G.W.F. Hegel

 

 

Gliederung

 

 

1.       Biographie                                                                                   

2.       Deutscher Idealismus

 

3.      Dialektik

 

4.      Bewußtsein                                                                                             

4.1.    Wahrnehmung

4.2.    Kraft und Verstand

4.3.    Selbstbewusstsein

4.4.    Herrschaft und Knechtschaft

4.5.   Das unglückliche Bewusstsein

 

5.      Vernunft                                                                                      

5.1.    Die beobachtende Vernunft

5.2.    Die tätige Vernunft

5.3.   Die reele Individualität

 

6.      Der Geist                                                                                     

6.1.    Philosophie des Geistes

6.1.1.        Der subjektive Geist

6.1.2.        Der objektive Geist

6.1.3.        Der absolute Geist

6.2.    Das absolute Wissen

 

7.      Bedeutung Hegels für heute

 


1. Biografie

 

Georg Friedrich Wilhelm Hegel wurde am 27.08.1770 als ältester Sohn einer Stuttgarter

Beamtenfamilie geboren. Er genoss eine stark protestantische Erziehung, besuchte das „Gymnasiumillustre“, um nach seiner Matura 1788 als Stipendiat am Tübinger Stift Theologie und Philosophie zu studieren. Hier freundete er sich mit Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Friedrich Hölderlin an. Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Studiums trat er 1793 eine Hauslehrerstelle im schweizerischen Bern an. 1797 nimmt er eine andere Hauslehrerstelle in Frankfurt an, die ihm Hölderlin vermittelte. Nach Erhalt einer Erbschaft legte er das Hauslehreramt nieder, um 1801 nach Jena an eine dortige Universität zu gehen, an der sein Freund Schelling lehrte. Mit diesem gab er von 1802- 1803 die Zeitschrift „Kritisches Journal der Philosophie“ heraus. 1805 wird er zum außerordentlichen Professor der Philosophie ernannt. Aus finanziellen Gründen zog Hegel 1807 nach Bamberg, um dort als Redakteur der „Bamberger Zeitung“ zu arbeiten. In den Jahren 1808 bis 1816 arbeitete Hegel als Gymnasialdirektor in Nürnberg. In diesem Zeitraum heiratete er Marie von Tucher und bekam mit ihr zwei Söhne. 1816 folgt Hegel dem Ruf der Universität Heidelberg, um diese 1818 zu verlassen und dem Ruf der Universität Berlin zu folgen, an der er Fichtes Nachfolge antrat. Hier entfaltete er seine große Wirksamkeit und brachte u. a. in den folgenden Jahren die von ihm verfassten „Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik“ heraus und bereiste die europäischen Kulturhauptstädte seiner Zeit. 1830 wurde er zum Rektor der Universität Berlin ernannt. Am 14.11.1831 verstarb Hegel während einer Cholera- Epidemie in Berlin und wurde auf eigenen Wunsch neben Fichte auf dem Hugenottenfriedhof beigesetzt.

Zu seinen Werken zählen u.a. „Über die Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems der Philosophie“(1801), „Die Phänomenologie des Geistes“(1807), welche hier im Anschluss versucht wird zu erklären und zu verstehen, die „Logik“(1812- 1816), die „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“(1817) und die „Grundlinien der Philosophie des Rechts“(1821).

 

2. Deutscher Idealismus

 

Um den Versuch, Hegel zu verstehen, beginnen zu können, sollte man etwas über seinen denkerischen Hintergrund wissen. Hegel ist dem deutschen Idealismus zuzuordnen, bei welchem er neben Fichte, Hölderlin und Schelling, die sich am kritischen Idealismus Kants orientierten, als Begründer gilt. Der kritische Idealismus zielte auf das Entdecken des Geltungsgrundes endlicher Erkenntnis. Der deutsche Idealismus suchte darüber hinausgehend nach dem Geltungsgrund absoluter Erkenntnis, um sich und das Absolute selbst offen zu legen( > Erkenntnistheorie). In der Frage nach der Potentialität der Erkenntnis Gottes entschieden sich die Denker dieser Richtung für die Vernunft, die sich als der geistige Grundsatz des absoluten Ich darstellt, aus welchem die ganze Wirklichkeit metaphysisch abzuleiten sei.

Schelling vertrat den objektiven Idealismus, der mit Nachdenken zur Wahrheit gelangt, da er das unmittelbar Wahrgenommene, die äußerliche Welt, nicht als wahrhaft seiend und das Innere der Dinge, den Gedanken, das Wesen als das Wahre einsetzt.

Fichte war der Vertreter des subjektiven Idealismus, welcher die Widersprüchlichkeit und Endlichkeit der Gedanken der Metaphysik darstellt, sie ohne Auflösung und somit einseitig im Ich oder Subjekt aufhebt und diesem als Ding- an- sich, das Wahre als unerreichbares Jenseits, gegenüberstellt.

Hegel wurde von beiden stark geprägt und gestaltete den absoluten Idealismus, welcher das Dingan- sich auch als Gedanke, nämlich als reine Abstraktion, als Sein begreift und die endlichen Kategorien außer Kraft zu setzen und wahrlich für unwirksam zu erklären, dadurch, dass er in ihrem Gegensatz ihr Ineinanderübergehen und so ihre Einheit und Vermittlung darlegt.

 

3. Dialektik

 

Hegels verwandte Methode ist die Dialektik, die als geregelter und methodisch ausgebildeter Widerspruchsgeist in jedem Menschen ist. Um eine weiterführende Bedeutung zu erhalten, ist es wichtig, das Für und Wider abzuwägen, folglich eine „Methode von Rede und Widerspruch“ anzuwenden. Auch ein anderer Satz birgt Wichtiges in sich, nämlich , dass eine Entwicklung des Lebens nur durch eine Einheit der Gegensätze ausführbar ist. Der Drei-Takt aus These, die die Antithese bereits beinhaltet, und schließlich der Synthese, die die beiden aufhebt, wird landläufig als Dialektik bezeichnet. Für Hegel entspricht die Dialektik einem Bewegungsgesetz des Lebens und die Erkenntnis, dass die Wirklichkeit sich in Bewegung befindet. Somit kann man gemäß Hegel behaupten, dass jeder Gegenstand zuerst an- sich, also mit sich identisch ist, dann einen Unterschied hat durch seinen Gegensatz durch sein Sein für mich oder andere („Für- sich- sein“) und schließlich das Aufheben dieses Gegensatzes, welcher als Einheit zwischen An- sich und Für- andere in mein Wissen eindringt und es bereichert. Diese Einheit wird im Für- sich- sein beinhaltet. Doch eine finale Einheit zwischen den beiden ist noch nicht erreicht, denn der Gegensatz zwischen Wissen und dem Gegenstand wird wieder und wieder in neuen dialektischen Bewegungen (Spiralen) auf stets neuen Stufen ausprobiert, bis der Gegensatz am Ende dieser dialektischen Spirale endgültig überwunden ist.

 

4. Bewusstsein

 

Was ist wirklich? Was ist Realität? Dies ist eine philosophische Frage. Der Mensch hat fünf Sinne. Würde er davon nur einen nutzen, würde er sagen, „Ich glaube nur was ich sehe“, „Ich glaube nur das, was ich mit meinen fünf Sinnen erfassen kann“, Dies wäre ein  Fortschritt! Aber was ist mit den Begriffen wie Liebe, Sehnsucht, seelischer Kummer oder Mitleid? Wie könnte man dies erfassen, erklären? Hegel geht von einem Bewusstsein aus, welches natürlicher und normaler gar nicht sein kann: „ein Bewusstsein, das auf der Vergewisserung der Gegenstände um uns herum mit unseren Sinnen fußt.“ Viele Eindrücke treffen unsere Sinne. Es stellt sich die Frage, ob es noch ein Mehr an Erkenntnis gibt. Hegel nennt dies >> sinnliche Gewissheit<< Wir verhalten uns aufnehmend. D. H. unser Wissen funktioniert zunächst einmal ohne Vorkenntnisse, ohne eigene Anstrengung. Das etwas ist, ist im Denken Hegels nicht das Höchste wie bei anderen Philosophen, sondern das Wenigste, was von einer Sache gesehen werden kann. Wir verhalten uns passiv und sehen etwas. Es entsteht eine Beziehung zwischen dem der sieht und dem was gesehen wird. ( Ich / Gegenstand) Als Beispiel wird ein Baum genommen. Das Sein des Baumes, das unbestreitbar ist, braucht für seine Gewissheit (= für sein Gewusst werden) das ich.

Somit sagt Hegel:  „ aus dem Baum fallen zwei Diese heraus“

  1. dieses Ich oder das reine Ich
  2. Dieser Gegenstand: der Baum

Die sinnliche Gewissheit lebt vom Baum.

Der Baum lebt vom Ich.

Der Baum ist an-sich ein Baum, unabhängig davon, wer sich alles Gedanken um ihn macht. Aber sein AN-sich-Sein hilft trotz Unverzichtbarkeit nicht weiter.

Wenn er für mich, für mein Wissen, ein Baum ist, führt er eine Bestimmung mit sich, die Hegel Für-einen Sein oder Für-einen-anderen Sein nennt.

 

Unterschieden werden müssen bei Hegel auch das Jetzt und das Hier.

Das Jetzt bleibt als Sein, während die Uhr die jetzige Zeitangabe unerbittlich wiederlegt. Das Hier bleibt als Sein, während die Örtlichkeiten ständig wechseln. Hegel nimmt die Worte: „ Diese ich steht ein Dieses in einem Jetzt und einem Hier.“ „Allgemeines genannt“.

Somit ist das „ Allgemeine“ und nicht das einzelne die Wahrheit der sinnlichen Gewissheit und nicht der vermeintlichen Einzeleindrücke. Jetzt ist Nacht stimmt irgendwann einmal nicht mehr. Wenn das Jetzt ausgesprochen ist, hat es schon aufgehört zu sein. Wenn das Jetzt nicht mehr ist, ist es gewesen. Gewesen kann aber nicht sein, weil es gewesen ist. Hiermit ist der Begriff der Negation erklärt.

 

4.1. Die Wahrnehmung

In der Wahrnehmung nimmt das Ding endlich Konturen an, denn das Ding entpuppt sich als Träger von Eigenschaften.

Wir haben eine erste Denkbewegung. Sie ist auf-nehmend. Am Beispiel eines Apfels nehme ich das einzelne Ding mit Stiel wahr. Wir haben eine zweite Denkbewegung. Sie ist wahr-nehmend, die Wahrnehmung. Das Bewusstsein entdeckt wahrnehmend am Gegenstand Bestimmungen und Unterschiede. Wäre das nicht so, bliebe das Ding „bestimmungslos“.

Nun ist das Denken bei der Unterscheidung zwischen einem Gegenstand und seinen Eigenschaften angelangt. Das säuerliche eines Apfels muss als Eigenschaft von Ihm unterschieden werden, damit ich den Begriff Apfel habe.

Jedes Ding der Wahrnehmung leidet an einem Widerspruch. Es ist Eins, sofern es sich von anderen Dingen unterscheidet.

Beispiel: Einssein: Der Apfel unterscheidet sich von anderen Äpfeln und ist keine Zitrone.

Allgemeines: Eigenschaften des Apfels sind gemeint. Säuerlich. Säuerlich sind aber auch die Zitrone und Essig.

Hegel spricht auch von einer positiven Allgemeinheit:

 Weiß, scharf, schwer widersprechen sich nicht, süß schließt aber scharf aus, was bei Hegel die negative Allgemeinheit meint.

Aus dem Verhältnis zwischen Ding und Eigenschaft, zwischen den Eigenschaften miteinander, ob gleichgültig oder ausschließlich, entsteht letztlich Wahrnehmung.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Wahrnehmung, das Wesen eines Gegenstandes zu bestimmen, es für wahr zu nehmen.

  1. Das Wesen eines Gegenstandes ist sein Einsein. In diesem Fall erscheint die Einheit nur für das Bewusstsein als in viele Eigenschaften zerlegt.
  2.  Das wesen des Gegenstandes ist die Vielheit von Eigenschaften, da seine Eigenschaften auch anderen Dingen zukommen. Die Vielfalt wird dann vom wahrnehmenden Bewusstsein zu einer Einheit gebündelt.

Somit ist der Gegenstand zweideutig.

 

Als Widerspruch zum Ding gehören sowohl der Gegensatz Einheit/Allgemeinheit, als auch gegenseitiges Verbundensein von Einheit und Allgemeinheit.

Unerlässlich für das Verstehen der Philosophie Hegels ist der Begriff Für-sich-Sein. Man kann es als, das Für-sich ist das An-sich des Menschen auslegen. Hegel spricht das Für-sich-Sein Gegenständen zu.

Hegels Satz: „der Gegenstand ist in einer und derselben Rücksicht das Gegenteil seiner selbst: für sich, insofern er für Anderes und für Anderes, insofern er für sich selbst ist“ meint , die Getrenntheit des Dinges von anderen ist gerade sein Bezug zu anderen.

So kommt Hegel zu dem Ergebnis, dass auch die Wahrnehmung unser Wissen nur ein bisschen weiterführt, weil alle Wahrnehmung ein Spiel von >> leeren Abstraktionen<< ist und Tor und Tür für Täuschungen weit offen hält und weil der wahrnehmende Verstand >> aus einer Irre in die Andere geschickt wird<< 

 

4.2. Kraft und Verstand

Der Blick in das Innere des Gegenstandes!

Ziel der dritten Stufe der Erkenntnis ist, am Gegenstand die gefundenen Momente des unmittelbaren und des Allgemeinen zusammenzubringen. Als Beispiel dient der Tisch: braun, eckig, rund, rau. Die Vielheiten lehren im Begriff in den Gegenstand zurück. Er denkt dies Auseinanderfallen des An-sich in viele Einzelheiten mit, ebenso die Rückkehr der Einzelheiten mit in das Einssein des Gegenstandes.

Was ist der Motor des Ganzen? Was ist das Innere des Dings hinter dem Vorhang?

Hegel sagt das Ding hat eine „Seinsverfassung“. Nur der Verstand kann mit Hilfe dieser Verfassung, dass von der Wahrnehmung liegengelassene Problem lösen.

Diese Tatsache hebt Hegel in den Rang einer Kategorie. Die Kraft

Er teilt in äußere Kraft: Kraft, die nicht wirkt und alleine bleibt, ist keine Kraft. Sie muss wirken.

Innere Kraft: Kraft muss irgendwoher kommen. Stein fällt durch Schwerkraft auf den Boden, hört aber noch lange nicht auf Kraft zu sein.

Hegel sieht die Kraft >> als diese ganze Kraft wesentlich an und für sich bleibend<<.

Hegel versucht in einem nächsten Schritt nachzuweisen, dass jede Kraft eigentlich aus zwei Kräften besteht. Kraft muss erregt werden. Was erregt wird, braucht etwas was erregt- die Verdopplung der Kraft. Äußerung von Kraft ist also immer ein Spiel von Kraft und Gegenkraft. Die wahre Kraft erschließt sich nur dem Verstand. Nur er begreift, dass die Kraft erscheinender Gegenstände auf einen verborgenen Inneren ruht. Dies ist eine Nahtstelle zwischen sinnlicher und übersinnlicher Welt.

Beispiel: Die Kraft des Salzes auf der Zunge = Äußerung in der sinnlichen Erscheinung. Das Wissen von der Kategorie der Kraft, die im Salz steckt = übersinnlich Der Verstand weißt jetzt nicht nur, dass das Ding eine Kraft hat, er weiß jetzt auch von seinem Wissen.

 

4.3. Das Selbstbewusstsein

Das Selbstbewusstsein weiß um sich! Hegel geht es aber um mehr als zu wissen, ich bin ich.

Das Wissen eines Menschen bezieht sich auf das Wissen um etwas, das heißt sein Wissen bezieht sich auf sich selbst (Selbstbewusstsein)

Beispiel: zwischen den einfachen Wissen um meinen Hunger und dem Wissen um diese Wissen vom Hunger liegt eine eindeutige Steigerung vom Erkenntnis

Begierde

Wer sich praktisch verhalten will, muss dies Wollen. So ist die Grundlage allen praktischen Verhaltens das Wollen, das Begehren. Dieses Wollen bezeichnet Hegel als Begierde. Die Begierde ist die praktische Seite des Selbstbewusstseins. Es genügt nicht zum Leben, dass ich körperlich existiere, ich brauche äußere Dinge. So muss ich das Andere verneinen, um es für mich zu gebrauchen.

Hegel sagt nun: „ Das Selbstbewusstsein erreicht seine Befriedigung nur in einem anderen Selbstbewusstsein“ - die Verdopplung des Selbstbewusstseins. Gemeint ist damit, dass die Natur ein Selbstbewusstsein hat. Der Baum hat nicht nur Leben, er erhält sich auch am Leben, indem er sich mit seinem Umfeld austauscht. Der Baum selbst ist Leben.

Dieser Natur spricht Hegel ein Selbstbewusstsein zu. Da dieses aber nicht um sich weiß, tritt mein Selbstbewusstsein dem gegenüber um das andere Selbstbewusstsein zu ergreifen.

Hegel behauptet nun: Das Selbstbewusstsein verdoppelt sich in der Unterscheidung seiner selbst, die innere Dopplung.

Das Selbstbewusstsein ist in das Reich des Geistes eingeschritten.

 

4.4. Herrschaft und Knechtschaft

Die Kontrahenten

Es geht um die Verdopplung des Selbstbewusstseins innerhalb eines Menschen. Goethe sagt einst „ Zwei Seelen wohnen Ach in meiner Brust“. Kommt damit dem ganzen näher.

Der Zustand der inneren Ruhe, Gelassenheit, Ausgeglichenheit steht dem Zustand der peitschenden Unruhe und Ausgeglichenheit gegenüber Oder Intro-Extrovertiertheit innerhalb des selben Menschen.

Die Anerkennung. Der Kampf zwischen beiden Fronten von Selbstverwirklichung, spielt sich ganz alleine in der Brust eines Menschen ab.

Menschen treffen aufeinander, der Eine sehr gläubig und lebt danach, der Andere ist ein Lebemensch. Sieht sich in der Freundschaft der Eine im Anderen, trifft das ein was Hegel fordert:>> Sie erkennen sich als gegenseitig sich anerkennend<<. Das Selbstbewusstsein weiß sich im anderen und ungekehrt. Beide sind sich ihrer Anerkennung bewusst.

Der Kampf auf Leben und Tod. Es geht um die Folgen, wenn die beiderseitige Anerkennung der zwei Gestalten des Selbstbewusstseins nicht erfolgt.Was ist wenn der Kampf mit dem Tod des anderen endet?

Der Tod ist die einfache Negation, das Ende des Bewusstseins ohne die Chance der doppelten, der absoluten Negation. Der Tod, dass ist das Stehen bleiben des Selbstbewusstseins auf der Stufe der animalischen Begierde, wo das Andere verzehrt, vernichtet wird.

Durch den Sieg verschwindet die Möglichkeit des sich-im-Anderen-Findens.

Diese abstrakte Negation verhindert das Aufheben, Aufbewahren und Erhalten des Kontrahenten und verurteilt den Sieger zum gleichmacherischen Tod.

Man versucht mit Formulierungen zu umkreisen, was Hegel unter den beiden mit sich kämpfenden Gestalten des Selbstbewusstseins versteht. Jetzt sind es Herr und Knecht.

Der Herr: ... ist das Moment im Selbstbewusstsein, das sich als ewiges Selbst weiß, als seine Identität. Es will sich auf sein reines Fürsichsein beschränken, und zwar wider reiner Selbstständigkeit. Es blockiert die Realisierung, die nötig für die Selbsterhaltung ist, die nicht in einem Toten Ich = Ich ersticken möchte.

Der Knecht: ...ist das Moment im Selbstbewusstsein, das Endliches selbst auftritt. Es ist eine Art >>menschlichen Bewusstseins<<, das fasziniert und gefangen ist von den Gegenständen, den Dingen dieser Welt des Anderssein zur absoluten Selbstgleichheit. Es weiß von diesen Dingen, aber noch nicht um sich selbst. Aber alles was bestimmen ist, ist auch endlich. Davor hat es Todesangst. Denn das wesentliche ist ihm das Dingsein, das endlich ist.

Die beiden Akteure sind zunächst ungleich.

Die Beziehung Herr/Knecht

                             Herr/Ding

 

Hegel bezieht sich auf die Unselbständigkeit des Knechts, die im Kampf dem Knecht wie eine Kette war. Der vorerst selbständige Herr hat die Macht über das Sein. Diese Beziehung wird durch den Knecht hergestellt. Knecht vernichtet die Dinge nicht, er braucht sie, er bewahrt sie.

Der Begierde des reinen Selbstbewusstseins, des Herrn, war es nicht gelungen, von sich aus das Andere zu negieren. Auf dem Umweg über den Knecht aber gelingt es.

Knecht und Herr: Wenn das angebliche selbstständige Bewusstsein die Anerkennung in Form von fremder Arbeit und eigenem Genuss annimmt, verändert es „die Wahrheit der Gewissheit seiner selbst“

Der Herr verliert seine Selbstständigkeit, während diese unaufhaltsam in das Bewusstsein des Knechtes abwandert. Für den Knecht war die Wahrheit der Herr, „das selbstständige , für sich seiende Bewusstsein.“

Die andere Wahrheit war die Angst, nicht nur vor dem Herrn, sondern vor dem Tod: „dem absoluten Herrn“. Der Tot ist die reine Negation , die Vertilgung ohne Aufhebung. Ziel aber ist die absolute Negation. Die Negation der Negation.

Die Wende in der Herr/Knecht Beziehung liest sich wie folgt: „dies Moment des reinen Fürsichsein ist auch für es“. So kann der Knecht auch ein Fürsichsein beanspruchen. Der Herr wird abhängig vom Knecht und dieser abhängig vom Herrn.

Das ehemals knechtische Bewusstsein ist durch sein Sich finden im Anderen zu sich selbst gekommen und ist dadurch seinerseits Selbstbewusstsein.

Fazit: Im Selbstbewusstsein kämpfen zwei Gestalten miteinander. Der Kampf um gegenseitige Anerkennung wird erbittert, wie ein Kampf ums Überleben geführt. Bei diesem Kampf darf keiner gewinnen, denn wie Herr und Knecht einander brauchen, brauchen sich die beiden Aspekte des Selbstbewusstseins.

 

4.5. Das unglückliche Bewusstsein

Das unglückliche  Bewusstsein ist in wesentlichen der Ausdruck menschlicher Endlichkeit, unter das Ich leidet.

Das Selbstbewusstsein entdeckt, dass es im Denken herrlich frei ist. Diese Freiheit kann aber nichts bewegen. Will es dagegen handeln, erfährt es seine Zerrissenheit und wird unglücklich.

 

 

 

 

 

5. Die Vernunft

 

Das Selbstbewusstsein wird zur Vernunft aufgrund der Erkenntnis, dass sein negatives Verhältnis zum Anderssein positiv ist.

Als Vernunft, sich selbst sicher, kann sie die mittlerweile erhaltene Ruhe erdulden, denn das Selbstbewusstsein ist sich selbst der Wirklichkeit gewiss bzw. erkennt, dass alle Realität nichts anderes ist als es selbst. Somit ist sein Denken die Wirklichkeit und im Endeffekt ist das Selbstbewusstsein also der Idealismus der Vernunft. Um es mit Hegels Worten wiederzugeben: „ Die Vernunft ist die Gewissheit des Bewusstseins, alle Realität zu sein; so spricht der Idealismus ihren Begriff aus.“

 

5.1. Die beobachtende Vernunft

Da die Vernunft erkannt hat, dass sie selbst die Welt ist, offenbart sie sich selbst die Welt und sich in ihr. Sie verwandelt die Sinnlichkeit in Begriffe, das Sein in das Denken und das Denken in das Sein. So verfolgt sie das Ziel, „ die Bewegung vom Sein und Denken“ zu einer Einheit beider zu erreichen. Sie handelt aus einem Vernunftinstinkt, der den gesamten Weg der Erkenntnis nochmals durchläuft. Es geht ihr nicht mehr nur um Sinneseindrücke, sondern die beobachtende Vernunft will das Allgemeine. Dabei lässt sie mehrere Abschnitte hinter sich, ähnlich wie das gegenständliche Bewusstsein, nur, dass sie bereits erkannt hat, das andere zu sein.

Sie weiß um das Erkennen des Begriffs, nicht nur um den Begriff allein.

Sie beobachtet die Natur und beginnt zu erörtern, ob das Wesentliche des Gegenstandes nicht auch das Wesentliche des Erkennens ist. Auf diesem Weg beschreibt Hegel Verwirrungen, Übergänge und Wandlungen, woraus die Vernunft die Natur erneut dialektisch bearbeitet.

Der nächste Schritt beinhaltet die Erkenntnis, dass die beobachtende Vernunft Gesetze erkennt, Naturgesetze. Verdeutlicht wird hier ihr Anliegen, Einheit von Denken und Sein zu sein, was bedeutet, dass jedes Gesetz zwei Gesichtspunkte hat:

Ø      das gleichbleibende Verhalten von Dingen in einer Notwendigkeit ( z. B. Regen fällt vom Himmel zur Erde)

Ø      > der Gedanke, der dieses Verhalten für sich erschließt ( vgl. Gesetz der Schwerkraft). Die Vernunft in Dingen und die Vernunft des Denkens beschreiben das Gesetz. Gesetze entsprechen eigenen Setzungen , da der Geist als Vernunft seine Gedankengänge in die anorganische Welt bringt.

Der nächste Schritt auf dem Weg ist die Betrachtung des Organischen. Hier sind Gesetze minder relevant, da die Abschnitte des Organischen eine andere Verbundenheit untereinander haben: der des Zweckes, der die Organismen erhält, somit „ an und für sich selbst“. Es ist der Zweck eines Organismus Zweck zu haben, folglich ist er „das Erste und das Ende“ und auch Weg und Ziel. Die dialektische Bewegung den Organismus betrachtend führt zu keinem Ziel, stellt Hegel fest. Trotzdem besteht die Spannung zwischen Allgemeinheit und Einzelheit. Mit der These „ Äußeres ist Ausdruck des Inneren“, bemerkt Hegel, dass der Organismus als Einzelheit selbst allgemein ist und das ausmacht, was man Gattung nennt.

Im Selbstbewusstsein macht die beobachtende Vernunft nun doch einen weiterführenden Weg aus. In der Betrachtung des Selbstbewusstseins entdeckt sie Gesetze, Gesetze des Denkens. Sie findet heraus, dass das Denken nicht nur die Macht hat, etwas zu bestimmen, sondern die Macht hat diese Setzung aufzuheben, die Macht der Negation.

Laut Hegel gehört zur Form auch der Inhalt, welche voneinander untrennbar sind. Er stellt fest, dass die Negation das Denken in Bewegung setzt und es aus einer Erstarrung löst. Hegel kommt deshalb zu den Bezeichnungen „ tuendes Bewusstsein“ und „ handelnde Wirklichkeit“.

In ihrem Zusammenhang fällt der Begriff der Psychologie, der bei Hegel soviel bedeutet wie die Untersuchung von dem, was passiert, wenn Denken unter leiblichen Bedingungen steht und somit die Wirklichkeit vorläufig das „ vorgefundene Anderssein“ des Geistes darstellt. Er bemerkt jedoch, dass sich hier trotz Einfügung und Ablehnung keine Gesetzmäßigkeit im Verhalten erkennen lässt, da diese der Individualität des Menschen überlassen sind.

Der letzte Wegabschnitt der beobachtenden Vernunft ist der Ausdruck „der realen Individualität“, die das zufällige, einzelne Selbstbewusstsein meint. Er beschreibt das Individuum durch das „Fürsichsein“ und das „Anderssein“. „Fürsichsein“ beinhaltet das freie Tun, die freie Handlung. Aber eine Handlung vollziehen kann nur jemand, der „an sich“ ist und schließlich durchdringen sich „Fürsich“ und „Ansich“.

Hegel findet heraus, dass das freie Tun den Leib zur freien Handlungsäußerung braucht, diesen somit ausdrückt. Es werden Mimik und Gestik zum Ausdruck der Geistigkeit des Menschen. Aber auch hieraus lässt sich kein Gesetz ableiten, da die Ausdrucksechtheit durch absichtliches Verstellen oder Ungeschick verfälscht werden können. Nachdem Hegel noch etwas Spott an der „Schädellehre“ seiner Zeit übte, zog er ein Fazit bezüglich seiner Expedition der Vernunft:

Ø      Die Wahrheit der Vernunft ist, dass sie sich als Begriff in der Welt wiedererkennt.

Ø      > Ein Bewusstsein ist ein unwissendes Bewusstsein, wenn es nur den Begriffsinhalt als Vorstellung sieht.

Das Bewusstsein verhält sich zur Tiefe des Geistes wie ein Niederes zur zum Höheren. Zur Verdeutlichung ein Beispiel Hegels: „... dieselbe Verknüpfung des Hohen und des Niedrigen, welche... in der Verknüpfung des Organs seiner höchsten Vollendung, des Organs der Zeugung und des Organs des Pissens naiv ausdrückt.- ... Das in der Vorstellung bleibende Bewusstsein desselben aber verhält sich als Pissen.“

 

5.2. Die tätige Vernunft

Nach dem Exkurs der Vernunft durch die Natur, etc. stellt sie sich eine neue Aufgabe. Die tätige Vernunft steigt aus der beobachtenden Vernunft hervor und will sich realisieren. Allerdings sollte beachtet werden, dass laut Hegel die „unmittelbare Gewissheit, alle Realität zu sein; ... die Form eines aufgehobenen hat...“. Dies bedeutet, dass beim Durchschreiten der Natur durch die beobachtende Vernunft, der unmittelbare Gegenstand seine Unmittelbarkeit verlor, denn er wurde als lebendiger Begriff erfahren und aufgehoben. Im Anschluss greift Hegel den Gedanken der Verdoppelung des Selbstbewusstseins wieder auf, so dass schließlich „der Geist, der die Gewissheit hat, in der Verdoppelung seines Selbstbewusstsein... seine Einheit mit sich selbst zu haben“ findet. So hat das Selbstbewusstsein als Geist eine weitere Stufe erreicht. Die Selbstbewusstseinseinheit begegnet dem Selbstbewusstsein eines anderen Individuums, was hier nun heißt, dass nun ein neues Verhältnis, nämlich Individuum zu Volk, angebracht wird, so dass die Sittlichkeit , die einen Raum benötigt, wo sich verschiedene Personen zueinander verhalten können, auf die Bühne tritt. Die Sittlichkeit als tätige Vernunft ist so zu begreifen, dass sich im gegenseitig anerkannten Selbstbewusstsein selbstbewusster Individuen das Reich und der Geist der Sittlichkeit zusammensetzt. Die Realisierung der selbstbewussten Vernunft spielt sich gemäß Hegel im Leben des Volkes ab. Volk bedeutet für ihn eine Welt, in der Sittlichkeit auftritt. Hier erfährt das Individuum seine Berufung, einzelnes und allgemeines Wesen zu sein. Dafür findet Hegel den Ausdruck Glück, welcher Ausgangspunkt und Ziel des Selbstbewusstseins ist, da es noch keine komplette Verwirklichung ist. Zwischen Ausgangspunkt und Ziel sammelt das Selbstbewusstsein Erfahrungen, dieses Glück zu finden und kommt dabei ins Schwanken.

 

Es tun sich zwei Wege auf, die der Herr/ Knecht Thematik ähnlich sind. Zuerst der Weg der Selbstverwirklichung des Individuums ohne irgendeine Bindung. Es wünscht nur als einzelnes Wesen in dieser Bestimmung sein Glück zu finden. Es sucht den Genuss und sieht in dem ungehemmten Sinnesgenuss die Freiheitsrealisierung. Dieses gilt bis heute. Doch im langsamen Anschluss wird dem Individuum bewusst, dass es die Sittlichkeit als Kulisse ihrer Schrankenlosigkeit braucht. Aus diesem Grund kann man das angeblich selbstbewusste Individuum als die „ärmste Gestalt des sich verwirklichenden Geistes“ bezeichnen. Durch das Erkennen des Bewusstseins, dass es selbst eine/ die Notwendigkeit darstellt, begreift sich das einzelne Ich als allgemeines und ebnet den zweiten Weg, die neue Gestalt des Selbstbewusstseins. Die neu entstandene Gestalt will nun selbst die Notwendigkeit sein. So hofft das Individuum auf diesem zweiten Weg seine Bestimmung zu entlarven. Es träumt in seiner Einzelheit von der Bestätigung durch die Verbesserung der Welt und nicht mehr durch Genuss und Begierde. Hegel gibt diesem „Traum“ einen Namen: das Gesetz des Herzens. Dieses Gesetz verlangt nach Verwirklichung. Doch das Herz stellt fest, dass es der Wirklichkeit der Welt gegenübersteht, die eine gewalttätige Ordnung ist, die die „leidende Menschheit“ unterjocht. Durch den Wunsch nach Realisierung gerät das Gesetz des Herzens in Widersprüche. Während der Realisierung beendet es sein Dasein als „Gesetz des Herzens“, da es allgemein wird. Aber durch die Allgemeinheit versinkt die Einzelheit des Bewusstseins. Dies bedeutet eine Entfremdung. Ergo entfremdet sich die Individualität unter dem Anspruch, Allgemeines zu sein und es entsteht ein Widerspruch zwischen Wesen und verwirklichtem Wesen. Im Endeffekt haben wir das Bild eines Diktators vor uns: „ Vor sich das Elend der Welt, im Herzen die Vision der Weltverbesserung und hinter sich das Leid derer, die unter dem neuen Gesetz des Herzens stöhnen.“ Die Schuld für das Scheitern des Gesetzes des Herzens sucht der Diktator nicht bei sich, sondern bei seinen Untertanen, die es nicht verstehen.

Nach dem Scheitern der ersten beiden Wege versucht die Individualität einen dritten Weg in der Tugend zu finden. Tugend im hegelschen Sinn meint eher „politische Tugend“, die das Zurückstellen der eigenen Individualität und Opferbereitschaft impliziert. Sie ist folglich Gegner des Weltlaufs, einer Einstellung, die angeblich im Sinne des Staates eigensüchtige Interessen und egoistisches Vorteilsdenken ohne Opferbereitschaft ausleben möchte. Im Gegensatz zum Weltlauf sucht die Tugend das Gute nicht in der Welt, sondern weiß es in sich als tugendhaftes Bewusstsein. Diese Aussage beinhaltet bereits eine Zurücksetzung: Tugend als reines tugendhaftes Bewusstsein ist ihrer leeren Allgemeinheit tatenlos. Somit kann der Weltlauf leicht gegen etwas nicht Reelles kämpfen. Die Erkenntnis aus diesem Kampf ist, dass der nach außen böse wirkende Weltlauf gar nicht so böse sein kann, weil Eigennutz auch dem Guten dienlich sein kann. (z.B. selbst der größte Egoist befürwortet Sozialleistungen für sozial Schlechtergestellte, wenn dadurch Kriminalitätswachstum gehindert wird.)

 

5.3. Die reelle Individualität

Hegel meint: „Es ist also das Tun und Treiben der Individualität Zweck an sich selbst; der Gebrauch der Kräfte, das Spiel ihrer Äußerungen ist es, was ihnen...“, Individualität und Allgemeinheit, Leben einhaucht. Im Ablauf der „sich bewegenden Durchdringung des Allgemeinen... und der Individualität“ geht es bereits um das nun realisierte reale und reelle Selbstbewusstsein. Es ist die Bestimmtheit eingelöst, selbst alle Realität zu sein. Allgemeinheit und Individualität sind offensichtlich so stark ineinander verwoben und durchdrungen, so dass Hegel feststellt: „ die Individualität (ist) die Wirklichkeit in ihr selbst.“ Alle Wirklichkeit, die bisher von der Vernunft durchgegangen wurde, wird erneut als in ihr selbst liegend erkannt, und ihr Handlungszweck ist ihre eigene Bewegung. Bewusstsein „...geht frisch von sich aus, und nicht auf ein Anderes, sondern auf sich selbst.“

Die menschliche Handlung ist nur ein Spiel der Vernunft und Handlung außerhalb des Bewusstseins gibt es nicht. „Die reine Form des Übersetzens aus dem Nichtgesehenwerden in das Gesehenwerden“ ist das Tun. Es existiert kein Unterschied zwischen Tat und Sein, sondern die Lehre von der Erscheinung(= Phänomenologie) des Geistes bestätigt sich in der Handlung. Daher stellt die Tat eine Erscheinung des Seins dar.

 

Doch am Ende sind wir noch nicht, nachdem aus den Etappen Weltgenuss/ Weltverbesserung/ Tugend der Begriff der reellen Individualität hervorgetreten ist. Der neue Begriff wird von Hegel erneut „als einfaches Ansichsein gesetzt“; d.h., er ist Ausgangsort einer neuen dialektischen Bewegung. Das neue An- sich bezeichnet Hegel als ursprüngliche Natur des Individuums. Es wird der Ausspruch: „ Die Individualität ist die Wirklichkeit an ihr selbst“, nochmals aufgegriffen. Es ist ein angenehmes, zu schönes Bild vom Fisch im Wasser. Hier benimmt sich das Individuum zur Vernunft wie das Tier zu seiner Umwelt, so dass wir uns plötzlich im „ geistigen Tierreich“ wiederfinden. Der Zweck des Tuns im geistigen Tierreich besteht aus dem Interesse, den Mitteln der Fähigkeiten und erhält dann den Namen „das Werk“. In ihm zeigt sich das Individuum und stellt sich dar. Anschließend prüft Hegel jedoch diesen „reibungslosen“ Sachverhalt und dadurch ergibt sich die Negation des neuen An- sich der reellen Individualität. Das Werk, in dessen Natur die Bestimmtheit (entspr. Werk eines bestimmten Menschen) liegt, erleidet einen Verlust dieser Natur und erlangt anscheinend eine Selbständigkeit, da das Werk ist, d.h. , es ist für andere Individualitäten. Aufgrund der scheinbaren Selbständigkeit unter anderen Menschen geht es unter. Es treten andere Naturen mit ihren sichtbaren Werken gegen es an, das „Widerspiel anderer Kräfte und Interessen“ spielt dem Werk böse mit und lässt aus ihm etwas Vergängliches werden. Deswegen ist das Bewusstsein weiter auf der Suche nach dem „wahren Werk“, der Einheit individuellen Tuns und der Allgemeinheit. Laut Hegel heißt diese Einheit die Sache- selbst, als „gegenständliche Durchdringung der Individualität und der Gegenständlichkeit selbst.“ . Sie ist aber nicht das reine Tun, da es dieses nicht gibt, sondern stets das Tun dieses einen Individuums. Für Hegel stellt es einen Betrug dar, wenn das Bewusstsein vorgaukelt, mit dem reinen Tun „ der Sache selbst“ auf die Schliche gekommen zu sein. So meint Hegel, dass die Realisierung der reellen Individualität die Sache aller sein sollte. Das geistige Wesen ist das bereits erlangte Ziel aus dem geistigen Tierreich. Es ist die entstandene Synthese aus vorhergehendem An- Sich und seiner Negation, ausgestattet mit unterschiedlichen Namen: Wesen aller Wesen, absolute Sache, sittliche Substanz. Das Bewusstsein dessen entspricht dem sittlichen Bewusstsein, welches von seiner Wahrheit und seiner Absolutheit überzeugt, begründet ist. Richtig und gut kann die „gesunde Vernunft“ sofort erkennen, da sie sittliche Gesetze innehat. Nun gibt es aber ein Problem: In ihrer unmittelbaren Gewissheit der Gültigkeit gleicht die Vernunft der sinnlichen Gewissheit, die ja auch unmittelbar vom Geschehenen überzeugt war. Diese sittliche Gewissheit testet Hegel an zwei angenommenen Gesetzen, mit dem Ergebnis, dass die Gesetze „ nur beim Sollen stehen (bleiben), ... aber keine Wirklichkeit (haben); sie sind nicht Gesetze, sondern nur Gebote.“ So vertritt Hegel die Überzeugung, „ daß auf einen allgemeinen absoluten Inhalt Verzicht getan werden muss.“

 

Die gesetzprüfende Vernunft stellt vorerst klar, dass Gesetze widerspruchsfrei sein müssen. Man muss erkennen, dass die Gesetze und deren Prüfungsverfahren zufällig und willkürlich, die Verfahren „allem gleich gut“ und somit nichtssagend, sind. Aus diesem Grund erlangt die Vernunft nicht die Stufe des „absoluten reinen Willens Aller“. Folglich wendet sich Hegel vom Machen und Prüfen von Gesetzen ab und sieht das ewige Recht als göttliches Recht des sittlichen Selbstbewusstseins und kennt die verschiedenen Spielarten seines Wesens als klare unentzweite Geister(?). Hegel setzt gegen eine von Kants Maximen: „ Etwas ist recht, weil es das Rechte ist“. Dahinter steckt die entdeckte Einsicht, dass das Individuum nie als Individuum einen wirklichen Inhalt, ein endgültiges ethisches Ergebnis hervorbringt, da sittliche Inhalte nur unter Einbeziehung der sozialen Wirklichkeit. Im Gebiet der Sittlichkeit müssen Einzelheit und Allgemeinheit aufeinanderstoßen, und zwar in einem konkreten Fall, weil Einzelheit allein Sittlichkeit willkürlich, Allgemeinheit allein sie abstrakt und weltfremd macht.

 

6. Der Geist

 

Der menschliche Geist ist für Hegel die vornehmste Darstellung Gottes in der Welt. Gottheit bedeutet jedoch bei ihm keine christliche Gottheit, da sie dann gewissermaßen anthropomorphisiert ( Gott in der Gestalt eines Menschen gesehen) wird und das widerstrebt Hegel, da dies bedeuten würde, das der Gläubige Holz, Stein und Brot anbete.

Die Gottheit ist im Geiste des Menschen auf ihrer höchsten Stufe manifestiert, was wiederum darauf schließen lässt, das die Gottheit selbst von geistiger Art sein muss. Das Absolute ist der Geist, somit ist es die höchste Definition des Absoluten. Hieraus lässt sich folgern, dass Gott der absolute Geist ist. Die Gottheit ist überall um und in uns. Gott ist Geist und die Welt ist die Weise wie Gott sich darstellt. Das schließt auf die Notwendigkeit das auch die Welt geistiges Wesen ist. Laut Hegel ist es unser beschränkter endlicher Gesichtspunkt, der uns meinen lässt, die Dinge sind materieller Natur. Nach ihm sind alle Geschöpfe die sich uns darstellen, Geschöpfe des göttlichen Geistes. Sei es der Mensch, die Tiere und Pflanzen, kurz alle Natur ist der Geist. Hegel weist darauf hin, dass derjenige wer die Welt philosophisch versteht, sie so zu sagen in Wahrheit erblickt und begreift, dass sie sichtbar gewordenen Geist ist. Denn „ das Geistige allein ist das Wirkliche“.

Die Gottheit vollzieht sich auch in der Dialektik. Sie erkennt ihr inneres Werden. Hier zeigt sich noch einmal, dass Hegels Gottesgedanke ein anderer ist, als die christliche Gottheit. Hegels Gottgedanke hat eine eigene Geschichte, welcher eigene Schritte zur Entfaltung seines vollen Wesens vollzieht.

Im ersten Schritt, der These, ist sich die Gottheit noch nicht ihrer selbst bewusst, das heißt der absolute Geist träumt. Zum Vergleich ziehe ich das Menschwerden hinzu. Das Baby weiß noch nicht von sich selbst. Es muss erst wachsen und reifen. Die Darstellung Gottes in diesem Stadium ist ein ewiges Wesen vor der Erschaffung der Natur und des endlichen Geistes.

Im zweiten Stadium, der Antithese, ist die Gottheit auf der Suche nach sich selbst. Sie muss sich selbst entfremden und entäußern, sie zerbricht ins Anschauende und Angeschaute. Diese zerspaltende Gottheit ist das, was uns in der Welt vor Augen steht. Dies bedeutet, dass die Selbstentfremdung der Gottheit, das Weltwerden darstellt. Diese Zerspaltung erscheint uns als Natur und als menschlicher Geist. Diese Beiden müssen sich nun im Gegenüber erkennen. Der menschliche Geist, welcher die Natur erkennt, stellt das Anschauende in Gott dar. Die Natur aber, die vom menschlichen Geist erkannt wird, wird zum Angeschauten dieses göttlichen Anschauens; sie ist „der absolute Geist als das Andere seiner selbst“. Also ist alles was wir in der Natur erblicken in Wahrheit Gott selber, aber Gott wie er sich als ein Fremdes anschaut.

Die Naturphilosophie wird bei Hegel zur Gotteslehre, aber die Lehre von Gott in seiner Selbstentfremdung. Wenn nun der menschliche Geist die Natur erkennt, so heißt das in Wahrheit, das sich die im menschlichen Geist anwesende Gottheit selbst erkennt.

In diesem Geschehen vollzieht sich bereits die Umkehr, die sogenannte Synthese. Diese Rückkehr Gottes zu sich selbst vollzieht sich im Menschen. In ihm kommt Gott zum vollendeten Bewusstsein seiner selbst. In ihr kommt die Dialektik des göttlichen Selbstbewußtseins an ihr Ende.

Diese Selbsterkenntnis Gottes ist der innerste Sinn von allem, was sich auf der Ebene des menschlichen Geistes vollzieht. Sie zeigt sich im individuellen Dasein, in der Geschichte, im Staat, im Recht, in der Wissenschaft, ebenso wie in Kunst und Religion, jedoch zuhöchst im Philosophieren. Wenn nun der Mensch die ganze Wirklichkeit als Darstellung des göttlichen Geistes begreift, dann hat die Gottheit aus ihrem Weltwerden und ihrer Zerrissenheit wieder zurück zu sich selbst gefunden.

Doch wie vollzieht sich das im Einzelnen?

 

6.1.Philosophie des Geistes

Ein Teil von Hegels System ist die Philosophie des Geistes , als Idee, die aus ihrem Anderssein in sich zurückkehrt.

Die Verhältnisse des Geistes zu sich selbst, wird in drei Stufen behandelt. Im subjektiven -, objektiven -, und absoluten Geist. Ich möchte nun im Einzelnen auf die verschiedenen Stufen eingehen.

 

6.1.1.Der subjektive Geist

Der subjektive Geist unterscheidet sich wiederum dreifach.

1.) Zum Ersten in der Anthropologie, was bedeutet dass der menschliche Geist aus der Natur hervorgehend und unmittelbar bestimmt ist.

2.) Als Nächstes folgt die Phänomenologie, welche das Bewusstsein im Gegensatz zu einer vorgefundenen Natur darstellt.

3.) Und als Letztes wäre die Psychologie zu nennen, als sich zu seinen eigenen Bestimmungen verhaltener Geist.

Im subjektiven Geist, wird das was der Geist überhaupt ist, als Beziehung auf sich selbst für das Subjekt behandelt.

 

6.1.2.Der objektive Geist

Der objektive Geist stellt dann die Umwelt dar in die der subjektive Geist eintritt, anders formuliert, jener tritt aus seinem subjektiven Sphären heraus, um seine äußere Welt nach seinem Willen zu gestalten und in ihr selbst Gehalte hervorzubringen. Er manifestiert sich in Recht, Sittlichkeit und Moralität. Wie gestaltet sich das Ganze? Das Recht, als die äußere, objektive Daseinsform, die sich der freie Wille gibt. Dies bedeutet das die Individualität in die Allgemeinheit tritt und zum Begriff des Geistes wird. Der Geist ist die Vernunft, welcher die Gewissheit alle Realität zu sein nicht nur versichert, sondern zur Wahrheit erhoben hat. Der Geist ist „der unverrückte und unaufgelöste Grund und Ausgangspunkt des Tuns Aller und ihr Zweck und Ziel.

Doch zunächst die Moralität, welche als die objektive, innere Gesinnung steht. Moralität bedeutet, der seiner selbst gewisse Geist. Der Geist weiß von seiner Freiheit und das macht ihn absolut frei. Diese Freiheit kann Schrecken und Tod verbreiten, weil das Individuum mit aller Macht allgemeiner Wille sein möchte. Das Selbstbewusstsein ist sozusagen in einen Widerspruch zwischen Anspruch auf absolute Freiheit und Gleichheit sowie der Wirklichkeit geraten, die nur die absolute Freiheit des Einzelnen inmitten gesellschaftlicher Unterschiede kennt. Das Bewusstsein setzt seinen individuellen Willen mit dem allgemeinen Willen gleich. Doch das funktioniert nicht, da keine Unterschiede geduldet werden können und somit die Gleichheit mit Gewalt hergestellt wird. Dies hat beispielsweise Terror zur Folge, was in der heutigen Zeit hochaktuell ist, da diese Zeit noch nicht gefeit ist, gegen den tödlichen Widerspruch dessen, der befreien möchte und dabei das zerstört, was er befreien will. Deshalb ist es wichtig moralisch zu handeln, was lt. Hegel von sinnlichen Motiven, wie Erfahrungen und Wünschen, abhängt. Zur Einheit des Menschen gehört die Harmonie zwischen Mensch und Welt. Deshalb darf die Wirklichkeit der Welt mit ihren mannigfaltigen Faktoren nicht ausgeklammert werden. Denn das Bewusstsein lebt in jener Welt voller eigentümlicher Gesetze und freier Verwirklichung auf die es sich beziehen muss, obwohl sie alle Teile des eigenen Bewusstseins sind. Diese Beziehung herzustellen, ist Aufgabe der moralischen Weltanschauung. Moralität stellt die Harmonie von Mensch und Natur dar und Glücksseeligkeit bedeutet Harmonie zwischen Moralität und Natur. Dies kann aber auf Grund der Faktoren der inneren Natur des Menschen, wie Triebe, Neigungen und Sinnlichkeit nicht erreicht werden. Also greift die moralische Weltanschauung zu einem Trick. Sie benutzt die Verstellung welche vorgaukelt, dass die angestrebte Harmonie erreicht werden könnte. Dadurch gerät sie in eine erneute Entgegensetzung zwischen reiner Pflicht und Wirklichkeit, da jedes Handeln die erstrebte Harmonie zwischen Natur und Moralität verletzt. Dies erkennt der Geist an und tritt als neue Gestalt auf, die des Gewissens, welche sich selbst pflichtmäßig bestimmen kann. Das nun als Pflicht Gewusste vollführt sich und kommt zur Wirklichkeit. Doch bei dieser Handlung des Gewissens stößt es auf vielerlei Pflichten, von denen aber keine absoluten Charakter hat, sowie ihn die reine Pflicht besitzt. Diese jedoch ist genauso leer, wie die Überzeugung von der das Gewissen getragen wird. Sozusagen kann das Gewissen jeden Inhalt von Pflicht in sein Wollen legen und bemerkt dabei dessen Nicht-Absolutheit. Hier zeigt sich wie Pflicht ausgelegt werden kann. Wenn jemand sein Leben erhalten möchte, kann es als Feigheit, wenn man sich gegen Andere behauptet als gewalttätig ausgelegt werden. Also entzweit sich die Pflicht wieder in Einzelheit und Allgemeinheit. Dies steht sich wieder gegenüber und muss nun die gegenseitige Fragwürdigkeit anerkennen und ermöglicht somit das Erscheinen Gottes als reines Wissen.

 

Doch nun zur Sittlichkeit als Einheit von objektiver und subjektiver Sphäre, die in folgenden Institutionen Gestalt annimmt: Familie, Volk und Staat. Hier ist der Geist das sittliche Leben des Volkes, da sich im Volk die Verwirklichung des Individuums vollzieht, indem es als Einzelwesen seine allgemeine Natur und als Allgemeinwesen seine einzelne Natur verwirklicht.

Das Selbstbewusstsein bezieht sich auf das göttliche -, und auf das menschliche Gesetz. Dem göttlichen Gesetz entspricht im sittlichen Gemeinwesen die Familie. Das einzelne Familienmitglied wird hinsichtlich mehrerer Verhältnisse betrachtet, wie z.B. Frau und Mann, Eltern und Kinder usw.. Hier wird die Einzelheit durch die Allgemeinheit deutlich. Das menschliche Gesetz entspricht im sittlichen Gemeinwesen dem Staat. Der Einzelne tritt durch Leistung auf und steht hauptsächlich im Verhältnis zu Staat und Regierung. Hegel ist hier folgender Ansicht: „um die Selbstständigkeit des Individuums hinsichtlich Eigentum, Erwerb und Genuß nicht auswuchern zu lassen, hat die Regierung sie in ihrem Inneren von Zeit zu Zeit durch Kriege zu erschüttern“! Meiner Meinung nach eine schwerwiegende Überlegung.

Zwischen diesen beiden Gesetzen herrscht Bewegung, denn das Menschliche geht vom Göttlichen aus und kehrt dahin zurück. Das sittliche Bewusstsein muss sich nun entscheiden, welchem Gesetz es angehören will. Diese Entschiedenheit betitelt Hegel als Charakter. Entschiedenheit drängt zur Tat, welche jedoch die ruhige Organisation und Bewegung der sittlichen Welt stört. Dadurch schließen sich beide Gesetze aus und sehen im Anderen das Schlechte, d.h. menschlich zufällige Gewalttätigkeit als Willen der Einzelheit und auf der Anderen Eigensinn und Ungehorsam gegenüber der Regierung. Die Tat wird zur Schuld, weil die Selbstbestätigung des Einzelnen Verrat am Allgemeinen ist, d.h. das der Einzelne in seiner Einbettung in die Allgemeinheit durch seine Handlung schuldig wird. Also wird der Mensch als Gattung schuldig. Jene Schuld ist eine Notwendigkeit, da es sonst keine Geschichte gäbe. Die Tragik der sittlichen Welt und ihr Schicksal ist die Anerkennung dieser Schuld, die Rückkehr zur sittlichen Gesinnung und der Untergang des Handelnden. Hinzu kommt, dass sich das Gemeinwesen nur durch die Unterdrückung des Geistes der Einzelheit erhalten kann, aber es lebt von ihm. Das heißt, beide sind zum Untergang bestimmt, da keines ohne das Andere überleben kann.

Der moderne Staat ist für Hegel jedoch die Wirklichkeit der konkreten Freiheit. Er verbürgt die Einheit des Individuellen mit dem Allgemeinen, dies bedeutet die Stärke und Tiefe zu besitzen, Subjektivität zum selbstständigen Extreme der persönlichen Besonderheit vollenden zu lassen und es zugleich in die substantielle Einheit zurückzuführen und sich somit in ihm zu erhalten.

 

6.1.3.Der absolute Geist

Als Letztes ist der absolute Geist zu nennen, welcher sich in der Identität des Sich – selbst – Wissens in Kunst, Religion und Philosophie konstituiert und darin zugleich Unabhängigkeit von seinen endlichen Erscheinungsformen gewinnt. Der absolute Geist erkennt sich beispielsweise in der lebendigen Kunst wieder, z.B. in Dionysos: Gott des Weines. Auch auf den alten Schriften der Obelisken usw.. In der offenbaren Religion weiß der Geist von sich und zwar in seiner Entäußerung. Anders ausgedrückt: Gott ist Gott erst durch seine Menschwerdung. Das absolute Wesen erreicht seine vorläufige Vollkommenheit dadurch, dass es als seiendes Selbstbewusstsein gesehen und gehört wird.

Eine Gestalt des erscheinenden Geistes entspricht den abstrakten Momenten der Wissenschaft. In der Wissenschaft hört die notwendige Bewegung der ständigen Entgegensetzung auf. Der reine Begriff ist eine von seiner Erscheinung befreite Gestalt.

 

6.2 Das absolute Wissen

Doch was ist nun das absolute Wissen? Es ist ein wissenschaftliches Erfassen von Erscheinungen, bei denen es nicht mehr um seine Wahrheit ringen muss, sondern seiner Wahrheit gewiss ist. Das Wissen schaut nun herab auf das, was früher Gegenstand und Entgegensetzung war. Das Wissen hat das Geschehende verinnerlicht und aufbewahrt. Das Innere ist erneuert und der Geist fängt seine Bildung auf einer höheren Stufe an. Somit ist „der Weg das Ziel“, für Hegel: „ Die Offenbarung aus der Tiefe, als der absolute Begriff“.

Nach Hegel ist die Philosophie der Beweis für die Wahrheit, dass Gott Liebe, Geist, Substanz und ewig in sich zurückkehrender Prozess ist. Der Mensch weiß nur von Gott, insofern Gott im Menschen von sich selbst weiß. Dies ist das Wissen des Wissens, das Selbstbewusstsein Gottes im unendlichen Bewusstsein. Folglich identifiziert Hegel menschliches Wissen mit der Vollendung der Wirklichkeit Gottes.

Dies ist der höchste Anspruch, den je eine Philosophie erhoben hat.

 

7. Bedeutung Hegels für heute

 

Nach Hegels Tod blieb seine Philosophie noch geraume Zeit herrschende Macht des gesamten Geistesleben. Aber das baldige Erstarken der naturwissenschaftlichen Disziplinen an den Universitäten, führte zur Zersplitterung der Anhänger- und Gegnerschaft Hegels. Der Auslöser der Zersplitterung war die Frage nach der Religion. Konnte man die Auslegungen Hegels mit dem traditionellen Lehren des Christentums in Einklang bringen? David Friedrich Strauß (Theologe und Schriftsteller) teilte die Anhänger in Rechts- und Linkshegelianer. Die Rechtshegelianer waren der Auffassung, dass man die Berichte des neuen Testaments als historisch zuverlässige Berichte und Tatsachen anerkennen sollte, das heißt ihre Interpretation war theistisch-idealistisch. Den Linkshegelianern widerstrebte es dies anzuerkennen. Sie sahen die Evangelien als Mythen an. Außerdem meinten sie eine Kluft zwischen Hegel und der christlichen Lehre feststellen zu können. Sie interpretierten demnach atheistisch-materialistisch. Zu dieser Gruppierung zählt Strauß ebenso wie Ludwig Feuerbach, der der Meinung war das Theologie in Wahrheit Anthropologie ist, indem er das Wort der Schöpfungsgeschichte umkehrte ( der Mensch schuf Gott zu seinem Bilde).

Im Marxismus (Karl Marx gilt als der Geschichtsträchtigste unter den Hegelkennern) wird die Dialektik zur maßgebenden Methode der Erklärung sozialer, ökonomischer und historischer Prozesse.

Selbst die Kritik an Hegels System bildet für einige Philosophen ein treibendes Moment in der Herausstellung ihres eigenen Denkens.