Einführung in die Wissenschaftstheorie (Teil 2), Vorlesungen an der Ev. Fachhochschule Nürnberg; Sommersemester 2002
Esfandiar Tabari (et@falsafeh.com) http://www.falsafeh.com/Vorlesungen_wt.htm
Deduktivismus bei Popper:
kopernikanischen Wende
· Hume hat Kant, nach dessen eigenem Bekenntnis, aus seinem "dogmatische Schlummer" geweckt: In unserem Alltagsdenken halten wir Ursache und Wirkung für "Notwendig" miteinander verbunden. Diese Verbindung denken wir uns in den äußeren Gegenständen gelegen. Das bekannte Beispiel von Hume ist Billardspielen. Beim Billardspielen sehen wir die Ursache für die Bewegung einer gestoßenen Kugel in der Bewegung der stoßenden. Der Physiker würde sagen: Es wurde ein Impuls von der Kugel A auf die Kugel B übertragen. Nach Hume existiert in den Kugel keine Notwendigkeit, diese kommt nur durch unsere wiederholten Beobachtungen, die als Erfahrungen gelten, zustande. Was wir bei der Kausalität "Notwendigkeit" nennen, so Hume, ist nichts anderes als "Gewöhnung".
haben müssten. Da er sich aber gar
nicht erklären konnte, wie es möglich sei, dass der Verstand Begriffe, die an
sich im Verstande nicht verbunden sind,
doch als im Gegenstande notwendig
verbunden denken müsse, und darauf nicht verfiel, dass vielleicht der Verstand
durch diese Begriffe selbst Urheber der
Erfahrung, worin seine Gegenstände
angetroffen werden, sein könne, so leitete er sie, durch Not gedrungen, von der
Erfahrung ab (nämlich von einer durch
öftere Assoziation in der Erfahrung
entsprungenen subjektiven Notwendigkeit, welche zuletzt fälschlich für objektiv
gehalten wird, d.i. der Gewohnheit) , verfuhr aber hernach sehr konsequent,
darin, dass er es für unmöglich erklärte, mit diesen Begriffen und den
Grundsätzen, die sie veranlassen, über die Erfahrungsgrenze hinauszugehen. Die
empirische Ableitung aber, worauf beide verfielen, lässt sich mit der
Wirklichkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse a priori, die wir haben,
nämlich der reinen Mathematik und allgemeinen Naturwissenschaft, nicht
vereinigen, und wird also durch das Faktum widerlegt.
[Kant, S.
129. B1]
diese Begriffe sich auf Objekte
beziehen können, die sie doch aus keiner Erfahrung hernehmen. Ich nenne daher
die Erklärung der Art, wie sich Begriffe a priori auf Gegenstände beziehen
können, die transzendentale Deduktion derselben, und unterscheide sie von der
empirischen Deduktion, welche die Art anzeigt, wie
ein Begriff durch Erfahrung und
Reflexion über dieselbe erworben worden, und daher nicht die Rechtmäßigkeit,
sondern das Faktum betrifft, wodurch der Besitz entsprungen." [Kant; S. 126, B1]
[Kant; S. 126 B1]
Die erste Unterscheidung: "a
priori" & "a posteriori":
à Teilung
der Wissenschaften aus reiner Vernunft, d.h. die Wissenschaft durch
synthetische Erkenntnis a priori, ein in erstens Mathematik, zweitens
Metaphysik und diese letzere in theoretische Metaphysik
(Transzendentalphilosophie) und Metaphysik der Sitten oder Moral.
- Der Begriff Dialektik wurde häufig in der Geschichte der Philosophie verwendet. Seine Bedeutung hat viele Veränderungen erfahren. Daher spricht man nicht von einer einheitlichen Bedeutung
- Daher ist die Dialektik der umstrittenste Gebiet der Philosophie. Es gibt aber trotzdem Gemeinsamkeiten.
-
Folgende Bedeutungen können unter Dialektik verstanden
werden:
o
Dialektik als Dialog
o
Transzendentale Dialektik bei Kant
o
Dialektik bei Hegel
o
Dialektik als Gesellschaftstheorie
o
Dialektik als Quantenmechanik
o
Dialektik als Kausalität
o
Dialektik als Systemtheorie
Dialektik als Dialog zwischen These und Antithese, die zur Synthese führt. à als Kunst des Argumentierens bei Platon und Aristoteles. Dies gilt als die älteste Bedeutung der Dialektik. Diese Bedeutung der Dialektik ist hauptsächlich in der antiken Philosophie zu sehen. Es werden hier die Argumente (These) und ihre Kontra (Antithese) versammelt. Durch ihre Zusammensetzung entsteht dann sogenannte Synthese. Synthese ist zusammengesetzt aus These und Antithese. Allein die Interesse an die Suche nach Gegenargumente erweitert das Reflexionsfeld.
- Dialektik als Topik: Die Wissenschaft der praktischen Begründung und Methode der Auffindung der Argumentation. Die Wahl der Gesichtpunkte sind für Topik charakteristisch. Die Gesichtpunkte leiten die Wahl der "Mittelbegriffe" von Argumentationen (logischen Schlüssen).
- Eleastische Dialektik:
o Parmenides: Sein ist, Nichtsein ist nicht. Begründung: Sein und Denkbarkeit fallen zusammen; Nichtsein ist nicht denkbar. Also ist alles Entstehen und Vergehen, alle Bewegun Schein, ihr Gedachtwerden Trug und Irrtum. à Unter dem Gesichtpunkt der Denkbarkeit ist die Differenzierung von Sein als Existenz und Sein als So-Sein nicht einschlägig.)
o Zenon: Paradoxien der Bewegung erweisen das Denken von veränderlichem als Trug. Begründung: Es ist denkbar, dass unendlich viele Teilstrecken in endlicher Zeit durchlaufen werden (Achill erreicht niemals sein Ziel). Mittelbegriff seiner Argumentation: Unendlichkeit der Teilbarkeit einer Strecke.
- Sophistische Dialektik: führt im Kontext gerichtlichen und politischen Streits (Eristik) vor, wie im Lichte eleastischer Argumente entweder keine Erkenntnis begründbar ist (Nihilismus / Gorgias) oder nur relativ zu und für den Begründungen (Relativismus / Protagoras). Die Geltung von Argumenten bemisst sich dann (nur noch) an der Kraft ihrer Durchsetzung, an ihrem Erfolg im Dienste der Interessen.
o Nihilismus: Jede menschliche Meinung (Parmenides) ist falsch (ihr Gegenteil ist begründbar). Wird von Gorias in Verteidigungsreden vor Gericht eingesetzt.
o Relativismus: Der Mensch ist das Maß aller Dinge (Protagoras), nicht eine davon unabhängig gültige objektive (gegenstandsbezogene) Begründung. Es gibt nur Wahrheit nach Maßgabe der Zustimmung über die praktische Bewährung von Behauptungen.
- Sokrates und Platon: Eine systematische Dialektik ist bei Sokrates und Platon zu sehen:
o Dialektik als eine Kunst der Gesprächsführung. Diese Kunst soll sich mit der Sache des Gesprächs beschäftigen und steht die Sophisten gegenüber (Die Sophisten widersprechen jeder beliebigen Meinung). Dialektik ist der Weg zur Erkenntnis der Wirklichkeit (der Ideen). Dialektik untersucht die Struktur der Wirklichkeit. Frage und Antwort ist ständig mit Gegensätze begleitet. Folgerung nur bei Existenz von Gegensätze möglich.
o Dialektik als ein Verfahren: das Vermögen der Unterhaltung
o Dialektik als gesamte Wirklichkeit: Umfassbarkeit des dialektischen Verfahrens; eine Allwissenschaft, die alles erfasst.
o Mathematische Lehre hat dialektische Struktur
o Pragmatik der Dialektik ist durchführbar: Ziel ist erreichbar (à im Höhlengleichnis ist die Sonne zu erreichen).
o Dialektik als Lebendiges Prozess: lange Wege und Umwege; dialektische Wanderung
o Theologischer Aspekt der Dialektik: Glückseeligkeit à Angleichung an Gott; die Idee ist höchste und denkt sich selbst à daher lebendig; Dialektik ist die Idee des Guten; Dialektiker als Vertreter des Gottes
- Dialektik ist bei Platon in Form von Ähnlichkeitsrelationen (s. Analogie bei Aristoteles und Platon in Teil 1.2 der Vorlesung)
- Dialektik im Mittelalter:
o Dialektik als individueller Teil der Logik (Thomas von Aquin)
o Dialektik als Verkörperung der Vernunft (Augustinus)
o Dialektik als Lehre von der probalitias stellt Glaubwürdigkeit her.
- Transzendentale Dialektik untersucht die Bedingungen der Möglichkeit, Urteile zu verknüpfen (zu begründen). Ausgangspunkt sind die Formen unseres Schließens (als Begründung des Urteilens) auf deren Basis metaphysische Prinzipien als letzte, unbedingte Voraussetzungen des Schließens (Synthesis der Bedingungen im Unbedingten) aufgedeckte und in der Notwendigkeit ihres vorgängigen Gegebenseines erwiesen werden sollen.
- "transzendental und transzendent nicht einerlei. Die Grundsätze des reinen Verstandes, die wir oben vortrugen, sollen bloß von empirischem und nicht von transzendentalem, d.i. über die Erfahrungsgrenze hinausreichendem Gebrauche sein. Ein Grundsatz aber, der diese Schranken wegnimmt, ja gar sie zu überschreiten gebietet, heißt transzendent. Kann unsere Kritik dahin gelangen, den Schein dieser angemaßten Grundsätze aufzudecken, so werden jene Grundsätze des bloß empirischen Gebrauchs, im Gegensatz mit
den letztern, immanente Grundsätze des reinen Verstandes genannt werden können."[1]
- "Die transzendentale Dialektik wird also sich damit begnügen, den Schein transzendenter Urteile aufzudecken, und zugleich zu verhüten, dass er nicht betriege; dass er aber auch (wie der logische Schein) sogar verschwinde, und ein Schein zu sein aufhöre, das kann sie niemals bewerkstelligen."[2]
- Es findet also eine Suche nach den obersten Mittelbegriffen in obersten Prämissen oberster Schlüsse statt, als ihrerseits unbedingten Einheiten (mit impliziten Regelcharakter) der Vollendung des Urteilens (welches auf seine obersten Prämissen zurückverfolgt wird)- im Vermögen der Vernunft.
o In der Annahme, dass es diese Unbedingte gebe, verwickelt sich die transzendentale Dialektik in Fehlschlüsse (Paralogismen), Widersprüche (Antinomien) und unbegründbare Untersuchungen (Hypostasierungen) und wird als transzendentale Topik zu einer Logik des Scheins.
o Untersucht wird nun im Einzelnen
§ Wie die Behauptung oberster Prinzipien zustande kommt,
§ Warum die Behauptung der Einlösung ihres Anspruches zu kritisieren ist (in Ansehung einer Grenzüberschreitung),
§ Warum die Erhebung dieses Anspruches dennoch eine unverzichtbare Funktion hat.
- Vernunft als Vermögen (syllogistischer Schlüsse stützt sich auf drei Typen des Schließens im Ausgang jeweils von einer
o Kategorische Prämisse (M - P): z.B. Ich ist kein Prädikat à spekulativen Psychologie:
§ Was nicht anders als Subjekt gedacht werden kann, existiert nur als Subjekt, ist also Substanz (ontologisch)
Einzig das Ich (deutendes Wesen) kann nur als Subjekt gedacht werden (transzendental)
Ich existiert als Substanz
à Fehlschluss Paralogismus : Mittelbegriff wird einmal ontologisch, einmal transzendental gebraucht!
o Hypothetischen Prämisse (wenn p, dann M): letzte Einheit einer Bedingungsreihe; Voraussetzung M setzt nichts weiter voraus. spekulativen Kosmologie:
§ Welt hat Anfang in der Zeit und Grenze im Raum
Beweis: ohne Anfang und Grenze keine abgeschlossene Synthesis möglich (tr.)
Ist aber möglich (empirisch)
Also die Welt hat Anfang und Grenze
§ Welt ist räumlich und zeitlich unendlich
Beweis: wenn Anfang à Entstehen aus leeren Zeit nicht möglich
Wenn Grenze: Verhältnis zum leeren Raum als Nichts nicht denkbar (tr.)
Entstehen und Denkbarkeit zum Raum gegeben (empirisch)
Also die Welt hat keinen Anfang und keine Grenze
à Fehlschluss: Im Beweis wird transzendental-philosophisch (Bed. Der Möglichkeit der Erfahrung) argumentiert, um eine ontologische Prämisse als oberste zu stützen. Gleiches gilt für die Antinomien zur Teilbarkeit der Welt, zur Kausalität oder Freiheit in der Welt oder zur Urheberschaft der Welt.
o Disjunktiven Prämisse (P M oder Nicht-M): oberste Totalität als Einheit, letzte Einheit der Bed. Aller möglichen Denk-Gegenstände. Theologie:
§ Aus der Art, wie Gott gedacht wird (transzendental-phil.) wird der Existenzbeweis vollzogen (ontologisch)
- Interesse der Vernunft an dieser Problemlage als praktisches Interesse bez. Der Beispiele:
o Paralogismus: Interesse an der These "Ich existiert"
o Antinomie: Interesse an der These "Welt endlich"
o Theologie: Interesse an der Existenz Gottes
- Indem die höchsten Gegenstände als in der Idee gegeben angenommen werden (Ich, Welt, Gott), als Maximen, so und so zu verfahren (nach dergleichen Ideen), erweisen sie sich als unabdingbar zur Regulierung des Erkennens und Handelns. In der Naturanlage, Ideen aufzusuchen, liegt eine zweckmäßige Bestimmung unserer theoretischen und praktischen Welterschließung.
o bez. "Ich": Wenn wir nicht so tun, als ob das Ich eine einfache Substanz wäre, gäbe es keine urteilsmäßige Verknüpfung/Synthesis. (Alle Synthesen wären kontingente Verknüpfungen, vollzogen von ständig wechselnden und sich teilenden "Ichen")
o bez. "Welt": Wenn wir nicht so tun, als ob die Welt unendlich wäre, gäbe es keine fortschreitende Forschung
o bez. "Gott": Wenn wir nicht so tun, als ob es eine oberste Einheit gäbe, könnten wir keine Regel in der Natur oder im Handeln unterstellen.
- Es handelt sich also um sinnvolle Postulate, die Erkennen und Handeln allererst ermöglichen. Primat dieser praktischen Vernunft als Vermögen der Ideen, Eröffnung der Wege, die der Verstand nicht kennt, ins Unbestimmte. Wenn wir das Als-Ob-Ich anerkennen, können wir seine Regeln anerkennen und unter Kategorien denken. Wenn wir eine Als-Ob-Welt anerkennen, können wir (ins Ungewisse) forschen und uns als ins Ungewisse frei handelnd in dieser Welt interpretieren (einschließlich der Regel dieser Freiheit, des kategorischen Imperativs). Wenn wir Gott postulieren, unterstellen wir eine Einheit und einen einheitlichen Sinn dieser Welt, der uns Abweichungen im Denken und Handeln als solche zu identifizieren erlaubt, eben wenn sie der unterstellten Einheit als Totalität widersprechen. (Thema der Kritik der Urteilskraft, nur im Vermögen des Geschmacks an Schönem/Indiz der Harmonie und Erhabenem/Indiz der Freiheit zu erfahren).
Dialektik bei Hegel wird als Selbstverwirklichung des Denkens
thematisiert.
-
Hegel lehnt These-Antithese-Synthese als ein bloß "äußerliches
lebloses Schema" ab.
-
Hegel nach Platon: Die Dialektik ist keine Scheinlogik wie bei
Kant
-
Dialektisches Denken entspringt aus der Vernunft (auch wie bei Kant); die in der spekulativen
Dialektik auftretende Widersprüche lassen sich aber aufhebenà nur scheinbare Widersprüche
-
Dialektik ist nicht bloß eine Methode: Jene Unterscheidung und
Zusammenhänge, von denen nichtgedacht werden kann, dass sie anders sind, müssen
notwendige (ontologische) Grundzüge der Sache selbst, der Wirklichkeit, sein. à Dialektische Bewegung, Prozess
oder Werden.
-
Durch den Gebrauch der Vernunft begreifen wir die notwendige
Strukturen der Wirklichkeit.
-
Der Prozess des Begreifen setzt sich dialektisch fort: von
vorläufigen Begriffe zu neuen und umfassenderen Einsicht.
-
Für das sich Bewegende ist die Setzung des Anderen die erste
Negation, die seinerseits selbst wieder negiert werden muss. (Negation der
Negation). (etwas ist selbst, dadurch dass es nicht etwas anders ist)
-
Jedes Bestimmtes selbst hat die Kraft zur Selbstbewegung. Diese
Selbstbewegung mündet in ein höchstes Absolutes.
-
"...Es erhellt, dass die Dialektik der sinnlichen Gewissheit
nichts anderes als die einfache Geschichte ihrer Bewegung oder ihrer Erfahrung
und die sinnliche Gewissheit selbst nichts anderes als nur diese Geschichte
ist. Das natürliche Bewusstsein geht deswegen auch zu diesem Resultate, was an
ihr das Wahre ist, immer selbst fort und macht die Erfahrung darüber, aber
vergisst es nur ebenso immer wieder und fängt die Bewegung von vorne an.
[Hegel: Phänomenologie des Geistes, S. 114]
-
Das regierende Prinzip der Weltgeschichte ist der Weltgeist.
Durch "Weltgeist" wird der Ablauf der Geschichte bestimmt. Die Handelnden
Individuen sind lediglich seine "Geschäftsführer", die durch die "List der
Vernunft", indem sie scheinbar ihre eigenen Zwecke verfolgen, dem Fortgang des
Weltgeistes dienen; deshalb haben sie immer recht.
-
Es gibt drei Zeitalter oder "Welten", die orientalische, die
antike und die christliche Welt. (Als Analogie zum Lebenslauf des Geistes mit
Kindheit, Mannes- und Greisenalter).
-
Geschichtsphilosophie von Hegel: eine stetige Verbesserung des
Weltzustandes (weder Schlechter noch zyklische Wiederkehrung) à Fortschrittstheorien à verkörpert in der christlichen Welt.
-
rationaler Kern der Hegelschen Dialektik kann wie folgt
zusammengefasst werden:
o Bewegung
o Wechselwirkung und
Interaktion
o Widerspruch als Quelle
der Bewegung
o Übergang quantitativer
in qualitativen Veränderungen
o Negation der Negation
Dialektik als Gesellschaftstheorie zur Beschreibung des Theorie-Praxis-Verhältnisses. Praxis und Theorie sind nicht eigenständige Instanzen. Es werden hier die Möglichkeitsräume analysiert. Dialektische Theorien beschäftigen sich mit Theorie-Praxis Wechselwirkung. Weder Praxis und noch Theorie sind eigenständige Instanzen.
-
Nach D'Avis bleibt Kausalität trotz der zunehmenden Bedeutung
des Funktions- und Wahrscheinlichkeitsbegriffe ein logisch autonomer
disziplinärer Grundbegriff. Zur Begründung unterscheidet er drei Klassen von Kausalität:
o Klasse a) Ursache = Klasse voneinander unabhängiger,
qualitativ gleicher Ursachen (Problem: Abstraktion)
o Klasse b) Ursache = Klasse voneinander unabhängiger,
qualitativ verschiedener Ursachen (Problem: Alternativen)
o Klasse c) Ursache = Klasse voneinander abhängiger,
qualitativ verschiedener Ursachen (Problem: Vollständigkeit
-
Die Nichtgeltung in Quantenmechanik als Teilbereich einer
Disziplin soll demnach kein Hindernis für die allgemeine Geltung sein.
-
Dialektik
als Theorie nicht monokausaler Wirkungen. Kausalität wird ersetzt durch
dialektische Wechselwirkungen und Selbstorganisation. Deduktiv- nomologische
(unter Voraussetzung der Gesetzen!) Logik. Z.B. Systemtheoretische
Betrachtungen in Kybernetik, Autopoiesis oder Chaostheorie erfüllen diesen
Bereich.
Dialektik bei Marx
- Materialistische Dialektik bei Karl Marx: betrachtet Kategorien (Regeln der Synthesis) als historische Kategorien, historische "Totalitäten" "vergängliche, Vorübergehende Produkte"
o Kategorie ist nur die "Art sich das Konkrete anzueignen"; Abstrakte Kategorien (wie Geld) entstehen in höher entwickelten Gesellschaftsformen.
o Theorie entwickelt sich vom Abstrakten zum Konkreten und wird so von der idealistischen Geschichtswissenschaft als Geschichtsprozess nachgezeichnet.
o Praxis entwickelt sich vom Konkreten zum Abstrakten (Entfremdung) und wird von der materialistischen Geschichtsschreibung beschrieben.
o Historische Relativierung abstrakter Kategorien, "Reproduktion" der Konkreten (Arbeit, Entfremdung)
- Nach Marx haben die Ökonomen wie Adam Smith, die Elemente der neuen Gesellschaften, nämlich Geld, Arbeit, Ware und Kapital als feste unveränderliche Kategorien vorausgesetzt und so ihre Theorien aufgebaut. Für Marx sind diese Elemente veränderlich. Arbeit und Kapital befinden sich in einem dialektischen Konflikt. Sie erklären die gesamte Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft.
- Aus der dialektischen Wechselwirkung zwischen Theorie und Praxis folgt die Materialistische Reflexion: historische Relativierung abstrakter Kategorien. Reproduktion des Konkreten (Arbeit und Entfremdung)
- Produktionsverhältnisse entsprechen zunächst (historisch) der "wirklichen Bedingtheit" , werden dann zum "einseitigen Verhältnis", zur "Fessel" angesichts neuer Produktivkräfte. Z.B.: Geld:
Geldverkehr war als Optimierung des Warenaustausches ursprünglich Produktivkraft, wird zur "Fessel", wenn Arbeitskraft als Ware allein untere ihrem Geldwert kategorisiert wird ("Humankapital"). Grund: Verwandlung von Geld in Kapital (neue Produktivkraft), deren Analyse verweist auf den dialektische Widerspruch, der zu dieser Entwicklung führt: "Die Verwandlung von Geld in Kapital geht in der Zirkulationssphäre vor und geht nicht in ihr vor" (Kapital 1, 209)
-
Dialektische Reflexion: Der Widerspruch zwischen der
konstanten Kapital (Produktionskapital, Maschinen) und das variable Kapital
(Arbeitskraft, deren Mehrwert abgeschöpft wird) wird immer größer. (immer mehr
Konst. Kapital, immer weniger dynamisches Kapital) à Der Widerspruch wird von der
Arbeiterklasse erfahren à
Revolution (höherstufige Dialektik zwischen Theorie und Praxis.
Der Begriff "Entfremdung"
bei Marx
- Entfremdung: Die Ankündigung der Gleichverteilung der Vernunft war eine wichtige ideologische Voraussetzung für die Entwicklung der ersten Manufakturen, die gleichzeitig die Unterschiede zwischen Subjekten aufheben wollte. Das Subjekt wird nun durch seine "produktive" Arbeit gekennzeichnet. Diese Verwirklichung der Arbeit, so Marx, "erscheint in dem nationalökonomischen Zustand als Entwirklichung des Arbeiters, die Vergegenständlichung als Verlust und Knechtschaft des Gegenstandes, die Aneignung als Entfremdung, als Entäußerung." Der Arbeiter als Subjekt produziert Ware (Objekt). Die Aneignung der Ware erscheint als Entfremdung, wobei gilt: " je mehr Gegenstände der Arbeiter produziert, um so weniger kann er besitzen und um so mehr unter die Herrschaft seines Produkts, des Kapitals, gerät."
- Die ökonomische Entwicklung vom einfachen Tausch zum Kapitalismus führt zur Trennung von Subjekt und Objekt der Erkenntnis; "die Trennung von Sinnlichkeit und Verstand; die Herausbildung des reinen, abstrakten Denkens; die Herausbildung von reinen Formen der Anschauung als Bedingungen der Anschauung, die Eigenschaften des Erkenntnisobjektes sind; die Herausbildung einer allgemeinen, reinen Logik, die sowohl von ihren Anwendungsgebieten wie auch von den psychischen Eigenschaften des Anwenders, des Erkenntnisobjekts abstrahiert. Es beginnt zu einem späteren Zeitpunkt auch die Herausbildung der Ich-Identität, die Herausbildung eines freien Subjektes, das mit Verstand begabt ist mit den Prinzipien der Vernunft ausgestattet."
- Marx rechtfertigt die Notwendigkeit der Natur dadurch, dass der Arbeiter ohne sie nichts schaffen kann. Somit ist die sinnliche Außenwelt eine wichtige Komponente der Arbeit. Auf der einen Seite ist Arbeit ohne Gegenstände nicht möglich, andererseits bietet sie auch die Mittel der physischen Subsistenz des Arbeiters selbst. Daraus folgert Marx: Je mehr also der Arbeiter sich die Außenwelt, die sinnliche Natur, durch seine Arbeit aneignet, um so mehr entzieht er sich Lebensmittel nach der doppelten Seite hin, erstens, daß immer mehr die sinnliche Außenwelt aufhört, ein seiner Arbeit angehörender Gegenstand, ein Lebensmittel seiner Arbeit, zu sein; zweitens, dass sie immer mehr aufhört - Lebensmittel im unmittelbaren Sinn - Mittel für die physische Subsistenz des Arbeiters - zu sein. So entsteht eine Entfremdung zum Wesen der Arbeit. Die Entfremdung hat zwei Komponenten: die Entäußerung des Arbeiters, die sein Verhältnis zu den Produkten beschreibt und die Entfremdung im Akt der Produktion, innerhalb der produzierenden Tätigkeit selbst. Die erste ist eine Entfremdung zu dem Produkt seiner Tätigkeit und die zweite ist die Entfremdung zu sich selbst.
- Das entfremdete Verhältnis des Arbeiters zum Produkt seiner Arbeit (Gegenstand) ist zugleich das Verhältnis zur sinnlichen Außenwelt, zu den Naturgegenständen als einer fremden, ihm feindlich gegenüberstehenden Welt.
- Die zwei-dimensionale Entfremdung, die Marx für charakteristisch im Kapitalismus hält, beschreibt die Abgrenzung des Subjekts nicht nur vom Objekt sondern auch von seinem eigenen Selbst. Die Arbeit als ein Teil des Subjektes wird objektiviert und verlässt den Definitionsbereich des Subjektes, was nichts anderes als den Tod des Subjektes bedeuten kann. Eine weitere Folge dieser Abgrenzung ist die Entfremdung des Menschen vom Menschen. "Wenn der Mensch sich selbst gegenübersteht, so steht ihm der andere Mensch gegenüber. Was von dem Verhältnis des Menschen zu seiner Arbeit, zum Produkt seiner Arbeit und zu sich selbst, das gilt von dem Verhältnis des Menschen zum andren Menschen, wie zu der Arbeit und dem Gegenstand der Arbeit des andren Menschen.
- Überhaupt, der Satz, dass der Mensch seinem Gattungswesen entfremdet ist, heißt, dass ein Mensch dem andern, wie jeder von ihnen dem menschlichen Wesen entfremdet ist. Die Entfremdung des Menschen, überhaupt jedes Verhältnis, in dem der Mensch zu sich selbst [steht], ist erst verwirklicht, drückt sich aus in dem Verhältnis, in welchem der Mensch zu dem andren Menschen steht."
- Für den Arbeiter ist kein Interesse mehr an der Zielproduktion seiner Arbeit vorhanden, da er in seiner Arbeit keine Autonomie besitzt und als Glied eines Arbeitsnetzes betrachtet wird, wodurch er mit den anderen Arbeitsarten in Verbindung kommt. Der Arbeiter als zerstörtes Subjekt hat kein Interesse und Wissen mehr, was die Endproduktion seiner Arbeit anbelangt, da diese selbst zur Ware geworden ist.
Dialektik als kritische Theorie der Gesellschaft (bei
Adorno und Horkheimer)
·
Mythen noch nicht überflüssig: "Technik" als Mythos ! à ,,Dialektik der Aufklärung" zeigt, warum das so
ist. à Das Projekt der Dialektik: Die Rettung der Vernunft vor sich
selbst à ,,warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft
menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt."