1     Immanuel Kant -

1.1     Grundlagen seiner Philosophie

 

 

 


Gliederung:

 

 

1.     Kurzbiographie

 

2.     Kants Philosophie

2.1.    Kritik der reinen Vernunft

2.2.    Kritik der praktischen Vernunft

2.2.1 Der gute Wille, die Pflicht, die Maxime

2.2.2 Der Kategorische Imperativ

2.2.3 Die Freiheit

2.3.    Kritik der Urteilskraft

 

3.     Schluss

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 


1.        Kurzbiographie

Immanuel Kant wird am 22.4.1724 in Königsberg als Sohn einer pietistischen Handwerkerfamilie geboren. Er studiert in seiner Heimatstadt von 1740 bis 1746 Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften; hierbei interessiert er sich v.a. für Leibniz, Wolff und Newton.

Nach seinem Studium verlässt Kant Königsberg für neun Jahre um der Tätigkeit als Hauslehrer nachzugehen.1755 kehrt er nach Königsberg zurück, um zu promovieren, und nimmt darauf bis 1769 eine Anstellung als Privatdozent an. Währendessen  beschäftigt er sich verstärkt mit David Humes empiristischer Kritik des traditionellen Ursachenbegriffs.

1770 erlangt Kant die Professur für Logik und Mathematik in Königsberg.

Mit 79 Jahren stirbt Kant am 12.02.1804; in diesem Jahr gedenken wir seinem 200. Todestag.

Insgesamt sind 69 Schriften Kants überliefert, wie folgt werden die wichtigsten Werke aufgeführt:

1781  „Kritik der reinen Vernunft“

1785  „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“

1788    „Kritik der Praktischen Vernunft

1790  „Kritik der Urteilskraft“.

 

2.        Kants Philosophie

2.1  Kritik der reinen Vernunft

Wie funktioniert unser Erkenntnisvermögen, und was ist von ihm zu halten?

Für diese Frage haben sich viele Philosophen interessiert, doch die Mehrheit von ihnen hat sich mit der einfacheren Antwort zufrieden gegeben, nämlich, das Naturgesetze und Denkgesetze übereinstimmen müssen, sonst würden wir nichts mehr begreifen können.

Durch ein Denkgesetz erkennen wir z.B. das es regnet. Und das Naturgesetz sagt uns, das der Regen vom Himmel kommt und dieser gemeinsame Ursprung liegt in Gott. Denken und sein sind also identisch, es ist richtig gedacht und man nennt es eine „Seins- Erkenntnis“.

Diese Erklärung klang plausibel und hielt sich über Jahrhunderte hinweg. Das Argument hatte Überzeugungskraft.

Doch Immanuel Kant nahm dies nicht einfach ungeprüft hin und dachte jahrelang über das Problem der Erkenntnis nach. Seine Antwort ist die „Kritik der reinen Vernunft“.

Sie ist der Wendepunkt der Philosophie und des Denkens.

In seiner Kritik fragt sich Kant: Wie komme ich zu meinen Denkergebnissen? Ist alles Denken auch ein Erkennen? Wieso nehme ich an, dass meine Erkenntnisse richtig sind, also mit der Wirklichkeit übereinstimmen?

Er beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie weit die Gedanken , die wir uns über Gott und die Welt machen, tatsächlich allgemeingültige Erkenntnisse sind, die wir mit unseren Sinnen, unseren Verstand, und unserer Vernunft erfassen können.

Damit man seine Kritik der reinen Vernunft annähernd verstehen kann, möchte ich anhand einer Gliederung, die dem Aufbau seines Buches entspricht, beginnen und erklären.

Oder um es mit Kants Worten zu gliedern:„So fängt denn alle menschliche Erkenntnis mit Anschauungen an, geht von da zu Begriffen und endigt mit Ideen“.

 

Der erste Teil ist die transzendentale Ästhetik, in der das a priori der Anschauung untersucht wird.

 Raum und Zeit haben Anschauungscharakter und können nicht der Verstandeserkenntnis angehören. Raum und Zeit sind Formen des inneren Sinnes, sie sind in unseren Vorstellungen geordnet. Für beide gilt, dass sie empirische Realität haben, also objektiv für jeden gültig sind und dass sie transzendentale Idealität haben, also als Bedingung unserer Anschauung existieren.

Sinngemäß behauptet Kant, dass Raum und Zeit keine Dinge und Vorgänge an sich sind, sondern Erscheinungen die in uns liegen. Sie sind Erkenntnisstrukturen in unserem Sinnesapparat. Sie sind fest in uns liegende Anschauungsformen. Kant begründet dies dadurch, dass wir uns ohne Raum z.B. keine Gegenstände vorstellen könnten. Wir können uns zwar einen Baum ohne Blätter und Rinde vorstellen, aber nicht ohne Raum, der Baum ist immer in einem Raum ausgedehnt. Wir bringen also von uns aus Raum und Zeit mit und verbinden sie mit Dingen und Vorgängen.

Die sinnlichen Eindrücke, die unsere Augen, Ohren, Nase, Geschmack und Gefühl wahrnehmen, würden ohne Sinn bleiben, wenn der Verstand die Anschauungen nicht ordnen könnte.

Um zu verstehen, wie der Verstand  unsere Eindrücke auf einen Begriff bringt müssen wir zum nächsten Kapitel gehen, der transzendentalen Analytik. Kant nennt dort die Elemente des Verstandes Kategorien. Sie sind die Grundformen unseres Denkens.

Die Ableitungen (Deduktionen) dieser Kategorien passieren auf zwei Weisen. Die erste Ableitung ergibt sich aus der traditionellen Logik, d.h. die Tätigkeit des Verstandes ist das Urteilen. Die zweite Deduktion besagt, dass alle Erfahrungen unter einer einheitlichen Ordnung stehen. Die Grundlage dieser einheitlichen Funktion ist immer das „ich denke“.

Die Grundformen unseres Denkens sind:

-         Quantität ( Einheit , Vielheit, Allheit)

-         Qualität (Bejahung, Verneinung, Einschränkung)

-         Relation (Substanz, Kausalität, Gemeinschaft/ Wechselwirkung)

-         Modalität ( Möglichkeit, Dasein, Notwendigkeit)

Das bedeutet, wenn wir viele Menschen sehen, können wir nur deshalb als Erkenntnis „viele Menschen“ sagen, weil es in unserem Verstand die Kategorie oder Grundform Vielheit gibt.

Und wir sind in der Lage zu sagen: “den Baum gibt es nicht“, weil es in uns die Kategorie Dasein gibt. Außerdem behaupten wir, das jede Veränderung eine Wirkung hat, weil Kausalität in unserem Verstand existiert.

Auf den Grundformen unseres Denkens basieren die Urteilsformen unseres Denkens.

Bindeglied zwischen diesen beiden Formen ist die Zeit. Sie ist ein äußerer und ein innerer Sinn und ihr liegen somit alle Erfahrungen zugrunde.

Demnach hat Kant zu den zwölf Grundformen zwölf Urteilsformen gefunden:

o       Einzelurteil: Kant ist ein Genie.

o       Besonderes Urteil: Viele Menschen sind klug.

o       Allgemeines Urteil: Alle Menschen sind sterblich.

o       Bejahendes Urteil: Kant ist vernünftig.

o       Verneinendes Urteil: Kant ist nicht wohlhabend.

o       Einschränkendes Urteil: Was immer Kant auch sein mag- dumm ist er nicht.

o       Substanzielles Urteil: Der Kreis ist rund.

o       Kausales Urteil: Wegen der Sonne wird es hell.

o       Außschliesendes Urteil: Alle Kreise bilden eine Gemeinschaft, Vierecke sind ausgeschlossen.

o       Mögliches Urteil: Möglicherweise regnet es,

o       Wirkliches Urteil: Es regnet.

o       Notwendiges Urteil: Der Mensch muss sterben.

Wann immer wir etwas behaupten oder beurteilen benutzen wir eine oder mehrere dieser Formen. Und die Anschauungsformen Zeit und Raum versetzen uns überhaupt erst in die Lage dazu, sie sind in unserem Erkenntnisvermögen tätig. Sie erscheinen uns als Objekte, oder allgemein als Natur. Aber die oberste Instanz ist laut Kant das „ich denke“, denn ich muss während des Denkvollzuges immer daran denken das ich es bin der denkt. Nur somit werden meine Gedanken gewahrt.

Um sein Kapitel der transzendentalen Analytik abzuschließen, müssen noch zwei Begriffe erklärt werden.

Der erste ist relativ einfach zu verstehen. Kant nennt ihn Phaenomenon und übersetzt ihn mit Erscheinungen .Er beschränkt dadurch die richtige Verstandestätigkeit auf die Welt der Erscheinungen, das bedeutet für uns, dass diese Dinge, Erscheinungen an uns gebunden sind.

Also kurz gesagt, Phaenomenon sind Dinge an uns.

Im Gegensatz zu seinem anderen Begriff, Noumena, das sind Dinge für sich.

Sie sind unerkennbar aber möglich.

Unsere Welt steckt also laut Kant voller Erscheinungen, die wir mit unseren Sinnen erfahren können. Durch unsere Anschauungscharakteren erscheint uns die Welt. Aber er behauptet nicht, dass alles bloß Illusionen sind, sondern, dass unseren Erscheinungen etwas zugrunde liegt, das wir nicht mit Verstandestätigkeit erfassen können. Aber auch nicht mit der Sinnlichkeit.

Wir können nicht wissen wie die Welt ohne die – nicht abnehmbare – Brille unserer Sinnlichkeit und unseres Verstandes beschaffen ist. Wir wissen nur wie sie uns durch diese Brille erscheint. Dies aber gilt nicht nur für die Welt, sondern auch für uns selbst. Wir sind für uns auch Erscheinungen, und diesen Erscheinungen- Phaenomenon- liegt das Ding an sich- Noumena- zugrunde, ohne das wir es erkennen können. Wir dringen nur zu den äußeren und inneren Phänomenen des Menschseins vor, nicht aber zum Mensch-Sein selbst.

Über die Erscheinungen hinaus kann man zwar denken beziehungsweise spekulieren, aber erkennen kann man nur im Raum möglicher Erfahrung. Gott, die Welt und das Mensch- Sein übersteigt unser Erkenntnisvermögen und wir bleiben deshalb Nicht- Wissende.

Der berühmte Dichter Heinrich von Kleist war Kant- Leser, und über ihn ist bekannt, dass er unter anderem durch Kants Kritik an der Welt verzweifelte. Er fand den Gedanken, dass alles nur Erscheinungen sind, unerträglich. An seine Verlobte schrieb er im Jahre 1801:

„Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder ob es uns nur so scheint.“

Der Dichter nahm sich 1811 das Leben.

Auch die Naturwissenschaftler heute noch wissen nach Kants Kritik, dass sie nur die Erscheinungen erforschen, und nie das Sein selbst.

Diese Erkenntnis führt uns zur Kausalität, das Ursache- Wirkung –Gesetz.

Kant ist der Ansicht, dass die Kausalität kein Naturgesetz ist, sondern als Kategorie in unserem Verstand ist. Deshalb hat Kant die Kausalität auch in seinen „Grundformen des Denkens benannt“.

Wir benutzen häufig Sätze wie: „ Wenn ich Brot esse werde ich satt“; „ Wenn ich Gas gebe, fährt das Auto schneller“; „ Wenn es heiß ist, schmilzt die Butter“.

Wir sprechen von einer Ursache, z.B. die Hitze, die die Wirkung, das Schmelzen der Butter, auslöst. Solche Erkenntnisse, die für uns wahr sind ermöglichen es uns erst, uns in der Welt zurechtzufinden und in ihr zu leben. Wir erklären uns alles damit, dass Dinge andere Dinge bewirken. Aber, wir können es nicht beweißen. Wir beobachten nämlich nur, dass die Butter weich ist, nachdem es heiß war, aber wir sehen nicht,  dass die Butter wegen der Hitze schmilzt. Wir sehen nur einen zeitlichen Zusammenhang und behaupten anschließend es sei kausal. Wenn wir aber nur das Wort Hitze betrachten, bekommen wir keinen Hinweis darauf, dass die Butter schmilzt.

Also hätten wir eigentlich kein Recht dazu, zu behaupten, dass es Ursache und Wirkung gibt, weil es in der Wirklichkeit nicht beweisbar ist.

Es ist aber vorhanden, - und zwar in unserem Verstand, so Kant. Sie ist eine Vorraussetzung in unserem Erkenntnis- Vermögen, um Erfahrungen überhaupt erst zu machen. Wir bringen das Kausalprinzip a priori mit, und wenden es an, wenn wir die Vorgänge in der Welt beobachten.

Die Kausalität ist eine Art Ordnungsfaktor in unserem Kopf, wir müssen Gegenstände in einen plausiblen Zusammenhang bringen, sonst würden wir im Chaos untergehen. Und dennoch sind diese Vorgänge in der Welt nur Erscheinungen, und nicht das Ding an sich. Keines unserer Denkstrukturen kann die Welt an sich erkennen.

 

Nach dieser Erkenntnis vergleicht sich Kant mit Kopernikus, dem Astronom, der damals das überlieferte Weltbild veränderte. Kant bewirkte eine so genannte kopernikanische Wende, da er zweifellos eine Wende des Denkens bewirkte und der Wahrheitsgehalt seiner Erkenntnistheorie von Wissenschaftler selten bestritten wird.

 

Aus diesen Erkenntnissen heraus leitet Kant nun zur transzendentalen  Dialektik über. Darin untersucht Kant die metaphysischen Probleme, welche die Vernunft im engeren Sinne hat.

Sie ist der Sitz des Scheins. Die Vernunft führt von den Kategorien weg, die unsere Erkenntnisse begrenzen. Die Illusionen und Erscheinungen die unsere Welt zeigt, sollen nun mit der Vernunft in Verbindung gebracht werden. Wir nennen es in unserem Sprachgebrauch „aus etwas schließen“. Kant nennt es, die Bedingung für ein Bedingtes zu suchen und in einem Unbedingten zu finden. Die Vernunft operiert dabei mit Ideen und schließt alle Erscheinungen und Begriffe mit ein.

Die drei höchsten Ideen sind Seele, Welt und Gott. Kant nennt sie auch regulative Prinzipien. Die Ideen beziehen sich nämlich nicht wie die Kategorien auf Erscheinungen, sondern sie ermöglichen uns, bestimmte Dinge mit Hilfe des Verstandes und der Einsicht sinnvoll zu ordnen.

Die Idee der Seele besagt, das alle Erscheinungen im Bewusstsein so geordnet werden sollen, als ob diesen Erscheinungen einer Einheit, nämlich der Seele zugrunde lägen. Diese Seele sollte uns immer ein Bezugspunkt sein, Kant bezeichnet es auch als „Ich“. Das „ich“ macht uns die Vorgänge dieser Welt bewusst. Da es aber kein Gegenstand ist, auf das wir z.B. das Kausalprinzip anwenden könnten, bleibt uns diese Idee verborgen. Unsere Erkenntnis kann die Idee nicht fassen. Was die Seele ist wissen wir nicht. Wir  können sie uns aber denken, und dadurch erscheint sie uns also als Subjekt.  Wir denken dass das „ich“ in uns ist, aber wir können nicht beweisen, dass es existiert. Es hat keine Substanz wie ein Objekt. Kant spricht deshalb bei der Seele auch von Paralogismen. Dieser Begriff wird in der rationalen Psychologie verwendet und bedeutet Fehlschlüsse, Subjekt und Substanz lassen sich nur unzulässig verknüpfen.

Bei der Welt verhält es sich ähnlich. Wir wissen nichts über unsere eigentliche Welt und deren Ausmaße. Wir können es uns nicht erklären, weshalb die Welt der Erscheinungen existiert und nicht einfach nichts ist. Wenn man versucht über die Welt mit bloßem Verstand nachzudenken, wird man nicht weit kommen. Man versucht etwas zu erkennen, und stößt dabei auf Widersprüche. Kant nennt deshalb seine Idee der Welt auch Antinomien, also Behauptungen, die sich widersprechen, obwohl sie sich vernünftig beweisen lassen. Zum Beispiel:  Die Welt hat einen zeitlichen Anfang, die Welt hat keinen zeitlichen Anfang. Bei solchen Sätzen versagt unsere ganze Erkenntnistheorie, weil sie über unseren Erfahrungsbereich hinaus geht. Wir können nicht erkennen, ob die Welt ewig bleiben wird, oder wieder verschwindet. Kant bildet Thesen und Antithesen, z. B. auch: Jedes Ding in der Welt besteht aus einfachen Teilen und es besteht aus nichts einfachem. Man kann nun den Satz anwenden, dass, wenn das Bedingte gegeben ist, dann ist auch die Reihe aller Bedingungen gegeben. Dieser Satz bezieht sich auf das Ding an sich. Darauf folgt der andere Satz, dass Gegenstände gegeben sind. Dieser bezieht sich allerdings auf empirische Dinge. Durch die Anwendung dieser beiden Sätze auf eine Behauptung entsteht ein Trugschluss, der beides vermischt. Denn, besteht ein Ding in der Welt nur aus einfachen Teilen, so ist es für unseren Begriff zu klein. Besteht das Ding aus nichts Einfachem, so ist es für unseren Begriff zu groß.

Die kosmologische  Idee ist regulativ, also ordnend zu gebrauchen. Die Welt –Idee leitet uns an, die Erscheinungen in ihr so zu verbinden, als ob dem Universum eine Einheit zugrunde läge.

Und im letzten Kapitel seiner Ideen behandelt Kant Gott, das Ideal der reinen Vernunft.

In diesem eindrucksvollen Kapitel zerstört er die legendären Gottesbeweise.

Sein erstes Argument besagt, das in einem Subjekt bereits alles „versteckt“ enthalten ist, was sich von ihm aussagen lässt. Er nennt es – ontologisches – Argument, was die Lehre vom Sein bedeutet.

Zum Beispiel steckt in dem Wort Schimmel bereits das Wort weiß. Wenn jemand sagt, ein Schimmel ist schwarzes Pferd, dann ist die Behauptung auf jeden Fall falsch.

Weißsein gehört zu den Merkmalen des Schimmels, die Farbe schwarz wäre ein Widerspruch.

Für den Begriff Gott gilt das gleiche. Bei der Aussage „ Gott ist allmächtig“, holen wir nur das bereits in Gott erhaltene Wort allmächtig heraus. Bei den Behauptungen „Gott ist gütig, und Gott ist allmächtig“, wäre es genauso. Die Aussagen sind bereits alle in dem Wort Gott erhalten, sofern Gott definiert ist als das höchste Wesen.

Falsch wäre die Aussage, Gott sei sterblich, da diese Aussage nicht im Subjekt Gott enthalten ist, es wäre ein Widerspruch.

Das ontologische Argument Kants geht von dieser logischen Basis aus. Wir sollten uns Gott als ein absolut vollkommenes Wesen vorstellen. Gott trägt alle positiven Prädikate in sich, er ist allmächtig, gütig, unsterblich,…….

Die Annahme das Gott ein vollkommenes Wesen ist, setzt natürlich, laut dem Philosophen Leibniz voraus, das es existiert. Sonst hätte das Wesen Gott einen gewaltigen Mangel. Also ist es zwingend, das Gott existiert und sein Nicht – Sein logisch unmöglich ist.

Kant aber lässt sich von diesem Gottesbeweis nicht beeindrucken, zerlegt ihn in seine kleinste Teile und stößt auf einen Fehler. Der Fehler liegt im falschen Gebrauch des Wortes Existenz. Die Philosophen vor Kant behaupteten, das Wort Existenz wäre gleichzusetzen mit allmächtig oder gütig. Es sollte eine Artverwandschaft zwischen dem Wort Existenz und Allmacht herrschen. Beide werden als Prädikate verwendet.

Aber Kant bestreitet die Verwandtschaft, denn nach den Regeln der Logik ist Existenz überhaupt kein Prädikat.

Unsere Sprache im Alltag macht die Sonderstellung des Wortes Existenz nicht sofort sichtbar, doch es lässt sich an einem Beispiel gut erklären.

Wenn ich vor Gericht behaupte, „ Sabine existiert“, dann würde der Richter sofort fragen, wo Sabine sich aufhält. Denn es könnte ja sein das ich Sabine gefunden habe.

Sag ich allerdings vor Gericht, Sabine ist eine Frau, fragt der Richter nicht weiter nach, und glaubt mir ohne weiteres, da ja in der Aussage Frau das Subjekt Sabine bereits enthalten ist.

Wie mit Sabine verhält es sich auch mit Gott. Da Existenz kein Prädikat ist, kann es auch nicht in dem Begriff vollkommenes Wesen enthalten sein. Es ist also etwas anderes wenn ich behaupte Gott ist allmächtig, als wenn ich sage Gott existiert. Ich kann mir zwar vorstellen, dass Gott existiert, ich habe aber keine Beweise dafür.

Um herauszufinden, ob ein Wesen wie Gott existiert, muss ich es mit meinen Sinnen wahrnehmen können, also sehen, riechen und fühlen können. Wir können uns Gott aber nur denken, wie 1000 Euro, z. B., die wir uns zwar vorstellen können, die aber deshalb  noch lang nicht auf unserem Konto sind.

Der zweite Gottesbeweis ist das kosmologische Argument.

Die Behauptung der Philosophen vor Kant war es, das hinter allen Dingen die existieren eine erste Ursache steckt. Ein Wesen, das sein eigener Grund ist und von nichts abgeleitet werden kann, nicht wie Apfel von Baum zum Beispiel.

Der Philosoph Leibniz sagte, das der Kosmos ja offensichtlich vorhanden ist, und dafür muss es auch einen zureichenden Grund geben. Und dieser Grund ist Gott. Klingt gut, weil wir auch wirklich so denken. Alles muss einen Anfang haben.

Aber schon allein die Zahlenkette hat weder Anfang noch Ende. Es gibt positive und negative, und sie ziehen sich ins Unendliche.

Aus dem Argument, das alles eine erste Ursache oder einen Grund haben muss, und das dieser Grund Gott ist, geht nicht hervor, das Gott auch tatsächlich existiert. Und damit sind wir wieder beim bereits widerlegten ontologischen Beweis.

Das dritte teleologische, d.h. zweckmäßige Argument lautet:“ Die ganze Ordnung des Universums kann nicht zufällig sein. Jedenfalls ist die Zweckmäßigkeit im Kosmos plausibler erklärbar durch das Walten einer höheren Macht als durch blinden Zufall“.

Diese Behauptung klingt überzeugend, weil es sich auf Fakten bezieht. Im Kosmos muss eine Ordnung vorhanden sein, sonst würde unser ganzes System zusammenbrechen.

Kant sieht aber trotzdem eine großen Nachteil in diesem Argument. Es beschreibt zwar eine Kraft nach der sich der Kosmos richtet, aber es erklärt nicht, wer den Kosmos erschaffen hat.

Damit hat Immanuel Kant den dritten Gottesbeweis widerlegt.

Durch Kants Entkräftung der Argumente die für Gott sprechen, wird jedoch nicht das Gegenteil wahr, also das Gott nicht existiert. Atheisten, die verächtlich behaupten, das Gott nur eine erfundene Idee ist, befinden sich logischerweise in der gleichen Situation wie Theisten, die behaupten, das Gott existiert.

Die Beweise beider Parteien haben keinen Wert.

Aber jeder Mensch hat die Fähigkeit an etwas zu glauben, und so wollte Kant mit der Entkräftung der Gottesbeweise, Platz für den Glauben schaffen.

Abschließend kann man also sagen, dass wir über die so genannten Ideen nichts wissen können, das es aber praktisch und moralisch für uns besser ist, an sie zu glauben. Mit der Mutmaßung das Seele und Gott und die Welt existieren, kann man besser leben.

 

Im kurzen Teil der transzendentalen Methodenlehre kritisiert Kant die Möglichkeiten des unrichtigen Vernuftsgebrauch und verweist auf die Disziplin.

Kant greift als erstes die mathematische Methode an, die in der Philosophie durch scheinbare Beweise zum Dogmatismus führen.

Außerdem zerpflückt er den Gebrauch von dogmatischen Thesen auf die mit Antithesen reagiert wird. Nach Kant soll die Vernunft unvoreingenommen und skeptisch überprüft werden. Allerdings ist die Skepsis allein als allgemeine Methode in der Philosophie unangemessen.

Schließlich verurteilt er darin noch Hypothesen und Beweise. Hypothesen, so Kant, sind nur als Kriegswaffen in der Philosophie erlaubt, und Beweise müssen direkt und unter Rückgriff auf mögliche Erfahrungen gelten.

 

Das Ergebnis der Kritik der reinen Vernunft beschränkt sich auf unsere Erfahrungen, aber der Mensch drängt ständig dazu über die Grenzen der Erfahrungen hinauszukommen. Kant ist der Überzeugung dass dies im Wesen des Menschen liegt, sich über sich und die Welt an sich Gedanken zu machen. Würden wir das nicht tun, würden wir im Chaos versinken.

Aber nur durch das theoretische Grübeln kommen wir nicht weiter, denn der Mensch ist nicht nur ein denkendes, sondern auch ein handelndes Wesen.

Und somit kommen wir zu seinem zweiten großem Werk. Die Kritik der praktischen Vernunft.

 

2.2  Kritik der praktischen Vernunft

In seinen Werken „Grundlegung der Metaphysik“ und „Kritik der praktischen Vernunft“ behandelt Kant den praktischen Gebrauch der Vernunft des Menschen, welcher sein Handeln bestimmt. Bis zu Kant haben die Philosophen das menschliche Handeln durch Einflüsse von Außen begründet, dagegen will Kant den Bestimmungsgrad für unseren Willen in uns selbst finden.

„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer ... Bewunderung und Ehrfurcht, ... : Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.“[1]

     

2.2.1.      Der gute Wille, die Pflicht und Maxime

Um zu einem allgemeingültigen, moralischen Gesetz zu gelangen, beschäftigt sich Kant mit dem Verständnis vom guten Willen. Wenn ein Wille gut ist, so sind prinzipiell auch die daraus resultierenden Handlungen gut. Ob und wann man von einem guten Willen spricht bedarf einer weiteren Erklärung, dem Pflichtgedanken.

Kant unterscheidet Handlungen, die  pflichtgemäß oder aus Pflicht geschehen. Pflichtgemäße Handlungen haben grundsätzlich für den Handelnden einen eigenen Nutzen.

Beispiel: Wenn jemand wohltätig handelt, so ist diese Handlung pflichtgemäß, weil er sich als ehrenswert erweist, vielleicht Lob erntet, oder sich einfach für die Empfänger seiner Wohltätigkeit freut. Um dies vereinfacht darzustellen: Man handelt wohltätig aus einer Art Neigung (= pflichtgemäß) – nicht aber aus Pflicht!

Kant unterscheidet den Willen formell (a priori) und materiell (a posteriori). Der materielle Wille beschreibt einen Zweck, eine Absicht, ein Ziel. Handlungen, die rein formal sind, bezeichnet Kant als gut, d.h. dass sie nicht zweckgerichtet sind, also aus Pflicht geschehen. Sie unterliegen dem guten Willen.

 

In unserer Vernunft ist eine ganze Anzahl von verschiedenen Grundsätzen vorhanden, die auf die Bestimmungen unseres individuellen Willens ausgerichtet sind. Kant nennt diese Grundsätze Maximen.

Ein Beispiel einer Maxime ist z.B., dass ich mir vornehme, das Rauchen aufzugeben. Dies ist meine persönliche Maxime und lässt sich nicht auf andere, die weiter rauchen (wollen) oder die nicht rauchen, übertragen.

Einen allgemeingültigen Grundsatz, der den Willen jedes Menschen bestimmen soll, bezeichnet Kant als praktisches Gesetz. Dieses Gesetz, so schließt er, kann man, sollte man, muss man aber nicht befolgen. Durch diese Umschreibung schließt Kant auf ein Gesetz in Befehlsform, daher auch die Bezeichnung Imperativ. Es werden zwei Imperativformen von Kant definiert: der hypothetische und der kategorische Imperativ.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Unter einem hypothetischen Imperativ versteht man bedingt allgemeingültige Gesetze, die zweckmäßiges Handeln begründen. Z.B. man will ein hohes Lebensalter erreichen, dann muss man seine Gesundheit erhalten. Wenn es für mich jedoch nicht erstrebenswert ist, alt zu werden, muss ich mich nicht an das Gesetz halten, da es überhaupt nur bedingt allgemeingültig ist.

 

2.2.1       Der kategorische Imperativ

Der kategorische Imperativ hingegen ist gegenüber jedermann, und somit unbedingt allgemeingültig. Kant schafft mit seinem kategorischen Imperativ das Moral- oder Sittengesetz.

Um absolut allgemeingültig zu sein, muss der kategorische Imperativ übergeordnet, als oberstes Prinzip über allem stehen. Er muss auch bestehende Gesetze, die an sich gut sind, begründen können. Kant kommt zu dem Grundgesetz der praktischen Vernunft, welches lautet: „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“[2].  Dadurch, dass dieses Gesetz nur einen formalen Rahmen vorgibt, kann es auf jeden beliebigen Inhalt bezogen werden.

Um dies am Beispiel Diebstahl genauer unter Betracht zu nehmen:

„Wenn ich schwanke, ob ich einen begehrten Gegenstand einem anderen wegnehmen soll, so brauch ich mich nur zu fragen: Kann ich wollen, daß alle Menschen stehlen? Das würde jeden Besitz, den ich auch erstrebe, unmöglich machen.“[3]

Kant will mit seinem kategorischen Imperativ kein Prinzip aufstellen, nach dem wir handeln sollen. Er untersucht vielmehr unsere „praktische Vernunft“ und die Autonomie in uns.

2.2.2        Die Freiheit

Unserer Vernunft, und die Frage, ob wir uns nach diesem Moralgesetz richten, liegt der Tatsache zu Grunde, dass wir (willens)freie Menschen sind. Wir können letztendlich entscheiden, was wir tun. Auch wenn wir für unsere Handlungen Konsequenzen zu tragen haben, sind wir dennoch frei zu entscheiden.

              Bisher hat Kant mit seinen Kritiken das Denken und Erkennen (Kritik der reinen Vernunft), danach das Wollen und Handeln (Kritik der praktischen Vernunft) des Menschen untersucht. Abschließend setzt sich Kant in der Kritik der Urteilskraft mit  dem Gefühl und der Phantasie des Menschen auseinander. Damit bildet Kant den Schlussstein seiner Philosophie.

 

2.3            Kritik der Urteilskraft

Um die Anwendung des Begriffs „Urteilskraft“ näher zu erläutern, folgt zunächst ein Beispiel.

„Was macht ein Richter, wenn er zu einem Urteil kommen will?“ Er wird Rechtssätze auf den vorliegenden Tatbestand anwenden, d.h. er subsumiert.

Diese Anwendung auf das menschliche Handeln bezogen bezeichnet Kant als  bestimmende Urteilskraft, dabei wird das Besondere unter das Allgemeine subsumiert.

         Die sog. reflektierende (überlegende) Urteilskraft versucht nachdem das Besondere schon vorgegeben ist, zunächst das Allgemeine zu finden. Aber was hat das mit unseren Gefühlen, die Kant untersuchen will, zu tun?

Indem wir uns diese besondere Gegebenheit, diesen besonderen Gegenstand vorstellen, und  wir uns selbst damit auseinandersetzen, die Situation an unseren eigenen Maßstab beurteilen, weckt ohne Zweifel Gefühle in uns. Nun stellt sich Kant wieder die Frage ob es ein a priori auch für unsere Gefühle gibt.

„Alle unsere Gefühle sind Unlust- oder Lustgefühle“[4]. Wir empfinden Lust, wenn unsere Bedürfnisse befriedigt werden, Unlust, wenn sie unbefriedigt bleiben.

Bedürfnisse sind nach Kant nichts anderes als Zweckmäßigkeiten / Zwecke.

„Wenn ich etwas esse, worauf ich Appetit habe, so habe ich ein Lustgefühl, weil eben dieses Essen für meine Befriedigung dieses Bedürfnisses „zweckmäßig“ ist.“[5]

Dieses Beispiel zeigt die subjektive Zweckmäßigkeit auf, die Kant unter dem Vermögen der „ästhetische“ Urteilskraft fasst. Subjektiv deshalb, weil es nicht jedem schmeckt, oder weil ich irgendwann einmal nicht auf dieses Essen Appetit habe.

Kants Ästhetik beschreibt das „Schöne“ (traditionelle Kategorie) und das „Erhabene“ (zeitgenössische Kategorie). Als schön wird beurteilt, was im Subjekt (Betrachter) ein Lustgefühl hervorruft. Das Schöne bezeichnet Kant als „uninteressiertes Wohlgefallen“. Dabei wird dieses Gefühl durch die Harmonie von Einbildungskraft und Verstand ausgelöst. Da man davon ausgehen kann, dass alle Menschen Vernunft- und Sinneswesen zugleich sind, verallgemeinert Kant: „Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.“ [6]  Um das Schöne zu charakterisieren: es ist eine Zweckmäßigkeit ohne Zweck.

Als das Erhabene bezeichnet Kant die Erscheinungen in der Natur, die uns unbegrenzt, nahezu unendlich erscheinen. Daher löst das Erhabene im Betrachter eine gewisse Erfurcht aber auch eine lustvolle Empfindung aus. Wenn wir den bestirnten Himmel betrachten, erkennen wir unsere Ohnmacht, aber wir erkennen auch, dass wir letztendlich Teil dieser Natur sind.

 

3.              Schluss

Kants Philosophie, welche von Empirismus und Skeptizismus Abstand nimmt, untersucht das menschliche Erkennen, Handeln und Urteilen an Gesetzmäßigkeiten, die vom Menschen selbst bestimmt werden. Die außerordentliche Vielseitigkeit der Probleme hat Kant zu einem der einflussreichsten, immer neu ausgelegten Denker für das 19. und 20. Jahrhundert gemacht. Dadurch das Kant die Gesetze der Natur vom Menschen selbst begründen lässt, schlägt er eine revolutionäre Richtung ein, die Kant selbst mit der Kopernikanischen Wende vergleicht. Gerade deshalb, legt er den Grundstein für eine neue Denkweise und beeinflusst somit viele Philosophen seiner Zeit und späterer Zeiten.

 



[1] Oelmüller, Willi / Dölle, Ruth: Philosophische Arbeitsbücher 2, Paderborn, 1978, S.196

[2] Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie 2, Frankfurt / M.,1979, S. 77

[3] ebd.

[4] Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie 2, Frankfurt / M., 1979, S.84

[5] ebd.

[6] Weischedel, W.: Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft (1790), http://www.uni-essen.de, 29.04.2004