahrung / Reflexion
eigene Akte, Zustände und Erlebnisse. Das
Bewusstsein empfängt die Eindrücke nicht von außen, sondern durch die
Beobachtung „von“/“aus“ sich selbst und seiner Tätigkeit. Ideen entspringen der
Tätigkeit des Geistes selbst.
Locke unterscheidet das Erkennen:
Wahrnehmen, Erinnern, Unterscheiden, Vergleichen und das Wollen.
Einfache Ideen
sind die einfachsten Bausteine unseres
Denkens, einfache Abbilder von Eindrücken.
Locke erkennt, dass das, was durch
Wahrnehmung ins Bewusstsein gelangt, niemals die Dinge / Substanzen selbst, sondern
immer nur Qualitäten sind.
Er unterscheidet primäre und sekundäre
Qualitäten.
·
Primäre Qualitäten
Es sind reale Eigenschaften der Dinge,
nämlich Ausdehnung, Gestalt des Körpers, Undurchdringlichkeit, Bewegung, Ruhe
und Zahl. Es ist egal ob diese Eigenschaften wahrgenommen werden, oder nicht.
Die Eigenschaften haften den Körpern konstant an. Selbst bei fortschreitender
Zerkleinerung / Zerstückelung eines Weizenkorns weisen die dabei entstehende Teilchen stets eine gewisse Größe und Gestalt
auf.
Es besteht kein Grund anzunehmen, dass die
Dinge in dieser Beziehung nicht so sein sollten, wie wir sie wahrnehmen.
·
sekundäre Qualitäten
Die sekundären Eigenschaften: Farbe,
Geschmack, Geruch, Temperatur kommen den Körpern nicht konstant, sondern nur
gelegentlich und in bestimmten Beziehungen zu.
Ein Körper ist warm, dann kalt, die Farbe
kann wechseln usw.
Sie werden durch das Wirken der Dinge auf
unsere Sinnesorgane hervorgerufen. Locke weist darauf hin, dass es
unbegreiflich bleibt, wieso eine bestimmte Bewegung kleinster Teilchen nun in
uns den Eindruck Wärme oder grün zustande bringt.
Komplexe Ideen
Der Verstand bildet die komplexen Ideen durch die Kombination aus
den einfachen Ideen .„Wenn eine Person sich einen
goldenen Berg vorstellt, dann ist ihr Geist mit der Idee eines goldenen Berges
befasst. Da es aber keine goldenen Berge gibt, ist nicht zu sehen, wie jene
Person diese Idee aus der Erfahrung gewonnen haben soll. Die Idee des goldenen
Berges ist kein Ganzes, sondern sie lässt sich in eine
Gold – und in eine Bergkomponente zerlegen. Sowohl die Gold – als auch die
Bergidee werden jedoch aus der Erfahrung gewonnen.“[5]
Komplexe Ideen werden bei Locke in drei
Klassen unterteilt.
·
Modi oder Modifikationen
Einfache Modi
Sie bestehen aus gleichartigen
Teilelementen. Sie entstehen durch
Aneinanderreihen derselben Eigenschaft. Zu den einfachen Modi zählt
Locke die Idee des Raumes, die auf der einfachen Vorstellung der Ausdehnung
nach Länge, Breite und Tiefe beruht.
Gemischte Modi
Sie bestehen aus ungleichartigen
Elementen. Sie sind aus einfachen Ideen verschiedener Art zusammengesetzt. Der
Geist bildet gemischte Modi gemäß seinen Bedürfnissen ganz nach eigenem
Ermessen. Gemischte Modi wie Blutschande oder
Kirchenraub sind Ideen von Eigenschaften
oder Tätigkeiten, die an realen Dingen und Personen vorkommen können, aber
nicht vorkommen müssen.
·
Substanzen
Zusammensetzen verschiedener einfacher
Ideen zu einem Komplex. Bestimmte Eigenschaften, primäre und sekundäre
Qualitäten
·
Relationen
Die einfachen Ideen werden verglichen und
in Beziehung gesetzt.
Sie entstehen durch den Vergleich einer Idee mit einer
anderen.
Identität und Verschiedenheit, Gleichheit
und Ungleichheit und Kausalität / Ursache und Wirkung.
Von der Einerleyheit und Verschiedenheit ein
Kapitel aus dem 2.Buch
Wenn wir ein Ding
betrachten, das in einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort vorhanden
ist, so vergleichen wir es mit einem Dasein des Dinges, welches wir aus der
Vergangenheit kennen.
Stimmt das aktuelle Bild mit dem zweiten
Dasein überein, so unterscheiden sie sich nicht im „geringsten“[6]
von einander, so ist dieses Ding gleich. In dem Falle spricht Locke von der „Einerleyheit“. Entdeckt der Betrachter eine Abweichung
zwischen den beiden Bilder, so handelt es sich um die
Verschiedenheit.
Bei diesem Vergleich stellen wir uns also
die Frage, ob der gegenwärtige Dasein des Dinges sich von dem Ding aus der
Vergangenheit unterscheidet.
Nach Locke haben wir nur drei Gattungen
von Substanzen: Gott, endliche Geister und den Körper. Als kleine Erinnerung : Substanzen sind einfache Ideen, die durch den
Vergleich einer Idee mit einer anderen entstehen.
Da außer den Substanzen
alle anderen Dinge nur Zufälle oder Verhältnisse sind, welche eine Substanz
bilden, lässt sich die „Einerleyheit“ und
Verschiedenheit durch Vergleichen bestimmen. Eine Bewegung und ein Gedanke
können nie gleich sein. Denn die Bewegung baut sich als Folge des Gedankens zu
einem unterschiedlichen Zeitpunkt auf, somit sind sie verschieden. So gesehen,
haben beide einen unterschiedlichen Anfang seiner Wirklichkeit.
Dasein ist nichts
anderes als „Einzelnheit“. Durch Dasein wird ein
Wesen zeitlich und räumlich eingeschränkt und bestimmt.
Beispiel:
Ein Körper – ein unteilbares Stäubchen –
mit einer unveränderbaren Fläche ist am
bestimmten Ort und zur bestimmten Zeit wirklich vorhanden. Er ist
handgreiflich. Solange sein Dasein dauert, so lange bleibt er das was er ist
und kann kein anderes Ding sein. Wenn sich mehrere Stäubchen zu einer Masse
schließen, gilt das gleiche. Solange die Teilchen der Masse zusammenbleiben und
kein Teilchen weggenommen oder zugefügt wird, bleibt die Masse in ihrem Dasein
gleich. Bei kleinster Abweichung wird die Masse geändert und somit auch ihr
Dasein. Bei lebendigen Körpern wird die „Einerleyheit“
durch die Veränderung der Größe der Teilchen nicht beeinflusst.
Eine Eiche, die aus
einem kleinen Bäumchen wächst, ist immer noch die gleiche Eiche, nur größer.
Wo liegt der Unterschied
zwischen einer klumpen Materie und einer Eiche?
Die Eiche bildet
organische Teile, welche für die Nahrungsaufnahme und Teilung der Pflanze
zuständig sind. Da diese Bildung sich in einem gewissen Augenblick in einer
gewissen Sammlung von Materie findet, so unterscheidet sie sich von anderen organischen Bildung.
Beim einem
Tier sind während der Wachstumsphase die Änderungen minimal, so dass es immer
als das gleiche angesehen wird.
Die „Einerleyheit“
von einem Menschen besteht in einer Gemeinschaft desselben Lebens, das bei
ständigem Verfliegen der Teilchen der Materie fortdauert. Diese Teilchen sind
mit dem organischen Körper auf eine ihm zugehörige Art verbunden. Die „Einerleyheit“ muss so sein, wie der Begriff ist, der zu einen Namen gehört. Die selbe
Substanz, der selbe Mensch und die selbe Person, es sind drei unterschiedliche
Dinge. Substanz, Mensch, Person sind drei Namen, die jeweils zu einem anderen
Begriff gehören.
Locke meint, dass nicht der Begriff von
einem denkenden oder vernünftigen Wesen allein den Begriff: „Mensch“ ausmacht,
sondern von so und so „gestalteten Leibe der mit solchem Wesen“ vereinigt ist.
Neben dem Körper mit seiner organischen Bildung, soll auch der „unmaterialische“ Geist einen, den selben Menschen ausmachen.
Eine Person ist ein denkendes und
vernünftiges Wesen, welches nicht nur Vernunft hat, und eine Sache überdenken
kann, sondern auch sich als sich selbst und als ein Ding betrachten kann und in
verschiedenen Zeiten und Orten denkt.
Das ist nur durch das Bewusstsein möglich,
welches sich von dem Denken nicht
trennen lässt. Denn es ist unmöglich etwas zu empfinden, ohne etwas empfunden
zu haben. Wenn wir etwas sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, betrachten
und wollen, so wissen wir, dass wir es machen. Das betrifft alle unsere
sinnliche Empfindungen und gegenwärtigen Wahrnehmungen. Das Bewusstsein
begleitet das Denken und macht das aus, was die Person das Selbst nennt
und sich dadurch von anderen Wesen
unterscheidet.
Das Zurückgreifen auf die
Vergangenheit, somit auf das Geschehene und Gedachte macht die „Einerleyheit“ der Person aus. Es stellt sich die Frage, ob
dieses Selbst auch die gleiche Substanz sei. Es lässt jedoch viele Zweifel
aufkommen, weil das Bewusstsein immer wieder durch die Vergangenheit
unterbrochen wird. Demnach gibt es keinen
Das
Selbst ist ein bewusst denkendes Wesen, das Vergnügen oder Schmerz empfinden
kann. Soweit sich mein eigenes Bewusstsein erstreckt, soweit bin ich auch
selbst glücklich oder fühle mich elend. Dabei macht Locke keinen Unterschied
aus welcher Substanz das Wesen, also das Selbst ist. Locke nennt hierfür ein
Beispiel: man empfindet dass der kleine Finger, wenn er in meinem Bewusstsein
mit inbegriffen ist, ein Teil von mir selbst ist. Wenn mich mein Bewusstsein
begleitet, und z.B. ein Teil des Fingers abgetrennt wird und den übrigen Körper
verlässt, so wird der Finger dieselbe Person sein. Dieses Selbst würde mit dem
übrigen Körper nichts mehr zu schaffen haben. Aber da dasselbe Bewusstsein
diese Substanz begleitet, macht es dieselbe Person aus. Dies geschieht auch mit
Substanzen die zeitlich weit zurückliegen. Soweit sich das Bewusstsein
erstreckt werden alle Handlungen des Wesens für sein Selbst anerkannt. Dies
bezeichnet Locke als Einerleyheit.
Die
persönliche Einerleyheit besteht nicht in der Einerleyheit der Substanz, sondern in der Einerleyheit des Bewusstseins. Locke nennt hier das
Beispiel: ein wachender und ein schlafender Sokrates haben nicht am selben
Bewusstsein teil, der Wache ist sich nicht bewusst, was der Schlafende gedacht
hat. Würde man ihn bestrafen, weil er nicht weis was
der schlafende gedacht hat, wäre dies ungerecht. Dieses Bewusstsein ist das was
wir Selbst nennen. Ein Mensch kann zwei so unterschiedliche Personen ausmachen,
wie zwei Menschen die in zwei verschiedenen Jahrhunderten gelebt haben. Nur das
Bewusstsein kann entfernte Dinge in derselben Person vereinbaren, die Substanz
kann das nicht. Eine Substanz ist ohne Bewusstsein keine Person.
Das
Bewusstsein vereinigt Taten, die bereits sehr weit zurückliegen, sowie auch
Taten die unmittelbar erst vor kurzem geschehen sind. Dies geschieht auch wenn
die Taten der Person momentan nicht bewusst sind.
Locke
stellt sich die Frage, was geschieht wenn mir einige Teile meines Lebens
entfallen und ich sie mir niemals wieder bewusst machen kann? Bin ich dann
nicht mehr dieselbe Person die diese Handlungen unternommen hat, die diese
Gedanken hatte? Er sagt dazu: „... wir müssen hierbey
beobachten, was dasjenige sey, welchem das Wort Ich
zugeeignet wird;...“.[11]Es
ist in diesem Fall der Mensch. Man meint dann, dieser Mensch ist auch dieselbe
Person, also das Wort Ich ist auch dieselbe Person. Aber wenn es möglich ist,
dass im Menschen zu verschiedenen Zeiten ein unterschiedliches unmittelbares
Bewusstsein ist, so ist es ohne Zweifel, dass dieser Mensch in verschiedenen
Zeiten verschiedene Personen ist. Die Gesellschaft macht auch Menschen zu
verschiedenen Personen: Zu einem Wahnwitzigen sagt man er ist nicht mehr derselbe
Mensch, er ist außer sich. Man könnte meinen das Selbst wäre verändert,
dieselbe Person ist nicht länger im gleichen Menschen. Die Gesellschaft
bestraft keinen Wahnwitzigen wegen der Taten eines Vernünftigen. Daraus folgt
dass aus dem Wahnwitzigen zwei Personen gemacht werden.
Jedes
vernünftige Wesen, welches Kenntnis von Glück oder Elend hat:“...muß dieses zugestehen, dass in ihm etwas sey, welches das Er selbst ist, um welches es sich
bekümmert,...“.[12]
Auch in einem zukünftigen Bewusstsein wird das Selbst dasselbe sein. Ein
jeder
Teil unseres Körpers, der mit dem vereinigt ist was in uns bewusst ist, macht
einen Teil von unserem Selbst aus.
Das
Wort Person ist der Name für das Selbst. Wenn einer sich Er selbst nennt, kann
ein anderer sagen, das dieser Er dieselbe Person ist.
Person nennt man nur ein vernünftiges Wesen, welches Gesetze kennt und zu Glück
oder Elend fähig ist. Das Selbst ist sich bewusst, dass es glücklich sein
möchte.
Setzen
wir einen Menschen gleich einem vernünftigen Geist. Dieser Geist ist derselbe
Mensch, egal ob er im Körper ist oder vom Körper abgesondert ist.
Locke
setzt voraus, dass dieselbe Seele in verschiedenen Zeiten in verschiedenen
Menschen vereinigt wird.
Sprache
Die
Sprache ist das hauptsächliche Werkzeug und das gemeinsame Band für die
menschliche Gesellschaft.
Sie
setzt die Fähigkeit voraus, Laute artikulieren und als Zeichen für innere Ideen
verwenden zu können.
Diese
Zeichen sollen als allgemeine Ausdrücke zusammengefasst werden.
Die
gesamte Begriffsbildung von allgemeinen
Wörtern und Namen oder Begriffen wird
durch die Abstraktion gebildet.
Abstraktion
Nach
Locke bedeutet der Begriff der Abstraktion nur noch das äußere Weglassen
bestimmter Inhalte der Eigenschaften, so dass wir die Dinge leichter ordnen und
klassifizieren können.
Die
wichtigste Aufgabe der Sprache besteht in der möglichst leichten und schnellen
Mitteilung unserer Ideen, um auf diese Weise die Kenntnis von Dingen zu
vermitteln.
Wort
Wörter
sind die wahrnehmbaren Zeichen der Ideen.
Ein
Wort bezeichnet immer nur diejenige Idee, welche der jeweilige Sprecher mit
diesem Wort verbindet.
Wörter dienen vor allem der Kommunikation
und insbesondere dazu, anderen mein Wissen, meine Meinungen, meine
Vorstellungen und meine Erlebnisse mitzuteilen.
Für eine funktionierende Kommunikation ist
deshalb nach Locke erforderlich, dass Sprecher und Hörer mit denselben Wörtern
inhaltlich identische oder sehr ähnliche
Ideen verbinden.
Die Bedeutung eines Wortes ist das, was
sich der Sprecher dabei denkt oder vorstellt. Je nachdem wie klar oder unklar
dieser Gedanke oder wie genau oder ungenau diese Vorstellung ist, ist die
Bedeutung des Wortes bestimmt oder unbestimmt.
Beispiel:
Das Wort Gold bezeichnet einen bestimmten
Stoff.
Aber welchen?
Er bezeichnet den Stoff, der die
Eigenschaften hat, die wir uns dem Wort „Gold“ vorstellen.
Eigenschaften Goldes: gelbe Farbe, hohes
spezifisches Gewicht, Formbarkeit, und Schmelzbarkeit.
Für Sprecher A: ist Gold eine gelbglänzende Substanz, für B: eine dehnbare Substanz.
Wesenheit
Locke
unterscheidet zwischen den realen, das eigentliche Sein eines Dinges
darstellenden Wesenheiten und den mit den abstrakten Ideen übereinstimmenden
nominalen Wesenheiten.
Nominale Wesenheit:
Abstrakte
Ideen, durch den Gattungsnamen oder Artennamen bezeichnet.
Nur
bei einfachen Ideen und Modi sind die realen und die nominalen Wesenheiten identisch.
Die
Unterscheidung der nominalen Wesenheiten treffen wir aufgrund der Ähnlichkeiten
sinnlich wahrnehmbarer Qualitäten.
Wissen
besteht in der Erkenntnis der Übereinstimmung oder des Widerstreits
der Ideen.
Locke teilt das Wissen in intuitives, demonstratives und sensitives
Wissen auf.
Es bezeichnet das Verhältnis zweier Ideen, welche ohne
Vermittlung wahrgenommen
werden.
Hier muss eine dritte Idee als Vermittler eingesetzt werden, da
keine unmittelbare Wahrnehmung der Relation vorhanden ist.
Das
Wissen wird durch bestimmt Sinneswahrnehmungen gewonnen und es erreicht keine volle Gewissheit. Das ist das
Wissen, welches wir über alle anderen Dinge haben.
In seinem Werk „Die Vernünftigkeit des
Christentums“ stellt John Locke seine Religionsphilosophie dar.
Laut seiner politischen Theorie, ist es die
Aufgabe des Staates für den Schutz der Rechte eines jeden Menschen auf Leben,
Freiheit und Eigentum zu sorgen.
Sache der Religion ist die Sorge um das
Seelenheil, um das ewige Leben. Es ist eine rein individuelle Sache und hat
nichts mit der Rechtsgewalt des Staates zu tun, denn religiöse Überzeugungen
lassen sich nicht erzwingen. Man soll seinen Glauben aufgrund seines eigenen
Urteils für wahr halten. Die staatliche Obrigkeit hat sich nicht in Glaubensangelegenheiten der Bürger einzumischen. Auch
Kirchen und Privatpersonen sollen die religiöse Entscheidung des einzelnen
dulden. Eine Kirche ist nach Locke eine freiwillige Gemeinschaft von Menschen
mit gleichen religiösen Überzeugungen.
Glaube und Handlung gehören für Locke
zusammen. Würde der Staat die Menschen zu Kulthandlungen zwingen, an die sie
nicht glauben, so zwingt er den Menschen zur Sünde und fügt dadurch ihrem
Seelenheil Schaden zu. Weil der Staat die Pflicht hat die Rechte
des einzelnen
zu schützen, muss jedem freie Religionsausübung gestattet werden. Diese
Toleranz gilt aber nicht uneingeschränkt. Wenn es durch die Ausübung der
Religion zu Handlungen kommt, die die Rechte anderer angreifen, so hat der
Staatszweck Priorität.
In Lockes Werk lässt sich eindeutig
erkennen, dass diejenigen, die nicht an die Existenz Gottes glauben, kein Recht
auf Duldung haben. Atheiisten sind aus der Toleranz
ausgeschlossen, da sie Gott und die Offenbarung bestreiten. Wenn man Gott
leugnet, gilt das Naturgesetz nicht mehr und daraus folgt, dass jegliche Rechte
aufgehoben sind.
Locke missbilligt auch eine Duldung der
Katholiken. Katholiken sind ausgenommen, weil sie durch ihre Abhängigkeit von
Rom die bürgerliche Freiheit gefährden. Laut Locke fordert diese Religion
blinden Gehorsam gegenüber dem Papst.
Locke ist der Meinung, dass keine Person
(sei es eine Privatperson oder der Staat) die Gewissheit hat, welche die
‚wahre’ Religion ist. Er veröffentlicht deshalb in seinem Werk einige wenige
Glaubenssätze die für einen Christen wesentlich gelten. Sie berufen sich auf
die Bibel, denn Locke äußert Unbehagen gegenüber anderen theologischen
Systemen.
Für Locke ist neben dem Glauben an Gott
wichtig, dass Jesus, der Messias, Gottes Sohn ist. Dieser Glaube umfasst den
Glauben an Wunder und an die Auferstehung von Toten. Für Sünden ist jeder
selbst verantwortlich, wird aber durch Buße von den Sünden erlöst.
In seinem Werk über den menschlichen
Verstand hat Locke den Begriff der Vernunft genannt. Durch die Vernunft kann
aus gegebenen Ideen die Gewissheit ermittelt werden. In Lockes
Religionsphilosophie kann dies auch durch Offenbarung geschehen. Jesus stellt
ethische Regeln auf, diese werden mit Vertrauen auf Gottes Glaubwürdigkeit
akzeptiert und angenommen. Diese Art Wahrheiten zu entdecken nennt Locke
Offenbarung. Es gibt also Wahrheiten, die durch Vernunft erkannt werden , oder Wahrheiten, die durch Offenbarung enthüllt
werden können. Religiöser Glaube bedeutet nach Locke Urteile die sich aus
Offenbarung ergeben.
Es gibt Wahrheiten die durch Vernunft
erkannt werden können und auch durch Offenbarung enthüllt, z.B. das
Naturgesetz. Locke sagt, dass bei diesen Wahrheiten der Vernunftgebrauch größer
ist als die Offenbarung.
Von diesem Beispiel unterscheidet Locke
Urteile die der Vernunft widersprechen, und die in Bezug auf Offenbarung nicht
als wahr angenommen werden dürfen. Zum Beispiel, dass ein und derselbe Körper sich zur
gleichen Zeit in zwei getrennten Räumen befindet.
Würde man dies akzeptieren, würden die
Grundlagen der Erkenntnis, die Gott uns verliehen hat, umgestoßen.
Außerdem gibt es nach Locke übervernünftige
Sätze. Um ein Beispiel zu nennen: Tote erstehen auf und leben wieder. Dieser
Satz übersteigt die Vernunft, die Vernunft hat keine Gewissheit. Dieser
Wahrheitsbereich ist allein religiöser Glaube, mit dem die Vernunft hier nicht
direkt etwas zu tun hat.
Locke will in seiner Religionsphilosophie
zeigen, dass der christliche Glaube dem natürlichen Denken des Menschen
entspricht.
Locke sagt, der Mensch ist von Geburt an
ein vernunftbegabtes Wesen, aber die Vernunft müsse erst ausgebildet werden um
sie angemessen anzuwenden. Aufgabe der Erziehung ist es, den jungen Menschen zu
eigenem Denken anzuleiten und die Ausbildung seiner Persönlichkeit zu fördern.
Der junge Mensch soll nicht unterdrückt werden oder in feststehende Schemata
gezwungen werden. Das Kind soll einen tugendhaften Lebenswandel anstreben.
Locke geht kurz auf Gott als Grundlage der Tugend ein, gibt aber sonst keine
religiösen Unterweisungen bezüglich der Erziehung. Locke beschäftigt sich in
seinem Werk mit Alltagsproblemen. Seine Theorie unterscheidet sich aber von den
Werken anderer Philosophen, indem er den Prozess der Charakterbildung, vor
allem die Entwicklung zur vernunftgeleiteten Person hervorhebt. Zu Lockes Zeit
war es nicht selbstverständlich, dass man bereits in der frühen Kindheit damit
begann.
Die ersten 30 Abschnitte in Lockes Werk
beziehen sich nur auf die körperliche Ausbildung des Kindes. Er gibt Beispiele
an über die richtige Nahrung, den Schlaf, die Kleidung usw. Hauptziele der
Erziehung sind für Locke Tugend, gute Manieren, Lebensklugheit und Bildung.
Wichtigstes Ziel ist die Ausbildung zu
einer Vernunft und Tugend orientierten Person. Dabei sollen dem Kind nicht
ständig Regeln vorgehalten werden, sonder durch Übung soll nach und
nach ein Verlangen
nach Tugendhaftigkeit entstehen. Die Eltern sollen sich vorbildhaft verhalten
und sich an die individuellen Fähigkeiten des Kindes anpassen. Bestimmte
Handlungen, wie Lob oder Tadel, sollen begründet werden. Die ungeeigneteste Erziehungsmethode sind für John Locke
Schläge. Laut Locke ist es die: „...gewöhnliche,
denkfaule und kurz angebundene Methode.“[13]
Eltern sollen bei der Erziehung ihre eigene Vernunft befragen.
Locke unterscheidet in seinem Hauptwerk zur
politischen Philosophie streng zwischen elterlicher und politischer Autorität.
Kinder unterstehen nur der elterlichen Autorität, sie werden nicht als
Untertanen einer Regierung geboren. Elterliche Autorität ist die Pflicht der
Eltern, die Kinder zu verantwortungsbewussten Personen zu erziehen und deren
Vermögen für Vernunft auszubilden. Die elterliche Autorität endet, sobald das
Stadion der Vernunft, das Alter der Selbstverantwortlichkeit erreicht wird.
Wenn dies geschehen ist, hat man die
politische Entscheidungsfreiheit
Staatsbürger zu werden und Verantwortlichkeit wird erwartet. Locke sagt dazu:“
Erst dann ist er ein freier Mensch, der auch die freie Entscheidung darüber
hat, welcher Regierung er sich unterstellen will... .“[14]
Lockes Hauptaufgabe in seinem Werk, ist es
zwei Fragen zu beantworten: Wodurch ist überhaupt staatliche Macht legitimiert?
Welche Funktion hat sie zu erfüllen?
Lockes Argumente über die Regierung wurden von manchen als nachträgliche
Untermauerung der Revolution gesehen. Das Werk wurde aber lange vor der
Revolution geschrieben, es sollte als Vorbereitung der Umwälzung dienen. Locke
bestimmte durch seine politische Philosophie die nordamerikanische
Unabhängigkeitserklärung und Verfassung. Als Lockes Werk erschien war die
Forderung der Revolution von 1688 längst Verfassungswirklichkeit geworden.
In ersten Teil der Schrift kritisiert Locke
eine von ihm als falsch anerkannte Lehre. Er wendet sich gegen die Lehre von
Sir Robert Filmer, der ein energischer Verfechter der absoluten Monarchie war,
außerdem kritisiert er teilweise die Ansichten von Thomas Hobbes.
Laut Sir Robert Filmer leitet sich
politische Autorität nicht vom Volk, sondern letztlich von Gott her. Jede
Herrschaft ist Ausdruck des göttlichen Willens und jeder ist der ursprünglichen
Herrschaft Adams unterworfen. Locke sieht Filmers Fehler darin, dass er die
bürgerliche Gewalt mit der elterlichen verwechselt. Er widerlegt Schritt für
Schritt Filmers Ansichten. Locke zeigt, dass laut Bibel Adam nicht über die von
Filmer behauptete Macht verfügte, sondern Gott die Erde der ganzen Menschheit
gemeinsam gegeben hat.
Im zweiten Teil seines Werkes entwickelt
Locke seine eigene Theorie über Ursprung und Zweck der staatlichen Regierung.
Um die politische Macht des Staates zu
erklären, erläutert Locke zuerst den Begriff Naturzustand. Auch Thomas Hobbes
hatte die Idee des Naturzustands. Aber für ihn bedeutete dieser einen Kriegszustand.
Im Naturzustand ergeben sich Schwierigkeiten im
Zusammenleben der Menschen und sie sehen
sich zur Staatsgründung gezwungen. Locke argumentierte dagegen: ein
Kriegszustand herrscht seiner Meinung nach vor, wo es ungerechte
Gewaltanwendung gibt. Das kann sowohl im Naturzustand sein, als auch im
gesellschaftlichen Zustand. Für Locke bedeutet der Naturzustand einen Zustand
vollkommener Freiheit und Gleichheit. Es gibt keinen Menschen, der von Natur
aus rechtlich über anderen steht. Die Menschen haben die Pflicht zur
Selbsterhaltung. Daraus
ergibt sich für Locke das Recht der
Menschen alles für ihre Selbsterhaltung zu tun, aber niemand ist befugt , andere in ihrer Handlungsfreiheit einzuschränken.
Dieser
Naturzustand ist aber kein Zustand der Willkür,
denn es herrscht ein Naturgesetz, dass jeden
verpflichtet. Dieses Naturgesetz ist auch ein Fundament der Moralität Lockes.
Menschliche Gesellung ergibt sich aus dem Naturgesetz. Aus Not und Nutzen lebt
der Mensch schon immer gesellig und die erste Form der Gesellung ist laut Locke
die Ehe. Sie entsteht durch Vertrag, beide Partner haben ein Recht auf den Leib
des anderen , und sie dient der Aufzucht von Kindern.
Laut Locke ist das Naturgesetz hervorgegangen aus der Vernunft des Menschen. Es
besagt, Leben, Freiheit und Besitz anderer Menschen unversehrt zu lassen. Locke
bezeichnet diese drei Dinge als Eigentum eines jeden und als geltendes
Menschenrecht. Aus dem geselligen Zusammenleben sind allerdings Sklaven
ausgeschlossen. Laut Locke gehören sie nicht zur Gesellschaft, den sie haben in einem gerechten Krieg ihr Recht auf Leben,
Freiheit und Besitz verwirkt.
Die Vernunft lehrt uns, dass Gott den
Menschen das Recht der Selbsterhaltung, also zum Essen und Trinken, gegeben
hat. Die Menschen haben ein gemeinsames Eigentum an der Erde. Aber wie kommt
ein Mensch zu sachlichen Besitz, denn im Naturzustand herrscht doch
Allgemeinbesitz? Für Locke ist dasjenige dein, was du dir durch Arbeit
angeeignet hast. Dein Körper ist laut Naturgesetz das ursprüngliche ‚Eigentum
und durch körperliche Arbeit erlangt man sachlichen Besitz. Naturgegenstände an
denen gearbeitet wird, gehen in den Besitz des Arbeiters über. Privater Besitz
muss nicht gewährt werden, man braucht den Staat nicht um Erlaubnis bitten.
Weil der Staat Eigentum nicht zuteilt, entfallen im Naturzustand auch
Kontrollaufgaben.
Im Naturzustand ist es auch nicht nötig,
mehr anzuhäufen, als das was man zur Selbsterhaltung benötigt. Wird dies
eingehalten, gibt es keine Konflikte. Durch die Einführung des Geldes gerät
Lockes Naturzustand ins Wanken. Die jetzt mögliche Anhäufung von Besitz führt
zu Ungleichheit. Ein anderes Problem im Naturzustand ist, dass die Macht und
Rechtssprechung auf alle Menschen übertragen ist. Hält sich jemand nicht an das
Naturgesetz, hat jeder das Recht andere zu verurteilen und zu bestrafen, wie er
es seiner Überlegung nach verdient. Dies ist jedoch kein Recht willkürlicher
Racheakte. Aber er ist nicht gesichert, dass sich jeder an die Gebote der
Vernunft und des Gewissens hält. Im Naturzustand bricht der Zustand des Krieges
aus, wenn jemand versucht die Selbsterhaltung eines anderen zu verhindern, oder
sich am Eigentum des anderen vergreift. Der wichtigste Grund für Locke den
Naturzustand zu verlassen und ein bürgerliche Gesellschaft zu bilden, ist die
Vermeidung von Kriegen. Denn, wenn eine Gewalt vorhanden ist die bei
Streitigkeiten entscheidet, ist dies die Alternative zum Krieg.
Demzufolge kommt Locke zu dem Entschluss,
dass erst im staatlichen Zustand Leben, Freiheit und Besitz tatsächlich
geschützt werden können. Es entseht der Gesell-
schaftsvertrag, welcher
ein wichtiges geschichtliches Ereignis für Locke ist. Dieser wird zwischen
Gleichen und nicht zwischen Herrscher und Beherrschten geschlossen. Beim
Gesellschaftsvertrag verzichten die Bürger auf ihre Gewalt zur
Selbstverteidigung und urteilen nicht über das Verhalten anderer. Locke
entschließt sich zur Gewaltenteilung. Die Funktion des Staates ist es durch die
Gewalten die Mängel des Naturzustands aufzuheben. Der Gedanke des
Naturzustandes bei Locke dient dazu, die Legitimität von politischer Autorität
zu begründen.
Für Locke ist politische Herrschaft nicht
göttlichen, sondern menschlichen Ursprung, es ist eine vertragliche
Übereinkunft der Menschen. Individuen können dem Gesellschaftsvertrag frei
zustimmen. Deshalb sind, wie anfangs erläutert, nur Erwachsene fähig sich
politischer Autorität zu unterstellen, weil sie das Stadium der Vernunft
erreicht haben. Die Mehrheit soll über die Staatsform entscheiden. Die
Staatsform ergibt sich daraus, wem die gesetzgebende Gewalt zugeteilt wird. Die
Legislative ist die höchste Gewalt im Staat. Von der obersten Gewalt hängt die
politische Form ab Legislative und Exekutive müssen getrennt werden um
Machtmissbrauch zu verhindern. Auch die Legislative hat keine willkürliche
Gewalt über Leben und Schicksal, sie ist selbst an das Naturgesetz gebunden.
Locke spricht nicht von einer unabhängigen judikativen
Gewalt. Die Aufgabe als Richter für Gerechtigkeit zu sorgen unterliegt der Legislativen. Zur exekutiven Gewalt gehörend nennt Locke die föderative Gewalt.,
die für die Sicherheit und Interessen des Volkes nach außen zu sorgen hat (sog.
heutige Außenpolitik).
Staatsregierung basiert nach Locke auf
Vertrauen. Die Staatsbürger vertrauen darauf, dass die Regierung sich an das
Naturgesetz hält und gemäß Staatszweck handelt. Wird das Vertrauen
missbraucht hat das Volk das Recht aktiv
Widerstand zu leisten. Die Regierung verliert die Macht und sie geht an das
Volk zurück. Locke wendet sich gegen die Auffassung, dass Widerstand nicht
erlaubt sei. Er richtet sich gegen eine eigene These die er 1660 erstellt
hatte. Damals behauptete er , dass ein Untertan zu
Gehorsam verpflichtet sei. Seine jetzige These lautet, dass ein Untertan
verpflichtet sei, den Gehorsam zu verweigern falls nötig.
Locke sah die Gefahr königlichen
Machtmissbrauchs und begründetet ein Recht auf
Revolution.
Die politische
Philosophie von Locke ist wie Hobbes auch kontraktualistisch.
Gegenüber Hobbes fügt er aber dem Prinzip der Legitimation politischer
Herrschaft den Aspekt ihrer Limitation hinzu.
Auch Locke
griff bei der Begründung der Staatsgewalt auf das Vertragsargument zurück. Den
Ausgangspunkt bildet auch hier der Naturzustand, in dem das Moment der Freiheit
als Zustand der vollkommenen Freiheit und der Gleichheit stärker als bei Hobbes betont wird:
unkontrollierbare Freiheit über seine Person und seinen Besitzt.
Naturzustand
bei Locke ist ein Zustand des Friedens, des Wohlwollens, der gegenseitigen Hilfe
und Erhaltung. Natürliche Rechten ist bei Locke das Recht auf Selbsterhaltung,
auf Freiheit und auf Eigentum. Er
plädiert für eine Gesellschaft ohne Gewalt und zugunsten der Gemeinschaft.
Gemeinschaft ist die Vereinigung aller Übereinkünfte. Das Handlungsproblem
wurde von Hobbes durch Souverän gelöst. Bei Locke liegt jedoch die Lösung in
Majoritätsprinzip (die Entscheidung der Mehrheit). Die Demokratietheorie von
Locke kann als liberal-repräsentativ bezeichnet werden, in dem der Staat ein
Staat der Eigentümer ist.
Bei Locke gibt
es keinen Souverän, denn die politische Gemeinschaft die Rechte nicht abgibt,
sondern nur eine durch Vertrauen gesicherte Übertragung dieser Kompetenzen auf
diese Instanzen. Locke hat keine liberale Demokratie entwickelt, aber für das
Programm des politischen Liberalismus Begründung geliefert. Er charakterisiert
nämlich eine vollkommene Demokratie durch legislative, die von Zeit zu Zeit
Gesetze verabschiedet. Die Aufgabe der Exekutive ist die Legislative (Gesetzgebung)
einzuberufen und aufzulösen (checks and balances). Dadurch dass aber Bürgerrecht an den Besitzt
gebunden ist, sind der Grossteil der Bevölkerung nicht in der Legislative repräsentiert.
Locke hat von
Hobbes die Ansicht übernommen, dass eine Klärung der Bedingungen der Handlungsfreiheit
eine Klärung der Bedingungen der politischen Freiheit verlangt, was gegen
Descartes Idee der Freiheit spricht. Das bedeutet, dass eine Entfaltung der Individuen
oder Erweiterung ihrer Handlungsfreiheit die Konzentrierung der Mittel des
Gewaltgebrauchs in den Händen einer Person oder Institution verlangt.
Locke hat
jedoch die Idee von Hobbes über die Unbegrenztheit der Staatsgewalt verworfen
und versucht die Herrschaftslegitimation zu begründen.
Weiterhin
schwankt Locke in der Begründung von Gerechtigkeit und Moral nicht
zwischen den
drei Ansätzen, sie allein auf das Streben nach individueller Selbsterhaltung,
auf ihre Schöpfung durch den Staat oder auf ein ursprüngliches Recht zu
gründen, das Eigentum definiert sondern entwickelte den dritten Ansatz: mit
Descartes den Willen als eine "power to suspend the execution
and satisfaction of any desire", hielt aber am Determinismus fest.
Locke
entwickelte ein Mittel zu Begrenzung der Staatsgewalt auf derselben Grundlage,
auf der Hobbes seinen Staat errichtete. Die Grundlagen bilden folgende
Annahmen:
1) Ein Staat
ist nur legitim, wenn seine Bürger seiner Einrichtung oder Verfassung
zustimmen. Bei Hobbes ist es nur möglich und nicht legitim.
2) Der Grund
der Zustimmung ist die Erwartung, der Staat werde für die
Respektierung
der Naturgesetze des Naturrechts und auf diese Weise für
Frieden und
Wohlstand sorgen.
3. Der Staat
oder seine Vertreter können diese Erwartung nur erfüllen, wenn
sie das
Gewaltmonopol haben, d.h. die Gewaltmittel besitzen, den Widerstand
gegen ihre
Durchsetzung des Naturrechts zu brechen.
Die Begrenzung
der Staatsgewalt geschieht bei Locke durch ein Doppelmanöver: erstens durch die
Unterscheidung im Staatszweck (Naturrecht durchsetzen oder Gerechtigkeit herzustellen) und zweitens durch die Unterscheidung in der
Gewalt, die eine staatliche Institution einsetzen kann (Trennung zwischen
Legislative und Exekutive).
Für Hobbes berührt
die Autorität Gesetze zu geben auf dem Schwert. Gesetze konnten deshalb nur von
derselben Instanz gegeben werden, die sich auch durchsetzt. Lock findet sie
aber in der Fähigkeit der Individuen, ihre Zustimmung zum Staatlichen
Gewaltmonopol wirksam zu verweigern und sich seiner Handlung auch gewaltsam zu
widersetzen. Beider (Lock und Hobbes) haben in ihrer Zeit im Parlament und
Staat Bestätigung für ihre Theorien gehabt. Macht der Legislative ist die
Macht, vom Volk ausgeht, während die Macht der Exekutive die Macht ist, die aus
den Gewehren kommt.
"Jeder
Mensch hat ein Eigentum in seiner eigenen Person. Darauf hat niemand
ein Recht als
er selbst. Die Arbeit seines Körpers und das Werk seiner Hände gehören, können
wir sagen, eigentlich ihm (are properly
his)"
Eigentum ist
bei Locke formalartig als: Life, Liberty and Estate (Leben, Freiheit und
Besitztum). Arbeitsprodukt
gilt als Besitztum und die Person eines Menschen wird definiert als sein Leben
und seine Freiheit.
Descartes
könnte das Subjekt problemlos als das Subjekt der Willensfreiheit
und das anzueignende
Vermögen als Handlungsfreiheit verstehen;
Locke jedoch
nicht, weil er
die Willensfreiheit wie Hobbes verwirft. Da das Produkt des Arbeitsprozesses
von der Arbeit (meinem Eigentum) abhängt, ist auch das Arbeitsprodukt mein
Eigentum. Aber hängt das Arbeitsprodukt
außer von meiner Arbeit auch von der Verfügung über Arbeitsmaterial und
Lebensmittel ab. Arbeitsprodukt wird damit
nur in dem Maß zum Eigentum des Produzenten gemacht, in dem es von seiner
Arbeit abhängt. das gemeinsame Maß oder
der Wert ist die Menge der in einen Faktor eingegangenen Arbeit. Arbeit gibt
jedem Ding seinen unterschiedlichen Wert. Die Arbeit ist als Rechtstitel oder
Rechtfertigungsgrund für Ansprüche auf eine Sphäre nachzuweisen, in der
Individuen über ihr eigentümliches Eigentum von Leben und Freiheit hinaus
Rücksicht auf die anderen machen können, was sie wollen. Damit ist die
Sphäre der Freiheit der Individuen zwar
nicht nur, aber im Wesentlichen durch die Arbeit bestimmt.
Locke übernimmt
folgende Dinge aus dem traditionellen Naturrecht:
1) Man darf sein Eigentum nicht verderben oder
verkommen lassen (denn Gott schuf nichts, dass der Mensch es vernichte)
2) Man darf nur aneignen, wovon noch für jeden
von gleicher Qualität
genüg zur
Aneignung übrig bleibt.
Um Locke zu
widersprechen soll jedoch daran erinnert werden, dass der Wert der Dinge nicht
nur durch Arbeit, sondern auch durch die Natur bestimmt ist. Nach Locke sei Naturfaktur für den Wert der Dinge
vernachlässigbar. Weiterhin wird der
Wert auch vom Verhältnis von Nachfrage und Angebote bestimmt.
Der Zweck der
Individuen bei ihrer Vereinigung zu einem Staat ist die "gegenseitige
Erhaltung von Leben, Freiheit und Besitztum“, die Locke mit dem allgemeinen Namen Eigentum nennt.
Staat ist eine
Institution, die sich die Individuen zum Schutz ihres Eigentums vor der
Begehrlichkeit derer eingerichtet haben. Politische Freiheit gründet nach Locke auf der
Freiheit, über sein Eigentum zu verfügen, Eigentum auf Arbeit, und Arbeit macht
(wie Tausch und Schenkung) etwas zu Eigentum, weil sie wie alle Handlungen dem
Individuum "eigentlich" angehört oder unveräußerlich ist.
Nun stellt
sich die Frage, welche Freiheit es ist, die das Subjekt oder sein Wille hat?
Es ist die
Freiheit eines Wesens, das immer sein Glück verfolgt, aber im Willen die
Fähigkeit hat, Handlungsimpulse oder Begierden zu suspendieren und sie an der
Bestimmung seines Willens zu irgendeiner Handlung zu hindern, bis es ihr Gutes
oder Schlechtes gebührend und angemessen geprüft hat, so gründlich wie es das
Gewicht der Sache verlangt.
Diese Antwort von
Locke enthält ein aristotelisch-hobbistisches und ein
cartesisches Element, die sich nicht vertragen:
In Hobbes
Tradition sei der Mensch hinsichtlich seines Wollens nicht frei, sondern werde zum
Handeln vom Unbehagen bestimmt. Begehren strebe immer nach Glück, wodurch die
Bestimmung des Willens durch das drängendste
Unbehagen sei der erste Schritt zum Glück. Der Wille werde immer durch die
Erwartung des Guten oder das vermeintliche Gute bestimmt.
In Descartes'
Tradition behauptet er, dass der Mensch jedes Begehren und noch so drängende
Unbehagen an der Umsetzung in eine Handlung hindern und darauf prüfen kann, ob
es wirklich Glück bringt oder gut ist. [15]
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[1] Gottfried, G.: Grundprobleme der
Erkenntnistheorie; von Descartes zu Wittgenstein, 1993, S.42
[2] Störig, H.J.:
Kleine Weltgeschichte der Philosophie, 1999, S.196
[3] Hegel, G. W. F.: Werke 20/ Vorlesungen
über die Geschichte der Philosophie III, 1975, S.211
[4] Kulenkampff, A.: Klassiker des
philosophischen Denkens Band 1, 2001, S.235
[5] Puster, R.W in: Kreimendahl, L.:
Philosophen des 17 Jahrhunderts, 1999, S. 104
[6] Locke, John: Von der Einerleyheit
und Verschiedenheit, in Gadamer, Hans-Georg (Hg.),
1989, S. 129
[7] Locke, John: Von der Einerleyheit
und Verschiedenheit, in Gadamer, Hans-Georg (Hg.),
1989, S. 130
[8] Locke, John: Von der Einerleyheit
und Verschiedenheit, in Gadamer, Hans-Georg (Hg.),
1989, S. 140
[9] Locke, John: Von der Einerleyheit
und Verschiedenheit, in Gadamer, Hans-Georg (Hg.),
1989, S. 140
[10] Locke, John: Von der Einerleyheit
und Verschiedenheit, in Gadamer, Hans-Georg (Hg.),
1989, S. 140
[11] Locke John: Von der Einerleyheit
und Verschiedenheit, in Philosophisches Lesebuch Band 2 von Hans-Georg Gadamer (Hg), S.145
[12] Locke John: Von der Einerleyheit
und Verschiedenheit, in Philosophisches Lesebuch Band 2 von Hans-Georg Gadamer (Hg), S. 148
[13] Thiel, Udo:
Locke, S.94
[14] Thiel, Udo:
Locke, S.95
[15] Steinvorth,
Ulrich: Freiheitstheorien in der Philosophie der Neuzeit, Wissenschaftliche
Buchhandlung Darmstadt 1978:S. 106 ff