René Descartes

 

 

 

 

 

 

Zeitgeschichtlicher Hintergrund  2

Biographie René Descartes’ 3

Werke und Arbeiten in nichtphilosophischen Fachgebieten  5

In der Medizin  6

In Mathematik und Naturwissenschaften  6

Philosophische Werke  7

Auf dem Wege zum Hauptwerk  8

Das Hauptwerk „Principien der Philosophie“ 9

Würdigung des Werkes und seiner Person  19

Politische Philosophie der Freiheit 21

Descartes’ Bedeutung für die Gegenwart 25

Bibliographie  26


Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts bezeichnet man als Aufklärung. Die vorherige Epoche als Spätbarock oder Zeit der Scholastik.

Niemand anderes, als der uns inzwischen einigermaßen bekannte Immanuel Kant gibt 1783 eine klassische Definition der Zeit um das Leben René Descartes.

“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“[1]

Es ist der  beginnende Liberalismus, bzw. die beginnende Aufklärung, in die René Descartes hineingeboren wird.

Der Gedanke des „ Laissez faire, laissez passer“ (Lasst machen und geschehen) herrscht in dieser Zeit vor.

Das aufstrebende Bürgertum wird mehr und mehr durch diese Gedankengänge gefördert und entwickelt sich stetig, wirtschaftlich wie auch geistig.

In England entstehen zu jener Zeit Gesetzestexte, wie die Habeas-Corpus-Akte (1679) und 1689 die Declaration of Rigths,  die die Rechte des Einzelnen gegenüber dem Staat und den Mitbürgern regeln und mehr Freiheiten für das Volk sichern.

In den Vereinigten Staaten entsteht später die Virginia Bill of Rights, mit dem wichtigsten Ergebnis, der Formulierung von Natur-  und Menschenrechten. Sie besagt, dass    „ ...alle Menschen von Natur aus frei sind… und besitzen… angeborene Rechte, nämlich das Recht auf Leben und Freiheit, dazu die Möglichkeit Eigentum zu erwerben…sowie Glück und Sicherheit anzustreben und zu erreichen.“[2]

Die Staatsorganisation der Aufklärung ist durch folgende Gedanken geleitet, die sich in der Philosophie der nachstehenden Prinzipien bedient:

 

v     Herrschaft gilt als Vertrag zwischen Volk und Regierung,  die so genannte Vertragstheorie.

v     Die Staatsgewalt liegt in den Händen des Volkes, will heißen, es besteht Volkssouveränität.

v     Als Gewaltenteilung wird die Aufteilung der Macht auf verschiedene, sich gegenseitig kontrollierende Organe aufgeteilt.

v     Es besteht die Forderung nach der demokratischen Beteiligung aller an der Macht.

 

Die Durchsetzung geschieht auf verschiedenen Wegen, in England ist es eine konstitutionelle Monarchie, d.h. demokratische Rechte werden dem Volk bei einer existierenden Monarchie per Gesetz zugesichert.

In Frankreich versucht man später durch die Revolution von 1789 den aufgeklärten Absolutismus des Kontinents „Nichts durch das Volk, alles für das Volk“ durch die Macht des Volkes mit neu geschaffenen Rechten abzulösen.

In der Philosophie kann sind zu dieser Zeit zwei Stilrichtungen zu unterscheiden, einmal den Empirismus und dann den Rationalismus.
Letztgenannter heißt wörtlich Vernunftphilosophie.

Philosophen dieser Stilrichtung arbeiten in erster Linie mit dem Verstand hier auch Vernunft genannt, befragen aber auch die Erfahrung. Aber man nimmt an, und das ist der Unterschied zu den Empiristen, dass die Kraft des Verstandes bzw. der Vernunft mehr als eine Integration der Sinnestätigkeit ist. Vielmehr verstehen sich Verstand und Vernunft als eine eigene Kraft, deren Ergebnisse sich nach eigenen Gesetzen deuten und beurteilen lassen.
In diese Zeit des Wandels und des Aufbruchs wurde René Descartes hineingeboren, sie beeinflusste sein Denken und Handeln. Zugleich war er in vielen Beziehungen ein Vorreiter seiner Zeit.

Biographie René Descartes’

Ende des 16. Jahrhunderts, genauer am 31. März 1596, wird René Descartes, auch Renatus Cartesius genannt, als Sohn eines niederen, aber alten Adelsgeschlechts in La Haye, dem heutigen La Haye-Descartes, in der Touraine, Frankreich geboren.

Von 1604 bis 1612 besucht er das Jesuitenkolleg in La Flèche, Anjou, Frankreich.

Dort erfolgt eine Unterweisung in moderner Mathematik, in Scholastik, sowie in den Naturwissenschaften.

Jedoch vermisste er während seiner jesuitischen Ausbildung den systematischen Zusammenhang und den Gegenwartsbezug seines Schulwissens zur Realität.

Er begann ein Jurastudium an der Universität von Poitiers, wo er 1616 den Abschluss seines Studiums erreichte.

Aber nie übte er einen Beruf im Rechtsbereich aus, auch hier also keine Umsetzung in das Leben.

1618 erfolgte der Eintritt in den Dienst des Prinzen Maurice von Nassau, des damaligen Statthalters der Vereinigten Provinzen der Niederlande, um eine militärische Laufbahn einzuschlagen und um „im großen Buch der Welt“[3] zu lesen, wie er später rückblickend einmal schrieb.

Es folgten Dienste in unterschiedlichen Armeen und die Teilnahme am dreißigjährigen Krieg; ob er jedoch wirklich jemals richtig in Kämpfen verwickelt war ist fraglich. Denn in seiner Zeit und in seinem Stand ließ man eher kämpfen.

Eigentlich immer beschäftigte er sich mit Problemen der Mathematik und der Philosophie, egal wo er sich befand.

1619 hat er einen Traum von der Berufung zum Wissenschaftler, welchen er mit dem Kardinal Patrick de Bérulle besprach.

Von 1623 bis 1625 unternahm er mehrere Reisen nach Italien und Holland.
Immer wieder folgten auch Zeiten der Zurückgezogenheit und Abgewandtheit von dem gesellschaftlichen Leben seiner Gesellschaftsschicht.

Von 1625 bis 1629 war ein längerer Aufenthalt in Frankreich als Mitglied einer sich dort formierenden Forschergruppe.

Im Jahre 1627 gab er das Versprechen an Kardinal Bérulle sich  philosophischen Grundlagen der Wissenschaft zu widmen.
Danach begann er ein Philosophiestudium und Experimente im Bereich der Optik wurden von ihm durchgeführt.

1629 erfolgte der Umzug in die republikanischen Niederlande, in der Hoffnung auf mehr Gedankenfreiheit als im royalistischen Frankreich. Dort lebte er in Amsterdam, Deventer, Utrecht und Leiden. Er hoffte dort ganz nach seinen wissenschaftlichen Zielen leben zu können.
Seine mathematischen Studien führten ihn zur Entdeckung der analytischen Geometrie, sein naturwissenschaftlichen Ergebnisse wollte er in einem „Traité du monde“(Die Welt) zusammenfassen, wurde aber durch die Verurteilung Galileis davon abgehalten.

Als er an seinem Werk „Traité du monde“ arbeitete, hörte er also von der Verurteilung Galileis wegen dessen Äußerungen zu seiner naturwissenschaftlich begründeten Neuinterpretation des Weltbildes, der christlichen Überlieferung und der damit verbundenen Infragestellung des ptolemäischen Weltbildes.
Descartes veröffentlichte daraufhin nur relativ ungefährliche Teile seines Werkes in „Discours de la méthode“ (Abhandlungen/ Diskussionen über die Methode), mit den drei Anhängen „Plus la Dioptrique, les Méteores et la Géométrie[4].
Dieses Werk wurde seine bekannteste Veröffentlichung. Es kam 1637 anonym in Leiden, Holland heraus. Das Restwerk wurde erst posthum veröffentlicht.
Es folgten weitere philosophische Werke wie „Meditationes de prima philosophia“ (1631; Meditationen über die Erste Philosophie, überarbeitet 1641) und sein Hauptwerk „Principia Philosophiae“ (1644; Die Prinzipien der Philosophie).
Auch in den Niederlanden geriet Descartes in Konflikt mit kirchlichen Kreisen, vor allem aufgrund seines Gottesbegriffs.

Hauptsächlich wegen dieses Konflikts mit der Kirche folgte René Descartes 1649 einer Einladung von Königin Christine von Schweden nach Stockholm, um ihr auf Schloss Drottningholm Philosophieunterricht zu erteilen.

Hier erkrankte der große Philosoph an Lungenentzündung und verstarb am 11. Februar 1650 in Stockholm, Schweden.

Seine Schriften kamen 1663, also 13 Jahre nach seinem Tod, auf den „Index librorum prohibitorum“ der katholischen Kirche. Die Folgen einer solchen Maßnahme sind hinreichend bekannt.

Werke und Arbeiten in nichtphilosophischen Fachgebieten

Descartes war, wie andere große Denker und Wissenschaftler seiner und früherer Zeiten auch, Universalist.
Anders als heute, wo der Umfang des Gesamtwissens so groß ist, dass auch hervorragende

Köpfe nur noch über Teilbereiche verfügen, konnten Gelehrte damals noch quasi alle Wissenschaftsgebiete beherrschen.

Descartes’ herausragende Leistungen lagen also keineswegs nur auf dem Gebiet der Philosophie. Auch in der Medizin, der Mathematik und den Naturwissenschaften betrieb er Forschungen und gelangte zu bahnbrechenden Ergebnissen. Auf den ersten Blick erscheinen sie im Hinblick auf die Philosophie als gänzlich unterschiedliche Wissensgebiete, wir werden jedoch sehen, wie stark sie sich in Descartes’ Denken gegenseitig beeinflusst haben.

In der Medizin

Es erstaunt, dass Descartes’ Leistungen als Mediziner seinerzeit bekannter waren, als seine philosophischen Ideen. Er strebte danach, die Funktionsweise des Körpers naturwissenschaftlich zu erforschen und zu erklären. Das medizinische Wissen war damals sehr begrenzt und stand noch unter dem Einfluss des Hippokrates, wobei manche, für uns heute selbstverständlichen physiologischen Abläufe oder anatomische Erkenntnisse mythisch und spekulativ verdunkelt waren.

In diese Zeit fielen revolutionäre Entwicklungen, wie  z.B. die Entdeckung des großen Blutkreislaufs durch den englischen Arzt William Harvey, was einen Sturm in den medizinischen Fakultäten auslöste. Descartes unterstützte diese Auffassung, er trieb selbst anatomische Studien an Embryonen von Kälbern, die er sich von Metzgern bringen ließ, wenn eine trächtige Kuh geschlachtet worden war. Dabei entdeckte er die u.a. die Venenklappen, verständlicherweise eine ebenfalls faszinierende Entdeckung.

Diese und ähnliche Erkenntnisse, die im Gegensatz zu den nicht greifbaren seelischen Vorgängen evident und beweisbar waren, ließen ein mechanistisches Menschenbild entstehen, ließen den Menschen zunehmend erscheinen als erklärbare und in der Konsequenz auch beherrschbare Maschine. Die Vision, mit den Fortschritten auch Krankheiten und sogar den Tod zu verhindern, bleib gleichwohl unerreichbar. Eine von Descartes entwickelte Diät, die sein den leiblichen Genüssen keineswegs abholder Freund Abbé Décault ausprobierte, und die ein Lebensalter von 400 Jahren in Aussicht stellte, musste natürlich scheitern. Die Schwelle des Todes konnte trotz aller neuen Erkenntnisse nicht vermieden werden.

Eine weitere ungelöste Frage, die nicht nur Descartes, sondern auch viele Denker vor und nach ihm umtrieb, war der Zusammenhang zwischen dem Körper und dem Geist. Dieses so genannte Leib-Seele-Problem werden wir später noch näher beleuchten.

 

In Mathematik und Naturwissenschaften

Descartes verfügte auf diesem Gebiet über eine Hochbegabung, die ihm selbst unter den führenden Mathematikern seiner Zeit eine Ausnahmestellung zuwies.
Bereits während seiner Schulzeit hatte er die besten Mathematikprofessoren seines Kollegs überflügelt und seine Bewunderer bezeichneten ihn als „größten Mathematiker,

den Gott schuf“[5]. Sein stetes Streben nach einem methodischen Vorgehen führte ihn u.a. zur Begründung der analytischen Geometrie.

Auch die Entwicklungen in der Optik brachte er entscheidend voran. Seine Untersuchungen und Berechnungen führten ihn zur Entdeckung des Brechungsgesetzes, wonach der Einfallswinkel gleich dem Reflexionswinkel ist.

Er gab detaillierte Anweisungen zur Herstellung optischer Gläser und Linsen, was einerseits auf großes Interesse z.B. der kriegsführenden Parteien stieß (mit Ferngläsern konnte der Feind viel früher und besser erkannt werden), andererseits großen Argwohn hervorrief gegenüber diesen „Teufelsmaschinen“.[6]

Wie so oft, bestätigte sich damit auch hier, dass neue Erkenntnisse im Sinne eines Paradigmenwechsels immer mit starken Verwerfungen und Auseinandersetzungen einhergehen, die für innovative Wissenschaftler im Zeitalter Richelieus stets mit einer Gefahr für Leib und Leben einhergingen. 

Philosophische Werke

Durch seine Ausbildung am Jesuitenkolleg, in der er eine umfassende Ausbildung in Mathematik, Naturwissenschaften und Scholastik erhielt, sollte sich für ihn eigentlich eine Verbindungsmöglichkeit zwischen Erlerntem und der Realität ergeben, den René Descartes aber nie so empfand.

Nach seinem Rechtsstudium und diversen anderen Tätigkeiten, wie der Dienst im Hause Nassau gab er sich seinem Wunsch hin, der sich ihm in einem einschneidenden Traumerlebnis im Jahre 1619 darstellte.
Er widmete sich ganz der Wissenschaft und der Philosophie.

Vorbereitet durch Kritik und Skepsis der Spätscholastik sollte eine Loslösung vom Weltbild der Scholastik entstehen. Es sollte eine Theorie über allgemeine mechanische Zusammenhänge der Natur, über das Verhältnis von Natur und Geist als eine Art „Grundsteinlegung“ für eine neue Philosophie werden.

Er verfasste mehrere philosophische Werke auf die im folgenden Abschnitt in aller Kürze eingegangen wird, um den Weg zu seinem Hauptwerk „ Prinzipien der Philosophie“ zu beschreiben.

Auf dem Wege zum Hauptwerk

Auch die Zeit und ihre Philosophen vor René Descartes hatten verstanden kritisch zu denken. Aber sie hatten immer wieder Begriffe ausgespart, die nicht mehr angezweifelt wurden. Descartes  aber beginnt mit dem radikalen und absoluten Zweifel.

Hier ein Zitat: „Was sollten wir denn als sicher gelten lassen können“, fragt er, „die Überzeugungen des Alltags? Man sehe doch, wie die Mode wechselt, je nachdem man in Frankreich oder Deutschland oder in China geboren ist…. Was uns einmal getäuscht hat, kann uns wieder täuschen. Da ist es mit dem Vertrauen schon wieder vorbei… Ebenso

geht es sogar mit dem reinen Denken,…, denn auch das logische Denken kann sich irren.“[7]

Könne es nicht so sein, fragt sich René Descartes, dass ein Gott der alles vermag, es so eingerichtet hätte, dass dieses alles für uns so scheint, aber gar nicht wirklich ist?

Nicht Himmel, nicht Erde, gar nichts erscheint so wie es ist!

Darüber erhebt sich für ihn eine neue Gewissheit inmitten in seines Zweifels: „Über den Zweifel selbst kann ich nicht zweifeln. Mag alles Täuschung sein, das Denken ist doch da und damit auch ich, der ich denke.“[8]

Cogito ergo sum“ - Ich denke, also bin ich -, lautet also die berühmte neu gewonnene Einsicht. Er erweitert diesen Satz noch auf „Dubito, ergo sum- ich zweifle, also bin ich“ und „ ich werde getäuscht, also bin ich“.

Darauf will er aufbauen und seine Philosophie fortführen.
Sein Ziel ist es, die Philosophie zu einer Art Universalmathematik zu machen, zu einer Wissenschaft, in der alles im Wege strenger Deduktion aus einfachsten Grundbegriffen gewonnen wird.[9]

René Descartes will die natürliche Vernunft aus der unbezweifelbaren Gewissheit begründen. Als gläubiger Katholik der damaligen Zeit sieht er aber trotzdem keinen Widerspruch zur Offenbarung, sondern vielmehr eine „stärkende Bestätigung für den der Vernunft zugänglichen Teil derselben“[10]

In den zu seinen Lebzeiten unveröffentlichenRegulae ad Directionem Ingenii“(1631) und dem 1637 verfassten „Discours de la méthode“ entwickelte Descartes die Grundsätze und  Definition seiner Methode, die er später dann in die Prinzipien der Philosophie zu übertragen versucht.

Auf Drängen von Freunden entschließt er sich, ausgewählte Ergebnisse seiner Forschungen, nämlich als Anhang der Abhandlungen über die Methoden, nämlich „Plus la dioptrique, les météores et la géometrié“ zu veröffentlichen. Hierbei geht es um die Erkenntnisse in der analytischen Geometrie, der Ableitung der Brechungsgesetze und der Erklärung der Entstehung des Regenbogens.

Vorangestellt sind eben jene Abhandlungen über die Methode.

Ab 1631 bis 1641 verfasste er in Folge sechs Abhandlungen der „Meditationes de prima philosophia“. Hier untergräbt er nicht nur alle Grundlagen seines Denkens, er zweifelt auch an seinen Sinneswahrnehmungen und seinen Gedankenleistungen -„Ist 2+3 wirklich 5, oder irre ich mich immer, wenn ich dies denke?“- Durch diesen Zweifel stößt er schließlich auf das Unzweifelhafte, nämlich das Selbstbewusstsein. Dieses Selbstbewusstsein des Subjekts ist dann das Fundament seiner Philosophie.

In seinem Hauptwerk „Principia Philosophiae“ versucht er noch einmal seine Naturlehre umfassend zu begründen und darzulegen.

Danach wandte er sich der den Problemen der praktischen Philosophie zu.
Artikel und Schriften sind in den Briefen und Korrespondenz mit der Prinzessin Elisabeth von der Pfalz zu lesen.

Sein letztes Werk „Traité des passions de l’âme”(Leidenschaften der Seele) von 1649 sollte durch Untersuchung über die Union von Geist und Körper aus Sicht der Psychologie die Voraussetzungen hierzu klären.

 Das Hauptwerk „Principien der Philosophie“

 Cogito, ergo sum“ – „Ich denke, also bin ich.“

Dieser berühmte Satz des Philosophen beinhaltet bereits einen wesentlichen Teil seines Gedankengebäudes, das er in den „Principien der Philosophie“ darlegt. Indem er das Denken als so existentiell im Dasein der Menschen versteht, erweist er sich als ausgeprägter Rationalist. Laut Brockhaus ist der Rationalismus eine „erkenntnistheoretische Position, nach der die Welt dem Verstand und der Vernunft gemäß, d.h. von logischer und gesetzmäßig berechenbarer Beschaffenheit sei.“[11]

Wie gelangte er nun zu diesem legendären Satz: „Ich denke, also bin ich.“? Der gebürtige Franzose hatte den hohen Anspruch, nur das als wahr anzuerkennen, was unzweifelhaft klar und deutlich erkannt und bewiesen war. Die Begriffe klar und deutlich hat er in seinem Werk streng definiert. Da die Menschen seiner Ansicht nach von vielen Vorurteilen besetzt seien, die aus der Unkenntnis der Kindertage herrühren, müssten zunächst alle alten Überzeugungen angezweifelt und hinweggewischt werden, um ein völlig neues Gedankengebäude nach den Ansprüchen mathematischer Klarheit und Beweisbarkeit aufzubauen. Nichts Hergebrachtes durfte ungeprüft gelten, also musste er bei Null anfangen. Auch hier zeigt sich wieder sein Anspruch an jegliche Wissenschaft auf klare, grundlegende Systematik, anstelle eines Verzettelns in Details. 

Seine Herangehensweise an dieses geradezu revolutionäre Unterfangen beschreibt Descartes folgendermaßen: “Jetzt nun, wo wir mit der Erforschung der Wahrheit Ernst machen, werden wir vor allem zweifeln, ob es überhaupt sinnliche und bildliche Dinge gibt. Erstens, weil wir bisweilen die Sinne auf Täuschungen ertappen und es die Vorsicht gebietet, denen nicht zu viel zu vertrauen, die uns schon einmal getäuscht habe; dann, weil wir im Traum zahllose Dinge zu empfinden oder vorzustellen meinen, die nirgends sind, und uns bei solchen Zweifeln kein Merkmal gegeben ist, um den Traum vom Wachen sicher zu unterscheiden.“ Dieser Gedankengang, wonach die sinnlich wahrnehmbaren Dinge keineswegs die unantastbare Wirklichkeit sind, ist uns übrigens schon bei einem anderen, sehr berühmten Rationalisten begegnet, nämlich bei Platon, der hinter den sicht- und greifbaren Dingen höher stehende, ewige Ideen vermutete. Und es gibt ja wahrlich auch genug Anlässe, den Sinnen zu misstrauen, denken wir nur an das jedem bekannte Phänomen, dass Menschen so groß wie Ameisen erscheinen und Autos wie Spielzeug aussehen, wenn wir sie von weit oben betrachten. 

Descartes ging jedoch noch sehr viel weiter. Solange keine Beweise vorliegen, wollte er auch die Wahrheit mathematischer Grundsätze und zudem – ein zur damaligen Zeit ungeheuer ketzerischer Gedanke – auch die Existenz Gottes in Frage stellen. Wen wundert es, dass Descartes beim Negieren aller überlieferten „Wahrheiten“ das Gefühl hatte, den Boden unter den Füßen zu verlieren. „Ich bin“, schreibt er, „unversehens in einen tiefen Strudel geraten und bin nun so verwirrt, daß ich weder auf dem Grunde Fuß fassen noch an die Oberfläche emportauchen kann.“[12]

Einen ersten Fixpunkt, auf dem er aufbauen kann, sieht er schließlich in der einzig als gesichert erkennbaren Erkenntnis: „Ich denke, also bin ich.“, zu der er durch folgenden Gedankengang gelangt: „Verwerfen wir aber ... alles irgend Zweifelhafte und denkbarer Weise Falsche, so läßt sich zwar leicht annehmen, daß kein Gott sei, kein Himmel, keine Körper, daß wir selbst weder Hände noch Füße noch überhaupt einen Körper haben, aber es läßt sich darum nicht annehmen, daß wir, die wir Solches denken, Nichts sind. Denn es widerspricht sich, daß ein denkendes Wesen im Augenblick, wo es denkt, nicht existieren solle. Demnach ist diese Erkenntnis: „ich denke, also bin ich“ von allen die erste und sicherste, die jedem begegnet, der methodisch philosophiert.[13] In diesem einzigen Satz kann er wieder Fuß fassen, hier sieht er die gesicherte Basis, von der aus er sein philosophisches System aufbaut. Das Denken gilt für ihn als zweifelsfrei gesichert, im Gegensatz zum Körper, der sorgfältig vom Geist unterschieden werden müsse. Hier erweist sich wieder sein ausgeprägter Rationalismus.

Von der gesicherten Position der Existenz des Denkens geht er nun daran, die Existenz Gottes, die er gemäß seiner Logik zunächst anzweifeln muss, näher zu untersuchen.

Descartes erläutert, dass der menschliche Geist bei sich die Ideen vieler Dinge findet, z.B. die Idee der Zahlen, der Figuren oder die Idee mathematischer Sätze, wie z.B. der, dass die Winkelsumme eines Dreiecks immer 180 Grad sei. Jedoch könne man nicht sicher sein, dass diese Ideen der Wahrheit entsprächen. Ähnlich wie im Traum könne auch hier eine Täuschung vorliegen, denn es sei ja durchaus möglich, dass der Mensch von einem trügerischen Wesen so geschaffen sei, dass er in allem, was er für gesichert hält, betrogen wird. Um diesen fundamentalen Zweifel auszuräumen, müsse herausgefunden werden, wodurch der Mensch sein Dasein habe. Diese Frage nach dem Urheber der Existenz des Menschen und aller Dinge muss er also zunächst klären. Der menschliche Geist sieht, gemäß Descartes, unter den vielen Ideen, die er hat, eine herausragende Idee, „die Idee eines allwissenden, allmächtigen, vollkommensten Wesens ... er anerkennt in ihr die Existenz, nicht blos als möglich und zufällig, wie in den Ideen aller anderen Wesen ... Und er sieht ein, in der Idee des vollkommenstens Wesens liege die nothwendige und ewige Existenz. Er muß deshalb den Schluß machen: das vollkommenste Wesen existirt.“[14]

Woher aber kommt diese Idee Gottes? Die Gottesidee könnte doch ebenso Fiktion sein, wie alle anderen Täuschungen? Aus diesem Dilemma befreit sich der berühmte Philosoph folgendermaßem: „Es ist eine ganz bekannte, natürliche Wahrheit, daß nicht bloß aus Nichts Nichts wird, und das Vollkommene nie von dem Unvollkommenen ... hervorgebracht werden könne, sondern auch, daß in uns keine Idee ... von irgend Etwas sein könne, ohne daß irgendwo ... der Archetypus existiert, der alle jene Vollkommenheiten in sich enthält.“[15] Gemäß diesem einleuchtenden „aus Nichts wird Nichts“ und der Einsicht, dass etwas Vollkommenes nicht aus dem Unvollkommenen entstehen könne, muss also dieser Idee tatsächlich die Existenz Gottes zugrunde liegen. 

Dieser „Gottesbeweis“ ist nach dem „Ich denke, also bin ich“, die zweite gesicherte Erkenntnis, auf der Descartes aufbaut.

Nun stellt sich bereits die nächste Frage, nämlich die nach der Herkunft des Menschen. Der Philosoph erwägt kurz die Möglichkeit, dass der Mensch sich selbst erschaffen habe, verwirft diesen Gedanken jedoch sofort wieder, denn ein Wesen, dass etwas „Vollkommeneres als sich selbst erkennt,“[16] kann unmöglich durch sich selbst geschaffen worden sein. „Er würde sich sonst alle ... Vollkommenheiten gegeben haben.“[17] Da der Mensch aber unvollkommen sei, folgt daraus, dass er sein Dasein nur von einem vollkommenen Wesen, nämlich von Gott haben könne, der ja auch allein die Macht hat, uns zu erhalten, bzw. auch unsere Existenz zu beenden.

In der uns eingeborenen Idee Gottes erkennen wir, so Descartes, auch das Wesen Gottes. Wir erkennen, dass er allwissend, allmächtig, Quell aller Güte, Schöpfer aller Dinge, absolut wahrhaftig, mit einem Wort, das er eine unendliche Vollkommenheit enthalte. Damit ist auch der ursprüngliche Verdacht, dieser nagende Zweifel beseitigt, dass wir womöglich so geschaffen worden seien, dass wir überall Täuschungen erliegen. Denn solches hätte uns nur ein boshafter Schöpfer antun können, niemals aber ein wahrhaftiger Gott, wie wir ihn nun unzweifelhaft erkannt haben. Neben der gesicherten Erkenntnis des „Cogito, ergo sum.“, ist nun also nach Descartes’ Auffassung auch bewiesen, dass „Gott von Allem, was ist oder sein kann, allein die wahre Ursache ausmacht“,[18] dass also auch der endliche, begrenzte Mensch durch den unendlichen Gott erschaffen wurde.

Diese Kleinheit des Menschen gegenüber Gott veranlasst nun Descartes zu einem merkwürdigen Bruch seiner bisher so rational begründeten Theorien. Er kehrt unvermittelt zurück zu einem, fast möchte man sagen naiven Glauben. „Wenn Gott uns ... Etwas offenbart, das unsere natürlichen Geisteskräfte übersteigt, wie da sind die Mysterien der Menschwerdung oder der Dreieinigkeit, so werden wir uns nicht weigern, zu glauben, so wenig wir diese Dinge klar erkennen. Und überhaupt wird es uns nicht befremden, daß ... Vieles über unsere Fassungskraft hinausgeht.“[19] Hier verlässt ihn plötzlich die Courage und er kehrt zurück in den sicheren Hafen der bedingungslosen Gläubigkeit. Doch mit dem durch Glauben ergänzten Beweis der Existenz eines wahrhaftigen Gottes ist noch nicht geklärt, warum der Mensch ganz offensichtlich trotzdem immer wieder Täuschungen unterliegt, denn dieser Gott würde ja niemals vorsätzlich die Menschen in die Irre führen.[20] Wie kann es dazu kommen, dass der Mensch immer wieder, sogar bei der bewussten Suche nach Wahrheit, irrt, obwohl „doch Niemand irren will.“[21]  

Descartes erklärt dies folgendermaßen: Die Denkweisen, die der Mensch in sich findet, lassen sich auf zwei Arten zurückführen. Zum einen auf die Vorstellung oder Denktätigkeit, zum anderen auf die Strebung oder Willenstätigkeit, zu der auch das Bejahen und Verneinen gehört.[22]

Um ein Urteil zu fällen, ist sowohl das eine als auch das andere nötig, also sowohl der Verstand, als auch der Wille. Nun ist aber der Verstand begrenzt und beschränkt auf ein kleines, ihm offenes Gebiet, während der Wille unendlich ist und sich auch auf Gebiete erstreckt, die wir verstandesmäßig nicht durchdringen. Irrtümer entstehen dadurch, dass kraft des Willens, den wir „leicht über das Gebiet der klaren Einsicht hinaus ... ausdehnen“,[23] über Dinge geurteilt wird, die vom Verstand nicht klar und deutlich erkannt wurden. 

Der Mensch ist diesen Irrtümern jedoch nicht hilflos ausgeliefert, da er durch den Willen frei handeln kann. Diese großartige Freiheit des Willens, die dem Menschen verliehen, ja zu „den ersten und allgemeinsten uns angeborenen Begriffe“[24] zu rechnen ist, erlaubt es ihm, Dingen „nach Belieben beizustimmen oder nicht beizustimmen“.[25]

Kraft dieser Freiheit des Willens zu urteilen, ist der Mensch in der Lage sich vor Irrtümern zu schützen, in dem er nur das als wahr akzeptiert, was klar und deutlich erkannt wird. Ein Urteil ist also dann sicher und unbedenklich, wenn es diese beiden Voraussetzungen, klar und deutlich, denen Descartes große Bedeutung zumisst, erfüllt.

Er definiert genau, was er darunter versteht. Klar ist das, was dem Geist gegenwärtig und offen ist, als deutlich bezeichnet Descartes das, was klar und zudem „von allem Anderen so geschieden und abgeschnitten ist, daß sie nur Klares in sich enthält.“[26]

So unterlegt er seine Definition mit einem praktischen Beispiel in § 46 seiner „Principien“ um den Unterschied zwischen „klar“ und „deutlich“ mit der Realität zu verknüpfen:

Wenn ein Mensch Schmerz empfindet, so mag er zwar in ihm klar sein, aber jedoch nicht deutlich, da er oft nicht in der Lage ist zu unterscheiden, ob er genau an dieser einen Stelle den Schmerz empfindet oder an einer anderen, so mag der Mensch sich hier irren.
Er empfindet Schmerz, kann aber nicht explizit sagen, wo genau. Es ist also klar, aber letztendlich nicht deutlich. Daraus schließt Descartes, dass eine Vorstellung klar sein  kann, „ die nicht deutlich ist, aber keine Vorstellung deutlich, ohne zugleich klar zu sein.“[27]

Er versucht durch genaue Begriffserklärung Eindeutigkeit zu schaffen.
René Descartes sieht zwei Begriffsordnungen. Einmal die Dinge als „Beschaffenheit der Dinge“, oder Dinge „als ewige Wahrheiten, die keine Existenz außer unserem Denken haben“[28] ; also Substanzen sowie Dinge, die entweder dem Geist(„denkende Substanz“, „res cogitans“) oder dem Körper(„ausgedehnte Substanz“, „res extensa“) zu zuordnen sind.
Zum Geist gehören Vorstellung, Wille sowie alle Arten des Wollens und Vorstellens. Zur ausgedehnten Substanz, dem Körper gehören  Länge, Breite, Lage, Teilbarkeit und Bewegung.
Der Geist, das Denken, ist unräumlich und unkörperlich.

Für die Körperwelt gilt die Qualität und Eigenschaft des Ausgedehntseins in einem Raum.

Im Begriff der Ausdehnung liegt Bewegung, diese ist ohne Raum nicht möglich.

Denken, Wille und Empfindung lassen sich dagegen in einem denkenden Wesen begreifen, nicht zwingend in einem Raum.
Hier sieht er die Idee zweier geschaffener Substanzen, die keines Beweises bedürfen und in sich bewiesen sind. Nämlich Geist und Körper, Leib und Seele.

Zugleich ergänzt er wieder seine Gedanken in den miteinander verbundenen Beispielen von der Leidenschaften und Empfindungen oder auch dem Hunger, die sowohl Körper als auch Geist zugerechnet werden müssen. Der Mensch an sich hat Anteil an beiden „Welten“, dieser Dualismus von materieller und geistiger Welt entspricht der damaligen Einsichten und Verständnisses. Auf diese Weise gelangt Descartes zu der Auffassung, dass der Körper der den mechanischen Naturgesetzen unterliegt und der Geist  mit seinem freien Willen in der Vernunft ihren Weg zur Entscheidung über Wahrheit und Irrtum finden.

Er kommt zu dem Schluss, dass wir anerkennen müssen, dass es bestimmte Wahrheiten gibt, denen wir uns „ergeben“ müssen.
So sagt er, „was geschehen ist, kann nicht ungeschehen gemacht werden“ oder „unmöglich kann dasselbe zugleich sein und nicht sein.“[29]

Wir Menschen sollen sie als Axiome(„Ewige Wahrheiten/Gemeinbegriffe“) annehmen, damit wir nicht Gefahr laufen durch Vorurteile „geblendet“ zu werden.
Hier schlägt er eine Brücke zwischen mathematischen Denken und der Philosophie. Ein Mensch muss diese Gemeinbegriffe notwendigerweise wissen und kennen.
Werden die Gemeinbegriffe nicht von allen gleichermaßen anerkannt, liegt es am unterschiedlichen Grundverständnis der Menschen, die in ihren verschiedenen Meinungen enthalten sind.
Als nächstes führt Descartes den Begriff der Substanz ein.
Unter Substanz ist ein Wesen zu verstehen, welches existiert ohne dass es einer Existenz eines anderen Wesens bedarf. Dies allein ist und kann nur Gott sein.

Alle anderen Substanzen  können nur unter der Mitwirkung Gottes entstehen und existieren, da sie an sich unvollkommen und mit Irrtümern behaftet sind.

Substanz macht sich für uns jedoch nicht unbedingt wahrnehmbar, zumindest eine denkende Substanz nicht. Nur eine ausgedehnte Substanz mit Attributen und Eigenschaften wie Länge, Breite usw. ist für den Menschen erfassbar. Für jede Substanz gibt es „ eine hauptsächliche Eigenschaft, die deren Natur und Wesen ausmacht“[30]
Für die denkende Substanz, ist deren Wesen das Denken; für die  körperliche Substanz, ist die Haupteigenschaft mit den Attributen und Eigenschaften der Ausdehnung in Höhe, Breite und Länge belegt. So sind alle Vorgänge in unserem Geist nur verschiedene Denkweisen und alles was den Körper betrifft sind nur verschiedene Ausdehnungen.
Es ergibt sich daraus: Alles was von Gott gegeben ist, ist vollkommen.

 

Descartes beschreibt Veränderliches, wie auch beispielsweise die Zeit, als Modi oder Beschaffenheit.
In Gott, der unveränderbar ist, gibt es nach seiner Auslegung nur Attribute. So muss in logischer Folge bei geschaffenen Dingen alles was gleich bleibt auch als Attribut bezeichnet werden.
Zwei Dinge, seien sie auch verschiedener Art werden immer als „Zwei“ bezeichnet, egal ob es zwei Bäume oder zwei Vögel sind, so wie auch ein Dreieck immer als Dreieck bezeichnet wird, egal ob es rechtwinklig ist oder nicht.
Nichts desto trotz gibt es Unterscheidungen in Ähnlichem:
Zuerst einmal der Genus(Fall): Dreieck/Quadrat;
Dann Spezies(Art): rechtwinklig oder gleichseitig;
Als Nächstes Differentia (Eigentümlichkeiten): Quadrat der Hypotenuse ist gleich der Summe der Kathetenquadrate, dies hat nur ein rechtwinkliges Dreieck zu bieten- ein gleichseitiges Dreieck hat andere Eigentümlichkeiten.
Als letzte Eigenschaft dann die Accidens universale(zufällige Beschaffenheit): Ruht oder bewegt sich das Dreieck?

Es gibt nach Descartes drei verschiedene Möglichkeiten Dinge zu unterscheiden:

  1. Real:
    Dadurch dass wir Gottes Dasein anerkennen, gehen wir Menschen davon aus, dass er alles erschaffen kann, was wir erkennen können. Da sich jeder als denkendes Wesen begreift  folgt sicher, dass wir von jeder anderen denkenden und körperlichen Substanz tatsächlich verschieden sind. Auch wenn uns sich Gott eng nach seinem Vorbild geschaffen hat, so unterscheiden wir uns von ihm dadurch, dass wir die Geschaffenen sind. Er war schon immer auch als ein geistiges Wesen. Wir, die körperlichen Substanzen innehabenden haben auch geistige Anteile, sind aber trotzdem zu ihm total verschieden.
  2. Modal, als eine zweifache Unterscheidung:
    a)Unterschied zwischen Modus(Eigenschaft) und Substanz: Der Unterschied ergibt sich aus der Tatsache, dass der eine Modus unabhängig vom anderen erkennbar ist, aber beide Modi ohne Substanz nicht existieren können.
    b)Unterschied zwischen zwei Modi einer Substanz: Aussehen und Bewegung sind beispielsweise zwei Modi einer körperlichen Substanz, während Erinnerung und Zustimmung zwei geistige Modi sind.

Wenn man allerdings die Modi zweier grundverschiedener Substanzen miteinander vergleicht, so ist der Unterschied eher als real zu bezeichnen.

  1. Rational:
    Unter rationaler Unterscheidung versteht man letztendlich das Vorhandensein eines Attributes einer Substanz, dessen es bedarf, um dieselbe Substanz begreifen zu können.“ Wenn eine Substanz aufhörte zu dauern, so hörte sie auch auf zu sein.“[31] Daraus lässt sich schließen, dass  sie nur durch unser menschliches Denken in ihrer Dauer unterschiedlich war.

Denken und Ausdehnen können wie geistige und körperliche Substanz, also wie Geist und Körper als deren „Wesenseigenthümlichkeiten[32] selbst gesehen werden und müssen auch so begriffen werden. Die Begriffe sind weniger zusammen zu fassen als genauer zu differenzieren um sie allen Menschen verständlich zu machen.

Für Körper und Geist kann man auch Denken und Ausdehnung als Modi der Substanz gelten lassen, denn ein Geist kann mehrere Gedanken gleichzeitig denken, sowie ein Körper verschiedene Ausdehnungen( Streckung/Stauchung in Breite/Länge/Höhe)bei gleicher Masse haben kann.
Auf gleiche Weise können dann auch die Modi des Denkens gesehen werden: Einsicht, Einbildung, Erinnerung  sind nur als Modi der Dinge zu sehen, denen sie innewohnen. Das heißt, Farbe ist nur als Farbe zu sehen und nicht als der Gegenstand, der diese Farbe als Oberflächenzustand hat.
So gilt aber für die schon in § 46 erwähnte Schmerzempfindung: Schmerz empfindet der Mensch mit dem Geist und aber auch gleichzeitig an einer Körperstelle, genau so wie er Licht getrennt von der Sonne am Firmament sieht.
Hier irrt aber der Mensch laut Descartes und ist seiner Meinung nach in seinem kindlichen Vorurteil gefangen.“ Denn wir Alle haben von Kindheit an gemeint, Alles, was wir empfunden, seien gewiss außer unserem Geist existierende und unsren Empfindungen, …. ,ganz ähnliche Dinge.“[33]
Der Mensch soll Empfindungen des Schmerzes klar von den Empfindungen (Vorstellungen) der Farbe/Örtlichkeit  trennen. Denn wenn er genauer nachdenkt wird er feststellen, dass er weder Farbe noch Schmerz gegenständlich „ ertasten“ kann. Descartes beschreibt es treffend mit: “untersucht er aber, was für ein Ding jene Empfindung der Farbe oder des Schmerzes, die gleichsam  in dem farbigen Körper oder in dem schmerzhaften Theile existirt, eigentlich vorstelle, so wird er gleich merken, daß er es nicht weiß.“[34]
Räumliche Ausdehnung, wie Größe, Figur kann der Mensch eindeutig erkennen, während er über Farbe, Schmerz, Geruch und Geschmack getäuscht werden kann.
Nimmt jemand Farbe wahr, so nimmt er eigentlich nur wahr, was in ihm selbst als Farbempfinden niedergelegt ist, nicht die Farbe selbst(Rot ist nicht gleich rot). Hier zielt René Descartes darauf ab, dass derjenige der seine Empfindungen anzweifelt, weil er sich nicht der Wahrhaftigkeit seiner Empfindungen nicht sicher ist, sich vor einem Irrtum bewahren kann.
Descartes sieht den „ersten und hauptsächlichen Grund unserer Irrthümer[35] in unserer frühkindlichen Entwicklung, in dem er Objekten neben Größe, Figur und Bewegung auch Geschmack, Geruch, also seine eigenen Empfindungen zuordnete. Das heißt, einem Objekt wird umso mehr Realität zugestanden, je stärker es auf den Körper des Menschen einwirkt - Steine scheinen mehr Körperlichkeit zu besitzen als Luft. Diese frühkindlichen „Vorurteile“ manifestieren sich im Heranwachsen und werden oft erst im reiferen Alter wieder als Irrtümer erkannt und differenziert betrachtet.
Objekte der Einbildung entstehen durch die Vermischung von Körperlichen und  Geistigem. Es gibt also Objekte, die mit keinem unserer Sinne zu erfassen sind, aber trotzdem existieren können.
Alle Begriffe der Menschen sollten- laut Descartes- in Worten ausgedrückt werden, da Worte die mehrheitlich zurückbleibenden Anteile der Erinnerung belegen. Gelerntes Wort und Sache verschmelzen nahezu miteinander. So kann sich der Mensch auch unverstandenen Worten „hingeben“ da er der Meinung ist, sie von anderen empfangen zu haben, die diese Worte richtig verstanden hatten.
Descartes fasst in seinen letzten beiden Paragraphen seine Philosophie noch einmal  zusammen.
Er legt fest, dass zuerst alle Vorurteile und überlieferte Meinungen angezweifelt werden müssen. Dann dürfen in der Folge nur die Begriffe als wahr anerkannt werden, die wir in uns „klar und deutlich“ erkennen.

Gott ist das Zentrum seiner Argumentation, von dem ausgehend wir unsere Existenz beweisen können. Die Kenntnis „Ewiger Wahrheiten“( Aus Nichts wird Nichts), der Kenntnis einer „res extensa“ und der Empfindungen, wie Schmerz, Geschmack und auch der Farbe ist in uns ohne das wir wissen aus welcher Ursache sie entsprungen sind.
“ Dazu müssen wir unserem Gedächtnis als oberste Regel einprägen: daß die göttlichen Offenbarungen zu glauben sind als unter allen Wahrheiten die sichersten“[36]
Über Dinge worüber die Religion „Nichts“ gelehrt hat darf ein Philosoph auch nicht etwas als wahr annehmen, dass er nicht selbst als wahr angesehen hat ansonsten unterliegt er dem kindlichen Fehlurteile.

Diese letzte Äußerung stellt der neuen Leidenschaft des Denkens wieder das alte Denken zur Hand. Gottesgewißheit gehört also genau so zum Menschen, wie auch die Selbstgewißheit. In einer derartigen Äußerung hat man das Gefühl, dass sich  Descartes in sich selbst als ratlos ansieht. Letztendlich sagte er von sich selbst, er sei „ ein Mensch, der allein und in den Finsternissen geht.“

Würdigung des Werkes und seiner Person

Descartes gilt als einer der bedeutendsten Begründer der neuzeitlichen Philosophie. Was war nun die Essenz dieses Wendepunktes zwischen dem mittelalterlich-scholastischen Denken und der Neuzeit?

Grundsätzlich unterschiedlich ist zum einen „die Autonomie des Ich“[37], die Gewissheit der eigenen Existenz, das Selbstbewusstsein des Menschen das im Gegensatz zur Sichtweise steht, die Gott als Mittelpunkt sieht. 

Voraussetzung für ein verändertes, neuzeitliches Denken waren die großartigen, mathematisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Zeit, wie z.B. das zunächst massiv bekämpfte heliozentrische Weltbild, sowie seine eigenen, höchst bedeutsamen Erkenntnisse, wie die Formulierung des Brechungsgesetzes und die Begründung der analytischen Geometrie. Dies waren qualitativ gänzlich andere, naturwissenschaftlich beweisbare Erkenntnisse im Kontrast zu den oftmals eher mythischen Spekulationen, die in den vorangegangenen Jahrhunderten die Lehrmeinung beherrschten. Descartes’ großes Anliegen war es, dieses gesicherte Wissen nicht nur aneinanderzureihen, sondern jegliche Wissenschaft methodisch und systematisch aufzubauen, was u.a. in seiner Entwicklung der analytischen Geometrie zum Ausdruck kommt.

Sein Ziel war es, Naturvorgänge nicht nur erklärbar, sondern auch beherrschbar zu machen, um Verbesserungen für das menschliche Lebens zu erzielen.[38] Die Evidenz naturwissenschaftlicher Phänomene, wie z.B. die Funktion des Blutkreislaufs, musste zwangsläufig zu dem bis heute nachwirkenden mechanistischen Welt- und Menschenbild führen, zu einer Reduktion des Menschen auf eben diese naturwissenschaftlich beweisbaren Erscheinungen. Der unbestreitbare Zusammenhang zwischen körperlichen und seelischen Phänomenen, für die es unzählige Beispiele gibt, man denke nur an die Beschleunigung des Herzschlags bei Schreck, Angst oder auch großer Freude, stellte ihn jedoch vor ein Dilemma, dem er mit rein naturwissenschaftlichen Methoden kaum beikam. Seine Trennung zwischen res cogitans und res extensa führte zu einem letztlich nicht lösbaren Problem. Die Identifizierung der Zirbeldrüse als Leib-Seele-Verbindung erscheint kurios, jedoch müssen wir uns bewusst machen, dass auch die heutige Wissenschaft keine gesicherte Erklärung anbieten kann für das Wechselspiel und den Zusammenhang zwischen Leib und Seele.

Descartes hatte den hohen Anspruch, seine mathematisch-naturwissenschaftliche Methodik auf die Philosophie zu übertragen, auf die Untersuchung des Ursprungs des menschlichen Daseins, auf den „Gottesbeweis“ und die Möglichkeiten der menschlichen Erkenntnis. Verständlicherweise stieß er auch hier auf Grenzen. Sein „dünner  Gottesbeweis“[39] wird von Kritikern als unhaltbarer Zirkelschluss bezeichnet, weil er seinen Beweis auf einer Prämisse aufbaut, die eigentlich erst daraus folgt.

Und so manches Mal kehrt der Rationalist ganz unwissenschaftlich zurück in den Schoß des reinen Glaubens. Wer mag ihm das angesichts seiner Erziehung, deren Einengung er ja vielfach kühn überwunden hat, verübeln? Wir müssen uns hier vergegenwärtigen, dass er ein Kind seiner Zeit war, geprägt von einem erzkonservativen Katholizismus, dem er zwar kritisch gegenüberstand, den er aber letztlich vielleicht doch nicht ganz abstreifen konnte. 

Im Übrigen sei auch an dieser Stelle auf die heutige Wissenschaft verwiesen, die über 350 Jahren nach seinem Tod nach wie vor noch keinen Gottesbeweis vorlegen kann. Auch unsere christliche Religion nährt sich vom Glauben.

Ein Wort gebührt noch der Persönlichkeit des Menschen René Descartes.

Bei all seiner vermeintlich kühlen Rationalität war er ein toleranter Freidenker und Humanist. Für die alten Scholastiker, die seine bahnbrechenden Entdeckungen bekämpften und sabotierten, hatte er nur Verachtung übrig, ebenso wie für viele Pseudowissenschaftler, die sich für klüger hielten als sie waren. Die damalige Praxis der Bildungseliten, sich auf Latein zu unterhalten und zu schreiben, lehnte er ab. Er war frei von jeglicher Arroganz gegenüber weniger gebildeten Mitbürgern und schrieb bewusst in französischer Sprache, um auch bildungsferneren Schichten den Zugang zu seinen Werken zu ermöglichen. Aufgrund dieser demokratisch geprägten Haltung, die wenig hielt von überkommenen Obrigkeiten, galt er als Wegbereiter der Aufklärung.

 

Politische Philosophie der Freiheit

 

"Die Freiheit unseres Wissens Willens kennt man durch die bloße Erfahrung, die wir von ihr haben"

Der Mensch kann nur für solche Handlungen verantwortlich sein, die er als Möglichkeit vor der Tat erwägen konnte oder hätte erwägen können. Auch Aristoteles lobt nur solche Handlungen, die nach Überlegung und Wahl erfolgen: Aus der Verantwortlichkeit für Handlungen folgt Verantwortlichkeit für Irrtümer.

Descartes beschäftigt sich mit der Frage der Freiheit, nicht wie Plato, dass, sondern wie oder durch welche Bedingungen wir selbst für unsere Handlungen verantwortlich sind? Nach Descartes ist das Instrument oder Vermögen, mit dem wir wahr oder falsch urteilen zuverlässig. Moralische und politische Fragen und Konflikte können sich durch Wissenschaft und Technik ausräumen und die Probleme des Verhaltens der Individuen zueinander und zu sich durch Regeln der Erkenntnis der Natur zu lösen sind.

 

„Mit dem bloßen Verstand (intelectus) betrachte ich (percipio) die Vorstellungen (ideae) nur, über die ich urteilen kann", und zwar mit dem Willen urteilen kann; Descartes nennt deshalb Urteile (iudicia) auch Akte des Willens (actus voluntatis).

 

Der Verstand betrachtet nur Präpositionen, er kann aber nicht über sie urteilen.

Grosse Freiheit liegt darin, durch Erkenntnisregeln an vorschnellen Urteilen zu hindern.

 

Zwei Ursachen der Irrtümer sind nach ihm: Erkenntnisvermögen in mir, und dem Wahlvermögen oder Freiheit des Schiedsspruchs (arbitrium). D.h. die Quellen der Irrtümer werde von ihm gleichzeitig in Verstanden und Willen gesucht. Im Unterschied zum Verstand sind den Willen unbegrenzt, vollkommen und sogar, als einziges der menschlichen Vermögen, unmöglich größer und vollkommener denkbar. Willensfreiheit ist das Vermögen zugleich A und Non-A  wählen können. Die Willenfreiheit ist bei Mensch und Gott gleich.

Da der Wille ein Verstehen dessen, worüber man entscheidet, vorausetzt, ist eine Tätigkeit immer eine Stellungnahme zu dem, was man versteht, zum Gedanken oder Propositionen, die nur positiv oder negativ, Bejahung oder Verneinung sein kann.

Die von der Verantwortlichkeit vorausgesetzte Freiheit ist indeterministisch als Freiheit des Willens und nicht deterministisch als Handlungsfreiheit. Kant Verstand unter "absoluter Spontanität“ nicht die Handlungs- sondern Willensfreiheit. Im Unterschied zur Willensfreiheit gibt es von der Handlungsfreiheit ein Mehr oder Weniger, je nachdem, wie viel der Handelnde von seinem Willen oder seinen Ansichten bilden und verwirklichen kann. Da Descartes von einem niedersten Freiheitsgrad spricht, nimmt er auch ein Mehr oder Weniger von Freiheit an und scheint so, gut deterministisch, nur eine Handlungs- nicht auch eine Willensfreiheit für die Verantwortlichkeit anzunehmen.

Differenz charakterisiere nach Descartes niederste Freiheit: statt einer Vollkommenheit der Freiheit einen Defekt der Erkenntnis. Indifferenz ist ein Vermögen, kraft dessen ich zugleich A oder Non-A wählen kann. Ich habe nach Descartes umso mehr Handlungsfreiheit, je klarer meine Ideen sind. Größere Freiheit besteht in der größeren Leichtigkeit sich zu bestimmen. Die Macht, gegen evidente Gründe zu handeln, ist ein Vermögen, sich willkürlich nicht nur gegen die eigenen Neigungen, sondern auch gegen die eigene Vernunft und Moral Ziele zu setzen. Für Descartes ist dies Vermögen etwas Positives und nicht, wie für Aristoteles, eine Schwäche, Unfähigkeit oder Folge davon.

 

In Descartes' Bereitschaft, die Freiheit auch auf die Wahl des als schlecht oder böse Erkannten zu erstrecken, finden wir die Renaisance-Auffassung von der Freiheit des Menschen in der Wahl der Archetypen oder Formen wieder, nach denen er sich ebenso zu tierischer wie zu göttlicher Lebensweise modellieren kann.

Zwischen Descartes' zwei Maßstäben der Größe der Freiheit kann man eine Asymmetrie feststellen: einerseits die Leichtigkeit, sich - in seinem Absichten und Vorstellungen, wie man ergänzen kann - zu bestimmen; andererseits der Gebrauch eines Vermögens, dessen, auch gegen die eigene Moral zu handeln. Nachdem Ersten ist man so freier, je besser man etwas kann; nach dem Zweiten genügt nicht das Können, man muss handeln und dazu unmoralisch oder unvernünftig.

Aristoteles sagte: die größte Freiheit sei die größte Unfreiheit. Descartes sagt: die größte Unfreiheit sei die größte Unmoralität oder Schlechtigkeit.

 

Gemäß dem Charakter der Willensfreiheit, als vollkommen  kein Mehr oder Weniger zuzulassen, müssen die Subjekte der Willensfreiheit vollkommen gleich oder unterschiedslos sein, Die Subjekte der verschiedenen Arten der Handlungsfreiheit dagegen, die immer ein Mehr oder Weniger zulässt, können entsprechend verschieden sein.

Platon versetzte das Subjekt der Willensfreiheit auf mystische Weise vor der Geburt, wo es seinen Charakter oder Domain wählt. Für Descartes wie für alle neuzeitlichen Theoretiker nach der Renaissance sind Erklärungen dieser mystischen Art nicht akzeptabel. Descates' Lösung wie das Subjekt der Willensfreiheit den Charakter des Subjektes der Handlungsfreiheit wählt, hat zwei Aspekte:  erste Stufe ist Meditation: das Subjekt der Willensfreiheit tritt als Seele auf; sich selbst durchsichtig oder aller seiner Bewegungen und Impulse bewusst; negativ, da er sich zu seinen Bewegungen Alternativen vorstellt; und souverän und imperativ, da es selbst oder frei über die Alternativen entscheidet.  Bewusstsein, produktiver Negativität und imperativer Souveränität kehrt in Hegels Dialektik  wieder.


 

Descartes’ Bedeutung für die Gegenwart

René Descartes legt Wagemut an den Tag als er mit den Werken aus Physik, Mathematik und auch der Medizin sich an Neues und Unbekanntes heranwagt. Gleichwohl schreckt er davor zurück ganz mit dem Alten zu brechen, indem er nur Teilbereiche seiner Werke veröffentlichen lässt.

Kann es aber nicht sein, dass ein Wanderer zwischen den Zeiten der Veränderung wie es René Descartes war, auf der Spur des Neuen auch dem Alten verbunden bleiben muss?

Auf jeden Fall wird er in vielen Berichten seiner Nachzeit als einer der Großen der Philosophie, sogar als einer der Größten der Geschichte menschlichen Geistes bezeichnet.

Dies betrifft in Allgemeinen nicht nur seine philosophischen Werke, sondern auch seine naturwissenschaftlichen Werke und Arbeiten.

Wo wären heute unsere Schüler und Mathematiker ohne das kartesische Koordinatensystem? Er war kein Mathematiker, doch befasste er sich so intensiv mit der Mathematik, dass er die Grundlagen der modernen Algebra und der analytischen Geometrie entdeckte.

Auch war er kein Mediziner, aber setzte den in England erarbeiteten Blutkreislauf in der Medizin durch und machte wichtige, zukunftsweisende Entdeckungen in der Anatomie wie das Vorhandensein von Venenklappen.

Ohne Psychologe zu sein, legte er in seinen Abhandlungen Grundgedanken zu Psychoanalyse und Psychosomatik nieder.

Noch wichtiger aber ist, dass er die exakte Methodik der Mathematik auf die Philosophie übertrug, damit sich diese der Gewissheit  der geometrischen Wissenschaften anpassen konnte und so der Unsicherheit und dem Widerstreit der Meinungen entgehen könnte.

Nach allem Erwähnten kann man nur einen Schluss aus dem Leben und Schaffen René Descartes’  ziehen:

Er war für unsere Zeit unschätzbar wichtig, er schuf Grundlagen in vielen Bereichen ohne die eine Entwicklung, zu dem was wir heute haben und sind, in aller Wahrscheinlichkeit  nicht möglich gewesen wäre. Er war ein Grenzgänger seiner Zeit mit unsagbarer Wichtigkeit für das Jetzt und Heute, in der Philosophie und ebenso in Naturwissenschaft und Medizin.

 

Bibliographie

 

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Steinvorth, Ulrich: Freiheitstheorien in der Philosophie der Neuzeit, Wissenschaftliche Buchhandlung Darnstadt 1978:

 

 

 



[1]  Kunzmann P. et al., dtv-Atlas Philosophie, Seite 103

[2]  Ebenda

[3] Röd W., Der Weg der Philosophie, Seite 17

[4] Lauth, R., Lexikon für Theologie…, Seite 248

[5] Davidenko, D.: Descartes’ ausschweifendes Leben, Seite 38

[6] Davidenko, D.: Descartes’ ausschweifendes Leben, Seite 151

[7] Hirschberger J., Kleine Philosophiegeschichte, Seite 107

[8] A.a.O., Seite 108

[9] Störig, H.-J., Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Seite 319

[10] Lauth, R., Lexikon für Theologie und Kirche, Seite 245

[11] Brockhaus, Seite 723

[12] Weischedel, W., Die philosophische Hintertreppe, Seite 119

[13] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 75

[14] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 77

[15] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 78

[16] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 79

[17] ebd.

[18] ebd.

[19] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 80

[20] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 81

[21] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 84

[22] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 82

[23] ebd.

[24] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 83

[25] ebd.

[26] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 84

[27] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 85

[28] Ebd.

[29] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 86

[30] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 87

[31] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 90

[32] Ebd.

[33] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 91

[34] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 92

[35] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 93

[36] Descartes, R., Principien, in: Gadamer, Seite 95

[37] Weischedel, W., Die philosophische Hintertreppe, Seite 121

[38] Röd, W., Der Weg der Philosophie, Seite 20

[39] Jung, M., Descartes, Vortrag auf Kassette