René Descartes
Zeitgeschichtlicher Hintergrund
Werke und
Arbeiten in nichtphilosophischen Fachgebieten
In Mathematik und
Naturwissenschaften
Das Hauptwerk
„Principien der Philosophie“
Würdigung des
Werkes und seiner Person
Politische
Philosophie der Freiheit
Descartes’
Bedeutung für die Gegenwart
Die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts bezeichnet
man als Aufklärung. Die vorherige Epoche als Spätbarock oder Zeit der
Scholastik.
Niemand anderes, als der uns inzwischen
einigermaßen bekannte Immanuel Kant gibt 1783 eine klassische Definition der
Zeit um das Leben René Descartes.
“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner
selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines
Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“[1]
Es ist der
beginnende Liberalismus, bzw. die beginnende Aufklärung, in die René
Descartes hineingeboren wird.
Der Gedanke des „ Laissez
faire, laissez passer“
(Lasst machen und geschehen) herrscht in dieser Zeit vor.
Das aufstrebende Bürgertum wird mehr und mehr durch
diese Gedankengänge gefördert und entwickelt sich stetig, wirtschaftlich wie
auch geistig.
In England entstehen zu jener Zeit Gesetzestexte,
wie die Habeas-Corpus-Akte (1679) und 1689 die Declaration of Rigths, die die Rechte des Einzelnen gegenüber dem
Staat und den Mitbürgern regeln und mehr Freiheiten für das Volk sichern.
In den Vereinigten Staaten entsteht später die Virginia Bill of Rights,
mit dem wichtigsten Ergebnis, der Formulierung von Natur- und Menschenrechten. Sie besagt, dass „ ...alle Menschen von Natur aus frei sind…
und besitzen… angeborene Rechte, nämlich das Recht auf Leben und Freiheit, dazu
die Möglichkeit Eigentum zu erwerben…sowie Glück und Sicherheit anzustreben und
zu erreichen.“[2]
Die Staatsorganisation der Aufklärung ist durch
folgende Gedanken geleitet, die sich in der Philosophie der nachstehenden
Prinzipien bedient:
v Herrschaft gilt als Vertrag zwischen Volk und Regierung, die so genannte Vertragstheorie.
v Die Staatsgewalt liegt in den Händen des Volkes, will heißen, es besteht
Volkssouveränität.
v Als Gewaltenteilung wird die Aufteilung der Macht auf verschiedene, sich
gegenseitig kontrollierende Organe aufgeteilt.
v Es besteht die Forderung nach der demokratischen Beteiligung aller an
der Macht.
Die Durchsetzung geschieht auf verschiedenen Wegen,
in England ist es eine konstitutionelle Monarchie, d.h. demokratische Rechte
werden dem Volk bei einer existierenden Monarchie per Gesetz zugesichert.
In Frankreich versucht man später durch die
Revolution von 1789 den aufgeklärten Absolutismus des Kontinents „Nichts durch
das Volk, alles für das Volk“ durch die Macht des Volkes mit neu geschaffenen
Rechten abzulösen.
In der Philosophie kann sind zu dieser Zeit zwei
Stilrichtungen zu unterscheiden, einmal den Empirismus und dann den
Rationalismus.
Letztgenannter heißt wörtlich Vernunftphilosophie.
Philosophen dieser Stilrichtung arbeiten in erster
Linie mit dem Verstand hier auch Vernunft genannt, befragen aber auch die
Erfahrung. Aber man nimmt an, und das ist der Unterschied zu den Empiristen, dass
die Kraft des Verstandes bzw. der Vernunft mehr als eine Integration der
Sinnestätigkeit ist. Vielmehr verstehen sich Verstand und Vernunft als eine
eigene Kraft, deren Ergebnisse sich nach eigenen Gesetzen deuten und beurteilen
lassen.
In diese Zeit des Wandels und des Aufbruchs wurde René Descartes hineingeboren,
sie beeinflusste sein Denken und Handeln. Zugleich war er in vielen Beziehungen
ein Vorreiter seiner Zeit.
Ende des
16. Jahrhunderts, genauer am 31. März 1596, wird René Descartes, auch
Renatus Cartesius genannt, als Sohn eines niederen,
aber alten Adelsgeschlechts in La Haye, dem heutigen
La Haye-Descartes, in der Touraine,
Frankreich geboren.
Von 1604 bis 1612 besucht er das
Jesuitenkolleg in La Flèche, Anjou,
Frankreich.
Dort erfolgt eine Unterweisung in moderner
Mathematik, in Scholastik, sowie in den Naturwissenschaften.
Jedoch vermisste er während seiner jesuitischen
Ausbildung den systematischen Zusammenhang und den Gegenwartsbezug seines
Schulwissens zur Realität.
Er begann ein Jurastudium an der Universität von Poitiers, wo er 1616 den Abschluss seines Studiums
erreichte.
Aber nie übte er einen Beruf im Rechtsbereich aus,
auch hier also keine Umsetzung in das Leben.
1618 erfolgte der Eintritt in den Dienst des
Prinzen Maurice von Nassau, des damaligen Statthalters der Vereinigten
Provinzen der Niederlande, um eine militärische Laufbahn einzuschlagen und um
„im großen Buch der Welt“[3] zu
lesen, wie er später rückblickend einmal schrieb.
Es folgten Dienste in unterschiedlichen Armeen und
die Teilnahme am dreißigjährigen Krieg; ob er jedoch wirklich jemals richtig in
Kämpfen verwickelt war ist fraglich. Denn in seiner Zeit und in seinem Stand
ließ man eher kämpfen.
Eigentlich immer beschäftigte er sich mit Problemen
der Mathematik und der Philosophie, egal wo er sich befand.
1619 hat er einen Traum von der Berufung zum
Wissenschaftler, welchen er mit dem Kardinal Patrick de Bérulle
besprach.
Von 1623 bis 1625 unternahm er mehrere Reisen nach
Italien und Holland.
Immer wieder folgten auch Zeiten der Zurückgezogenheit und Abgewandtheit von
dem gesellschaftlichen Leben seiner Gesellschaftsschicht.
Von 1625 bis 1629 war ein längerer Aufenthalt in
Frankreich als Mitglied einer sich dort formierenden Forschergruppe.
Im Jahre 1627 gab er das Versprechen an Kardinal Bérulle sich
philosophischen Grundlagen der Wissenschaft zu widmen.
Danach begann er ein Philosophiestudium und Experimente im Bereich der Optik
wurden von ihm durchgeführt.
1629 erfolgte der Umzug in die republikanischen
Niederlande, in der Hoffnung auf mehr Gedankenfreiheit als im royalistischen
Frankreich. Dort lebte er in Amsterdam, Deventer,
Utrecht und Leiden. Er hoffte dort ganz nach seinen wissenschaftlichen Zielen
leben zu können.
Seine mathematischen Studien führten ihn zur Entdeckung der analytischen
Geometrie, sein naturwissenschaftlichen Ergebnisse wollte er in einem „Traité du monde“(Die Welt)
zusammenfassen, wurde aber durch die Verurteilung Galileis davon abgehalten.
Als er an seinem Werk „Traité
du monde“ arbeitete, hörte er also von der
Verurteilung Galileis wegen dessen Äußerungen zu seiner naturwissenschaftlich
begründeten Neuinterpretation des Weltbildes, der christlichen Überlieferung
und der damit verbundenen Infragestellung des ptolemäischen Weltbildes.
Descartes veröffentlichte daraufhin nur relativ ungefährliche Teile seines
Werkes in „Discours de la méthode“
(Abhandlungen/ Diskussionen über die Methode), mit den drei Anhängen „Plus la Dioptrique, les Méteores et la Géométrie“[4].
Dieses Werk wurde seine bekannteste Veröffentlichung. Es kam 1637 anonym in
Leiden, Holland heraus. Das Restwerk wurde erst posthum veröffentlicht.
Es folgten weitere philosophische Werke wie „Meditationes
de prima philosophia“ (1631; Meditationen über die
Erste Philosophie, überarbeitet 1641) und sein Hauptwerk „Principia
Philosophiae“ (1644; Die Prinzipien der Philosophie).
Auch in den Niederlanden geriet Descartes in Konflikt mit kirchlichen Kreisen,
vor allem aufgrund seines Gottesbegriffs.
Hauptsächlich wegen dieses Konflikts mit der Kirche
folgte René Descartes 1649 einer Einladung von Königin Christine von Schweden
nach Stockholm, um ihr auf Schloss Drottningholm
Philosophieunterricht zu erteilen.
Hier erkrankte der große Philosoph an
Lungenentzündung und verstarb am 11. Februar 1650 in Stockholm, Schweden.
Seine Schriften kamen 1663, also 13 Jahre nach
seinem Tod, auf den „Index librorum prohibitorum“ der katholischen Kirche. Die Folgen einer
solchen Maßnahme sind hinreichend bekannt.
Descartes war, wie andere große Denker und
Wissenschaftler seiner und früherer Zeiten auch, Universalist.
Anders als heute, wo der Umfang des Gesamtwissens so groß ist, dass auch hervorragende
Köpfe nur noch über Teilbereiche verfügen, konnten
Gelehrte damals noch quasi alle Wissenschaftsgebiete beherrschen.
Descartes’ herausragende Leistungen lagen also
keineswegs nur auf dem Gebiet der Philosophie. Auch in der Medizin, der Mathematik
und den Naturwissenschaften betrieb er Forschungen und gelangte zu bahnbrechenden Ergebnissen. Auf den ersten Blick erscheinen
sie im Hinblick auf die Philosophie als gänzlich unterschiedliche Wissensgebiete,
wir werden jedoch sehen, wie stark sie sich in Descartes’ Denken gegenseitig
beeinflusst haben.
Es erstaunt, dass Descartes’ Leistungen als
Mediziner seinerzeit bekannter waren, als seine philosophischen Ideen. Er
strebte danach, die Funktionsweise des Körpers naturwissenschaftlich zu
erforschen und zu erklären. Das medizinische Wissen war damals sehr begrenzt
und stand noch unter dem Einfluss des Hippokrates, wobei manche, für uns heute
selbstverständlichen physiologischen Abläufe oder anatomische Erkenntnisse mythisch
und spekulativ verdunkelt waren.
In diese Zeit fielen revolutionäre Entwicklungen,
wie z.B. die Entdeckung des großen
Blutkreislaufs durch den englischen Arzt William Harvey, was einen Sturm in den
medizinischen Fakultäten auslöste. Descartes unterstützte diese Auffassung, er
trieb selbst anatomische Studien an Embryonen von Kälbern, die er sich von
Metzgern bringen ließ, wenn eine trächtige Kuh geschlachtet worden war. Dabei
entdeckte er die u.a. die Venenklappen,
verständlicherweise eine ebenfalls faszinierende Entdeckung.
Diese und ähnliche Erkenntnisse, die im Gegensatz
zu den nicht greifbaren seelischen Vorgängen evident und beweisbar waren,
ließen ein mechanistisches Menschenbild entstehen, ließen den Menschen
zunehmend erscheinen als erklärbare und in der Konsequenz auch beherrschbare
Maschine. Die Vision, mit den Fortschritten auch Krankheiten und sogar den Tod
zu verhindern, bleib gleichwohl unerreichbar. Eine von Descartes entwickelte
Diät, die sein den leiblichen Genüssen keineswegs abholder Freund Abbé Décault ausprobierte, und die ein Lebensalter von 400
Jahren in Aussicht stellte, musste natürlich scheitern. Die Schwelle des Todes
konnte trotz aller neuen Erkenntnisse nicht vermieden werden.
Eine weitere ungelöste Frage, die nicht nur
Descartes, sondern auch viele Denker vor und nach ihm umtrieb,
war der Zusammenhang zwischen dem Körper und dem Geist. Dieses so genannte
Leib-Seele-Problem werden wir später noch näher beleuchten.
Descartes verfügte auf diesem Gebiet über eine
Hochbegabung, die ihm selbst unter den führenden Mathematikern seiner Zeit eine
Ausnahmestellung zuwies.
Bereits während seiner Schulzeit hatte er die besten Mathematikprofessoren
seines Kollegs überflügelt und seine Bewunderer bezeichneten ihn als „größten Mathematiker,
den Gott schuf“[5]. Sein stetes Streben nach einem methodischen
Vorgehen führte ihn u.a. zur Begründung der analytischen
Geometrie.
Auch die Entwicklungen in der Optik brachte er
entscheidend voran. Seine Untersuchungen und Berechnungen führten ihn zur
Entdeckung des Brechungsgesetzes, wonach der Einfallswinkel gleich dem
Reflexionswinkel ist.
Er gab detaillierte Anweisungen zur Herstellung
optischer Gläser und Linsen, was einerseits auf großes Interesse z.B. der kriegsführenden Parteien stieß (mit Ferngläsern konnte der
Feind viel früher und besser erkannt werden), andererseits großen Argwohn
hervorrief gegenüber diesen „Teufelsmaschinen“.[6]
Wie so oft, bestätigte sich damit auch hier, dass
neue Erkenntnisse im Sinne eines Paradigmenwechsels immer mit starken Verwerfungen
und Auseinandersetzungen einhergehen, die für innovative Wissenschaftler im
Zeitalter Richelieus stets mit einer Gefahr für Leib und Leben
einhergingen.
Durch seine Ausbildung am Jesuitenkolleg, in der er
eine umfassende Ausbildung in Mathematik, Naturwissenschaften und Scholastik
erhielt, sollte sich für ihn eigentlich eine Verbindungsmöglichkeit zwischen
Erlerntem und der Realität ergeben, den René Descartes aber nie so empfand.
Nach seinem Rechtsstudium und diversen anderen
Tätigkeiten, wie der Dienst im Hause Nassau gab er sich seinem Wunsch hin, der
sich ihm in einem einschneidenden Traumerlebnis im Jahre 1619 darstellte.
Er widmete sich ganz der Wissenschaft und der Philosophie.
Vorbereitet durch Kritik und Skepsis der
Spätscholastik sollte eine Loslösung vom Weltbild der Scholastik entstehen. Es
sollte eine Theorie über allgemeine mechanische Zusammenhänge der Natur, über
das Verhältnis von Natur und Geist als eine Art „Grundsteinlegung“ für eine
neue Philosophie werden.
Er verfasste mehrere philosophische Werke auf die
im folgenden Abschnitt in aller Kürze eingegangen wird, um den Weg zu seinem
Hauptwerk „ Prinzipien der Philosophie“ zu beschreiben.
Auch die Zeit und ihre Philosophen vor René
Descartes hatten verstanden kritisch zu denken. Aber sie hatten immer wieder
Begriffe ausgespart, die nicht mehr angezweifelt wurden. Descartes aber beginnt mit dem radikalen und absoluten
Zweifel.
Hier ein Zitat: „Was sollten wir denn als sicher
gelten lassen können“, fragt er, „die Überzeugungen des Alltags? Man sehe doch,
wie die Mode wechselt, je nachdem man in Frankreich oder Deutschland oder in
China geboren ist…. Was uns einmal getäuscht hat, kann uns wieder täuschen. Da
ist es mit dem Vertrauen schon wieder vorbei… Ebenso
geht es sogar mit dem reinen Denken,…, denn auch
das logische Denken kann sich irren.“[7]
Könne es nicht so sein, fragt sich René Descartes,
dass ein Gott der alles vermag, es so eingerichtet hätte, dass dieses alles für
uns so scheint, aber gar nicht wirklich ist?
Nicht Himmel, nicht Erde, gar nichts erscheint so
wie es ist!
Darüber erhebt sich für ihn eine neue Gewissheit
inmitten in seines Zweifels: „Über den Zweifel selbst kann ich nicht zweifeln.
Mag alles Täuschung sein, das Denken ist doch da und damit auch ich, der ich
denke.“[8]
„Cogito ergo sum“ - Ich denke, also bin ich -, lautet also die berühmte
neu gewonnene Einsicht. Er erweitert diesen Satz noch auf „Dubito,
ergo sum- ich zweifle, also bin ich“ und „ ich werde
getäuscht, also bin ich“.
Darauf will er aufbauen und seine Philosophie
fortführen.
Sein Ziel ist es, die Philosophie zu einer Art Universalmathematik zu machen,
zu einer Wissenschaft, in der alles im Wege strenger Deduktion aus einfachsten
Grundbegriffen gewonnen wird.[9]
René Descartes will die natürliche Vernunft aus der
unbezweifelbaren Gewissheit begründen. Als gläubiger Katholik der damaligen
Zeit sieht er aber trotzdem keinen Widerspruch zur Offenbarung, sondern
vielmehr eine „stärkende Bestätigung für den der Vernunft zugänglichen Teil
derselben“[10]
In den zu seinen Lebzeiten unveröffentlichen
„Regulae ad Directionem Ingenii“(1631) und dem 1637 verfassten „Discours
de la méthode“ entwickelte Descartes die Grundsätze
und Definition seiner Methode, die er
später dann in die Prinzipien der Philosophie zu übertragen versucht.
Auf Drängen von Freunden entschließt er sich,
ausgewählte Ergebnisse seiner Forschungen, nämlich als Anhang der Abhandlungen
über die Methoden, nämlich „Plus la dioptrique, les météores et la géometrié“ zu veröffentlichen.
Hierbei geht es um die Erkenntnisse in der analytischen Geometrie, der
Ableitung der Brechungsgesetze und der Erklärung der Entstehung des
Regenbogens.
Vorangestellt sind eben jene Abhandlungen über die
Methode.
Ab 1631 bis 1641 verfasste er in Folge sechs
Abhandlungen der „Meditationes de prima philosophia“. Hier untergräbt er nicht nur alle Grundlagen
seines Denkens, er zweifelt auch an seinen Sinneswahrnehmungen und seinen
Gedankenleistungen -„Ist 2+3 wirklich 5, oder irre ich mich immer, wenn ich
dies denke?“- Durch diesen Zweifel stößt er
schließlich auf das Unzweifelhafte, nämlich das Selbstbewusstsein. Dieses
Selbstbewusstsein des Subjekts ist dann das Fundament seiner Philosophie.
In seinem Hauptwerk „Principia
Philosophiae“ versucht er noch einmal seine
Naturlehre umfassend zu begründen und darzulegen.
Danach wandte er sich der den Problemen der
praktischen Philosophie zu.
Artikel und Schriften sind in den Briefen und Korrespondenz mit der Prinzessin
Elisabeth von der Pfalz zu lesen.
Sein letztes Werk „Traité
des passions de l’âme”(Leidenschaften
der Seele) von 1649 sollte durch Untersuchung über die Union von Geist und
Körper aus Sicht der Psychologie die Voraussetzungen hierzu klären.
„Cogito, ergo sum“ – „Ich denke,
also bin ich.“
Dieser berühmte Satz des Philosophen beinhaltet
bereits einen wesentlichen Teil seines Gedankengebäudes, das er in den „Principien der Philosophie“ darlegt. Indem er das Denken
als so existentiell im Dasein der Menschen versteht, erweist er sich als
ausgeprägter Rationalist. Laut Brockhaus ist der Rationalismus eine
„erkenntnistheoretische Position, nach der die Welt dem Verstand und der
Vernunft gemäß, d.h. von logischer und gesetzmäßig berechenbarer Beschaffenheit
sei.“[11]
Wie gelangte er nun zu diesem legendären Satz: „Ich
denke, also bin ich.“? Der gebürtige Franzose hatte den hohen Anspruch, nur das
als wahr anzuerkennen, was unzweifelhaft klar und deutlich erkannt und bewiesen
war. Die Begriffe klar und deutlich hat er in seinem
Werk streng definiert. Da die Menschen seiner Ansicht nach von vielen
Vorurteilen besetzt seien, die aus der Unkenntnis der Kindertage herrühren,
müssten zunächst alle alten Überzeugungen angezweifelt und hinweggewischt
werden, um ein völlig neues Gedankengebäude nach den Ansprüchen mathematischer
Klarheit und Beweisbarkeit aufzubauen. Nichts Hergebrachtes durfte ungeprüft
gelten, also musste er bei Null anfangen. Auch hier zeigt sich wieder sein
Anspruch an jegliche Wissenschaft auf klare, grundlegende Systematik, anstelle
eines Verzettelns in Details.
Seine Herangehensweise an dieses geradezu
revolutionäre Unterfangen beschreibt Descartes folgendermaßen: “Jetzt nun, wo
wir mit der Erforschung der Wahrheit Ernst machen, werden wir vor allem
zweifeln, ob es überhaupt sinnliche und bildliche Dinge gibt. Erstens, weil wir
bisweilen die Sinne auf Täuschungen ertappen und es die Vorsicht gebietet,
denen nicht zu viel zu vertrauen, die uns schon einmal getäuscht habe; dann,
weil wir im Traum zahllose Dinge zu empfinden oder vorzustellen meinen, die
nirgends sind, und uns bei solchen Zweifeln kein Merkmal gegeben ist, um den
Traum vom Wachen sicher zu unterscheiden.“ Dieser Gedankengang, wonach die
sinnlich wahrnehmbaren Dinge keineswegs die unantastbare Wirklichkeit sind, ist
uns übrigens schon bei einem anderen, sehr berühmten Rationalisten begegnet,
nämlich bei Platon, der hinter den sicht- und greifbaren Dingen höher stehende,
ewige Ideen vermutete. Und es gibt ja wahrlich auch genug Anlässe, den Sinnen
zu misstrauen, denken wir nur an das jedem bekannte Phänomen, dass Menschen so
groß wie Ameisen erscheinen und Autos wie Spielzeug aussehen, wenn wir sie von
weit oben betrachten.
Descartes ging jedoch noch sehr viel weiter.
Solange keine Beweise vorliegen, wollte er auch die Wahrheit mathematischer
Grundsätze und zudem – ein zur damaligen Zeit ungeheuer ketzerischer Gedanke –
auch die Existenz Gottes in Frage stellen. Wen wundert es, dass Descartes beim
Negieren aller überlieferten „Wahrheiten“ das Gefühl hatte, den Boden unter den
Füßen zu verlieren. „Ich bin“, schreibt er, „unversehens in einen tiefen
Strudel geraten und bin nun so verwirrt, daß ich
weder auf dem Grunde Fuß fassen noch an die Oberfläche emportauchen
kann.“[12]
Einen ersten Fixpunkt, auf dem er aufbauen kann,
sieht er schließlich in der einzig als gesichert erkennbaren Erkenntnis: „Ich
denke, also bin ich.“, zu der er durch folgenden Gedankengang gelangt:
„Verwerfen wir aber ... alles irgend Zweifelhafte und denkbarer Weise Falsche,
so läßt sich zwar leicht annehmen, daß kein Gott sei, kein Himmel, keine Körper, daß wir selbst weder Hände noch Füße noch überhaupt einen
Körper haben, aber es läßt sich darum nicht annehmen,
daß wir, die wir Solches denken, Nichts sind. Denn es
widerspricht sich, daß ein denkendes Wesen im
Augenblick, wo es denkt, nicht existieren solle. Demnach ist diese Erkenntnis:
„ich denke, also bin ich“ von allen die erste und sicherste, die jedem
begegnet, der methodisch philosophiert.[13] In diesem einzigen Satz kann er wieder Fuß
fassen, hier sieht er die gesicherte Basis, von der aus er sein philosophisches
System aufbaut. Das Denken gilt für ihn als zweifelsfrei gesichert, im
Gegensatz zum Körper, der sorgfältig vom Geist unterschieden werden müsse. Hier
erweist sich wieder sein ausgeprägter Rationalismus.
Von der gesicherten Position der Existenz des
Denkens geht er nun daran, die Existenz Gottes, die er gemäß seiner Logik zunächst
anzweifeln muss, näher zu untersuchen.
Descartes erläutert, dass der menschliche Geist bei
sich die Ideen vieler Dinge findet, z.B. die Idee der Zahlen, der Figuren oder
die Idee mathematischer Sätze, wie z.B. der, dass die Winkelsumme eines
Dreiecks immer 180 Grad sei. Jedoch könne man nicht sicher sein, dass diese
Ideen der Wahrheit entsprächen. Ähnlich wie im Traum könne auch hier eine
Täuschung vorliegen, denn es sei ja durchaus möglich, dass der Mensch von einem
trügerischen Wesen so geschaffen sei, dass er in allem, was er für gesichert
hält, betrogen wird. Um diesen fundamentalen Zweifel auszuräumen, müsse herausgefunden
werden, wodurch der Mensch sein Dasein habe. Diese Frage nach dem Urheber der
Existenz des Menschen und aller Dinge muss er also zunächst klären. Der
menschliche Geist sieht, gemäß Descartes, unter den vielen Ideen, die er hat,
eine herausragende Idee, „die Idee eines allwissenden, allmächtigen,
vollkommensten Wesens ... er anerkennt in ihr die Existenz, nicht blos als möglich und zufällig, wie in den Ideen aller
anderen Wesen ... Und er sieht ein, in der Idee des vollkommenstens
Wesens liege die nothwendige und ewige Existenz. Er muß deshalb den Schluß machen:
das vollkommenste Wesen existirt.“[14]
Woher aber kommt diese Idee Gottes? Die Gottesidee
könnte doch ebenso Fiktion sein, wie alle anderen Täuschungen? Aus diesem
Dilemma befreit sich der berühmte Philosoph folgendermaßem:
„Es ist eine ganz bekannte, natürliche Wahrheit, daß
nicht bloß aus Nichts Nichts wird, und das
Vollkommene nie von dem Unvollkommenen ... hervorgebracht werden könne, sondern
auch, daß in uns keine Idee ... von irgend Etwas sein
könne, ohne daß irgendwo ... der Archetypus
existiert, der alle jene Vollkommenheiten in sich enthält.“[15] Gemäß diesem einleuchtenden „aus Nichts wird
Nichts“ und der Einsicht, dass etwas Vollkommenes nicht aus dem Unvollkommenen
entstehen könne, muss also dieser Idee tatsächlich die Existenz Gottes zugrunde
liegen.
Dieser „Gottesbeweis“ ist nach dem „Ich denke, also
bin ich“, die zweite gesicherte Erkenntnis, auf der Descartes aufbaut.
Nun stellt sich bereits die nächste Frage, nämlich
die nach der Herkunft des Menschen. Der Philosoph erwägt kurz die Möglichkeit,
dass der Mensch sich selbst erschaffen habe, verwirft diesen Gedanken jedoch
sofort wieder, denn ein Wesen, dass etwas „Vollkommeneres als sich selbst erkennt,“[16] kann
unmöglich durch sich selbst geschaffen worden sein. „Er würde sich sonst alle
... Vollkommenheiten gegeben haben.“[17] Da der Mensch aber unvollkommen sei, folgt
daraus, dass er sein Dasein nur von einem vollkommenen Wesen, nämlich von Gott
haben könne, der ja auch allein die Macht hat, uns zu erhalten, bzw. auch
unsere Existenz zu beenden.
In der uns eingeborenen Idee Gottes erkennen wir,
so Descartes, auch das Wesen Gottes. Wir erkennen, dass er allwissend, allmächtig,
Quell aller Güte, Schöpfer aller Dinge, absolut wahrhaftig, mit einem Wort, das
er eine unendliche Vollkommenheit enthalte. Damit ist auch der ursprüngliche
Verdacht, dieser nagende Zweifel beseitigt, dass wir womöglich so geschaffen
worden seien, dass wir überall Täuschungen erliegen. Denn solches hätte uns nur
ein boshafter Schöpfer antun können, niemals aber ein wahrhaftiger Gott, wie
wir ihn nun unzweifelhaft erkannt haben. Neben der gesicherten Erkenntnis des „Cogito, ergo sum.“, ist nun also
nach Descartes’ Auffassung auch bewiesen, dass „Gott von Allem, was ist oder
sein kann, allein die wahre Ursache ausmacht“,[18] dass
also auch der endliche, begrenzte Mensch durch den unendlichen Gott erschaffen
wurde.
Diese Kleinheit des Menschen gegenüber Gott
veranlasst nun Descartes zu einem merkwürdigen Bruch seiner bisher so rational
begründeten Theorien. Er kehrt unvermittelt zurück zu einem, fast möchte man
sagen naiven Glauben. „Wenn Gott uns ... Etwas offenbart, das unsere
natürlichen Geisteskräfte übersteigt, wie da sind die Mysterien der
Menschwerdung oder der Dreieinigkeit, so werden wir uns nicht weigern, zu
glauben, so wenig wir diese Dinge klar erkennen. Und überhaupt wird es uns
nicht befremden, daß ... Vieles über unsere
Fassungskraft hinausgeht.“[19] Hier verlässt ihn plötzlich die Courage und
er kehrt zurück in den sicheren Hafen der bedingungslosen Gläubigkeit. Doch mit
dem durch Glauben ergänzten Beweis der Existenz eines wahrhaftigen Gottes ist
noch nicht geklärt, warum der Mensch ganz offensichtlich trotzdem immer wieder
Täuschungen unterliegt, denn dieser Gott würde ja niemals vorsätzlich die
Menschen in die Irre führen.[20] Wie
kann es dazu kommen, dass der Mensch immer wieder, sogar bei der bewussten
Suche nach Wahrheit, irrt, obwohl „doch Niemand irren will.“[21]
Descartes erklärt dies folgendermaßen: Die
Denkweisen, die der Mensch in sich findet, lassen sich auf zwei Arten
zurückführen. Zum einen auf die Vorstellung oder Denktätigkeit, zum anderen auf
die Strebung oder Willenstätigkeit, zu der auch das Bejahen und Verneinen gehört.[22]
Um ein Urteil zu fällen, ist sowohl das eine als
auch das andere nötig, also sowohl der Verstand, als auch der Wille. Nun ist aber
der Verstand begrenzt und beschränkt auf ein kleines, ihm offenes Gebiet,
während der Wille unendlich ist und sich auch auf Gebiete erstreckt, die wir
verstandesmäßig nicht durchdringen. Irrtümer entstehen dadurch, dass kraft des
Willens, den wir „leicht über das Gebiet der klaren Einsicht hinaus ... ausdehnen“,[23] über
Dinge geurteilt wird, die vom Verstand nicht klar und deutlich erkannt wurden.
Der Mensch ist diesen Irrtümern jedoch nicht
hilflos ausgeliefert, da er durch den Willen frei handeln kann. Diese
großartige Freiheit des Willens, die dem Menschen verliehen, ja zu „den ersten
und allgemeinsten uns angeborenen Begriffe“[24] zu
rechnen ist, erlaubt es ihm, Dingen „nach Belieben beizustimmen oder nicht beizustimmen“.[25]
Kraft dieser Freiheit des Willens zu urteilen, ist
der Mensch in der Lage sich vor Irrtümern zu schützen, in dem er nur das als
wahr akzeptiert, was klar und deutlich erkannt wird. Ein Urteil ist also dann
sicher und unbedenklich, wenn es diese beiden Voraussetzungen, klar und
deutlich, denen Descartes große Bedeutung zumisst, erfüllt.
Er definiert genau, was er darunter versteht. Klar
ist das, was dem Geist gegenwärtig und offen ist, als deutlich bezeichnet
Descartes das, was klar und zudem „von allem Anderen so geschieden und
abgeschnitten ist, daß sie nur Klares in sich
enthält.“[26]
So unterlegt er seine Definition mit einem
praktischen Beispiel in § 46 seiner „Principien“ um
den Unterschied zwischen „klar“ und „deutlich“ mit der Realität zu verknüpfen:
Wenn ein Mensch Schmerz empfindet, so mag er zwar
in ihm klar sein, aber jedoch nicht deutlich, da er oft nicht in der Lage ist
zu unterscheiden, ob er genau an dieser einen Stelle den Schmerz empfindet oder
an einer anderen, so mag der Mensch sich hier irren.
Er empfindet Schmerz, kann aber nicht explizit sagen, wo genau. Es ist also
klar, aber letztendlich nicht deutlich. Daraus schließt Descartes, dass eine
Vorstellung klar sein kann, „ die nicht
deutlich ist, aber keine Vorstellung deutlich, ohne zugleich klar zu sein.“[27]
Er versucht durch genaue Begriffserklärung
Eindeutigkeit zu schaffen.
René Descartes sieht zwei Begriffsordnungen. Einmal die Dinge als
„Beschaffenheit der Dinge“, oder Dinge „als ewige Wahrheiten, die keine
Existenz außer unserem Denken haben“[28] ; also Substanzen sowie Dinge, die entweder
dem Geist(„denkende Substanz“, „res cogitans“) oder
dem Körper(„ausgedehnte Substanz“, „res extensa“) zu
zuordnen sind.
Zum Geist gehören Vorstellung, Wille sowie alle Arten des Wollens und
Vorstellens. Zur ausgedehnten Substanz, dem Körper gehören Länge, Breite, Lage, Teilbarkeit und
Bewegung.
Der Geist, das Denken, ist unräumlich und unkörperlich.
Für die Körperwelt gilt die Qualität und
Eigenschaft des Ausgedehntseins in einem Raum.
Im Begriff der Ausdehnung liegt Bewegung, diese ist
ohne Raum nicht möglich.
Denken, Wille und Empfindung lassen sich dagegen in
einem denkenden Wesen begreifen, nicht zwingend in einem Raum.
Hier sieht er die Idee zweier geschaffener Substanzen, die keines Beweises
bedürfen und in sich bewiesen sind. Nämlich Geist und Körper, Leib und Seele.
Zugleich ergänzt er wieder seine Gedanken in den
miteinander verbundenen Beispielen von der Leidenschaften und Empfindungen oder
auch dem Hunger, die sowohl Körper als auch Geist zugerechnet werden müssen.
Der Mensch an sich hat Anteil an beiden „Welten“, dieser Dualismus von
materieller und geistiger Welt entspricht der damaligen Einsichten und
Verständnisses. Auf diese Weise gelangt Descartes zu der Auffassung, dass der
Körper der den mechanischen Naturgesetzen unterliegt und der Geist mit seinem freien Willen in der Vernunft
ihren Weg zur Entscheidung über Wahrheit und Irrtum finden.
Er kommt zu dem Schluss, dass wir anerkennen
müssen, dass es bestimmte Wahrheiten gibt, denen wir uns „ergeben“ müssen.
So sagt er, „was geschehen ist, kann nicht ungeschehen gemacht werden“ oder
„unmöglich kann dasselbe zugleich sein und nicht sein.“[29]
Wir Menschen sollen sie als Axiome(„Ewige
Wahrheiten/Gemeinbegriffe“) annehmen, damit wir nicht Gefahr laufen durch
Vorurteile „geblendet“ zu werden.
Hier schlägt er eine Brücke zwischen mathematischen Denken und der Philosophie.
Ein Mensch muss diese Gemeinbegriffe notwendigerweise wissen und kennen.
Werden die Gemeinbegriffe nicht von allen gleichermaßen anerkannt, liegt es am
unterschiedlichen Grundverständnis der Menschen, die in ihren verschiedenen
Meinungen enthalten sind.
Als nächstes führt Descartes den Begriff der Substanz ein.
Unter Substanz ist ein Wesen zu verstehen, welches existiert ohne dass es einer
Existenz eines anderen Wesens bedarf. Dies allein ist und kann nur Gott sein.
Alle anderen Substanzen können nur unter der Mitwirkung Gottes entstehen
und existieren, da sie an sich unvollkommen und mit Irrtümern behaftet sind.
Substanz macht sich für uns jedoch nicht unbedingt
wahrnehmbar, zumindest eine denkende Substanz nicht. Nur eine ausgedehnte
Substanz mit Attributen und Eigenschaften wie Länge, Breite usw. ist für den
Menschen erfassbar. Für jede Substanz gibt es „ eine hauptsächliche
Eigenschaft, die deren Natur und Wesen ausmacht“[30]
Für die denkende Substanz, ist deren Wesen das Denken; für die körperliche Substanz, ist die Haupteigenschaft
mit den Attributen und Eigenschaften der Ausdehnung in Höhe, Breite und Länge
belegt. So sind alle Vorgänge in unserem Geist nur verschiedene Denkweisen und
alles was den Körper betrifft sind nur verschiedene Ausdehnungen.
Es ergibt sich daraus: Alles was von Gott gegeben ist, ist vollkommen.
Descartes beschreibt Veränderliches, wie auch
beispielsweise die Zeit, als Modi oder Beschaffenheit.
In Gott, der unveränderbar ist, gibt es nach seiner Auslegung nur Attribute. So
muss in logischer Folge bei geschaffenen Dingen alles was gleich bleibt auch
als Attribut bezeichnet werden.
Zwei Dinge, seien sie auch verschiedener Art werden immer als „Zwei“
bezeichnet, egal ob es zwei Bäume oder zwei Vögel sind, so wie auch ein Dreieck
immer als Dreieck bezeichnet wird, egal ob es rechtwinklig ist oder nicht.
Nichts desto trotz gibt es Unterscheidungen in Ähnlichem:
Zuerst einmal der Genus(Fall): Dreieck/Quadrat;
Dann Spezies(Art): rechtwinklig oder gleichseitig;
Als Nächstes Differentia (Eigentümlichkeiten): Quadrat
der Hypotenuse ist gleich der Summe der Kathetenquadrate,
dies hat nur ein rechtwinkliges Dreieck zu bieten- ein gleichseitiges Dreieck
hat andere Eigentümlichkeiten.
Als letzte Eigenschaft dann die Accidens
universale(zufällige Beschaffenheit): Ruht oder bewegt sich das Dreieck?
Es gibt nach Descartes drei verschiedene
Möglichkeiten Dinge zu unterscheiden:
Wenn man allerdings die Modi zweier
grundverschiedener Substanzen miteinander vergleicht, so ist der Unterschied
eher als real zu bezeichnen.
Denken und Ausdehnen können wie geistige und
körperliche Substanz, also wie Geist und Körper als deren „Wesenseigenthümlichkeiten“[32]
selbst gesehen werden und müssen auch so begriffen werden. Die Begriffe sind
weniger zusammen zu fassen als genauer zu differenzieren um sie allen Menschen
verständlich zu machen.
Für Körper und Geist kann man auch Denken und
Ausdehnung als Modi der Substanz gelten lassen, denn ein Geist kann mehrere
Gedanken gleichzeitig denken, sowie ein Körper verschiedene Ausdehnungen(
Streckung/Stauchung in Breite/Länge/Höhe)bei gleicher Masse haben kann.
Auf gleiche Weise können dann auch die Modi des Denkens gesehen werden:
Einsicht, Einbildung, Erinnerung sind
nur als Modi der Dinge zu sehen, denen sie innewohnen. Das heißt, Farbe ist nur
als Farbe zu sehen und nicht als der Gegenstand, der diese Farbe als
Oberflächenzustand hat.
So gilt aber für die schon in § 46 erwähnte Schmerzempfindung: Schmerz
empfindet der Mensch mit dem Geist und aber auch gleichzeitig an einer
Körperstelle, genau so wie er Licht getrennt von der Sonne am Firmament sieht.
Hier irrt aber der Mensch laut Descartes und ist seiner Meinung nach in seinem
kindlichen Vorurteil gefangen.“ Denn wir Alle haben von Kindheit an gemeint,
Alles, was wir empfunden, seien gewiss außer unserem Geist existierende und
unsren Empfindungen, …. ,ganz ähnliche Dinge.“[33]
Der Mensch soll Empfindungen des Schmerzes klar von den Empfindungen
(Vorstellungen) der Farbe/Örtlichkeit
trennen. Denn wenn er genauer nachdenkt wird er feststellen, dass er
weder Farbe noch Schmerz gegenständlich „ ertasten“ kann. Descartes beschreibt
es treffend mit: “untersucht er aber, was für ein Ding jene Empfindung der
Farbe oder des Schmerzes, die gleichsam
in dem farbigen Körper oder in dem schmerzhaften Theile
existirt, eigentlich vorstelle, so wird er gleich
merken, daß er es nicht weiß.“[34]
Räumliche Ausdehnung, wie Größe, Figur kann der Mensch eindeutig erkennen,
während er über Farbe, Schmerz, Geruch und Geschmack getäuscht werden kann.
Nimmt jemand Farbe wahr, so nimmt er eigentlich nur wahr, was in ihm selbst als
Farbempfinden niedergelegt ist, nicht die Farbe selbst(Rot ist nicht gleich
rot). Hier zielt René Descartes darauf ab, dass derjenige der seine
Empfindungen anzweifelt, weil er sich nicht der Wahrhaftigkeit seiner
Empfindungen nicht sicher ist, sich vor einem Irrtum bewahren kann.
Descartes sieht den „ersten und hauptsächlichen Grund unserer Irrthümer“[35] in
unserer frühkindlichen Entwicklung, in dem er Objekten neben Größe, Figur und
Bewegung auch Geschmack, Geruch, also seine eigenen Empfindungen zuordnete. Das
heißt, einem Objekt wird umso mehr Realität zugestanden, je stärker es auf den
Körper des Menschen einwirkt - Steine scheinen mehr Körperlichkeit zu besitzen
als Luft. Diese frühkindlichen „Vorurteile“ manifestieren sich im Heranwachsen
und werden oft erst im reiferen Alter wieder als Irrtümer erkannt und
differenziert betrachtet.
Objekte der Einbildung entstehen durch die Vermischung von Körperlichen
und Geistigem. Es gibt also Objekte, die
mit keinem unserer Sinne zu erfassen sind, aber trotzdem existieren können.
Alle Begriffe der Menschen sollten- laut Descartes- in Worten ausgedrückt
werden, da Worte die mehrheitlich zurückbleibenden Anteile der Erinnerung
belegen. Gelerntes Wort und Sache verschmelzen nahezu miteinander. So kann sich
der Mensch auch unverstandenen Worten „hingeben“ da er der Meinung ist, sie von
anderen empfangen zu haben, die diese Worte richtig verstanden hatten.
Descartes fasst in seinen letzten beiden Paragraphen seine Philosophie noch
einmal zusammen.
Er legt fest, dass zuerst alle Vorurteile und überlieferte Meinungen
angezweifelt werden müssen. Dann dürfen in der Folge nur die Begriffe als wahr
anerkannt werden, die wir in uns „klar und deutlich