David Hume (1711-1779)
Skeptiker und Aufklärer
1. Humes Leben – Eine kurze Biographie:.............................................................................. 2
2. Analyse seines
Philosophischen Schaffens:...................................................................... 7
2.1. Beweggründe:............................................................................................................. 7
2.2. Übersicht
seiner Philosophischen Entwicklung:................................................................ 8
2.3. Seine
Einstellung zum Glauben über Leben und Tod:....................................................... 9
3. Humes Hauptwerke mit
dessen beinhaltenden Hauptthesen......................................... 10
vorgestellt und
zusammengefasst:.......................................................................................... 10
3.1. Dialoge über
natürliche Religion: «Dialogues Concerning Natural..................................... 10
Religion»
(EA London 1779 - postum):....................................................................................... 10
3.2. Eine
Untersuchung über den menschlichen Verstand:.................................................... 16
«An Enquiry Concerning Human
Understanding»(EA London 1748):............................................... 16
3.3. Eine
Untersuchung über die Prinzipien der Moral: «An Enquiry........................................ 20
Concerning the Principles of Morals»
(EA London 1751):.............................................................. 20
3.4. Die Naturgeschichte der Religion:«The
Natural History of Religion»................................. 25
(EA London 1759):................................................................................................................... 25
3.5. Essays über
Moral und Politik: «Essays Moral and Political» (EA 1742):............................ 30
3.6. Politische
Diskurse: «Political Discourses» (EA Edinburgh 1752):..................................... 31
Freiheitstheorie........................................................................................................................ 32
3.7. Ein Traktant
über die menschliche Natur –.................................................................... 35
«A Treatise of Human Nature» (EA London 1739/40):.................................................................. 35
4. Auswirkungen und
Bedeutung von Humes Thesen auf seine Umwelt Damals und Heute: 53
4.1. Wirkung auf die
damalige Gesellschaft:........................................................................ 53
4.2. Wirkung auf
philosophische Zeitgenossen:.................................................................... 54
4.3. Wirkung auf
spätere Philosophen und Andere:.............................................................. 54
4.4. Wandel der
Bedeutung seiner Schriften und Thesen:..................................................... 55
5. Resumè:........................................................................................................................... 55
David Hume – Skeptiker und
Aufklärer
Zitat eines
Zeitgenossen Humes (der ein Verehrer seiner Philosophie war):

„Sein Aussehen spottete jeder Physiognomik[1],
und der Tüchtigste in dieser Wissenschaft würde nicht die mindeste Spur seiner
Geisteskräfte in den nichtssagenden Gesichtszügen haben entdecken können. Sein
Gesicht war breit und fett, sein Mund groß und von einfältigem Ausdruck. Die
Augen waren leer und geistlos, und beim Anblick seiner Korpulenz hätte man eher
glauben können, einen Schildkröten essenden Ratsherrn als einen kultivierten Philosophen
vor sich zu sehen. Die Weisheit hat sich sicherlich noch nie in eine so
sonderbare Gestalt verkleidet.“[2]
1711 Am 7. Mai in Edinburgh geboren
(Vater: Anwalt Joseph Home [of
Ninewells],
Mutter: Katherine Falconer)
1711 - 1723 Hume lebt mit seiner Familie in Ninewells u. Edinburgh; 1713
Tod des Vaters
1723 - 1729 Studium in Edinburgh, u.a. Jura
und antike Philosophie und Literatur,
insbesondere
die Schriften Ciceros
1729 Frühjahr: Abbruch des Studiums,
Rückkehr nach Ninewells.
Enthusiastische
Beschäftigung mit stoischen und der Stoa nachstehenden
Autoren.
Ab September schwere Depressionen.
1730 Herbst: Edinburgh, wo Hume sich erholt;
1731 Rückkehr
nach Ninewells: Beginn einer 2. langen Depressionsphase und im Frühsommer
Beginn des empirischen Philosophierens.
1734 Februar: Hume verlässt Schottland. In London
schreibt er den Letter to a Physician.
Hume gesundet. März: Reise nach Bristol, wo er als Schreibgehilfe
bei
einem Kaufmann arbeitet. Sommer: Reise nach Frankreich. Aufenthalt in
Paris und Reims.
1735 - 1737 Im Sommer: Übersiedlung nach Frankreich. Aufenthalt in La Flèche (Anjou):
Entstehung
des Treatise of Human Nature.
1739 Jan.: Die ersten beiden Bände
des Treatise of Human Nature erscheinen
(anonym)
in London. Febr.: Reise nach Ninewells. Nov./Dez.:
Vernichtende
Rezension des Traktats in «The History of the Works of the Learned».
1740 März: Veröffentlichung von: An Abstract of a Treatise of Human Nature
(anonym); Oktober: Der dritte
Band des Treatise erscheint in
London.
Rückkehr
nach Schottland.
1741 - 1742 Veröffentlichung des ersten
und zweiten Teils der Essays.
1742 - 1745 Hume lebt vor allem in
Edinburgh und beginnt Freundschaften mit vielen
Vertretern
der schottischen Aufklärung.
1744 Sommer: (Erfolglose) Bewerbung
um den Lehrstuhl für «Ethics an
Pneumatical
Philosophy» an der Universität Edinburgh.
1745 Mitte Febr.: Reise nach St.
Albans nahe London. Tutor und Pfleger des
Marquis
von Annandale. Tod der Mutter. 8.Mai: Brief
eines Edelmannes.
1746 16. April: Ende des Aufenthalts
in st. Albans.
General
Sinclairs. Militärexpedition
an die Küste Frankreichs. Irland.
1748 Hume begleitet Sinclair auf eine
Gesandschaftsreise an die Höfe in Wien und
Turin.
April: Veröffentlichung von: Philosophical Essays concerning Human
understanding. Nov.: Veröffentlichung von: 3
Essays, Moral and Political.
1751 30. November: Veröffentlichung
von: Enquiry concerning the Principles
of Morals; Sekretär der Philosophischen
Gesellschaft in Edinburgh.
1752 14. Januar: Political Discourses. (Vergebliche) Bewerbung um einen
Lehrstuhl
für «Logic» an der Universität Glasgow.
1752 - 1757 Ab Februar: Bibliothekar am
Juristenkollegium in Edinburgh.
Arbeit
an der History of England.
1754 20. November: Veröffentlichung
des ersten Teils der History of Englands
Kassierer
der Select Society.
1755 - 1756 Auseinandersetzungen in der
Kirche Schottlands wegen der
freidenkerisch
– philosophischen Ansichten Humes.
1757 Januar: Hume legt sein Amt als
Bibliothekar nieder. 7. Februar:
Veröffentlichung
von: Four Essays. 3. März: Zweiter
Teil der History.
1758 London, wo Hume den dritten Teil
seiner History of England abschließt;
u.a.
Edmund Burke, Benjamin Franklin und Edward Gibbon kennen lernt
1759 Februar: Veröffentlichung des
dritten Teils der History of England.
1761 Juni: Reise nach London.
November: vierter Teil der History;
Schottland.
1763 - 1766 Aufenthalt in Paris als Privatsekretär des brit.
Botschafters, Graf Hertford; Beginn der Freundschaft mit Mme. Boufflers und zu
verschiedenen Vertretern der französischen Aufklärung.
1765 Hume übernimmt für mehrere Monate
das Amt des brit. Botschafters in Paris.
1766 Januar Rückreise nach London (mit
Rousseau). Streit mit Rousseau.
Veröffentlichung
des Briefwechsels zwischen Hume und Rousseau
1767 - 1768 Ab Februar:
Unterstaatssekretär im Außenministerium in London.
1769 - 1776 Hume lässt sich ein Haus in St. Andrew’s
Square(Schottland) bauen, das
er 1771 bezieht. Freundschaft mit
Nancy Orde. Verschlechterung
des
Gesundheitszustands. Überarbeitung aller Schriften (außer Treatise)
1776 4.Juli: Abschiedsmahl. 25.August:
in Edinburgh gestorben.
1777 März: Posthume Smith
veröffentlicht Humes Autobiographie u. seinen Brief
an Wiliam Strahan. Die Essays: Of Suicide und Of the Immortality of the Soul.
1779 Im Frühjahr: Posthume
Veröffentlichung durch Hume’s Neffen der
Dialoques
concerning Natural Religion.[3]
Lebensmaxime Humes: Bleib nüchtern und vergiß’ nicht, skeptisch
zu sein![4]
Hume wurde calvinistisch[5] erzogen und interessierte sich
schon immer mehr für die antike Philosophie und Literatur, insbesondere der
Schriften Cicero zu seinem Philosophischen Schaffen, als für Recht oder Gesetze
wie es die Eltern gern gesehen hätten. Er wechselte schließlich das Studienfach
und konnte so seinem Leben einen besseren Sinn geben.
Er fing schon bald an Bücher zu
schreiben, musste aber aufgrund des geringen Absatzes andere für ihn wenig
interessante Arbeiten annehmen.
Über sein studieren stieß er
unter anderem, durch seine skeptische Grundeinstellung, auf verschiedene Thesen
damaliger (antiker) Philosophen, die er für sich nicht annehmen konnte und
erarbeitete daraufhin Gegenthesen, welche er wiederum mit seiner Indukiv-empirischen
Methode zu beweisen versuchte.
Was er dabei herausfand
verursachte in seinen anfänglichen Schaffensjahren eine schwere Depression,
denn es widersprach teilweise seiner Vernunft und konnte kaum sein.
David Hume liebte es sich den
philosophischen Studien hinzugeben und trotz der einsamen Stunden langen
Recherchierens blieb er unentwegt am Werk. Hin und wieder traf er sich zu
Gesprächen mit Freunden, die er ebenfalls liebte. Hume wurde als sehr
kontaktfreudig, ehrlich herzlich, freigiebig, überaus humorvoll und ohne jedes
künstliche Getue beschrieben.
Er konnte sogar mit Witze über
seine „Fettleibigkeit“ machen. Seine Gegner legten schnell ihre Vorurteile ihm
gegenüber ab, sobald sie ihn persönlich kennen lernten. „Im Vergleich zu seinen
empiristischen Vorgängern war Hume weitaus moralischer als Francis Bacon,
weitaus praktischer als George Berkeley und weitaus fröhlicher als John Locke.“[6]
„Nach Jahren einsamen Denkens
über die Fragwürdigkeit menschlicher Glaubensinhalte hatte der Autor des «A
Treatise of Human Nature» den Boden unter den Füßen verloren. Zwar konnte er
mühelos durchschauen, welch mangelhafte Ware anmaßende Dogmatiker am Markt der
Ideen feilboten, aber der Verstand vermochte dem bedingungslos Zweifelnden
keine Sicherheit geben, nicht intellektuelle, instinktive Antriebe mussten den
jungen Denker aus einer Lebensgefährlichen Krise retten.[7] (Diese Erfahrung wird auch im
Schlusskapitel von «Treatise of Human Natur» beschrieben!)
Nachdem er sich nun zehn Jahre
lang in abstrakte Gedankengänge hineingedacht hatte, war es für ihn offenbar
ein Kinderspiel, sich in verschiedenste Weltanschauungen einzuleben, was man
deutlich bei seinen «Essays Moral and Political» sieht.[8]
Humes entwickelte eine leitende
Vorstellung seiner Philosophie mit dem Gedanken es könne eine Wissenschaft von
der menschlichen Natur nach dem Vorbilde der newtonschen Physik geben, d.h. sie
beinhaltet keine Natur als Thema, sondern das geistige Wesen, weiter beruht die
Ableitung allgemeiner Naturgesetze aus Einzelbeobachtungen auf der Gewohnheit.
Hume kritisierte letztendlich das
Verständnis zentraler Begriffe der klassischen Metaphysik, wie Substanz und
Kausalität. Einerseits, sagt Hume, gibt es 2 Bereiche des uns Fassbaren. Das
sind zum einen „Größe und Zahl“ und zum anderen „Tatsachen und Dasein“, also
die Gegenstände empirischer Wissenschaften, auf deren Seite überwand er den
Empirismus in seinen Werken.
Zur Ethik erklärte er alles
Handeln aus den Neigungen der Selbstliebe und Sympathie.
Gegenüber dem Vernunftglauben anderer Aufklärer betonte er die Macht der Leidenschaften und Instinkte.
Hume, der wie erwähnt sehr
calvinistisch erzogen wurde, glaubte nicht an ein Leben nach dem Tode. Die
Begründung dazu fasste er in sein Werk: „Of the Immortality of the soul“.
Zur Religion war ihm wichtig zu
sagen, dass es einen klaren Gegensatz zwischen Religion und Moral gibt, er
fordert, dass sich die Religion am Maßstab der Menschlichkeit messen lassen
muss. Er erntete für seine „antichristliche“ Sichtweise (er war Heide) oft den
Ruf als Atheist! Trotzdem war er zum Leidwesen der Kirche voller Tugenden und
zufrieden.
Die Begriffe Materie und Seele
machen ihm schwer zu schaffen, da beide keine Erfahrungsbegriffe sind und
empirisch nicht beweisbar sind, aber er nahm an, dass sich „Körper“ und „Geist“
analog entwickeln, d.h. die Seele müsste auch sterben.
Er setzte sich mit der Thematik
auch in den zwei 1757 erschienen Essays („Über die Unsterblichkeit der Seele“
und „Über Selbstmord“) auseinander welche er, auf Anraten seiner
Freunde und weil die Kirche Druck
auf seinen Verleger ausübte zurückzog. Was er allerdings in seiner
Autobiographie komplett verschweigt: Sein Leben und seine Philosophie waren auf
das Diesseits bezogen.
Er war ein „Lebensbejaher“ mit
all den guten und schlechten Zeiten und er bejahte den Tod
als den natürlichen Abschluss des
Daseins.
„Sein Sterben war eine würdige
Vollendung und Krönung seines Lebens und Denkens.“[9]
F Darin „schwankt Humes Bild nicht nur zwischen
Skeptizismus und gesundem Menschenverstand. Oft ist nicht leicht festzustellen,
welche Position und aus welchen Gründen er sie hat vertreten wollen.“[10]
Weiterhin „wird der Leser seiner Schriften von ihrer glatten Oberfläche und
rätselhaften Tiefe sowohl fasziniert wie zugleich irritiert“.[11]
„Vielleicht das Meisterwerk der
Aufklärung“ – Diese Dialoge über den Deismus[12]
sind zugleich Humes Resümee einer
lebenslangen Beschäftigung mit der Religion.“[13]
Dieses Werk entstand wahrscheinlich zwischen 1751 und 1761, letzte Korrekturen wurden 1776 getätigt; dieses Werk wurde auch erst nach Humes Tod veröffentlicht. Das lag bestimmt auch daran, dass man in Großbritannien noch 1770 für religionskritische Thesen gehängt werden konnte. Hume löst all diese Probleme sehr geschickt, indem nicht er den Gottesglauben kritisiert, sondern drei Gesprächspartner in einen Dialog über Religion und Gott schickt:
Zum einen gibt es Cleanthes, der
dem Deismus angehört und sich der modernen empiristischen[14]
Philosophie verpflichtet fühlt. Deisten waren der Ansicht, dass Gott zwar die
Welt erschaffen hat, aber keinen weiteren Einfluss mehr auf sie ausübt.
Zum anderen haben wir Demea, der
sich als traditioneller Christ verhält.
Und als letzten gibt es Philo,
einen scharfsinnigen Skeptiker. Hume tritt hier in den Hintergrund und lässt
die Dialogpartner diskutieren, aber auch wenn Hume es nirgendwo sagt, zeigt er
genau, wer der Held des Gespräches ist: denn Demea gesteht er 12% des Umfangs
zu, um seine Position zu verteidigen, Cleanthes 21% und Philo 67%.
Ausgangspositionen:
Demea vertritt die These, dass infolge der Schwäche der menschlichen Natur dem Menschen das Wesen Gottes unbegreiflich und unbekannt bleibt. Laut Demea ist es eine blasphemische Überheblichkeit in die Natur Gottes überhaupt eindringen zu wollen. Ein auf diese Weise „verstandener“ Gott ist nicht Gott.
Cleanthes hingegen ist es geradezu ein Anliegen das Wesen Gottes zu bestimmen und es aus der empirischen Welt abzuleiten. Für ihn sind Gott als Urheber der Natur und die Menschen einigermaßen ähnlich, da es gewisse Analogien in den Wirkungen der Natur und des Menschen gibt. Er begründet diesen Gottesbeweis auf drei Weisen:
1. Im Bereich menschlichen
Schaffens schließen wir von Geordnetem (Haus, Schiff) auf eine ordnende
Intelligenz (Baumeister, Schiffsbauer)
2. Alles das, was außerhalb dieses Bereiches liegt (belebte und
unbelebte Natur),ist in
ähnlicher Weise wie
Häuser oder Schiffe geordnet
3. So wie wir im Bereich menschlicher Schöpfung von Geordnetem
auf eine ordnende
Intelligenz
schließen, können wir aufgrund der Ordnung in der Welt von ihr auf eine
ordnende göttliche Intelligenz schließen
Philo stimmt mit der ersten
Prämisse von Cleanthes überein, nicht jedoch mit der zweiten und dritten. Er
glaubt aber auch, dass Erfahrung die wichtigste Erkenntnisquelle ist und dass
Gottes Wesen den Menschen unbekannt ist aber ein unbegreifliches Wesen zu
verehren, wie Demea es tut hält er für absolut falsch, denn Gott muss mit
unseren menschlichen Eigenschaften erfasst werden, wenn er je für uns
irgendwelche Bedeutung haben soll.
Philos Kritik:
Philo lehnt den Beweis des Cleanthes aufgrund rationaler Überlegungen ab, denn seine Argumente sind aus folgenden Gründen nicht haltbar:
1. Cleanthes hatte aus der Ordnung der
Materie auf die Existenz einer planenden Intelligenz geschlossen (siehe
Prämisse 3). Philo meint dagegen, dass Ordnung auch ganz anders entstanden sein
könne, denn die Materie könnte selbstorganisierend sein und es könnte ihr von
allem Anfang an eine Tendenz zur Ordnung innewohnen.
2. Cleanthes ist zu voreilig, wenn er die
Ordnung der Welt in Analogie zum Anfang des Universums stellt (wie in Prämisse
3). Philo meint, dass die Menschen sowieso keine Ahnung und Erfahrung vom
Anfang der Welt besäßen, als etwas wurde, wo noch überhaupt nichts war.
Folglich ist der Schluss von einer „fertigen“ Welt auf ihren Anfang nicht
gerechtfertigt.
Außerdem hat Cleanthes keinen
Beweis für die „Einheit“ Gottes, denn z.B. tun sich viele Leute zusammen, um
ein Haus zu bauen und warum sollten sich nicht verschiedene Gottheiten zum Entwurf
und zur Gestaltung der Welt zusammentun? Das würde nämlich die Ähnlichkeit zum
menschlichen Bereich doch nur vergrößern..
3. Cleanthes betont die Ordnung der Welt
in Prämisse 2 und 3;aber weil diese Ordnung in vielem sehr mangelhaft und
unvollkommen ist, liegt der Schluss nahe, dass sie nicht das Ergebnis eines
Gottes mit Vollkommenheitsattributen ist. Es scheint vielmehr der erste, noch
ungeübte Versuch einer Gottheit im Kindesalter zu sein. Vielleicht ist sie aber
auch nur das Werk einer unselbständigen und untergeordneten Gottheit oder sie
ist das kindische Greisenwerk einer schon altersschwachen Gottheit.
Möglicherweise ist das höchste Wesen schon tot und das Universum treibt
führerlos umher.
4. Cleanthes nimmt menschliches Denken als
Ausgangspunkt zum Verständnis des göttlichen Denkens; doch nichts scheint
schwankenderen Ursachen zu unterliegen als das Denken: deshalb werden wir auch
nie zwei Menschen begegnen, “die völlig gleich denken“. Unterschiede im Alter,
Wetter, in der Nahrung, in den Interessen usw. geben jeweils eine andere
Richtung des Denkens an und veranlassen es zu sehr unterschiedlichen
Tätigkeiten. Zudem ist der menschliche Geist voller Irrtümer und Widersprüche. ® Gilt dies etwa auch für den göttlichen Geist? Wenn
ja, warum wird er „vollkommen“ genannt? Wenn nein, weshalb wird er „menschlich“
genannt?
5. Cleanthes betont die Ähnlichkeit der
belebten bzw. unbelebten Natur mit den Produkten menschlicher Schöpfung
(Prämisse 2). Philo fragt sich daher, ob das Universum nicht viel eher einem
Lebewesen als einer vom Menschen gemachten Maschine ähnelt. Philo beobachtet
weiterhin, dass aus abgestorbenem Leben immer wieder neue Ordnungen entstehen
und dass die einzelnen Teile der Tiere und Pflanzen nützlich und der Umwelt an-
gepasst sind. Philo entwirft die Möglichkeit, dass nicht Gott die Natur den
menschlichen Interessen angepasst hat, sondern dass die verschiedenen Lebewesen
sich den äußeren Umständen angepasst haben, um überleben zu können. Für die
größere Plausibilität von biomorphen[15] gegenüber technomorphen[16] Vorstellungen spricht die
Tatsache, dass auf der Basis unserer begrenzten und unvollkommenen Erfahrung
das Prinzip der Zeugung gegenüber dem der Vernunft eine ausgezeichnete Rolle
einnimmt. „Denn wir sehen täglich, wie Vernunft aus Zeugung entsteht, nie aber
das Umgekehrte.
Problem des Übels:
In diesem und im nächsten Abschnitt „Religion und Moral“ diskutiert Hume über die moralischen Eigenschaften des höchsten Wesens angesichts der Beschaffenheit der Welt: Ist die Welt vereinbar mit der Existenz eines allgütigen und barmherzigen Wesens? Philo lässt er dabei folgende Kritikpunkte vorbringen:
1. Die angebliche Schöpfung Gottes zeigt
Unvollkommenheiten. Mag es auch noch soviel Schönes in der Welt geben, so gibt
es doch auch ungemein viele Qualen. Wenn z.B. ein
Fremder unvermittelt in unsere
Welt versetzt würde und eine Klinik voll von Kranken oder ein Schlachtfeld
übersät mit Leichen sehen würde, käme er dann jemals auf den Gedanken, ein
allmächtiger und allgütiger Gott habe dies alles erschaffen? Wohl kaum.
2. Es wird oft behauptet, dass Leid
notwendig sei, um überhaupt überleben zu können. Aber eine beträchtliche Menge
an Leid erscheint als völlig unnötig, wie wir ja aus schmerzfreien Lebensphasen
wissen. Weshalb leiden unheilbar Kranke, die aus ihrem Leid gewiss keinen
„Nutzen“ ziehen können? Und warum müssen Kinder leiden? Das Leben bedarf zu
seiner Aufrechterhaltung solcher Dinge nicht. Leid ist also häufig kein
notwendiges Mittel zu einem bestimmten Gut, sondern schafft nur noch größeres
Leid.
3. Die Schöpfung kümmert sich wenig darum,
ob Menschen glücklich sind. Offensichtlich ist das Schicksal wertblind:
Erdbeben und Überschwemmungen treffen Schuldige wie Unschuldige. Welcher Sinn
könnte aus dieser moralischen Indifferenz des Universums gepresst werden?
4. Von allen Lebewesen hat die menschliche Gattung „die stärksten Bedürfnisse und die größten körperlichen Mängel“. Sie steht z.B. ohne Kleidung, Waffen oder Nahrung da und besitzt nichts, was sie nicht ihrem eigenen Geschick und Fleiß verdankt. Ein „gütiger Vater“ hätte eine reichliche Ausstattung gegeben, um seine Kinder vor Unfällen zu bewahren und ihr Glück und Wohlergehen selbst unter ungünstigen Umständen sicherzu- stellen. Und dort, wo die Menschen die Natur nicht mehr zu fürchten brauchen, schaffen sie sich neue Feinde und Dämonen ihrer Fantasie, die ihre Lebensfreude zerstören. Ist die Welt so, wie wir es uns von einem mächtigen, weisen und allgütigen Gott erwarten? Wären die Lebewesen gegen Schmerz unempfindlich oder würde die Welt durch einzelne Willensakte einer gütigen Gottheit geleitet, so gäbe es viel weniger Übel. So wie die „natürlichen“ Eigenschaften Gottes unbegreiflich und unerforschlich sind so sind es auch die „moralischen“. Wohl kaum ein menschliches Wesen, das die Macht besäße, die Lebewesen vor großem Elend zu bewahren, würde sie derart leiden lassen, wie der angeblich allmächtige und wohlwollende Gott es tut.
Religion und Moral:
Im letzten Kapitel diskutieren nur noch Cleanthes und Philo miteinander, da Demea von Philos Radikalität schockiert ist und den Raum verlässt. Philo ist jetzt darauf bedacht, dass Moral und Religion strikt voneinander getrennt werden. Ihm zufolge kann die Moral nur „unabhängig“ von Religion und Metaphysik begründet werden, da diese beiden eine Gefahr für die Moral sind.
Im letzten Dialog geht es also um die ethischen Implikationen der Religion:
Cleanthes vertritt die These,
dass die Doktrin[17] der Lehre von jenseitigen
Belohnungen und Bestrafungen eine starke und notwendige Garantie der Moral
darstellt. Philo wirft sogleich ein, dass wenn der gewöhnliche Aberglaube für
die Gesellschaft so heilsam ist, wie kommt es dann zu seinen verderblichen
Folgen? Zwietracht, Bürgerkriege, Verfolgung, Sklaverei, usw. sind die
traurigen Folgen, die mit der Herrschaft des Aberglaubens über den menschlichen
Geist stets einhergehen. Wenn in einer historischen Darstellung irgendwo der
Geist der Religion auftaucht, so können wir sicher sein, anschließend eine
Schilderung des Elends zu finden, das ihn begleitet. „Und keine Zeitepoche kann
glücklicher oder gesegneter sein als die, wo man diesen Geist weder beachtet
noch kennt“. Denn wenn man ständig das Seelenheil vor Augen hat, erzeugt dies
einen engherzigen und beschränkten Egoismus.
An die Stelle des Strebens nach
Moralität tritt das Streben nach Seligkeit und die Heiligkeit der Sache
rechtfertigt jedes Mittel, das sich zu ihrer Förderung einsetzen lässt. Die
fanatischen Kämpfer für die heilige Sache sind nicht nur eine Bedrohung für die
Gesellschaft, sondern sind insofern bedauernswert, da sie weder Ruhe noch
befriedigenden Gleichmut erleben können. Die wahre Religion hat keine solchen
verderblichen Konsequenzen.
Nach Hume sind die allermeisten
religiösen Gefühle künstlicher Natur. Viele Riten, Gebete und religiöse Übungen
werden nach außen hin mit Inbrunst ausgeführt, aber im Innersten bleiben die
Gefühle schwach und lau. Allmählich wird die Heuchelei zur Gewohnheit und
Betrug und Lüge werden zum herrschenden Prinzip. Ist man von der Heiligkeit
einer Sache überzeugt, dann wird jedes Mittel recht, das der Förderung dieses
erhabenen Zieles dient. Religiöse Fanatiker sind gemeinhin überzeugt, dass sie
nur dann eine wohlgefällige Tat tun, wenn sie die zahllosen Feinde des „wahren“
Glaubens bekämpfen. Schon deshalb sollte ihr Einfluss in der Gesellschaft eng
begrenzt werden.
Menschenbild:
Der vollkommene, also
„naturgemäß“ lebende Mensch vermeidet die Extreme. Er ist nicht bloß ein
vernünftiges, nach Wissen strebendes, sondern auch ein arbeitsames und
geselliges Wesen, das obendrein die Phasen der Erholung genießt. Hume erkannte,
dass Menschen Abwechslungen und Veränderungen benötigen, um ein glückliches
Leben zu führen. Das erkannte er aber erst im reifen Alter und plädierte fortan
für die „leichte und moralisierende“ Philosophie; doch der „leichten“
Philosophie bedarf es auch der „tiefgründigen“, und zwar aus zwei Gründen:
1.
Die abstrakte Philosophie hat einen „Geist der
Exaktheit“, ohne den die „leichte und menschliche“ Philosophie nie auskommen
würde, den sie selbst aber nicht besitzt. Die „abstrakte“ Philosophie kommt
weitgehend ohne Assoziationen[18] aus und kann diese deshalb auch
hinterfragen. „Sehen zu können ohne Vorurteile“ ist laut Hume ein Wert an sich.
2.
Nur mit Hilfe der „abstrakten“ Philosophie können
wir uns von Aberglaube und falscher Metaphysik[19] befreien. Die einzige
Möglichkeit, Philosophie und Wissenschaft von Aberglaube und verworrenen Fragen
zu befreien, ist die ernsthafte Untersuchung der Natur des menschlichen
Verstandes.
Theorie des Glaubens:
Der Glaube an die
Gleichförmigkeit der Natur ist kein Produkt der blinden Einbildungskraft,
sondern ein natürlicher Glaubensinhalt, der angeboren ist und von allen
Lebewesen geteilt wird. Glauben wir z.B., dass ein bestimmtes Ereignis
eintreffen wird, da bereits dessen Ursache eingetreten ist, so spielt hier eine
Art „natürlicher Instinkte“ die entscheidende Rolle.
Und diese Instinkte vermag keine
Vernunfttätigkeit, d.h. kein Denk- oder Verstandesprozess weder hervorzubringen
noch zu verhindern. Die Natur hat uns einen Instinkt eingepflanzt, der
wesentlich zur Erhaltung aller menschlichen Geschöpfe beiträgt. Hume findet es
gut, dass so überlebenswichtige Dinge nicht den trügerischen Deduktionen[20] unseres langsam arbeitenden
Verstandes anvertraut wird. Die Gewissheit kausaler Schlüsse (und somit der
Wissenschaft) wird hier also von Hume nicht auf logische, sondern auf
natürliche, biologische Voraussetzungen gegründet. Der Glaube an die
Gleichförmigkeit der Natur basiert somit auf einem Instinkt und ist kein
Produkt der blinden Einbildungskraft. Glaubensinhalte, die auf den natürlichen,
angeborenen Glauben an die Gleichförmigkeit des Naturverlaufs gründen, sind die
von Hume gesuchten „begründeten“ Überzeugungen. Glaubensinhalte, die sich auf
keine derartige Erfahrung stützen, sind unbegründet. Als drittes gibt es
unbegründete, aber natürliche Glaubensinhalte, nämlich den Glauben an die
Gleichförmigkeit der Natur, den Glauben an die Existenz der Außenwelt und den
Glauben ans Ich. Alle anderen Glaubensinhalte sind entweder begründet
(vernünftig, empirisch) oder unbegründet (unvernünftig, metaphysisch). Denn
während die natürlichen Glaubensinhalte „lebensnotwen-dig“ sind, sind die
metaphysischen völlig überflüssig oder sogar eine Gefahr für die Moral.
Über Wunder:
Ausgangspunkt der Hume’schen
Überlegungen ist nun die Frage, welche Voraussetzungen er- füllt sein müssen,
damit jemand vernünftigerweise „an ein von anderen“ bezeugtes Wunder glauben
kann. Vernünftige, besonnene Menschen orientieren sich lt. Hume in ihrem Leben
an Erfahrung und Evidenz[21],
sie wägen Argumente, die „für“ eine bestimmte Behauptung und Argumente, die
„dagegen“ sprechen, miteinander ab. Wollen wir also den Grad der Evidenz eines
bestimmten Zeugnisses bestimmen, dann sind unter anderem folgende Dinge zu
erwägen: die Zahl der Zeugen und die Art, “wie“ sie ihren Bericht mitteilen.
Hume fügt hierzu noch eine „Vernunft- Regel“ mit hinzu, nämlich:
„Je unwahrscheinlicher das
behauptete Ereignis ist, desto glaubwürdiger müssen die Zeugen sein, wenn der
Bericht vernünftigerweise als wahr akzeptiert werden soll“.
Nehmen wir nun an, das behauptete
Ereignis sei „wirklich wunderbar“, so ist ein Wunder lt. Definition „eine
Verletzung der Naturgesetze“; ihm stehen feststehende und unveränderliche
Erfahrungen entgegen.
Aber unter welchen Bedingungen
könnte es dennoch vernünftig sein, an ein Wunder zu glauben? Hume meint, dass
es dann vernünftig wäre, an ein Wunder zu glauben, wenn die Wahrscheinlichkeit,
dass das Zeugnis wahr ist, größer ist als die Ausgangswahrscheinlichkeit des
behaupteten Ereignisses. Z.B. sagt uns unsere Erfahrung und unser Verstand,
dass sich Wasser nicht einfach so in Wein verwandelt (Ausgangswahrscheinlichkeit);erzählt
uns jemand aber das Gegenteil, so muss die Wahrscheinlichkeit seines Zeugnisses
größer als die Ausgangswahrscheinlichkeit sein, damit ein vernünftiger Mensch
ihm glauben schenken kann. Doch die Glaubwürdigkeit von Zeugen ist lt. Hume
„kein“ Naturgesetz und deren Glaubwürdigkeit hängt von Bedingungen ab, die
praktisch niemals erfüllt sind:
1.
Es findet sich lt. Hume in der ganzen Geschichte
nicht ein Wunder, das durch eine ausreichende Zahl von Menschen mit gesundem
Verstand, Erziehung, Bildung und unzweifelhafter Redlichkeit bezeugt wird.
2.
Hume findet es weiterhin interessant, dass Menschen
im Alltag oft so besonnen handeln, zugleich aber „äußerst Absurdes und
Wunderbares“ bereitwillig annehmen ®
dies liegt lt. Hume am Affekt der Überraschung und des Staunens, den ein Wunder
hervorruft; es geschieht auch, dass diejenigen, die nicht an solche
„wunderbaren Ereignisse“ glauben, an diesem „Genuss“ teilnehmen, um das Staunen
anderer zu erregen, wie es z.B. die Propheten tun.
3.
Das soziale Umfeld, in dem Wunder zu geschehen
pflegen, macht laut Hume die Zeugenaus- sagen nicht gerade vertrauenswürdig;
denn alle Berichte von übernatürlichen und wunder- baren Vorfällen finden sich
hauptsächlich bei unwissenden und barbarischen Völkern im Überfluss, die sich
hinsichtlich Urteilskraft und Wahrheitsstreben in einem eher unterentwickeltem
Zustand befinden.
4.
In jeder der vielen Religionen wird von Wundern
berichtet, welche die eigene Religion als richtig und damit alle anderen als
falsch auszeichnen sollen®
diese Tatsache reduziert jedoch die Glaubwürdigkeit von Wunderberichten
schlechthin; denn wenn z.B. den Aposteln geoffenbart wurde, dass Jesus der Sohn
Gottes sei, so konnte später nicht Mohammed geoffenbart werden, dass Christus
nur ein Prophet war.
Aus diesen Überlegungen folgt,
dass aus prinzipiellen und konkreten Gründen kein menschliches Zeugnis so stark
sein kann, um ein Wunder zu beweisen und zu einer berechtigten Grundlage für
ein Religionssystem zu machen. Die Evidenz, die für jene Wunder spricht und auf
die sich die Offenbarungsreligionen stützen, ist wesentlich schwächer als die
Evidenz, welche Skeptiker und Aufklärer vorbringen können.
Erkenntniskritik:
Nun stellt sich Hume die Frage,
wie sich der Pyrrhonismus überwinden lässt. Die zweite Frage ist, wie Zweifel
und Metaphysik in vernünftiger Weise eingegrenzt werden können, um der
empirischen Wissenschaft Platz zu machen; Hume entwickelt auf diese Fragen zwei
Antworten:
1.
Hume betont, dass der Pyrrhonismus/Skeptizismus[22]
zwar rational nicht widerlegt, aber auch nicht gelebt werden könne; denn der
große Überwinder der übertriebenen Prinzipien des Skeptizismus heißt Tätigkeit,
Beschäftigung und die Verrichtung des täglichen Lebens, in den Schulen mag der
Skeptizismus zwar triumphieren und unwiderlegbar sein, aber sobald der
Skeptiker die Schule verlässt, unterliegt er denselben Leidenschaften, Gefühlen
und mächtigen Prinzipien unserer Natur wie jeder Normalsterbliche auch und die
Prinzipien des Skeptizismus „vergehen wie Rauch“.
2.
Wenn man lt. Hume die philosophischen
Untersuchungen auf das Diesseits und die den Sinnen zugängliche Welt
beschränkt, so würde man eine Art des gemäßigten Skeptizismus praktizieren. Um
leben zu können, müssen wir verschiedene Dinge für wahr halten; vor allem die
Annahme einer gewissen Gleichförmigkeit zwischen Beobachtetem und
Unbeobachtetem. Im täglichen Leben halten wir (und auch andere Lebewesen) diese
Annahme für wahr, „rechtfertigen“ lässt sich dieser Glaubensinhalt aber nicht.
Er basiert auf einem angeborenen Instinkt, aber durch unsere Erfahrungen können
wir „konkrete“ Gleichförmigkeiten erkennen ® denn neben dem Instinkt ist die Erfahrung unser
großer Wegweiser im Leben: Von den wenigen natürlichen Glaubensinhalten einmal
abgesehen, bleibt nur sie, um zwischen Wahrem und Eingebildetem zu
unterscheiden.
Hume resümiert dann weiter über die Rolle der Philosophie; ihn interessierte vor allem die Frage, wie Philosophie und das gesellschaftliche Leben zusammenstimmen könnten und der Philosoph dem exzessiven Zweifel entkommen könnte. Hume war davon überzeugt, dass die Philosophie in größte Schwierigkeiten geraten wird, wenn sie nicht im täglichen Leben verwurzelt ist ® eine große Zahl philosophischer Probleme entstehen lt. Hume alleine dadurch, dass sich die Philosophen von den Aktivitäten des täglichen Lebens losgebunden haben. Die „wahre Philosophie“ ist nichts anderes als die methodisch geordnete und berichtigte Reflexion über das alltägliche Leben.
Vernunft oder Gefühl?:
Das Thema vom Kontrast zwischen
Vernunft und Gefühl taucht leitmotivartig an vielen Stellen von Humes
Philosophie auf. Es zeigt „die Schwäche der Vernunft und die Stärke der
fühlenden Teile der Natur“.
Unter Moral versteht Hume all die
vielen Weisen, wie Menschen sich zueinander verhalten und sie wird lt. Hume
mehr gefühlt, als dass sie Gegenstand eines Urteils wäre. Für beide Seiten der
Alternative Vernunft – Gefühl lassen sich so bestechende Argumente vorbringen,
dass man annehmen muss, dass bei „fast allen moralischen Bestimmungen“ beide,
Vernunft und Gefühl, zusammen wirken. Wir erkennen das moralisch Gute und
Schlechte durch spezifische Lust – und Unlustgefühle und die Tugend eines
anderen Menschen flösst dem Betrachter (z.B. uns) das „angenehme Gefühl der
Zustimmung“ ein. Hume sagt, dass uns gewisse Eigenschaften und Handlungsweisen
anderer gefallen, weil sie tugendhaft sind und sie nicht deshalb tugendhaft
sind, nur weil sie uns gefallen.
Bei „Tugend“ und „Laster“ geht es
ihm um die Vorzüge und Nachteile von Handlungen und um schätzenswerte und
weniger schätzenswerte Charakterzüge und Persönlichkeitseigenschaften von
Menschen im Umgang untereinander.
„Prinzipien (principles)“
beschreiben normalerweise normative Regeln, die angeben, was man tun und lassen
soll, wenn es darum geht, moralisch richtig zu handeln (z.B. die Zehn Gebote).
Hume behandelt bei den „Prinzipien der Moral“ nicht Prinzipien in diesem Sinne,
sondern deskriptive[23] Gesetze. Seine Untersuchungen
über die Moral und den Menschen als ein in Gesellschaft lebendes Wesen, sind
keine normative Ethik, sondern eine deskriptive Wissenschaft ® sie untersucht die Gesetze unseres Zusammenlebens
und Verhaltens.
Das Hume’sche Gesetz:
Im „Hume’schen Gesetz“ wird
behauptet, dass man allein aus Prämissen bzw. Tatsachenfest-stellungen keine
Normen ableiten kann. Hume wirft anderen Autoren vor, dass sie statt Sätze mit
„ist“ oder „ist nicht“, Sätze mit „soll“ oder „soll nicht“ verwenden ® vor allem aber werden diese Soll-Sätze nie
erklärt. Hume meint, dass es ein großer Unterschied ist, zu sagen, was der Fall
ist und was der Fall sein sollte ®
daraus erschuf sich Hume seine
Moralphilosophie als deskriptive
Moralwissenschaft. Er will zeigen, dass moralische Unterscheidungen nicht durch
Vernunft erfasst, sondern gefühlsmäßig getroffen werden.
Die „moralische Qualität“ soll
nicht Gegenstand der Vernunft, sondern des Gefühls sein.
Gibt es einen moralischen Sinn?:
Es gab zur Zeit Humes eine moralphilosophische
Kontroverse, die durch folgende Frage aufgeworfen wurde: „Woher und auf welche
Weise wissen wir, was moralisch gut und was schlecht ist?“
Hume behauptet, dass zwischen
moralischen und ästhetischen Eigenschaften eine Analogie besteht: Ästhetische
Qualitäten werden von uns unmittelbar gesehen oder gefühlsmäßig erfasst, sowie
wir es mit moralischen Eigenschaften tun. Wir haben einfach die Fähigkeit
(erworben oder angeboren), gewisse Dinge unmittelbar festzustellen, wie z.B. das wir keine systematische Beobachtung brauchen, um festzustellen, welche Farbe der Himmel hat. Wir wissen es einfach, ohne es begründen zu können. So sagt Hume, dass wir auch moralische Eigenschaften unmittelbar erfassen können, ohne dafür wissen zu müssen, was es denn ausmacht, dass etwas moralisch gut oder schlecht ist. Dennoch brauchen wir eine Moralwissenschaft, um zu erklären woran es liegt, dass z.B. das Verhalten eines Wohltäters gut und tugendhaft ist.
Das Wesen der moralischen Überzeugung:
Eine moralische Beurteilung setzt Vernunft voraus, aber auch die Frage, was vorgefallen und wie das zu Beurteilende beschaffen ist, ist wichtig ehe die moralische Qualität des zu Beur- teilenden festgestellt werden kann. Fragen nach den nützlichen und schädlichen Folgen einer Handlung oder Maßnahme, Kosten – Nutzen – Rechnung, Nebenfolgenbetrachtung usw. Dieser Gesamtbereich aller Tatsachen, die einer moralischen Beurteilung vorgängig sind, ist das Betätigungsfeld unseres Verstandes – und Erkenntniskräfte, die Hume als „Vernunft“ be- titelt. Für ihn ist die Vernunft ein „träges“ und „intaktes“ Vermögen und ist nicht in der Lage, eine Handlung oder einen Affekt hervorzubringen. Es ist unsinnig, an jemandes Vernunft zu appellieren den seine Wünsche und Neigungen in eine ganz bestimmte Richtung ziehen: Handlungen „können weder vernünftig noch unvernünftig sein“. Moralische Urteile, hinter denen der Urteilende steht und sich zueigen macht stehen in einem Zusammenhang mit dem Wollen, Handeln und Verhalten des Betreffenden. Allein Gefühle sind es, die uns zum Handeln bewegen, indem sie uns in einen Lust – oder Unlustzustand versetzen, aus dem sich der Wunsch ergibt, den Zustand zu ändern oder zu erhalten. Der ausschlaggebende Umstand des „Überzeugtseins“ ist nichts, was wir in der Hand haben und steuern können, sondern etwas, dass uns zustößt oder widerfährt, wie eben Gefühle des Schmerzes und der Freude uns überkommen.
Es ist also eine empirisch – psychologische und keine normativ – ethische Frage; warum sich die Menschen gerade diese praktischen Überzeugungen und moralischen Reaktionsmuster erwerben und nicht andere: „Wer spontan urteilt, räsoniert[24] nicht“.
Das System der Werte:
Hume unterteilt all die Eigenschaften, derentwegen wir Menschen schätzen oder nicht schätzen in eine von vier Kategorien:
1. Das für uns Nützliche (z.B. gute Umgangsformen Beherrschung
der Regel des guten
Tons usw.)
2. Das für den Betreffenden
selbst Nützliche (z.B. Frohsinn, Sinn für Schönheit, Selbstzufriedenheit usw.)
3. Das für den Betreffenden
selbst Angenehme (z.B. Besonnenheit, Fleiß, Ausdauer, Vorsicht, Klugheit usw.)
4. Das für andere Angenehme
(soziale Tugenden, wie Gerechtigkeit und Wohlwollen) ® für Hume die wichtigste Gruppe.
Die Tugend der Gerechtigkeit:
Diese Tugend besteht in dem
Vorsatz, die Rechte anderer zu wahren und zu achten ® Hume denkt hier ausschließlich an Eigentumsrechte.
Die Tugend der Gerechtigkeit ist für ihn eine künstliche Tugend, da sie erst
dann entsteht, wenn Menschen darin übereinkommen, was Eigenes und was fremdes
Eigentum ist. Sie hat sich aus unserer körperlichen, sowie intellektuellen
Ausstattung heraus entwickelt und sogar „entwickeln müssen“. Hume vertritt
hier, was man heute Konsequentialismus nennt: „der Wert moralischer Qualitäten,
Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen wird aus ihren Folgen bestimmt“.
Nach ihm nutzen die Akte des Wohlwollens zunächst dem Individuum, indirekt
dienen sie aber auch der Allgemeinheit, da es einer Gesellschaft, in der
Menschlichkeit und Wohlwollen geübt werden, einfach besser geht.
Anders ist es bei der
Gerechtigkeit: Jemandem Recht zukommen zu lassen bedeutet nicht, dass sich
dadurch der Nutzen des Empfängers mehrt. Es gibt Handlungen, die rechtlich
richtig sind, aber keinen unmittelbaren Nutzen mit sich bringen ® der Nutzen für die Gesellschaft besteht darin,
dass die Aufrechterhaltung der Rechtsordnung zu Sicherheit und dem Fortbestand
der Gesellschaft beiträgt.
Selbstliebe und Sympathie:
Die zweite moralphilosophische
Auseinandersetzung in Humes Zeit brach zwischen Egoisten und Altruisten[25] aus:
Die Auseinandersetzung bezieht
sich darauf, wie das Motiv einer moralischen Handlung zu erklären ist. Hume
schließt dabei einen „moralischen Nihilismus“ aus, der die Realität moralischer
Motive leugnet und Wohlwollen zu Heuchelei, Freundschaft zu Lug und Trug
erklärt, usw.
Ebenfalls lehnt Hume die
schwächere Form des moralischen Skeptizismus ab, der zwar die Realität
moralischer Motive nicht bestreitet, sie aber als künstlich und anerzogen
auffasst.
Hume bestreitet die Macht der
Erziehung zwar nicht, sieht sie aber auch nicht allein als Quelle unserer
moralischen Gefühle. Für ihn kann Erziehung nur verhindern oder verstärken, was
schon von Natur aus da und angelegt ist, aber nicht erzeugen, was einfach nicht
vorhanden oder schlechterdings gegen die menschliche Natur ist. Nach Hume gäbe
es ansonsten auch nicht die Wörter, die unsere Billigung oder Missbilligung
bestimmten Sachverhalten gegenüber ausdrücken.
Für Hume ist Moral weder Lug noch Trug, noch etwas, das der Natur des Menschen fremd und widersprechend ist. Daraus entsteht eine weitere moralphilosophische Frage: „Sind Selbstliebe oder Sympathie (oder beide) die fundamentalen Triebkräfte der menschlichen Natur?“ Für Hume ist Selbstliebe ein Prinzip der menschlichen Natur und das Interesse eines jeden Individuums ist im Allgemeinen sehr eng mit der Gemeinschaft verknüpft.
Humes Argumente gegen den philosophischen Egoismus:
Für Hume sieht ein unbefangener
Beobachter, dass es Wohlwollen, Liebe, Mitleid usw. gibt und das sich solche
Affekte offenkundig von selbstsüchtigen Gefühlen unterscheiden, es gibt für ihn
auch keinen Grund, die Gefühle der Sympathie mit einem dahinter verborgenem
gegenteiligem Prinzip zu erklären, sowie es lt. Hume der philosophische
Egoismus tut. Die Menschen müssen gemeinsame Wertmassstäbe ausbilden je mehr
sie miteinander verkehren und sie müssen ihre privaten Standpunkte zugunsten
eines allgemeinen Standpunktes verlassen ®
dieses Interesse am Gemeinwohl ist nach Hume schwächer als das Selbstinteresse ® es beweist allerdings „Sympathie“.
Humes Hauptargument stützt sich
auf die Aussage, dass wir Anteil an weit entfernten
Vorfällen nehmen, sie billigen
oder missbilligen und uns die Sache so nah werden lassen als wäre sie unsere
eigene Angelegenheit, was lt. Hume Sympathie zeigt. Dies bedeutet allerdings
nicht, die Sache des anderen mit der eigenen zu verwechseln, sondern die
Fähigkeit, ohne sich selbst aus den Augen zu verlieren, den Standpunkt anderer
einnehmen zu können, um daraus ein moralisches Urteil zu fällen.
Hume will in diesem Werk zeigen, dass der Anspruch der verschiedensten Religionen, dem Menschen eine „Überwelt“ zu vermitteln, illusorisch und hinfällig ist. Die tiefste Wurzel des Religiösen liegt in Zuständen der Furcht und Angst. Diese Erlebnisse sind der Ursprung aller Religion, und sie ist es, aus denen die mannigfachen Erscheinungsformen von Frömmigkeit sich entfalten. Religiosität hat keinen logischen Grund, sondern lediglich anthropologische Ursachen.
Ursprung des Polytheismus (Vielgötterglaube):
Herbert von Cherbury hatte im 17.Jhd. gelehrt, dass der Mensch mit einem religiösen Instinkt geboren werde, der mit den gültigen christlichen Dogmen im Einklang stehe und das es deshalb „natürlich“ sei, an das Übernatürliche zu glauben.
Hume hält entgegen, das von
Völkern berichtet wurde, die keinerlei religiöse Empfindungen besaßen und kaum
zwei Menschen haben noch jemals in den gleichen Empfindungen genau
übereingestimmt. Für Hume ist Religiosität ein zeitlich sekundäres Phänomen und
kein angeborenes Verhaltensmuster, wie etwa die Liebe zu den Nachkommen.
Religiosität entsteht unter ganz bestimmten Bedingungen, bei deren Veränderung
sich auch die jeweilige Form der Religiosität ändere.
Unter welchen Bedingungen
entsteht also der Polytheismus? Nach Hume ist dies „das Erlebnis der
Gegensätzlichkeit des Daseins“, z.B. wenn Krankheit und Seuchen ein Königreich
in mit- ten des üppigsten Überflusses entvölkern. Und dieses Erleben der Zwiespältigkeit
des Daseins Bewirkt in uns einen unaufhörlichen Wechsel von Hoffnung und
Furcht. In steter Ungewissheit hangen und bangen wir zwischen Leben und Tod,
Gesundheit und Krankheit, Überfluss und Mangel. Aus dem Erleben der
Gegensätzlichkeit des Daseins macht die Einbildungskraft die Welt zu einem
Schlachtort zwischen Mächten, die den Menschen wohlgesinnt sind, und solchen,
die ihnen übel mitspielen. So personifizieren also die Menschen die
Naturereignisse, um sie durch Bitten und Geschenke zu beeinflussen. Die
Menschen haben auch eine allgemeine Neigung, Unbekanntes mit Bekanntem zu
erklären. Natürlich kann uns auch ein Dankbarkeitsgefühl motivieren, den
Begriff einer unsichtbaren, intelligenten Macht zu bilden und diese Macht dann
zu verehren. Allerdings glaubt Hume, dass wir in Zuständen des Glücks nur sehr
selten nach der Ursache oder dem Urheber fragen, wie die Erfahrung zeigt. Weil
der Aberglaube in derartigen Ängsten und der daraus vermeintlich
übernatürlichen Erlösung wurzelt, blüht er in Zeiten der Not und im Verhältnis
zur Zahl der Priester. Umgekehrt gilt: Gerade weil Störungen im üblichen
Lebenslauf den Glauben an ein göttliches Wesen bewirken, verblasst der
Gottesglaube in Zeiten, in denen nichts außergewöhnliches geschieht oder Priester
nicht die Macht haben, dem Menschen das Dasein zu vergällen, um die Lust am
Jenseits zu erhöhen.
Ursprung des Monotheismus (Eingottglaube):
Hume betont zunächst, dass der
Eingottglaube bei den meisten Menschen auf keinen „Vernunftschlüssen“ beruht,
mit deren Hilfe wir auf die Existenz eines weisen und gütigen Gottes schließen
könnten. Es sind vielmehr Unordnungen, wie Erdbeben, die von den meisten
Menschen als Argument für die Existenz einer Gottheit vorgebracht werden.
Obgleich sie dem Plan eines allgütigen Gottes am meisten widerstreiten, so
flössen sie doch die stärksten religiösen Empfindungen ein, solange ihre
Ursachen ungeklärt sind. Der Mensch wird also nur selten durch Ordnung, sondern
viel eher durch Unordnung religiös; neue Erscheinungen bringen den Menschen zum
Zittern, opfern und beten; ein gewohnter Anblick wird hingegen keine religiösen
Stimmungen auslösen. Auch interessiert die Frage nach einer grundlegenden
Ordnung nur sehr wenige. Die Bewunderung einer derartigen Ordnung wird
demzufolge nur in Ausnahmefällen der Ursprung der Religiosität sein. Was sind
nun aber die Ursachen des Ein - Gottglaubens? Hume sieht hier zwei
Möglichkeiten:
1.
Innerhalb des Götterhimmels wird ein Wesen als
nationale Schutzgottheit ausgezeichnet
2.
Soziale Strukturen werden in den Götterhimmel
projiziert: entweder wurden die Menschen bei der Gebietsverteilung unter den
Göttern eben dieser besonderen Gottheit unterstellt oder die Menschen stellen
sich Gott als den Herrscher oder die höchste Obrigkeit der anderen Götter vor.
Nach dieser Hierarchisierung
fangen die Menschen an, die Gottheit mit immer neuen Schmeichelausdrücken zu
lobpreisen, um diese wie irdische Herrscher milde zu stimmen.
Die Wiederkehr des Gleichen:
Nachdem Hume für den Ursprung von
Poly- und Monotheismus eine Erklärung angeboten hat, macht er die Beobachtung,
dass die religiösen Vorstellungen der Menschen in sonderbarer Weise schwanken:
Vom Götzendienst erheben sie sich zum Theismus und fallen dann wieder dorthin
zurück. Wie sich der Monotheismus aus dem Polytheismus entwickelte, hat Hume
bereits zu erklären versucht. Aber wie entwickelt sich der Polytheismus aus dem
Monotheismus? Humes Antwort: dieser eine Gott steht mit der empirischen Welt
kaum noch in Kontakt. Weil ein solcher Gott zudem über viele unserer Sorgen
erhaben zu sein scheint, muss die Kommunikation zwischen Gott und Mensch durch
„untergeordnete Hilfskräfte“, wie z.B. Engel und Heilige aufrechterhalten
werden. Mit der Einführung solcher „Zwischengötter“ kippt allerdings die
Religiosität rasch wieder in einen Polytheismus um, da diese „Zwischengötter“
in höherem Maße teil an der menschlichen Natur haben. Früher oder später
richtet sich auch der Polytheismus durch immer gröbere Anschauungen zugrunde
und wir bewegen uns wieder Richtung Monotheismus.
Monotheismus oder Polytheismus?:
A) Toleranz und
Intoleranz: Humes These lautet hier, dass der Polytheismus gewöhnlicher
toleranter als der Monotheismus ist, da er die Macht und Aufgaben seiner
Gottheiten ein- schränkt. Im Monotheismus wird hingegen nur ein einziger
Gegenstand der Gottesverehrung anerkannt, weshalb die Anbetung anderer
Gottheiten als absurd und gottlos gilt.
B) Mut und Demut:
Wird den Menschen eine Gottheit als unendlich überlegen dargestellt, so fördert
dies Erniedrigungen in Form von Buße, Demut und geduldigem Leiden. Halten wir
die Götter den Menschen aber als nur wenig überlegen, so können wir
ungezwungener zu ihnen beten und sogar mit ihnen wetteifern, was Tugenden wie
Mut, Großherzigkeit und Freiheitsliebe hervorbringt.
C) Vernunft und
Vernunftwidrigkeit: Aber auch wenn der Polytheismus in vieler Hinsicht
„menschlicher“ ist, so genügt er dennoch weniger den philosophischen Ansprüchen
als der Monotheismus. Er gibt einfach keine Antworten auf die Frage nach dem
letzten Grund der Dinge. Zudem ist der Polytheismus Voller Absurditäten, was
Hume mit dem ägyptischen Glauben an Tiergötter begründet. Aber auch wenn der
Monotheismus eher den philosophischen Ansprüchen genügt, so steckt auch dieser
voller Widersinn. Hume appelliert an seine Mitphilosophen, sich auf keinen Fall
mit der katholischen Kirche zu arrangieren, da bei ihr nur die Meinung die
Oberhand gewinnt, die dem klaren Verstand am entschiedensten zuwiderläuft.
Religiosität, eine Bedrohung der Moralität:
Selbst die meisten liberalen Christen meinen, dass die Ethik des Neuen Testaments vorbildlich und Religion eine notwendige Bedingung für Moralität sei. Hume sieht das ganz anders:
Seiner Ansicht nach ist Religiosität eine Gefahr für die Moral, weshalb die vielen Verbrechen, die im Namen der Religion geschehen sind und noch geschehen, nicht überraschen sollten; sie seien nämlich nichts anderes als die Pervertierung der Moral durch die Religion. Für Hume ist es rätselhaft, dass religiöse Übungen oft sehr viel anstrengender sind als tugendhaftes Handeln.
Diese werden aber dennoch mit
zügellosem Eifer der Gläubigen betrieben, z.B. wie das Fasten im Christentum
und Islam (Ramadan). Für Hume existiert im emotionalen Nahbereich eine
natürliche Moral, im emotionalen Fernbereich motivieren uns rational-egoistische
Überlegungen, moralisch zu sein. Doch wenn ein Mensch z.B. eine Schuld bezahlt,
so ist ihm seine Gottheit in keiner Weise dankbar, weil er dazu verpflichtet
war. Aber wenn er z.B. einen Tag lang fastet, so hat das seiner Meinung nach
eine direkte Beziehung zum Dienst an Gott. Je unnatürlicher und absurder die
Verehrung einer Gottheit ist, z.B. in Form von Kreuzzügen, desto deutlicher
bekundet der Gläubige vor sich und anderen sein gottgefälliges Leben. Nach
Humes Überlegungen verhalten sich die Menschen sich nicht deshalb unmoralisch,
weil ihre Natur verderbt ist, „sondern weil sie in abergläubischer oder
schwärmerischer Weise religiös sind“. Aber auch der gläubige Mensch hat
„natürliche moralische Gefühle“ und wird lt. Hume „nach Ausführung seines
Verbrechens“, wie etwa den Kreuzzügen unter Gewissensbissen und Angstgefühlen
leiden. Und deshalb wird er sich umso mehr in religiöse Riten und Zeremonien
flüchten. Somit ist es durchaus im Interesse der Kirchen, wenn die Gläubigen
gar nicht so moralisch sind. Umgekehrt gilt, dass nichts aus dem Aberglauben
mehr zu schaden vermag als eine „mannhaft, standfeste Tugend, die uns entweder
vor unheilvollen und melancholischen Zufällen bewahrt, oder sie uns ertragen
lehrt.
Schlussbetrachtung:
Hume zufolge ist die Religion nicht von überirdischer Herkunft, sondern sie ist ein Produkt des Menschen, das nach menschlichen Maßstäben zu beurteilen ist. Dieselben psychologischen Grundkräfte (Affekte der Hoffnung und Angst), die zur Entstehung der Religion führten, bestimmen auch ihren weiteren Gang und bleiben in ihrer gesamten Entwicklung lebendig. Die verschiedenen Religionen haben somit weder einen logischen noch einen ethischen Grund, sie haben lediglich eine anthropologische Ursache. Zwar nimmt der Aberglaube immer verfeinerte Formen an, aber sein innerstes Wesen verändert sich nicht. „Wenn man die meisten Völker und Jahrhunderte überblickt und diejenigen religiösen Prinzipien untersucht, die tatsächlich in der Welt geherrscht haben, so wird man feststellen, dass sie nichts anderes als die Träume kranker Menschen sind“.
Obwohl Humes Werk die erste
systematische Abhandlung auf dem Gebiet der Religionspsychologie, und
-soziologie war, ist sie heute kaum bekannt oder gar einflussreich. Von den
großen Denkern fand sie nur der Philosoph Schopenhauer einer Würdigung wert.[26]
Darin wollte Hume die einzelnen
Essays eigentlich in Form einer Wochenzeitung veröffentlichen, er hatte aber
keine rechte Zeit und Muse dies zu verwirklichen.
Hier ein geradezu ungehemmtes
springen von einem Thema zu anderen, da er, wie zuvor es auch schon F. Bacon
getan hatte, unterschiedliche Themen abhandeln. Er versuchte z.B. auch den
Gemäßigten in den verschiedenen Parteien Schützenhilfe zu geben, damit die
Macht sich langsam zu deren Gunsten verschieben kann. Ehrlichkeit «Honestum»
und vor allem Mäßigung «moderatio» sind Hume zufolge die entscheidenden
politischen Tugenden.
Weiter findet Hume, dass er aus
Sicht eines unparteiischen, aufgeklärten und historisch geschulten Philosophen
den optimalen Blickwinkel hat, um solche politischen Themen zu behandeln. Hume
arbeitet in diesen Essays sehr objektiv, wobei in zentralen Fragen immer zwei
konträre Positionen zu Wort kommen und es kaum Nebenfiguren gibt. Man kann auch
erkennen, dass Hume versucht den auf ideologischen Extremismus sich gründenden
Fanatismus abzubauen und nimmt hier, anders als im «Treatise» dazu Stellung von
welchen Ideen und Denkern er sich konkret abgrenzte.
Hume selbst sagt wegen der
schnellen Verbreitung dieser Sammlung; es sei die erfolgreichste seiner
Arbeiten. Die Reaktion auf das Werk auf dem Festland Europas insgesamt war sehr
intensiv und positiv, vor allem in Frankreich! Dieses Werk war als einziges
sogleich erfolgreich, sie musste schon nach wenigen Monaten neu editiert
werden. Für A. Smith war es wahrscheinlich von größerem Nutzen als irgendein
anderes Buch was damals zu diesem Thema auf dem Markt war.
Aufbau: 12 gesammelte Essays dieses
Buches folgten als 2. Band den Essays, Moral, Political, and Literary aus dem
Jahre 1742.
4 Essays davon sind zur
Politischen Philosophie zu zählen, wobei die anderen 7 zur Politischen Ökonomie
gehören und 1 zum Gebiet der Demographie.
Inhalt: Es handelt sich hier um
vermischte Schriften über die Handlung, die Manufakturen und die anderen
Quellen des Reichtums und der Macht des Staates[27].
Es werden Fragen der
Wirtschaftstheorie und der politischen Philosophie behandelt, außerdem setzt
sich Hume mit dem Problem des Bevölkerungsreichtums in den antiken Staaten
auseinander (inclusive einer scharfen Kritik der Sklaverei).
Er verbindet in diesem Werk
besonders gut die Reflexionen des politischen Ökonomen mit den praktischen
Ansichten des Staatsbürgers und behält dabei immer die Interessen der Menschen
im Auge, was wohl auch zu dem besonderen Erfolg des Werkes geführt hat.
Das Nützliche ist mit dem Streben nach dem Angenehmen
für das Individuum verbunden und fördert das Wohlwollen gegenüber den
Mitmenschen.
Für Hume ist, wie schon für Locke,
der Naturzustand des Menschen, der von Grotius und Hobbes als Kriegszustand
gekennzeichnet wurde, durch bestimmte Formen des gesellschaftlichen
Zusammenlebens bestimmt, die durch das Gefühl des gemeinsamen Interesses
zwischen den Menschen zustande kommen.
Hume lehnt in den
staatstheoretischen und historischen Darlegungen die Vertragstheorie ab. Er
befürwortet die auf dem Prinzip der Gewaltenteilung beruhende konstitutionelle
Monarchie, da sie der natürlichen Eigenart der Menschen am besten entspreche.
Hume bestreitet die Existenz einer objektiven Grundlage für das Schöne. Das
Schöne ist keine Eigenschaft der Dinge. Das Schöne existiert nur im Bewusstsein
des Betrachters.
Jedes Bewusstsein nimmt eine
besondere Schönheit wahr.
In seinen ökonomischen Ansichten
ist Hume ein Vorläufer der Freihandelstheorie von Smith und Ricardo:
Erst der Handel stimuliert seiner
Lehre zufolge die agrarische Produktion mehr zu erzeugen, als die
Landbevölkerung selbst verbraucht, da er für das überschüssige Produkt ein
nützliches Äquivalent herbeischafft. Auf diese Weise befördert er auch die
Manufakturen und die Verfeinerung der handwerklichen Tätigkeit.
Je entwickelter Landwirtschaft,
Manufakturen und Handel sind, desto größer ist die Macht des Staates. Den
Geldzins leitet er aus dem Handelsprofit ab. Die Höhe des Zinsfußes stellt für
Hume eine Maß dar, an dem man ablesen kann, wie das wirtschaftliche Leben der
Gesellschaft floriert.
Dieses Thema wird schließlich weiter bearbeitet im letzten Teil des «Treatise of Human Nature».
Hume erkennt keine andere Quelle für den
Ursachenbegriff an als die der Erwartungsbildenden Wiederholung des
Zusammengehens von Ereignissen oder Gegenständen. Daher gibt es für ihn keinen Unterschied
zwischen finalen und Wirk- oder effizienten Ursachen und ebenso wenig einen
Unterschied zwischen der ihnen entsprechenden moralischen und physikalischen
Notwendigkeit geben kann. Er verwirft damit die Annahme eines Selbst mit
Handlungs- oder Willensfreiheit.
Die Merkmale des Selbstbegriffs bei Hume kann wie
folgt zusammengefasst werden: 1) Identität und Einfachheit durch alle
Veränderungen eines menschlichen Lebens hindurch 2) unmittelbare Gewissheit
seines Gegebenseins 3) Gewissheit eines ununterbrochenen Gegebenseins.
Mit diesen Merkmalen trifft Hume weder Descartes noch
Locke noch Hobbes. Selbst ist eine Kraft zu handeln. Seine Kritik am
intentionalen Kausalitätsbegriff wird erst durch die Kritik am Selbstbegriff
vollständig: kein Subjekt oder Selbst in einem Sinneseindruck!)
Der Moralbegriff bei Locke kann subjektivistisch
bezeichnet werden, so dass nicht die Tätigkeit eines Subjektes beschrieben
wird, sondern nur die Wirkung, genauer gesagt die ständige Zusammengehen
bestimmter Phänomene. Das Gute (wie bei
Locke, Leibniz und Aristoteles) wird von allen vernünftigen Wesen notwendig
angestrebt.
Die Auffassungen der Philosophen vor Hume (von Plato,
Hobes, Descartes, Aristoteles, Locke und Leibniz) kann wie folgt
zusammengefasst werden:
1) Das Gute ist
ein möglicher oder wirklicher Zustand des Glücks
2) Über Charakter und Verwirklichungsbedingungen des
Glücks lassen sich Aussagen machen, die auf die rationalen Erkenntnisse der
Angemessenheit eines Zustandes an die Bedürfnisse oder Strebungen der Natur
oder des Wesens der Menschen beruhen.
3) Das Gute verpflichtet alle zu seiner Verwirklichung,
die es kennen können.
Man kann Humes Moralkritik auf zwei Punkte
zusammenfassen: 1) Regeln der Moral müssen einen Einfluss auf Handlungen und
Emotionen haben und b) die Vernunft oder die Betrachtung von Vorstellungen oder
Ideen in solchem Einfluss ist völlig impotent, woraus folgt, dass Regelen der
Moral keine Schlüsse unserer Vernunft sind. Anstoß für moralische Handlungen
gehen nicht vom Verstand aus, sondern werden sie nur von Verstand geleitet.
Nach Hume ist es nicht die Betrachtung einer Vorstellung, ob wir sie der
Vernunft oder dem Willen zuschreiben, sondern eine Emotion der Ab- oder
Zuneigung und damit eine Leidenschaft (passion) die uns zur Handlung bewegt.
Wie kann es aber Regelen der Moral geben? In den Reaktionen auf die Betrachtung menschlicher
Charakter wird einem moralischen Sinn oder Sinn für Tugend zugewiesen. Die
Tugend zerfallen dabei in die zwei großen Klassen der natürlichen (unmittelbare
Nützlichkeit einer dem betrachteten Charakter entspringenden Handlung) und der
künslichen Tugenden (wie Gerechtigkeit: ihre Nützlichkeit als eine Handlung).
Hume kritisiert die rationalistische Moraltheorie
(Übergang von „ist“ zu „soll“ aus Vernunftgründen).
Jeder Determinismus verträgt sich mit einer
Verantwortlichkeit, die nur als eine Beeinflussbarkeit durch ein System von
Strafe und Lob verstanden wird.
Sein Kausalitätsbegriff schließt eine Unterscheidung
zwischen einer Determination durch Ursachen und einer durch Gründe aus. Es gibt
kein Selbst, das Leidenschaften kontrollieren könnte, sondern nur das allgemeine
Verlangen nach Gutem.
Bei Hume sehen wir die Wiederbelebung der alten
Epikureischen Hypothese: der ewige Selbstbewegung der Materie und Überflüssigkeit
der Annahme eines Naturschöpfers. Daraus folgt, dass das Universum ein Chaos
ewig bewegter Materieteilchen ist, in dem jede mögliche Situation hervorgeht
und sofort zerstört wird.
nach Hume wird Handlungsfreiheit verwirklicht und
maximiert nicht in der Politik oder dem öffentlichen Bereich, sondern in der
Privatsphäre: in Wissenschaft, Kunst, Religion, Salon, Familie, Produktion und
Austausch. Die Freiheit, die bestehenden politischen Verhältnisse zu ändern,
ist mit der Freiheit der Privatsphäre und mit der allgemeinen Wohlfahrt
unverträglich, und Hume lässt an seiner Option und ihren Gründen keinen Zweifel.
Statt der Verwerfung des Determinismus kam Hume zu
seiner Radikalisierung, den die Grundlage seiner Kritik war sein
Kausalitätsbegriff, der eine indeterministische Wahl des eigenen Charakters
noch weniger zuließ als eine Determination durch Gründe.
Humes Irrtum war, dass naturwissenschaftliche Ursache
immer nur etwas ist, worin Kraft oder Wirksamkeit keine Rolle spielt. Aber die
moderne Physik und insbesondere Newtons Theorie zeigt die Ursache nur als
Variablen einer mathematischen Funktion. Für ein Schmid ist uninteressant warum
Eisen schmilzt, sondern unter welchen Bedingungen es schmilzt. D.h. für die
Zwecke der Naturwissenschaften ist es nützlich, dass Kausalität nicht als Kräfte gesehen wird. [28]
Wurde weitgehend in Frankreich
und in sichtweite eines Jesuitenklosters in Einsamkeit geschrieben.
Es lässt sich ein roter Faden erkennen, der sich von einem Abschnitt bzw. Aufsatz zum anderen spannt.
Aufbau: 3 Bände: 1. „Of the Understanding“ –
Kausalitätstheorie – (Endet mit skeptischen
Aufhebung traditioneller skeptischer Einwände)
2. „Of the Passions“ – Naturalismus, d.h.
Mensch werde weniger durch
seine Vernunft als durch seine
Affekte bestimmt
3.
„Of Morals“ - Praktische Philosophie – Grundlage moralischer Urteile
nicht
in Vernunft sondern eher der affektiven Seite des Bewusstseins
zuzuordnen (wie Shaftesbury und Hutchson) ® Probleme der Ethik;
Fragen der Staatslehre und Politik,
Tugendlehre - Moralphilosophie
Inhalt: Diese Schrift umfasst sowohl
theoretische- als auch praktische Philosophie => kann sagen ist
Erstlingswerk und philosophische Hauptschrift (Humes Wunsch ein „Newton“ der
Geisteswissenschaften zu werden). Ein Versuch, die erfahrungsorientierte
Methode der Begründung auf die Gegenstände der Geisteswissenschaften
anzuwenden.
Er meint z.B.: „Vieles sei im
Reich der Ideen in Unordnung geraten und steigt auch schon bald ein mit
Argumenten gegen die Metaphysik. Mit großem Getue so schreibt Hume, umschreiben
und entwerfen Metaphysiker nach eigenem Gutdünken ein Bild der Wirklichkeit.
Mit Hilfe einer übersteigerten Einbildungskraft übertreffen sie einander mit
phantastischen Theorien und erfinden neue Begriffe, die dann für eine große
Einsicht oder gar für eine neue Lehre über Gott und die Welt ausgegeben werden.
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass sie lediglich ein „Hokuspokus“
durch ein „Abrakadabra“ ersetzen.
Und nicht nur viele
Moralphilosophen setzen sich über die Zeugnisse der Sinne hinweg, sondern auch
den Begriffen „Raum“, „Zeit“, „Zahl“, „Ich“, „Seele“, „Identität“, „Ursache“,
„Wirkung“, „Kraft“, „Energie“ oder „Notwendigkeit“ werden Eigenschaften
zugeschrieben, die über den Bereich der Erfahrung hinausgehen. Als Ergebnis
derartiger Begriffsspiele und Wortmalereien entstehen Vorurteile, Fanatismus,
ja Geistesgestörtheit und Wahnsinn. Nicht selten sind daher Metaphysiker voller
abergläubischer Vorstellungen. (…)
Hume will allerdings diese
missliche Situation nicht akzeptieren, sondern das undurchdringliche Gestrüpp
mit Hilfe einer Theorie von der Natur und den Erkenntnisfähigkeiten des
Menschen durchforsten. Eine solche Theorie die eben nicht auf Fiktion sondern
auf Beobachtungen beruht, soll allen Produkten des menschlichen Geistes als
Grundwissenschaft dienen.“[29]
Im Gegensatz zur scholastischen
Methode der Deduktion aus Prämissen, will Hume streng empirisch und induktiv
vorgehen. Die „wahre Philosophie“, wie Hume sie entwirft, soll also nicht nur über
die wirklichen Inhalte des Bewusstseins und über die natürlichen
Bewusstseinsprozesse aufklären, sondern sie soll auch die Vernunft vom
Aberglauben der Metaphysik, von deren Illusionen und Sophismen reinigen.
Zu 1. „Of
the Understanding“: Ausgangspunkt = Perceptions:
(Inhalte des eigenen
Bewusstseins)
â
z.B.: (bewusste)
Sehen eines Buches oder die
(bewusste) Erinnerung
an einen vergangenen Urlaub..
å Unterteilung æ
hinsichtlich ihres
Ursprunges in hinsichtlich
ihrer
der menschl. Natur: Komplexität:
å æ å æ
impression (Impression, Erfahrung) ideas (Vorstellungen)
â â â â
äußere Erfahrung: innere
Erfahrung: Vorstellung
der Vorstellungen der
(Sinneseindrücke) (Empfindung) Erinnerung: Phantasie:
wenn wir was wenn Leidenschaften Erinnerung wo Neuordnung von Erfah-
hören,
riechen, uns bewegen… ich zur Schule renem, z.B. geflügeltes
schmecken ging…
Pferd (noch nie gesehen)
In jenen Funktionen der Einbildungskraft, die Hume so scharf kritisiert, geht es darum, dass die Einbildungskraft Begriffe bzw. Theorien und Systeme erfindet, die die empirische Erfahrung transzendieren, also übersteigen.
Weitere
Einteilung der Perzeptionen:
å
æ
einfache P.: komplexe
P.:
lassen
keine Trennung können in
Teile zerlegt werden u. ihnen muss
oder
Unterscheidung zu. ein einfacher Eindruck
vorangegangen sein.
(z.B.
Pegasus = geflügelt und Pferd)
Fehlt uns ein bestimmtes
Sinnesorgan (blind, taub), so fehlen uns nicht nur die Eindrücke, sondern auch
die Vorstellungen.
Daraus schließt Hume, dass unsere
Bausteine Denkens aus der Welt der Sinne stammen.
Zusammenfassung zum empiristischen
Grundprinzip:
„Alle unsere einfachen
Vorstellungen stammen bei ihrem ersten Auftreten aus einfachen Eindrücken,
welche ihnen entsprechen und sie genau wiedergeben.“[30]
Aber leider nehmen wir Menschen
nun mal unsere Sinneswahrnehmungen nicht immer ernst, wir haben eine Neigung
vieles zu glauben, was erzählt wird und nicht stimmt (Gespenster etc.). Hume
knüpfte an die Tradition des Nominalismus[31] an, welche mit Descartes ihren
Anfang nahm.
Raum und Zeit:
Hume entwickelte einen Test mit
dessen Hilfe man die „wahre“ Bedeutung sprachlicher Ausdrücke bestimmen kann.
Für ihn war die Sprache ein Vehikel, mit dessen Hilfe wir Gedanken ausdrücken
und deren Elemente aus der Welt der Erfahrung stammen.
Er erhob ein empiristisches
Grundprinzip zum Sinnkriterium, genannt eine Art „optisches Instrument“, damit
durchforstete er die wichtigsten Begriffe der Weltdeutung:
A)
Absuchen der Perzeptionen à Gibt es eine Impression oder Idee (ein im
Bewusstsein aufbewahrtes Abbild der Impression), die mit dem Ausdruck
korrespondiert od. nicht?
B)
Korrespondenz =
Ja à Ausdruck ist sinnvoll!
C)
Korrespondenz =
Nein à Ausdruck ist sinnlos, also Produkt der ungenauen
Einbildungskraft!
Nun erfolgt die Anwendung dieses
„Sehwerkzeuges“ auf die Natur unserer Vorstellung von Raum und Zeit: Laut Newton existieren Raum und Zeit von der
sich bewegenden Materie.[32]
Darauf fragte sich Hume (so wie Leibnitz bereits vor ihm), können wir uns von einem Raum ohne Materie, also einem reinen Vakuum, oder von einer Zeit ohne sich verändernde Materie überhaupt eine Vorstellung machen? à Nein: – Somit sind ein absoluter Raum und eine absolute Zeit keine Objekte der Erfahrung und wir können uns davon auch keine Vorstellung machen. Also können auch der von Newton propagierte Raum und die Zeit nicht existieren, somit macht es auch keinen Sinn, von einer Materie im Raum oder in der Zeit zu sprechen; eine Fläche beispielsweise, ist nicht vor dem Körper da, sondern sie ist die Grenze unseres Körpers. Weiter müssen den Begriffen Raum und Zeit Eindrücke zugrunde liegen, da das Material unseres Denkens aus der Welt der Sinne stammt. (Bsp.: Schnell im Kreis drehende Brennende Kohle)
Der Begriff Zeit ergibt sich aus
der Art, wie Eindrücke dem Geist sich darstellen, ohne dass Zeit einen
derselben ausmacht. Also beziehen wir uns bei Raum und Zeit auf verschiedene
Eindrücke oder Vorstellungen, die in einer bestimmten Weise angeordnet sind
oder die einander folgen. Alles das, was somit sinnvoll über Raum und Zeit
ausgesagt werden kann, ist das, wovon die Sinne berichten; und diese berichten
bloß von einem Neben- bzw. Nacheinander von Materie. Solange wir Raum und Zeit
als Entitäten vor der Materie behaupten, sind
sie bloße Fiktionen, denn wir können uns eben keine Vorstellung von einem Raum
oder einem Vakuum machen, in dem nichts Sichtbares oder Tastbares existiert.
Daraus leitet Hume auch seine Infragestellung über die Gewissheit der Geometrie, wie es die Rationalisten behaupten.
Ursache und Wirkung:
Hier geht es um die
Kausalanalyse, um die Begriffe Ursache und Wirkung die man auf dem gleichen Weg
wie Raum und Zeit analysieren kann; z.B. mit der Frage: Welche Kausalerfahrung
liegt den Begriffen zugrunde?
„Wir sind geneigt, uns
einzubilden, wir können diese Wirkungen ohne Erfahrung durch reine Tätigkeit
unserer Vernunft entdecken.“[33]
Tatsache ist, dass Menschen
großartige Schlüsse ziehen, wie ein Ereignis sei die Ursache oder Wirkung eines
anderen Ereignisses sei. Beispiele dafür wären: eine Billardkugel teilt durch
Stoß einer anderen Bewegung mit oder bestimmte Ernährung als Ursache für
Herzinfarkt. (Darauf basiert auch die Menschenkenntnis oder die empirischen
Wissenschaften.)
Eine weitere Annahme, um den
Sachverhalt zu erklären, ist z.B. die Behauptung einer eisenanziehenden Kraft,
wenn wir beobachten, dass Eisenspäne von einem Magneten angezogen werden. Aber:
Es gibt keinen bestimmten Eindruck, der mit Kraft oder Energie korrespondiert,
denn wir nehmen stets nur eine Aufeinanderfolge von Ereignissen war.
D.h. auch wir können uns den
Magneten und die Eisenspäne einzeln auf einem Tisch liegend vorstellen. Selbst
ein Wesen mit einem vollkommenem Verstandesapparat, das jedoch bar jeder
Erfahrung wäre, könnte, wenn es erstmals einen Magneten sähe, nicht darauf
schließen, dass der Magnet Eisen anzuziehen vermag. Denn auf der
Verstandesebene ist alles möglich, aber nur die konkrete Erfahrung zeigt was
reell möglich ist. (Nach einer früheren Behauptung, hatte der Magnet wie der
Mensch Hunger auf Späne, aber wo ist der Magen, da es so auch keine Erklärung
gab, erlangte man das Urteil, das Objekt habe okkulte Eigenschaften). Hume
behauptet auch, dass es eine Impression für Ursache und Wirkung gibt, aber
bisher nur in die falsche Richtung geblickt wurde, nämlich auf das beobachtete
Objekt und nicht auf das beobachtete Subjekt. Denn die Kausalerfahrung besteht
darin, dass wir die wiederholte Abfolge zweier Ereignisse beobachten, und zwar
die Bewegung der Eisenspäne (Ereignis der Art b), falls ein Magnet in eine
bestimmte Nähe gerückt wird (Ereignis der Art a). Haben wir n Mal beobachtet,
dass dem Ereignis der Art a das Ereignis der Art b folgte, so gewöhnen wir uns
an diesen Zusammenhang und verspüren eine Nötigung, ein Ereignis der Art b zu
erwarten, falls ein Ereignis der Art a eintritt. Wir nennen dann ein Ereignis
der Art a die Ursache des Ereignisses der Art b. Dieses Gefühl der Nötigung
bewirkt, dass wir von Kraft, Notwendigkeit und Energie sprechen, aber dann
–fälschlicherweise– diese Eigenschaften in die Dinge projizieren und sie als
Qualitäten der Gegenstände (oder Ereignisse) behaupten.[34]
Aus dieser von Objekt- auf die
Subjektseite Verlagerung, ergibt sich der Aspekt des von Hume eingeschlagenen
Weges, der von der objektorientierten Naturphilosophie zu einer Philosophie der
menschlichen Natur führt.
Das Problem der Einbildungskraft:
Nach einer Analyse der kausalen
Beziehungen ist Hume zu dem Schluss gekommen, dass auch sie zu einem
wesentlichen Teil Produkte der Einbildungskraft sind.
Denn „Ursache“ und „Wirkung“ sind
keine „intrinsischen“ Eigenschaften der Objekte, sondern Zutaten des
betrachtenden Subjekts, das mit bestimmten Erfahrungen (wiederholtes Austreten
zweier Ereignisse) konfrontiert ist.
Nicht mit Hilfe des reinen
Denkens, sondern mit Hilfe der Einbildungskraft ordnen wir die Welt der
Impressionen nach kausalen Gesichtspunkten.
Kausale Beziehungen sind somit
durch konkrete Erfahrungen nahe gelegte Zutaten des betrachtenden Subjekts, die
–fälschlicherweise- in die Objektwelt projiziert und dann als Eigenschaften der
Ereignisse angenommen werden.
Betrachtet man diese Einsicht, so
kann man nun präzise den Ausgangspunkt des «Treatise of Human Nature»
formulieren: Hume begründet eine empirische Lehre von der Natur des Menschen
und kann deshalb nicht auf kausale Beziehungen verzichten, denn sie sind „für
uns der wirkliche Mörtel des Universums.“ Da allerdings auch kausale
Beziehungen Produkte der Einbildungskraft sind, will er „innerhalb der Einbildungskraft
die Antriebe unterscheiden, die dauernd, unwiderstehlich und allgemein sind,
wie der gewohnte Übergang von Ursachen zu Wirkung und von Wirkungen zu
Ursachen; und diejenigen, die veränderlich, schwach und unregelmäßig sind…. Die
ersteren sind die Grundlage aller unserer Gedanken und Handlungen, so dass mit
ihrem Verschwinden die menschliche Natur alsbald zugrunde gehen müsste. Die
letzteren sind für die Menschen weder unvermeidlich, noch nötig, noch auch nur
für ihre Lebendführung von Nutzen…Es werden darum die ersteren von der
Philosophie anerkannt, die letzteren verworfen.“[35]
Induktionsproblem:
Hume geht nun dazu über die
Induktiven Schlüsse zu analysieren und zu erklären, wie er das auch schon mit
den Begriffen der Ursache und Wirkung getan hat.
Als Ausgangspunkt dient hier
erneut die Kausalanalyse wie weiter oben schon beschrieben. Genauer gesagt
verstehen wir in diesem Zusammenhang, dass wir etwas beobachten und daraus
Schlüsse für künftige Ereignisse ziehen (Prognosen erstellen). Aber ist dieser
Denkschritt: Übergang von Beobachtetem auf Unbeobachtetes überhaupt
gerechtfertigt?
Das Problem was nun auf uns
zukommt ist der Versuch die Gleichförmigkeit mit einer zirkulären Argumentation
zu erklären. Das was begründet werden soll (nämlich: Gleichförmigkeit des
Naturverlaufs) wird als gegeben vorausgesetzt, d.h.: Warum q? Weil p und weil
q! Also kann man hier nochmals sagen, dass diese These sowohl deduktiv, als
auch induktiv nicht gerechtfertigt ist. Denn über den induktiven
Begründungsversuch, wird das erst noch zu begründende schon als gegeben
vorausgesetzt, und der Schluss ist somit gehaltserweiternd. Also es gibt
überhaupt keine Begründung dazu und dieser Glaube ist einfach nur (lt. Hume)
ein Produkt der blinden Einbildungskraft.
Substanzanalyse:
Hier geht Hume der Frage nach:
Woher stammen eigentlich die Sinneseindrücke (z.B. im Zusammenhang der Klasse
der ideas), also die eigentlichen
Bausteine unseres Denkens?
Hume knüpft an 2 verschiedene Theorien an:
(1)
Die von Locke: Sinneseindrücke werden von
materiellen Gegenständen außerhalb des betrachtenden Subjekts verursacht. (=
materieller Realismus)
(2)
Die von Berkeley: Den Inhalten unseres Bewusstseins
entspreche keine materielle Existenz. (Da wir an keiner Wirklichkeit teilhaben,
die außerhalb unseres Bewusstseins liegt, können wir auch nicht wissen, ob es
Gegenstände außerhalb unseres Bewusstseins gibt und ob diese die Ursache
unserer Eindrücke sind.) Seine These: Es gibt doch eine Welt außerhalb unseres
Bewusstseins, dieser Welt sein geistiger Natur, nämlich Gott.
Es existieren nur Subjekte und der Allmächtige, der den Subjekten gleichsam auf
telepathische Weise seine Ideen miteilt. (= immaterieller Realismus)
Genauer, Hume stieß auf diese
beiden Aussagen, als er die Frage nach der Existenz der Außenwelt klären
wollte.
Schließlich kommt Hume zu der
Überzeugung, dass Eindrücke von einer Welt außer uns unmöglich seien, denn
alles Wahrgenommene ist in uns und die Sinne berichten von keiner Verdopplung
der Welt. Mit ihrer Hilfe können wir nicht erkennen, woher die Sinneseindrücke
stammen, da auf impressionaler Ebene nirgendwo eine Substanz, ein den
Sinneseindrücken zugrunde liegendes Etwas, aufweisbar ist. Zwischen das Ich und
der Außenwelt tritt also das Bild (d.h. Bilder und Eindrücke der Wirklichkeit),
welches von den verschiedenen Körperbeschaffenheit oder Konstitution der
Menschen abhängt (dem einen mag was bitter schmecken, was der andere als süß
empfindet).
Also, das was wir erfahren ist in
uns und als dasjenige was außer uns ist, können wir nicht erfahren, deshalb ist
auch der Glaube an eine (materielle oder spirituelle) Außenwelt unbegründet.
Trotzdem ist, es in dem Sinne natürlich, so, dass der Glaube an die Außenwelt,
ähnlich dem Glauben an die Gleichförmigkeit des Naturverlaufes, von allen Menschen
(oder doch von den allermeisten) geteilt wird.
Darum unterscheidet Hume in der
Frage, was denn nun die Außenwelt sei, an die wir glauben, eine „falsche
philosophische“ und eine „populäre“ Position.
1.
Die Philosophen nehmen die Existenz von Objekten
an, die unabhängig und verschieden von unseren Wahrnehmungen existieren und
diese zu einem erheblichen Teil auch verursachen sollen.
2.
Der populäre Standpunkt nimmt an, dass das Objekt
und Wahrgenommenes als identisch gilt. D.h. wenn wir nicht gerade
philosophieren nehmen wir an, dass die Sonne, die wir wahrnehmen, „außer uns“
existiert und auch existiert, wenn wir sie nicht wahrnehmen.
(= selbständige Existenz des Wahrgenommenen)
Trotzdem ist der populäre
Standpunkt aus philosophischer Sicht falsch, da wir nicht die Wirklichkeit
wahrnehmen, sondern nur ein Abbild von ihr (welches sich auch unterschiedlich
darstellt, je nach Stimmung und Aufnahmefähigkeit).
Also nun doch keine selbständige
Existenz des Wahrgenommenen?
Während wir auf rein rationalem
Wege nicht einmal begründen können, dass wir uns in keinem ewigen Traumzustand
befinden, nehmen wir es im alltäglichen Leben als selbstverständlich an, dass
ein Gutteil des Wahrgenommenen außer uns sei. Trotzdem wird uns schnell
bewusst, dass das Wahrgenommene in uns ist, also verfügen wir doch über keine
Erfahrung der Außenwelt.
Tatsächlich können von einem
empirischen Standpunkt aus keine begründeten Aussagen über die Außenwelt
getroffen werden, während der Glaube an die Gleichförmigkeit des Naturverlaufes
„bloß“ unbegründbar war, dennoch sind beide Glaubensinhalte natürlich (werden
von allen geteilt), ja sogar lebensnotwendig.
Hume kommt hier zu einem Punkt
des Scheiterns seiner Philosophie und bringt das auch in seinem Werk zum
Ausdruck.
Diese Form des skeptischen Zweifels,
in Bezug auf die Vernunft sowohl als auf die Sinn, ist eine Krankheit; die
Lösung der auf diese Weise aufgeworfenen Probleme muss außerhalb dieses
Zweifels gesucht werden.
Ich-Analyse:
Hume geht hier erst auf die
Bündeltheorie ein, die besagt, dass ein Gegenstand nichts anderes ist, als ein
Bündel von Eigenschaften. Allerdings dichtet unsere Einbildungskraft dem noch
in der Außenwelt etwas hintenran, wie etwa ein unbekanntes Etwas oder eine
ursprüngliche Substanz oder Materie. Wobei dieses „Etwas“ oder die
„ursprüngliche Substanz“ nach rationalistischer Lehre sogar eine klare und
deutliche Vorstellung sein soll.
Wie die Substanzanalyse gezeigt
hat, ist dem nicht so; und dies gilt auch für das ICH.
Hume geht hier auch auf die geistige Substanz, die Seele ein (nach Berkeleys Analyse der Lockeschen Substanzen).
Hume fragt sich in der
Ich-Analyse nach jener Substanz, worauf unsere verschiedenen Eindrücke und
Vorstellungen sich beziehen sollen. Er kommt erneut zu einem negativen
Ergebnis, da wir keinen Eindruck von etwas haben können, das nicht selbst
Eindruck sein kann. Wir haben also keinen Zugang zu einem ICH als Substanz, so
können wir auch nicht sagen, ob das Ich (oder auch die Seele) materiell oder
immateriell ist.
„Jede wirkliche Vorstellung muss
durch einen Eindruck veranlasst sein. Unser ICH aber ist kein Eindruck. Es soll
ja vielmehr das sein, worauf unsere verschiedenen Eindrücke und Vorstellungen
sich beziehen“[36]
Diese Einsicht veranlasste Hume zu einer impressionistischen Weltsicht, die in
der westlichen Kultur einzigartig ist. Hume findet nichts Identisches im
Lebensstrom. Die empirische Analyse bricht das Ich in Stücke.
Wieder einmal dichtet die
Einbildungskraft aus verschiedenen Ähnlichkeiten eine geistige, mit sich
identische Substanz hinzu.
Die Seele ist, soweit wir uns
einen Begriff von ihr machen können, nichts als ein System oder andauernder
Strom von Perzeptionen: Wärme und Kälte, Liebe und Zorn, Gedanken und
Empfindungen. Alle diese Perzeptionen sind zusammen vereinigt, ohne dass es etwas
vollkommen Einfaches und durchgängig Identisches gäbe. Es sind die vielen
einfachen Perzeptione, die zusammen den Geist bilden (nicht dem Geist
zugehören).
Wir haben keine Vorstellungen von
Substanzen seien sie materiell oder geistig, denn all unsere Vorstellungen
hängen irgendwie von unmittelbaren Eindrücken ab. (Bsp. Vorstellung von einem
Pfirsich ist nichts anderes als die Zusammensetzung der Vorstellungen von einem
spezifischen Geschmack, von besonderer Farbe, bestimmter Form, Größe,
Konsistenz, etc.)
Außerdem sagt er, dass weder das
ICH noch irgendwelche körperlichen Substanzen empirische Begriffe sind. Hume
hat für sich aus der ICH-Analyse eine Konsequenz gezogen: „Und wenn meine
Perzeptionen mit dem Tode aufhörten, und ich nach der Auflösung meines Körpers
weder denken, noch fühlen, noch sehen, weder lieben noch hassen könnte, so
würde ICH vollkommen vernichtet sein; ICH kann nicht einsehen, was weiter
erforderlich sein sollte, um mich zu etwas vollkommen «Nichtseiendem» zu
machen.“[37]
Letztendlich ist Humes Empirismus
gescheitert.
Hier sind wir schon mitten in dem
Schlusskapitel des Treatise: „Nachgedanken eines Zwei-flers“, welches
wohl auf Kants geistige Entwicklung entscheidenden Einfluss genommen hat.
Hume beschäftigt sich hier mit
klaren Existenzfragen und vergleicht sich mit einem Menschen der, der auf viele
Sandbänke aufgelaufen ist, den die Schwäche und die Gesetzlosigkeit der
geistigen Vermögen zur Verzweiflung bringt und ihn benahe veranlassen, lieber
auf dem öden Felsen auf dem er sich augenblicklich befindet umzukommen, als
sich auf jenen grenzenlosen Ozean zu wagen, der sich in die Unendlichkeit
erstreckt….Er findet sich durch seine Philosophie ausgestoßen, wie ein
ungeschlachtetes Ungeheuer, dass nicht geeignet ist sich unter die Menschen zu
mischen.
Er sagt: „Wenn ich den Blick nach
außen richte, so sehe ich auf allen Seiten Streit, Widerspruch, Zorn und
Verleumdung. Wenn ich mein Auge nach innen richte, so finde ich nichts als
Zweifel und Ungewissheit…“[38]
Es tut sich eine Depressive
Stimmung aus und er denkt über alles skeptisch nach, ja er verfällt regelrecht
in diesen Zustand und hat Mühe sich da wieder herauszuwinden.
Zu 2.: „Of the Passions“: Die Impressionen, die eigentliche Basis der
Philosophie:
Dieses zweite Buch ist wesentlich
leichter zu lesen.
Es geht hier mehr um die Gefühle,
also um die eigentlichen Antriebe in der Natur des Menschen, wie die komplexe
Welt der Empfindungen, den irrationalen Teil der menschlichen Natur. Wie
bereits aus dem „Letter to a Physician“ klar hervorgeht, soll eine Analyse der
Affekte (neben der Analyse der Erkenntnisfähigkeiten) als Grundlage einer
aufgeklärten Moralphilosophie dienen, wie sie dann von Hume im 3. Buch des
„Treatise“ ausgearbeitet wird. Allgemein galten nun die Leidenschaften der
Menschen als die lebendigen Impulse, die das seelische Geschehen als Ganzes
erst anregen und in Gang halten.
Von allen Seiten erschallt im
18.Jhd. der Ruf nach einer „Emanzipation der Sinnlichkeit“.
Der Stoizismus des
vorangegangenen Jahrhunderts wird von einer stark epikureisch gefärbten
Grundstimmung abgelöst.
u 2.: „Of the Passions“: Die Impressionen, die
eigentliche Basis der Philosophie:
Empirische Seelenforschung:
Bereich der
seelischen Empfindungen, wie Schmerz, Kummer, Liebe, Hass oder Freude werden
hier analysiert.
Wie
entstehen diese Gefühle? Wie hängen sie voneinander ab?
Klassifikation:
å â æ
primäre & sekundäre:
heftige
& ruhige*: direkte
& indirekte:
å æ å Intensität æ å æ
= originär =
mittelbare =
Im 1. Buch noch These: werden unmittelbar von
denen keine
Perzeption können viele andere Impressionen
intensiver (un-)
angenehmen
vorangegangen
ist; Perzeptionen
auslösen: als Vorstellungen! Gefühlen ausgelöst.
aus
Körperbeschaffenheit, 2
Empfindungen ruhig
= genuine Gefühl z.B.
Ich sehe Haus z.B. Stolz
den
Lebensgeistern oder spielen hier
á Rolle: unmittelbar entsteht dieses
Haus
Objekteinwirkung
auf Pain und Pleasure, Wunsch
es zu zu besitzen.
Äußeren
Organe entstehen. sonst gibt es
kein: ê ê besitzen
oder:
z.B: Hungergefühl z.B: Hass & Liebe Hass & Liebe Schönheit & Schmerz & Neid
&
Elternliebe Stolz & Kleinmut Gram & Freude Hässlichkeit Abscheu Mitleid
à
Diese Einteilung Humes ist weit entfernt von Genauigkeit!
* Es gibt neben den genuin ästhetischen Gefühlen noch die genuin moralischen Gefühle,
z.B. das allgemeine Streben nach dem Guten. Es handelt sich jedoch hier nicht um primäre Gefühle.
Es steht für Hume fest, dass es gewisse ruhige Begehrungen und Neigungen gibt, die nur eine geringe Gefühlsregung im Geist hervorrufen und mehr an ihren Wirkungen erkannt werden, als auf Grund des unmittelbaren Gefühls oder Empfindens. Es sind zwei Arten von Begehren (z.B. Instinkte wie Wohlwollen, Liebe zum Leben oder andere Art: das allgemeine Streben nach dem Guten). Oder z.B. heftige primäre Affekte sind Wunsch, dass unsere Feinde bestraft und unsere Freunde glücklich werden, sowie Wollust, Hunger und einige andere körperliche Begierden.
Hume beschäftigt sich in seinen
weiteren Überlegungen fast ausschließlich mit indirekten Gefühlen, da sie in
der Moraltheorie eine fundamentalere Rolle als jene Affekte spielen, die von
angenehmen oder unangenehmen Erlebnissen unmittelbar ausgelöst werden.
Weiter will Hume zeigen, dass der
Entstehung und Veränderung von Affekten ein Mechanismus zugrunde liegt, der so
sorgfältig wie bei physikalischen Gegenständen untersucht werden kann, er
entwirft eine Genealogie[39]
der menschlichen Gemütsbewegungen.
Z.B.: „Die Regeln der Baukunst
fordern, dass der Oberteil einer Säule schlanker sei, als ihre Basis, und zwar,
weil eine solche Form uns die angenehme Vorstellung der Sicherheit gibt,
während die umgekehrte Form die unangenehme Vorstellung von Gefahr in sich
schlösse.“ [40]
Hume meint, dass wir Gefühle
nicht mit einem Blasinstrument vergleichen können, „das in der Aufeinanderfolge
der Noten jedes Mal sofort den Klang verliert, wenn der Luftstoß (der ihn
erregte) aufhört“; Gefühle gleichen „vielmehr einem Saiteninstrument, bei dem
die Schwingungen nach jedem Strich (noch eine Zeitlang) fortfahren, ihren Klang
zu erzeugen, und ihn nur allmählich und unmerklich ersterben lassen. Die
Einbildungskraft ist „schnell und beweglich“, Gefühle sind hingegen „langsam
und beharrlich“.
Sympathie:
Lebewesen sind nach Humes
Beobachtung weitgehend heteronom.
Es gibt nach Hume eine
zwischenmenschliche, affektive Kommunikation, eine natürliche Einstimmung in
die Seelenlage anderer. Sie geht sogar soweit, dass unser Selbstbild von dieser
affektiven Kommunikation geprägt ist und wir uns beispielsweise: „ solcher
Krankheiten schämen, die andere mit angehen und für sie gefährlich oder
unangenehm sind, wie Epilepsie.
Sympathie ist also die Fähigkeit, Gefühlszustände miteinander auszutauschen, und erst sie macht das Leben lebenswert: „Welche anderen Affekte uns auch antreiben mögen, Stolz, Ehrgeiz, Geiz, Neugierde; Rachedurst oder sinnliche Begierde, die Seele, das belebende Prinzip in ihnen allen, ist die Sympathie. Sie alle hätten gar keine Macht, wenn wir bei ihnen ganz von den Gedanken und Gefühlen anderer absehen. Wenn also alle Naturkräfte und Elemente sich verbänden, um einen Menschen zu dienen und zu gehorchen, wenn die Sonne auf einen Befehl auf- und unterginge, das Meer und die Flüsse nach seinem Belieben fluteten, er würde doch elend sein, bis ihr ihm wenigstens einen Menschen gebt, mit dem er sein Glück teilen, und dessen Wertschätzung und Freundschaft er genießen kann.
Hume teilte, wie man hier sieht,
ganz offensichtlich die Meinung des Aristoteles, dass der Mensch von Natur aus
ein „zoon politikon“, ein „geselliges Wesen“ ist.
Freiheit und Notwendigkeit:
Hume diskutiert in diesem Buch
auch die für jede Moralphilosophie zentrale Frage nach der Freiheit des
menschlichen Willens.
Willen ist nach Hume ein
innerlicher Eindruck, den wir fühlen und dessen wir uns bewusst werden, wenn
wir mit Bewusstsein eine Bewegung unseres Körpers oder eine Perzeption des
Geistes ins Dasein rufen.
Er geht zur Beantwortung der
Frage von 2 Beobachtungen aus:
1.
die meisten Menschen, dass Geisteskranke „keine
Freiheit“ besitzen; ihr Handeln ist notwendig. In Krankheitsphase ist Willen
unfrei (werden deshalb auch nicht zur Verantwortung gezogen). Normale Menschen
dagegen können frei entscheiden ob sie dieses oder jenes, gutes oder böses tun.
2.
die allermeisten Menschen nehmen eine gewisse
Konstanz im Verhalten anderer (normaler) Menschen an, z.B. erwartet ein Fürst,
der seinen Untertanen eine Steuer auferlegt, ihre Fügsamkeit und Gehorsam.
Jedes Ereignis in der Welt ist
entweder verursacht oder nicht. Im ersten Fall nennen wir es kausal notwendig,
im zweiten Fall geschieht das Ereignis zufällig. Niemand, der menschliches
Handeln beobachtet, geht von der Annahme aus, dass es von der zweiten Art ist,
am wenigsten Moralisten und Theologen. Warum schrecken sie aber dann vor der
Behauptung zurück, dass menschliche Handlungen kausal notwendig seien? „Weil
sie die Freiheit der Indifferenz mit der Freiheit der Spontaneität verwechseln.
Denn es ist eine Sache, eine unverursachte Handlung durchzuführen, aber es ist
eine Andere, dasjenige tun zu können, was man tun will. So sind wir z.B. frei,
wenn wir eine Wanderung machen und es wollen etc. Die Freiheit der Spontaneität
(=Gegenteil von Zwang) gibt es, aber nicht die Freiheit der Indifferenz (als
Gegensatz von Ursächlichkeit).
Motive des Handelns:
Hume geht hier auf den
Vernunftbegriff ein, da es häufig bei wichtigen Entscheidungen zu einem
Widerstreit zwischen den Gefühlen und der Vernunft kommt, wobei die Forderung
aufgestellt wird, sich in seinem Handeln nicht von Emotionen, sondern vom
Verstand leiten zu lassen.
Hume geht gegen den Geist der
Rationalisten vor und behauptet, dass rationale Einsichten allein niemals
handlungsmotivierend sind.
Humes Vernunftbegriff ist also gerade auch im „Zeitalter der Vernunft“, wie die Geistesströmung der Aufklärung des 18. Jhd. im Allgemeinen genannt wird, ausgesprochen originell. Denn ein Descartesschen Rationalismus, demzufolge „klare und distinkte Anschauungen“ sich ohne weiteres der Vernunft erschließen, somit auf rein rationalem Wege substanzielle Aussagen über die empirische Welt gemacht werden können, lehnte David Hume als Empirist entschieden ab. Zudem wusste er bereits „klar und deutlich“ um die antinomische Struktur eines der beiden kognitiven Erkenntnisvermögen, nämlich der Einbildungskraft.
Zu 3.: „Of the Morals“ – Buch der
praktischen Philosophie:
Hume sieht nämlich die Grundlage moralischer Urteile nicht in der Vernunft, sondern (wie Shaftesbury und Hutchenson) in einem „moral sense“, der der eher affektiven Seite des Bewusstseins zuzuordnen ist. Unter dem Titel „Of Morals“ thematisiert das 3. Buch allerdings nicht nur Probleme der Ethik, sondern auch – und sogar schwerpunktmäßig- Fragen der Staatslehre und der Politik. Der Staat und die Rechtsinstitutionen sind für Hume notwendig, weil der Mensch durch die Affekte bestimmt ist, diese aber wegen ihrer egoistischen Grundorientierung die Stabilität der Gesellschaft tendenziell gefährden. Andererseits aber ist gerade diese affektive Orientierung des Menschen am Eigennutz der Ansatzpunkt für eine Vermittlung von privaten und öffentlichen Interessen; um in seinem Handeln sein persönliches Glück zu verwirklichen, braucht der Mensch Hume zufolge nämlich die Gewissheit, dass bestimmte soziale Gegebenheiten, an denen er sein Handeln orientiert, verlässlich sind. Daher haben bei Hume der Staat und die Rechtsinstitutionen vornehmlich die Aufgabe, dem individuellen Handeln eine Basis von „Sicherheit und Ordnung“ zu geben.
Die Fundamente dieser sozialen
Sicherheit sind das Eigentum, der bindende Charakter von Versprechen
(Verträgen), sowie die soziale (Verteilungs-) Gerechtigkeit.
Die neben der politischen Theorie
entwickelte Tugendlehre Humes unterscheidet soziale und persönliche Tugenden
einerseits, sowie künstliche und natürliche Tugenden andererseits. Allen
Tugenden haben nach Hume gemeinsam, dass sie als Eigenschaften wahrgenommen
werden, die Glück bewirken. Soziale Tugenden (wie Wohlwollen und Gerechtigkeit)
tragen zum Glück der anderen Menschen bei, persönliche Tugenden (wie Klugheit
und Mut) eher zu dem ihres Besitzers. Im Allgemeinen werden daher soziale
Tugenden höher geschätzt. Natürliche Tugenden (wie Dankbarkeit) entwickeln sich
aus affektiven Orientierungen, die in der menschlichen Natur selber angelegt
sind. Künstliche Tugenden (wie Gerechtigkeit, Verlässlichkeit oder politische
Loyalität) dagegen werden über die Erfahrung ihrer Nützlichkeit zur Erhaltung
von Sicherheit und Ordnung eigens erlernt. Der Wendung der Moralphilosophie ins
politische entspricht, dass Hume die künstlichen Tugenden weit ausführlicher
behandelt als die natürlichen.
Hume geht insgesamt auf Begriffe
und Dinge, wie Tatsachen und Werte, Moralische Empfindungen, die Rolle der
Phantasie, Künstliche Tugenden, sowie Natürliche Tugenden ein.
Großer Gegenspieler Humes und damaliges Haupt der
Methodisten war John Wesley – dieser war ein Beweis in der damaligen Zeit, dass
Hume mit seiner Ideologie, nämlich unter anderem gegen die religiösen Sitten
und Gebräuche zu argumentieren, auf gefährlichem Fuß lebte. Er wurde z.B. in
eines der Flamengräber des höllischen Infernos gewünscht zumal er ja auch ein
rein Diesseits bezogenes Leben geführt hatte und damit auch seinen
Seelenfrieden gefunden hat.
Die Idea of a perfect commonwelth nahm Einfluss auf
Denken der Väter der amerikanischen Verfassung, insbesondere auf J. Madison.
Auf seinen engen Freund Adam
Smith hatte Humes mit seinen Überlegungen auch Wirkung und gab diesem später
einen Ausgangspunkt für seine «Grundlegung des Wirtschaftsliberalismus» Smith
als Moralphilosoph und Wirtschaftswissenschaftler war mit einer der einzigen
schottischen Aufklärer, der sich in der Gedankenwelt Humes problemlos
zurechtfinden konnte. Er war zudem noch Professor für Moralphilosophie in
Glasgow. Sein Nachfolger, der Schotte, Thomas Reid (1710-1796) war weniger
Freund Humes, doch auch er kannte sich bestens in dessen Erkenntnistheorie aus.
Hume war auch Angriffen auf seine
Philosophie ausgesetzt, wie denen von T. Reid (Hume schätze diesen übrigens
wiederum) oder denen von James Beattie (1735-1803), welcher als konservativer
Ideologe an Humes Philosophie in sofern Kritik übte, indem er den Geist der
britischen Jugend vor Gottlosigkeit, Irrtum und auch vor einer Philosophie zu
schützen habe, die nur zu erfolgreich darin gewesen sei, sittenlockernde Lehren
und Unglauben zu verbreiten
Je nach Region und Kenntnisstand bzw. je nach Überzeugung, wie Schotten waren dem Deismus verfallen oder die Franzosen als Aufklärung, empfanden sie Aussagen von Hume z.B. als zu atheistisch oder zu wenig atheistisch! Damit wird deutlich welch unterschiedlichen Kritiken und Urteile seiner Werke und Lehre er sich anhören musste, was in Bezug auf seine Religionsfeindlichkeit sogar bis zum erfolgreichen Versuch des schottischen Klerus ihm eine ihm zustehende Professur in Glasgow zu verweigern.
Vor allem Kant nahm sich Humes
Lehren sehr an und konnte sich viel daraus nehmen, wie das übereinstimmende
Wider beider Philosophen der rationalistischen Metaphysik, außerdem hat: „Kant
doch selber zugegeben, Hume habe ihn aus dem dogmatischen Schlummer geweckt“[41]. Kant bekam durch Humes Kritik an
der Kausalität eine Anregung, gegen den Anspruch der theoretischen Vernunft,
normale Begriffe zu analysieren und darüber außerhalb der Erfahrungsgrenze zur
Erkenntnis zu gelangen.
Man kann weiter bei beiden
Philosophen erkennen, dass sie die Strömung des Empirismus überwunden haben.
Hume hatte auch Einfluss auf
politische Größen, wie auf das Denken der Väter der amerikanischen Verfassung,
insbesondere auf J. Madison (Idea of a perfect commonwelth).
Des Weiteren wäre in dieser Reihe
noch Albert Einstein zu nennen, welcher in seiner Autobiographie zugab von Hume
einen Positiven Einfluss erhalten zu haben.
Als letzten Beeinflussten führe
ich hier Johann Heinrich Jakobi, der ein guter Freund Goethes war an: “Für ihn
war Hume eine Bestätigung seiner eigenen entschiedenen Trennung von
Beweisbarkeit des Wissens und innerer Gewissheit des Glaubens“[42].
(Allerdings ist hier der Begriff des Glaubens enger gefasst - im Sinne der
überlieferten christlichen Religion- als es in Humes Sinne war, aber Glauben
spielte bei ihm eine wesentliche Rolle.)
Weiterhin schrieb er aus
kosmopolitischer sicht die History of England fast 10 Jahre lang in vier
Bänden.
Am Anfang bekam das Werk einen
Sturm von Entrüstung und wurde danach doch noch eine der einflussreichsten Geschichtsdarstellungen.
Wohl auch deshalb zählte man Ihn in britischen Bibliotheken mehr zu den
Historikern als zu den Philosophen. (Kein sonstiger Philosoph wurde noch so
gesehen.)
Karl Poppers „Schwanengleichnis“
war auch von der Hume’schen Philosophie inspiriert.
Humes Philosophie ist in vielen
Bereichen bis heute einflussreich und wirksam geblieben.
Kant sprach Kompliment an Hume
aus zu Beginn seiner Prolegomena – Man kann weiter bei beiden Philosophen erkennen,
dass sie die Strömung des Empirismus überwunden haben.
Laut Sekundärliteratur wird von
Hum’scher Gabel gesprochen:
In seiner Moralphilosophie war
Hume Vermittler zwischen Hobbes und Shaftesbury
Hobbes
= negatives Menschenbild –
Taube \ lt. Hume von
beiden was richtig!
Shaftesbury = positives Menschenbild – Wolf /
Außerdem schließt er sich in der
Frage der Ethik, Sittlichkeit und Religion im wesentlichen Shaftesbury an.
Im englischen Sprachraum genießt
Hume den Ruhm eines Klassikers, dessen Werke mit derselben Intensität studiert
werden wie in Deutschland die werke Kants oder Hegels.
Der Kern von Humes Aussagen bzw.
von seiner Lehre ist, das er versucht den Dingen mit einem gesunden Maß an
Skepsis (ohne sich ganz der skeptischen Argumentation hinzugeben) und
Menschenverstand auf den Grund zu gehen und wirkt dabei aufklärerisch, wobei er
in seinen Untersuchungen zu vielen Erkenntnissen gekommen ist, welche sowohl
andere Philosophen, als auch ganze Gesellschaften beeinflusst haben.
Dabei ist in seinem Denken eine
starke antimethaphysische Einstellung.
Hume legte auf den praktischen,
ethischen Teil seiner Philosophie einen größeren Wert als auf die
Erkenntnistheorie.
Auf Hume wurde man sehr schnell
auch jenseits der Landesgrenzen aufmerksam.
Wenn man einmal anfängt sich mit seinen Thesen und Werken auseinanderzusetzen findet man sich plötzlich in einer ungeahnt interessanten Tiefe des menschlichen Seins, der menschlichen Natur mit ausschwenken in Religion und Sittenlehre, so dass man kaum mehr aufhören mag weiter zulesen.
[1] Teilgebiet der Ausdruckspsychologie, die sich mit der Deutung der Wesensart eines Menschen
aus seiner Körpergestalt, bes. aus den Gesichtszügen befasst.
[2] Weischedel, Wilhelm: Die philosophische Hintertreppe – 34 große Philosophen in Alltag und
Denken; dtv; 26. Auflage; März 1996; S. 170 – 1. Absatz
[3] Biographie: Kuhlenkampf, Jens: David Hume – Beck’sche Reihe, Große Denker; Auflage; 1996;
München; S. 171 - 173 und Streminger, Gerhard: David Hume – für Rowohlts Monographien;
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH; 3. Auflage 2003; S. 142 - 144
[4] Streminger, Gerhard: David Hume – Sein Leben und sein Werk; 1994; S. 13
[5] von Johannes Calvin (eigentl. Jean Cauvin, frz.-schweizer. Reformator) beeinflusster
Protestantismus, dem in ganz Europa entstandene reformierte Kirche folgte. Luthers Abneigung
gegen Erwerb aus kaufmänn. Tätigkeit war Calvin fremd. Beeinflussung der wirtsch. und sozialen
Gestaltung Westeuropas und Nordamerika.
[6] Streminger, Gerhard: David Hume – Sein Leben und sein Werk; 1994; S. 14
[7] A.a.O.; S. 13
[8] A.a.O.; S. 228
[9] Streminger, Gerhard: Hume – mit Selbstdokumenten und Bildzeugnissen; 2003; S. 121
[10] Humes Philosophie in Grundzügen: S. 22
[11] ebenda
[12] Gottesauffassung
der Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts, nach der Gott die Welt zwar
geschaffen
hat, aber keinen weiteren Einfluss mehr auf sie ausübt
[13] Streminger, Gerhard: David Hume – Sein Leben und sein Werk; 1994; S. 17
[14] Aus der Erfahrung gewonnene Kenntnisse, Erfahrungswissen
[15] Von den Kräften des natürlichen Lebens geformt
[16] Von den Kräften der Technik geformt
[17] Etwas, was als Grundsatz bzw. zielsetzende Festlegung gilt
[18] Verknüpfung von Vorstellungen, von denen die eine die andere hervorgerufen hat
[19] Philosophische Lehre, die das hinter der sinnlich erfahrbaren, natürlichen Welt Liegende, die
letzten Gründe und Zusammenhänge des Seins behandelt
[20] Ableitung des Besonderen und Einzelnen vom Allgemeinen; Erkenntnis des Einzelfalls durch ein
allgemeines Gesetz
[21] Deutlichkeit; Vollständige, überwiegende Gewissheit, einleuchtende Erkenntnis
[22] Phil. Schulrichtung, die den Zweifel zum Denkprinzip erhebt und die Möglichkeit einer Erkenntnis
der Wirklichkeit und Wahrheit infrage stellt
[23] Beschreibend
[24] Schlüsse ziehen
[25] ein selbstloser, uneigennütziger Mensch
[26] Streminger, Gerhard: David Hume – Sein Leben und sein Werk; 1994; S. 428-448
[27] Lexikon Philosophischer Autoren; Hume; 716 - Spalte 1
[28]
Steinvorth,
Ulrich: Freiheitstheorien in der Philosophie der Neuzeit, Wissenschaftliche
Buchhandlung Darnstadt 1978 S. 130-150
[29] Streminger, Gerhard: David Hume – Sein Leben und sein Werk; 1994; S. 154
[30] Streminger, Gerhard: David Hume – Sein Leben und sein Werk; 1994; S. 158
[31] Wurzeln reichen bis tief in die häretische Literatur des Mittelalters
[32] Raum = unendlicher, leerer und homogener Behälter, in welchem sich die Vorgänge der
Körperwelt abspielten. Dieser dreidimensionale Raum besitzt nach Newton keine physikalischen,
sondern nur geometrische Eigenschaften.
[33] Gadamer: Philosophisches Lesebuch; S.216
[34] Streminger, Gerhard: David Hume – Sein Leben und sein Werk; 1994; S. 163-164
[35] aus Übersetzung von Humes: Treatise of Human Nature – Book 1, S. 295f.
[36] aus Übersetzung von Humes: Treatise of Human Nature – Book 1, S. 326
[37] A.a.O.; S. 327f
[38] aus Übersetzung von Humes: Treatise of Human Nature – Book 1, S. 341
[39] Verwandschaftsentwicklungsforschung
[40] Streminger, Gerhard: David Hume – Sein Leben und sein Werk; 1994; S. 187
[41] Gadamer, Hans-Georg: Philosophisches Lesebuch; S. 212
[42] A.a.O.; S. 212