Einführung in die
Wissenschaftstheorie (Teil 1), Vorlesungen an der Ev. Fachhochschule Nürnberg;
Wintersemester 2001/2002
Esfandiar Tabari (et@falsafeh.com) http://www.falsafeh.com/Vorlesungen_wt.htm
Kapitel I:
Philosophie und ihre Geschichte
Einführung
Wissenschaftstheorie ist
die Brücke zwischen Theorie und Praxis
Wissenschaftstheorie
hilft uns die Komplexität zu überwinden und die Vorgehensweise im Praxis durch
bestimmte "logische" Regeln zu analysieren.
In der
Wissenschaftstheorie muß immer die Frage nach praktischer "Anwendbarkeit" im
Vordergrund stehen.
Praktische Begriffe
müssen theoretisch präzisiert werden.
"Nicht die Taten bewegen
die Menschen, sondern die Worte über die Taten"
Aristoteles
Anfang der
Philosophie und Wissenschaft
Philosophie als Weisheit
und Moral
Thales: 640 v. Chr. Aus
Griechenland
Zarathustra: 650 v. Chr.
Aus Iran
Buddha: 560 v. Chr. Aus
Indien
Thales
Nach antiker
Überlieferung antwortete Thales auf die Frage, was am schwersten von allen
Dingen sei: "Sich selbst kennen"; was am leichteste sei: "anderen Rat geben";
was Gott sei: "Das, welches weder Anfang noch Ende hat"; und wie man vollkommen
tugendhaft leben könne:"Indem wir niemals das tun, was wir an anderen
verurteilen".[1]
[1] H.J.Störig, kleine Weltgeschichte der Philosophie, Fischer 1969
Zarathustra: drei Güttigkeiten
Gute Gedanken, Gute
Worte, Gute Taten. Jeder soll durch "Selbst-Erziehung" diese drei Gute zum
Alltag machen und um den höchsten Punkt des Gipfels der Befreiung erreichen zu
können.
Buddha: alles in der Welt vergänglich aber nur nicht "Selbst"
Die vier edlen Wahrheiten
sind für Buddha:
Wahrheit vom Leiden: Das
Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Dies ist zu durchschauen.
Wahrheit von der Ursache
des Leidens: Die Ursachen des Leidens sind Gier, Haß und Verblendung. Sie sind
zu überwinden.
Wahrheit von der
Aufhebung des Leidens: Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu
verwirklichen.
Wahrheit von dem Weg zur
Aufhebung des Leidens: Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg, der Edle
Achtfache Pfad. Er ist zu gehen.
Mensch und Natur: keine
Grenze!
Es gibt keine Grenze
zwischen Natur und Mensch. Es ist fast alles menschlich. Auch die Naturgötter
wie Feuer und Wasser als Reinheitssymbole dienen allein zum menschlichen Zweck
des "rein werden" des Menschen. Der Mensch sieht sich überall in der Natur
anwesend. Sogar Gott ist nicht etwas übermenschliches, sondern steckt in jedem
Selbst und die Aufgabe der Menschen
ist, dieses Selbst so rein wie möglich werden zu lassen.
Weisheitsphilosophie
Weisheitsphilosophie ist
das ein Durchdringen des Wertgefühles ins Leben, in alle Sachfühlung, alles
Reagieren und Agieren, bis in die spontanen, alles Erleben begleitenden.
Weisheitsphilosophie ist die Durchsetzung des ganzen eigenen ethischen Seins
mit seinen Gesichtpunkten. Sie kann, nach Nicolei Hartmann, in einem streng
antiintellektualistischen Sinne die "ethische Geistigkeit" als geistige
Grundfaktor des Menschentums genannt werden.[1]
[1] Nicolai Hartmann, Ethik 4. Aufl.. - Berlin : de Gruyter, 1962
Was machen die
Philosophen?
Etwa 95% der Philosophen
etwa zu 95% ihrer Zeit treiben
Philosophiegeschichte![1]
[1] vgl. P. Janich; Was ist Erkenntnis?; beck; 2000
geschichtliche Dimension
nur dann interessant, wenn verknüpft ist mit der Geschichte des Entstehungs-
und Entwicklungsgedankens.
Notwendigkeit der
Geschichtsphilosophie:
Unterstützung für einen
philosophischen Hypothesenentwurf
Die philosophische Ideen
(im Vergleich zum Technik) haben mehr "Struktur" als "Funktion".
Flußlehre von
Heraklit: "Alles
fließt" (panta rhei)
B12a: "Denen, die in dieselben Flüsse
hineinsteigen, strömen andere und andere Wasser zu."
B49a: "In dieselben Flüsse steigen wir und
steigen wir nicht,
(wir sind und wir sind
nicht)."
B91: "Man kann nicht zweimal in denselben
Fluß steigen."
Sokrates: Philosophie
im Gespräch!
Philosophie soll in Form
von Frage-Antwort diskutiert werden.
Gesprächspartner kennt
die Antwort auf die Frage. Die Antwort auf die Fragen sind spontan
die spontane Antwort
soll nach Fehler geprüft werden. Dies geschieht durch Wiederholung, wodurch die
unruhe im Gespräch wächst.
Der entscheidende
Effekt der sokratischen Methode ist die Verwirrung und der Schock; Der
Gesprächspartner begreift, dass er ein Bedürftiger ist und beginnt schließlich, sich dafür zu interessieren
Der Gesprächspartner
soll sich aufmachen um die Lösung zu suchen
Kapitel II:
Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie
Erkennen und
Erkenntnis
Unsre Sprache wird umso
ungenauer, je mehr sie sich von den Gegenständen des Alltagssprache entfernt.
Die Wörter wie Wasser, Brot, Buch usw. sind von Praxis leicht kontrollierbar.
D.h. wir wissen, was damit gemeint ist, wo und wie sie zu verwenden sind.
Sobald sich die Sprache aber, von den konkreten zu den abstrakten Gegenständen
verschiebt, entfallen mehr und mehr solche Kontrolliermöglichkeiten durch die
Praxis. Statt dessen finden Sprachgebräuche Eingang, die aus Tradition und
Geschichte, aus unbekannter Herkunft in Religion, Kunst, Wissenschaft,
Philosophie und aus nicht mehr aktuellen Lebensformen stammen. Das Wort
Erkenntnis gehört sicher dazu. Bei Erkenntnis handelt es sich zunächst um einen
Vorgang des Erkennens, auch wenn "das Erkennen" eine Sammelbezeichnung für zahlreiche Einzelvorgänge ist.
Erkenntnisse kann man gewinnen, haben, nutzen, weitervermitteln, und sie können
fehlen, verlorengehen, oder sich gar als gefährlich, blastend oder irreführend
herausstellen. Wir unterscheiden zwischen Wissen und Erkennen: zum Wissen
zählen die gelernten Vokabeln einer fremden Sprache genauso wie die
Definitionen von Fachausdrücken in Spezialsprachen von Handwerken, Technikern,
Wissenschaftlern und Philosophen. Das Wort Erkenntnis dagegen ist eng mit dem
Entdeckungeszusammenhang, mit dem Erkennen verknüpft.
[mehr dazu: Siehe: Peter Janich "Was ist erkenntnis", Beck, 2000 ]
Erkennen als eine intentionale und auf eine zu
erfassende Sachlage gerichtete Tätigkeit, die ein Wissen zu ermitteln sucht.
Dieses Wissen kann intersubjektiv oder objektiv sein.
Beispiel für
intersubjektives Wissen: in der Stadt darf ich nicht schneller als 50 fahren.
Beispiel für objektives
Wissen: ich erkennen mein Auto wieder.
Erkenntnis kann sowohl zur Bezeichnung eines Prozesse
als auch zur Charakterisierung des Resultates dieses Prozesses verwendet werden
à Erkenntnis ist durch ihre zeitliche
Dimension gekennzeichnet.
Subjektive Erkenntnis:
ist eine Geist- oder Bewusstseinszustand, ein Glaube oder Zweifel, eine
Erwartungs- oder Verhaltensdisposition;
Objektive Erkenntnis:
besteht dagegen aus den sprachlich formulierten Theorien und Argumenten bzw. aus
deren logischen Gehalten, die wiederum und im Unterschied zu der subjektiven
Erkenntnis logisch-rational kritisiert und diskutiert werden können.
Erkenntnis und
Interesse
Erkenntnisse sind
verbunden mit Interesse
Interesse können
individuell, kollektiv oder gesellschaftlich sein
Z.B.: Dissozialität ist
zunächst für die einzelnen Betroffenen ein individuelles Problem sein; sie kann
ferner für eine Familie, für eine Schulklasse ein kollektives Problem werden;
schließlich kann sie die Herrschaftsinteressen führender Gesellschaftsgruppen
bedrohen oder sogar das Funktionieren einer ganzen Sozietät gefährden.
Erkenntnisse haben
zwei Komponente: theoretische und praktische
Jede Theorie strebt nach
maximaler Glaubwürdigkeit: Die orientierende Funktion einer Landkarte ergibt
sich gerade auch aus ihren schematischen Abweichungen von der Realität. Ein
Autofahrer braucht eine andere Realitätsreduktion als ein Wanderer oder ein
Segelflieger.
Die Glaubwürdigkeit
einer Theorie hängt davon ab, welcher Praxis sie Orientierung bieten Will.
Drei Formen der
Erkenntnisinteressen:
Das phänomenale Erkenntnisinteresse
fragt nach den faktischen Gegebenheiten, ihren Merkmalen und Eigenschaften.
Seine umgangssprachlichen Form lautet: "was ist los?", "Was geschieht?"
Beobachtung und Deutung lassen sich ohnehin nicht voneinander trennen.
Das Kausale Erkenntnisinteresse
richtet sich auf die Ursachen der Phänomene: "Warum ist das so?", "Warum
geschieht es?" Für den Praxis ist der Unterschied zwischen hinreichenden und
notwendigen Ursachen wichtig.
Aristoteles: Zweckfrage
(wozu?) gehört auch zu den Kausalfragen: Warum-Frage ist dann eine
rückwärtsgerichtete, die Wozu-Frage eine vorwärtsgerichtete Kausalfrage.
Das aktionale Erkenntnisinteresse
fragt nach Möglichkeiten des Handelns der Praxis, der Intervention, ist also an
der strategischen Beeinflussung der Phänomene interessiert: "Was ist zu tun?"
Die Antworten auf
Erkenntnisinteresse
Die Antworten auf die phänomenale, die
kausale und die aktionale Fragestellung führen zu phänomenalen, kausalen und
aktionalen Theorien.
Theorien bestehen aus
Hypothesen und / oder These. Thesen sind Behauptungen, Hypothesen sind
Vermutungen. Beide sind Aussagen über Erkenntnisgegenstände in Form von Sätzen.
Wissenschaft kann nicht
Wahrheit gewährleisten, sondern objektivere Kommunikation und damit
effizienteres arbeitsteiliges Handeln.
Die Überlegungen von
Aristoteles über wissenschafliche Theorien sind sehr aufschlussreich.
Das Abgrenzungsproblem
Was soll unter
"Wissenschaft" verstanden werden, und wie ist Wissenschaft von Nicht
Wissenschaft zu unterscheiden?
Wissenschaft : mehr
institutionellen Erscheinungsformen
Wissenschaftlich:
spezielle Wissensformen
Wissenschaft beduetet
einen besonderen Geltungs- oder Sicherheitsanspruch, ein besonderes Vertrauen
auf Verläßlichkeit und Geprüftheit, auf Interessenneutralität und Allgemeinheit
eines Wissens
à Wissenschaft
al eine besondere und besonders geschätzte oder abgelehnte Wissensform.
Wissenschaft nach
Aristoteles
wissenschaftlich ist nur
die Erkenntnis des Allgemeinen oder das Haben eines allgemeinen Begriffs von
der Sache,
die Stufe der Wissenschaft (und des
"praktischen Könnens") wird erst durch die Kenntnis des Warum, d. h.
durch die Erkenntnis der Ursachen und Prinzipien ( = Gründe) einer Sache
erreicht,
Wissenschaft ist Wissen
dessen, was nicht anders sein kann, d. h. notwendig (für ARISTOTELES: = ewig)
so ist, wie es ist,
Wissenschaft ist
lehrbar, weil logisch begründbar (demonstrierbar).
Wissenschaftstheorie
und Erkenntnistheorie:
Wissenschaftstheorie und
Erkenntnistheorie sind zwei besonders seit 19. Jahrhundert unterschiedlich aber
doch ergänzende philosophische Richtungen.
Die Rolle der
Wissenschaftstheorie für alle Fachbereiche bedeutend.
Grund dieser Entwicklung
ist die Praktizierbarkeit der Wissenschaftstheorie: Während sich die
Erkenntnistheorie, mit der Begründung der Erkenntnisprozesse beschäftigt, für
die Wissenschaftstheorie ist die Methodische Vorgehensweise für die
Begründungen und damit die Unterscheidung zwischen "richtige" und "falsche"
Erkenntnis vordergründig.
Wissenschaftstheorie
und Erkenntnistheorie:
Erkenntnistheorie ist
folge einer analytischen und historischen Untersuchung der Erkenntnisprozesse
(und Erkenntnisinteresse!). Wissenschaftstheorie sucht nach praktische Lösungen
in Form der "Methoden" für "wahre und
objektive Erkenntnis". Wie weit diese wahre oder objektive Erkenntnis möglich
ist, bestimmt die Zuverlässigkeitsgrad unserer Methoden.
Erkenntnistheorie
untersucht die Beziehung zwischen Mensch (als Subjekt) und Gegenstände (als
Objekt) und antwortet die Frage, "wie" Objekt durch Subjekt erkannt werden kann
und welche intensionale und extensionale Bedingungen hier existieren oder
existieren können. Wissenschaftstheorie schafft neue Bedingungen, in dem die
Möglichkeiten aus einer methodischen Sicht für eine objektive Erkenntnistheorie
geforscht werden.
Wissenschaftstheorie
als Methodenlehre:
Ziel ist die Gewinnung
wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei handelt es sich um allgemeine
wissenschaftliche Methoden, die für alle Wissenschaften von Bedeutung sind. à Wissenschaftstheorie
Im pragmatischen Sinn
befasst sich die Wissenschaftstheorie als einer Form menschlichen Handelns. Sie
formuliert Handlungsanweisungen, wie das Erkenntnisstreben zu ordnen ist,
welche Hilfsmittel eingesetzt, oder welche Verfahrensweisen praktiziert werden
sollen, um wissenschaftliche Erkenntnis gewinnen zu können.
In der
Wissenschaftstheorie wird die Wissenschaft selbst Wissenschaftlich untersucht.
Mit anderem Worten, die Wissenschaftstheorie ist eine Metatheorie aller
Wissenschaften.
Methodologie (oder
Methodenlehre) ist ein Begriff der Neuzeit. Vorher hat man zwischen
Wissenschaft und wissenschaftlicher Methode nicht unterschieden.
Die Methoden der
Erkenntnisgewinnung
Es gibt verschieden Wege
zur Erkenntnisgewinnung; Diese sind jedoch nicht alle als wissenschaftlich
begründet.
Alle diese Methoden
werden wissenschaftlich nach bestimmten Kriterien untersucht und
"wissenschaftlich" begründet. Dabei ist die wichtigste Kriterien die
Allgemeinheit der Methode und ihre Objektivitätsgehalt.
Es stellt sich die
Frage, was als wahr und objektiv gilt. Die Wahrheitstheorien beschäftigen sich
mit dieser Frage und versuchen ihre Modelle zu begründen. (Es wird ein Thema
dieser Vorlesungen werden!)
Die logische Methoden
in der Wissenschaft: begriffliche Erläuterungen:
Prämissen: (vom lat.
Praemissum, das Vorausgeschickte"), heißen die Vordersätze eines Schlusses; die
Voraussetzungen, von denen man ausgeht, um etwas folgern zu können.
Prädikat: was von einem
Subjekt ausgesagt wird; z.B.: "Die Materie ist ausgedehnt" ist eine Aussage mit
einem Prädikat.
Schluss: das logische
Verfahren, au mehreren Prämissen (oder Urteilen), ein einziges Urteil, die
Schlussfolgerung, begrifflich abzuleiten.
Einfachste
Schlussfolgerung ist Syllogismus.
Induktion und Deduktion gelten als logische
Schlussfolgerungen in der Wissenschaftstheorie
Weitere Methoden, deren
Schlussfolgerung weniger sicher sind: Abduktion und Analogie
Syllogismus
Das Wort Syllogismus:
"Zusammen", "Aufrechnung",
Syllogismus als eine
Rede, bei der, wenn man bestimmte Dinge als gegeben annimmt, etwas anderes
(nämlich: die Geltung einer bisher kontroversen Aussage) "mit Notwendigkeit",
"aus sich heraus", folgt.
Es geht um den Zusammenhang
zwischen den verschiedenen Attributen konkreter Gegenstände, in denen sich eine
bestimmte Wesenheit, ein Eidos, dem Betrachter darbietet; und die
Vergegenwärtigung dieses Zusammenhangs dient dem Zweck, einen Opponenten zu der
Einsicht zu bringen, dass eine von ihm bisher bestrittene Behauptung über gewisse Beziehungen zwischen
diesen Attributen doch zu Recht erhoben wird.
Dabei handelt es sich um
ein Schluss vom allgemeine auf das besondere.
Grundelemente der
Syllogismus
Die Grundelemente der
Syllogistik kann wie folgt zusammengefasst werden:
"Alle A sind B" und "Alle C
sind A" à
"Alle C sind B"
Wie wir sehen eine
syllogistische Schlussfolgerung besteht aus drei Elementen: Zwei von denen werden
Prämissen genannt. Die dritte Aussage, deren Geltung notwendigerweise aus den
Prämissen folgt, heißt "Konklusion" oder "Schlusssatz". Die Richtigkeit der Konklusion folgt aus der
Richtigkeit beider Prämissen. Wenn eine Prämisse falsch ist, dann ist die
Konklusion ebenfalls falsch. Eine Prämisse ist damit eine Aussage, die zur
Begründung der Konklusion verwendet wird. Mit den Prämissen werden also die
Gründe für die Geltung der mit der "Konklusion" formulierten Behauptung
angegeben. Ein solche Schlussform ist z. B.:
"Alle Menschen sind
sterblich" und "Sokrates ist ein Mensch" à
Sokrates ist sterblich
Die Notwendigkeit der
Konklusion aus Prämissen ist auch so zu verstehen, dass in der Konklusion
selbst gleichzeitig beide Prämissen vorhanden sind. Das bedeutet aber nicht,
dass aus der Konklusion die Prämissen 1 und 2 logisch ableitbar sind. Die
Prämissen dienen zur Begründung von Konklusion.
Zitat aus
Arist.-Nikomanische Ethik, (S. 125)
das syllogistische
Verfahren geht vom Allgemeinen aus. Es gibt mithin Prinzipien, aus denen der
Syllogismus fließt, die nicht auf syllogistischem Wege gewonnen werden ...
Wissenschaftliche Erkenntnis trägt demnach den Charakter eigentlicher
Beweisbarkeit ... soweit er irgendwie zu voller Gewißheit gelangt ist und die
Kenntnis der Prinzipien besitzt. Denn sind ihm diese nicht in höherem Maße
bekannt als die Konklusion des Schlusses, so hat er ein Wissen nur von
uneigentlicher Art. Damit mag der Charakter der wissenschaftlichen Erkenntnis
gekennzeichnet sein.
Analogie
"die Übereinstimmung
gemäß einem Verhältnis" (Thomas von Äquin[1]).
"Zusammengehörigkeit von Identität uns Differenz" (Heideger[2]).
"dialektische Identität und Einheit von Einheit und Gegensatz oder Identität
der Identität und Nichtidentität" (Hegel[3]).
"Mitte zwischen Identität und Widerspruch" (Lakebrink[4]).
Im Philosophischen
Wörterbuch lesen wir: " Ähnlichkeit, Gleichheit von Verhältnissen, aber auch
Erkenntnis durch Vergleich. Zwischen vergleichbaren Dingen muss sowohl Verschiedenheit
als auch Ähnlichkeit bestehen."
Ohne Analogie konnte es
zu keiner Philosophie oder Wissenschaft kommen. Der analogische Gedankengang
ist überall im Alltag, Wissenschaft und Philosophie und in aller unseren
methodischen Vorgehensweise zusehen.
Trotzdem ist sie nicht als eine logische Methode anerkannt. So zusagen die
Analogie wird stillschweigend überall verwendet. Obwohl historisch gesehen die
philosophische Überlegungen über analogischen Gedankengang eine lange Tradition hat, aus einer systematischen
Sicht gibt es kaum philosophische Forschungen über Analogie. Analogie wird vor
allem nur von Juristen als ein unter Frage gestelltes Verfahren angesehen, mit
deren Hilfe der Richter sein Urteil geben kann. Daher in diesem Zusammenhang
gibt es eine Reihe von Rechtsphilosophischen Arbeiten. Dort beschäftigt man
sich mit der Frage, ob die Analogie die Möglichkeit für eine logische
Schlußfolgerung anbietet.
[1] Thomas con Aquin,
Untersuchungen über die Wahrheit, Edith Stein, Bd. I, 1952, S.75
[2] Heideger, Identität
und Differenz, 2.Aufl. 1957, S.10
[3] Hegel: Wissenschaft
der Logik, S. 88
[4] Lakebrink, Hegels
dialektische Onthologie und die thomistische Analektik, 1995, S. 12.
Abduktion
Einfache Abduktion:
Schluss auf die beste Erklärung. Beispiel: Aus einem Fußspur eine bestimmte
Person in Betracht kommt.
Abduktion ist von
unseren Hintergrundannnahmen abhängig: wenn wir wissen, dass es in der Umgebung
keinen Mensch Existiert, dann ändern sich unsre Hypothesen über Fußspuren. à die gesuchten Erklärungen sollten möglichst
selbst wieder nur erklärbare Bestandteile enthalten (Regreß) à Lösung: Kohärenz!
Ist die Abduktion
typisches Schlussverfahren nur im Alltag? à Falsch!! Auch inder Wissenschaft oder
Gericht sind die Schlüsse auf die besten Erklärungallgegenwärtig. Z.B.
Mordprozess... Verteidigung: alternative Erklärungshypothesen
In der Wissenschaft:
Wahrheit wissenschaftlicher Theorien: Erklärungsleistung: Eine Theorie genau
dann besser begründet ist als eine andere, wenn sie mehr Phänomene und diese
möglichst auch noch besser erklärt als ihre Konkurrentin: z.B. Kosmologische
Theorien...
"Für wissenschaftliche Theorien und auch für viele
Aalltagsüberzeugungen ist ihre Erklärungsstärke der zentrale Aspekt ihrer
epitemischen Beurteilung"
Induktion
In der Induktion steigt
man von beobachteten Einzelfällen zu allgemeinen Gesetzen auf.
Induktion: Schlüsse in
denen wir über das uns Bekannte hinausgehen.
Zwischen Prämissen und
Konklusion besteht keine logisch notwendige Verbindung.
Antike Induktionsverfahren:
Konservative oder enumerative Induktion: Danach sammeln wir eine Reihe von
gleichartigen Fällen und schließen
dann, dass wir auch in allen weiten Fällen auf ähnliche Zusammenhänge
stoßen werden. Wenn 20 Raben Schwarz à alle
Raben Schwarz!
Deduktion
Demnach wird nach Regeln
des logischen Schließens eine Aussage (Konklusion) aus anderen Aussagen
(Prämissen) abgeleitet.
Beispiel: mit der
allgemeinen Regel: "wenn es regnet, ist die Straße naß" gilt für Prämisse: "Es regnet" die Konklusion "Die
Straße ist naß".
Syllogismus stellt eine
Deduktion dar.
Die Gültigkeit eine
Deduktion beruht auf der logischen Beziehung zwischen Prämissen und Konklusion.
Die deduktive Methode
stammt vor allen aus der Mathematik.
Zusammenfassung
Deduktion:
Regel + Fall
à Resultat
Beispiel: Alle Bohnen aus diesem Beutel sind weiß.
(Regel)
Diese Bohnen sind aus
diesem Beutel. (Fall)
Diese Bohnen sind weiß.
(Resultat)
Induktion:
Resultat + Fall
à Regel
Beispiel:Diese Bohnen sind weiß. (Resultat)
Diese Bohnen sind aus
diesem Beutel. (Fall)
All Bohnen aus diesem
Beutel sind weiß. (Regel)
Abduktion:
Resultat + Regel
à Fall
Beispiel:Diese Bohnen sind weiß. (Resultat)
Alle Bohnen aus diesem
Beutel sind weiß. (Regel)
Diese Bohnen sind aus
diesem Beutel. (Fall)
Analogie:
Fall1 + Fall2 à Resultat
Beispiel:Bohne A ist weiß (1. Fall)
Bohne B ist weiß. (2.
Fall)
Die Bohne A und B sind aus einem Beutel.
(Resultat)
· Wolfgang Stegmüller:
Nach ihm kann die Analogie erst im nachhinein
festgestellt werde, erst dann wenn die Gesetze beider Bereiche bekannt sind.
Stegmüller verweigert die "theoretische Funktion der Analogie, aber billigt er
ihr wenigstens ein "praktische" zu. Die praktische Funktion ist die
heuristische, d.h. die Analogie leistet einen Beitrag für neue Entdeckungen.