Einführung
in die Wissenschaftstheorie (Teil 3), Vorlesungen an der Ev. Fachhochschule Nürnberg;
Wintersemester 2002/2003
Esfandiar
Tabari (et@falsafeh.com) http://www.falsafeh.com/Vorlesungen_wt.htm
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System:
das Wort hat einen griechischen Ursprung und bedeutet
"zusammenhängend"
·
Unterscheidung der Systeme: (Rophol; Systemtheorie als
Wissensprogramm, Link Hg.)
1.
die funktionale Systeme arbeiten wie ein Black
Box: Input ist gleich Output:

Beispiel: technische und
kybernetische Systeme (Thermometer, Dampfmaschine)
Dabei werden
die Zusammenhänge unter den bestehenden Elementen vernachlässigt und nur
auf die Verbindung mit der
Umwelt geachtet.
2.
die strukturelle Systeme bestehen aus Elementen,
die abhängig voneinander sind.

Aristoteles: "Gesamt ist mehr als die Summe der
Details"
Die Zusammenhänge zwischen den Elementen sind
dabei sehr wichtig.
Beispiel: Betrachten wir ein System bestehend
aus 5 Elementen, die insgesamt n(n-1) Relationen haben können:
5 x 4 = 20
Jede Relation kann existieren oder nicht
existieren. Infolgedessen existieren 2
*20 Möglichkeiten!
Diese Relationen können die Entstehung der
Millionen Systeme innerhalb dieses System verursachen (Subsysteme)
Der Prozess der Systembildung in einem System
wird "Integration" genannt. Beispiel: die Menge der Individuen in
einer Gesellschaft.
3.
die hierarchische Systeme bestehen aus
verschiedenen Subsysteme, die selbst aus verschiedenen Systemen bestehen.

Die Untersuchung
hierarchische Systeme von "Oben" nach "Unten" heißt "Erklärung"
Die Untersuchung
hierarchische Systeme von "unten" nach "oben" heißt
"Verstehen"
Beispiel: historische Materialismus von Karl Marx
Es gibt insgesamt vier
verschiedene System-Begriffe in der heutigen Wissenschaftstheorie:
1)
Allgemeiner Systembegriff von Bertalanffy: Ein System ist eine Menge von
wechselwirkenden Elementen,
z.B. Atom als System
Demnach ist zur Erkenntnis eines Systems nicht nur die Elemente sondern die Wechselwirkung und Relationen unter Elemente in
Betrachtung
kommen. Auf der anderen besitzt das System in seiner gesamten Form
andere Eigenschaften als einfache Summe seiner Elemente.
2)
Kybernetik: Die Theorie der kybernetischen Systeme wurde von Norbert Wiener entworfen.
Ziel der Theorie war
die Herausfindung eine Zusammenhang zwischen organischen und technischen
Systemen.
Kybernetik betrachtet
die Abhängigkeit der Interaktionen unter Systeme. Output eines Systems wird als Input eines
anderen Systems betrachtet. Beispiel: Dampfmaschine: je schneller sie arbeitet, umso mehr steigt das Einstellungshebel, was zur
Erhöhung der
Zentripetalkraft führt. Dies führt seinerseits zur Erhöhung des Drucks in
Druckkammer, wodurch das Einstellungshebel
nach unten gesenkt wird und die Maschine
langsamer arbeitet.
3) Strukturell-funktionelle
Systemanalyse von Max Weber und Talcott Parsons:
Die Theorie der Systeme werden in der
Gesellschaft eingeschränkt. Die
anatomische Untersuchung der menschlichen Gesellschaft
führt zur "Struktur" und die physiologische Untersuchungen zur
Funktion der Gesellschaft.
4) Autopoiesis: die Theorie der autopoietischen Systeme
wurde von Maturana und Varela begründet.
Dabei handelt es sich um die Anwendung der
Systeme in der biologischen Prozesse:
·
Maturana und Varela bei der Untersuchung an menschlichen
Gehirn fanden heraus, dass viele Gehirnsignale nicht mit der Umwelt in
Verbindung kommen und nur zur Erhaltung der Identität der Gehirnaktivitäten
dienen.
erkenntnistheoretisch
zu verallgemeinern: Erkenntnisprozess ist ein autopoietisches System, das zur wissenschaftlichen Erkenntnis
gelingt.
Für dieses System sind
die innere Aktivitäten die Grundlage und die Bedingung für die Erhaltung der
Identität und Organisation.
Z.B. Die Entstehung der Farbe ist eine Folge
der inneren Gehirnsaktivität.
·
Parallel und unabhängig zur Theorie der
autopoietischen Systeme entwickelte sich der "radikale
Konstruktivismus" in der
Wissenschaftstheorie.
(Vorallem von Glaserfeld und Foerster).
·
Konstruktivismus:
Konstruktivistisch bezeichnet man alle Theorien, die irgendwie auf die Rolle des Subjekts als "Beobachter" und "Konstrkteuer" de Wirklichkeit
Acht geben.
Es gibt viele verschiedene Richtungen in Konstruktivismus:
Sprachphilosophischer Konstruktivismus:
Wittgenstein, Lorenz
Evolutionäre Erkenntnistheorie: Vollmer (Die Entstehung der
wissenschaftliche Theorie werden Darwinistisch erklärt und begründet, mit dem Unterschiede, dass in der Wissenschaft
nur eine Theorie die Möglichkeit zum Überleben hat. Die andere Theorie erfüllen
die Falsifikationskriterien von Popper).
Systeme
in der Gesellschaft:
Analog zu Kybernetik
sind die drei Einheiten in der menschlichen Handlung:
Beispiel: Die
Soziologie von Luhmann (1984): Eine Gesellschaft arbeitet wie ein
Organ. Die Tatsache, dass wir ein Baum
sehen, weist darauf hin, dass der Baum
eine Form hat. Form unterscheidet zwischen Baum und Umwelt. Zuerst ist die Form
und dann die Unterscheidung die Quelle der Erkenntnis. Aufgrund der Form des Baumes wird die Art
der Operation in Erkenntnis bestimmt. Ein solches System ist autopoietisch, da aufgrund der Form, die weitere
Operationen (Unterscheidungen) zustande kommen und zwar selbständig. Daraus
folgt, dass ein Organ nur durch Beobachtung
(Form) Erkenntnis (Unterscheidung) herstellt. Das heißt, es gibt zwischen
Subjekt und Umwelt keine Relation auf die Erkenntnisebene.
1) Das
Erkennen der Wünsche der Bevölkerung
2) Die
Umwandlung dieser Wünsche in die politische Wünsche (Input)
3) Die
Umwandlung der politischen Wünsche in
die politische Entscheidungen.
4) Realisierung
der Entscheidungen (Output)
1. Zentralisierung
im politischen System erhöht zwar die Entscheidungsfähigkeit des Systems,
reduziert jedoch die Fähigkeit zur Übernahem der Förderungen.
Systemtheorie von Parsons:
§
Deutsch und Easton betrachten nur input-out der
Systeme (funktionelle Betrachtung). Sie vernachlässigen die innere Umwandlungen
des Systems. Diese Theorie ist deshalb nur für statische Systeme gut anwendbar.
§
Für die dynamische Systeme gilt die Theorie von
Parsons: Seine Betrachtungsweise ist
strukturell-funktional.
§
Kern der Parsonstheorie ist die Frage, die
schon Hobbes gestellt hatte: wie kommt
es zur gesellschaftlichen Ordnung?
§
Er sucht nach soziale und individuelle Gesetze
in der Gesellschaft. Er beschreibt die Prozesse, die zur Stabilisierung der
Gesellschaft dienen.
§
Beide Begriffe Struktur und Funktion spielen in
seiner Theorie eine wichtige Rolle.
§
Struktur
gibt dem System Stabilität. Dort sind die Relationen unter Elementen bestimmt.
Daher kann man aus der Struktur zur Erkenntnis des Wesen eines Systems kommen.
§
Funktion
ist die Relation, die die veränderliche Elemente innerhalb des Systems mit der
Struktur herstellen. Funktion vermittelt zwischen dem dynamischen Element
und der statischen Struktur. Funktion ist damit die Fähigkeit des
Systems zum Erlangen des Ziels in bestimmter Situation.
§
Das soziale System von Parsons ist im Gleichgewicht
mit sich selbst, in dem die unfunktionelle Verhalten vermieden werden.
§
Für Parsons ist die ganz Welt ein einheitliches
System. Er versucht die ganze Vorgänge der Welt mit vier schematischen
Funktionen zu erklären:
1) Adaption
mit Umwelt durch Vorhersage der Umweltgeschehnisse
2) Goal
attainment Erreichen des Ziels durch die Auswah der
Erreignisse
3) Integration
durch Ordnung
in den Erreignissen und Einschränkungen in der Handlung
4) Latent
pattern maintenance Strukturerhalt
durch Subsumption der möglichen Geschehnisse.
·
Diese Funktionen finden im Systeme und
Subsysteme auf der verschiedenen Ebenen Anwendung. Jedes System hat ein Medium:
§
menschliches System:
1. physikalisch-chemisch
à
empirische Ordnung
2. Organisch
à
Gesundheit
3. Handlung
à
Begriffe
4. Sprache
transzendentale Ordnung
§
operationales System
1. Verhalten
à
Intelligenz
2. Privat
à
Fähigkeit
3. Sozial
à
Gefühle
4. Kulturell
à
Situationserklärung
§
soziales System
1. ökonomisch
à
Geld
2. politisch
à
Macht
3. Gemeinsamà
Einfluss und Beziehung.
4. Sozial-kulturell
à
Wertsetzung
·
In der individuellen Handlungen sind alle drei
Ebenen vorhanden. Es gibt keine vollständige Operation, die nur ein Teil dieser
Ebenen beinhaltet.