Einführung in die
Wissenschaftstheorie (Teil 1), Vorlesungen an der Ev. Fachhochschule Nürnberg;
Wintersemester 2001/2002
Esfandiar Tabari (et@falsafeh.com) http://www.falsafeh.com/Vorlesungen_wt.htm
Kapitel I:
Philosophie und ihre Geschichte
Einführung
Wissenschaftstheorie ist
die Brücke zwischen Theorie und Praxis
Wissenschaftstheorie
hilft uns die Komplexität zu überwinden und die Vorgehensweise im Praxis durch
bestimmte "logische" Regeln zu analysieren.
In der
Wissenschaftstheorie muß immer die Frage nach praktischer "Anwendbarkeit" im
Vordergrund stehen.
Praktische Begriffe
müssen theoretisch präzisiert werden.
"Nicht die Taten bewegen
die Menschen, sondern die Worte über die Taten"
Aristoteles
Anfang der
Philosophie und Wissenschaft
Philosophie als Weisheit
und Moral
Thales: 640 v. Chr. Aus
Griechenland
Zarathustra: 650 v. Chr.
Aus Iran
Buddha: 560 v. Chr. Aus
Indien
Thales
Nach antiker
Überlieferung antwortete Thales auf die Frage, was am schwersten von allen
Dingen sei: "Sich selbst kennen"; was am leichteste sei: "anderen Rat geben";
was Gott sei: "Das, welches weder Anfang noch Ende hat"; und wie man vollkommen
tugendhaft leben könne:"Indem wir niemals das tun, was wir an anderen
verurteilen".[1]
[1] H.J.Störig, kleine Weltgeschichte der Philosophie, Fischer 1969
Zarathustra: drei Güttigkeiten
Gute Gedanken, Gute
Worte, Gute Taten. Jeder soll durch "Selbst-Erziehung" diese drei Gute zum
Alltag machen und um den höchsten Punkt des Gipfels der Befreiung erreichen zu
können.
Buddha: alles in der Welt vergänglich aber nur nicht "Selbst"
Die vier edlen Wahrheiten
sind für Buddha:
Wahrheit vom Leiden: Das
Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Dies ist zu durchschauen.
Wahrheit von der Ursache
des Leidens: Die Ursachen des Leidens sind Gier, Haß und Verblendung. Sie sind
zu überwinden.
Wahrheit von der
Aufhebung des Leidens: Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu
verwirklichen.
Wahrheit von dem Weg zur
Aufhebung des Leidens: Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg, der Edle
Achtfache Pfad. Er ist zu gehen.
Mensch und Natur: keine
Grenze!
Es gibt keine Grenze
zwischen Natur und Mensch. Es ist fast alles menschlich. Auch die Naturgötter
wie Feuer und Wasser als Reinheitssymbole dienen allein zum menschlichen Zweck
des "rein werden" des Menschen. Der Mensch sieht sich überall in der Natur
anwesend. Sogar Gott ist nicht etwas übermenschliches, sondern steckt in jedem
Selbst und die Aufgabe der Menschen
ist, dieses Selbst so rein wie möglich werden zu lassen.
Weisheitsphilosophie
Weisheitsphilosophie ist
das ein Durchdringen des Wertgefühles ins Leben, in alle Sachfühlung, alles
Reagieren und Agieren, bis in die spontanen, alles Erleben begleitenden.
Weisheitsphilosophie ist die Durchsetzung des ganzen eigenen ethischen Seins
mit seinen Gesichtpunkten. Sie kann, nach Nicolei Hartmann, in einem streng
antiintellektualistischen Sinne die "ethische Geistigkeit" als geistige
Grundfaktor des Menschentums genannt werden.[1]
[1] Nicolai Hartmann, Ethik 4. Aufl.. - Berlin : de Gruyter, 1962
Was machen die
Philosophen?
Etwa 95% der Philosophen
etwa zu 95% ihrer Zeit treiben
Philosophiegeschichte![1]
[1] vgl. P. Janich; Was ist Erkenntnis?; beck; 2000
geschichtliche Dimension
nur dann interessant, wenn verknüpft ist mit der Geschichte des Entstehungs-
und Entwicklungsgedankens.
Notwendigkeit der
Geschichtsphilosophie:
Unterstützung für einen
philosophischen Hypothesenentwurf
Die philosophische Ideen
(im Vergleich zum Technik) haben mehr "Struktur" als "Funktion".
Flußlehre von
Heraklit: "Alles
fließt" (panta rhei)
B12a: "Denen, die in dieselben Flüsse
hineinsteigen, strömen andere und andere Wasser zu."
B49a: "In dieselben Flüsse steigen wir und
steigen wir nicht,
(wir sind und wir sind
nicht)."
B91: "Man kann nicht zweimal in denselben
Fluß steigen."
Sokrates: Philosophie
im Gespräch!
Philosophie soll in Form
von Frage-Antwort diskutiert werden.
Gesprächspartner kennt
die Antwort auf die Frage. Die Antwort auf die Fragen sind spontan
die spontane Antwort
soll nach Fehler geprüft werden. Dies geschieht durch Wiederholung, wodurch die
unruhe im Gespräch wächst.
Der entscheidende
Effekt der sokratischen Methode ist die Verwirrung und der Schock; Der
Gesprächspartner begreift, dass er ein Bedürftiger ist und beginnt schließlich, sich dafür zu interessieren
Der Gesprächspartner
soll sich aufmachen um die Lösung zu suchen
Kapitel II:
Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie
Erkennen und
Erkenntnis
Unsre Sprache wird umso
ungenauer, je mehr sie sich von den Gegenständen des Alltagssprache entfernt.
Die Wörter wie Wasser, Brot, Buch usw. sind von Praxis leicht kontrollierbar.
D.h. wir wissen, was damit gemeint ist, wo und wie sie zu verwenden sind.
Sobald sich die Sprache aber, von den konkreten zu den abstrakten Gegenständen
verschiebt, entfallen mehr und mehr solche Kontrolliermöglichkeiten durch die
Praxis. Statt dessen finden Sprachgebräuche Eingang, die aus Tradition und
Geschichte, aus unbekannter Herkunft in Religion, Kunst, Wissenschaft,
Philosophie und aus nicht mehr aktuellen Lebensformen stammen. Das Wort
Erkenntnis gehört sicher dazu. Bei Erkenntnis handelt es sich zunächst um einen
Vorgang des Erkennens, auch wenn "das Erkennen" eine Sammelbezeichnung für zahlreiche Einzelvorgänge ist.
Erkenntnisse kann man gewinnen, haben, nutzen, weitervermitteln, und sie können
fehlen, verlorengehen, oder sich gar als gefährlich, blastend oder irreführend
herausstellen. Wir unterscheiden zwischen Wissen und Erkennen: zum Wissen
zählen die gelernten Vokabeln einer fremden Sprache genauso wie die
Definitionen von Fachausdrücken in Spezialsprachen von Handwerken, Technikern,
Wissenschaftlern und Philosophen. Das Wort Erkenntnis dagegen ist eng mit dem
Entdeckungeszusammenhang, mit dem Erkennen verknüpft.
[mehr dazu: Siehe: Peter Janich "Was ist erkenntnis", Beck, 2000 ]
Erkennen als eine intentionale und auf eine zu
erfassende Sachlage gerichtete Tätigkeit, die ein Wissen zu ermitteln sucht.
Dieses Wissen kann intersubjektiv oder objektiv sein.
Beispiel für
intersubjektives Wissen: in der Stadt darf ich nicht schneller als 50 fahren.
Beispiel für objektives
Wissen: ich erkennen mein Auto wieder.
Erkenntnis kann sowohl zur Bezeichnung eines Prozesse
als auch zur Charakterisierung des Resultates dieses Prozesses verwendet werden
à Erkenntnis ist durch ihre zeitliche
Dimension gekennzeichnet.
Subjektive Erkenntnis:
ist eine Geist- oder Bewusstseinszustand, ein Glaube oder Zweifel, eine
Erwartungs- oder Verhaltensdisposition;
Objektive Erkenntnis:
besteht dagegen aus den sprachlich formulierten Theorien und Argumenten bzw. aus
deren logischen Gehalten, die wiederum und im Unterschied zu der subjektiven
Erkenntnis logisch-rational kritisiert und diskutiert werden können.
Erkenntnis und
Interesse
Erkenntnisse sind
verbunden mit Interesse
Interesse können
individuell, kollektiv oder gesellschaftlich sein
Z.B.: Dissozialität ist
zunächst für die einzelnen Betroffenen ein individuelles Problem sein; sie kann
ferner für eine Familie, für eine Schulklasse ein kollektives Problem werden;
schließlich kann sie die Herrschaftsinteressen führender Gesellschaftsgruppen
bedrohen oder sogar das Funktionieren einer ganzen Sozietät gefährden.
Erkenntnisse haben
zwei Komponente: theoretische und praktische
Jede Theorie strebt nach
maximaler Glaubwürdigkeit: Die orientierende Funktion einer Landkarte ergibt
sich gerade auch aus ihren schematischen Abweichungen von der Realität. Ein
Autofahrer braucht eine andere Realitätsreduktion als ein Wanderer oder ein
Segelflieger.
Die Glaubwürdigkeit
einer Theorie hängt davon ab, welcher Praxis sie Orientierung bieten Will.
Drei Formen der
Erkenntnisinteressen:
Das phänomenale Erkenntnisinteresse
fragt nach den faktischen Gegebenheiten, ihren Merkmalen und Eigenschaften.
Seine umgangssprachlichen Form lautet: "was ist los?", "Was geschieht?"
Beobachtung und Deutung lassen sich ohnehin nicht voneinander trennen.
Das Kausale Erkenntnisinteresse
richtet sich auf die Ursachen der Phänomene: "Warum ist das so?", "Warum
geschieht es?" Für den Praxis ist der Unterschied zwischen hinreichenden und
notwendigen Ursachen wichtig.
Aristoteles: Zweckfrage
(wozu?) gehört auch zu den Kausalfragen: Warum-Frage ist dann eine
rückwärtsgerichtete, die Wozu-Frage eine vorwärtsgerichtete Kausalfrage.
Das aktionale Erkenntnisinteresse
fragt nach Möglichkeiten des Handelns der Praxis, der Intervention, ist also an
der strategischen Beeinflussung der Phänomene interessiert: "Was ist zu tun?"
Die Antworten auf
Erkenntnisinteresse
Die Antworten auf die phänomenale, die
kausale und die aktionale Fragestellung führen zu phänomenalen, kausalen und
aktionalen Theorien.
Theorien bestehen aus
Hypothesen und / oder These. Thesen sind Behauptungen, Hypothesen sind
Vermutungen. Beide sind Aussagen über Erkenntnisgegenstände in Form von Sätzen.
Wissenschaft kann nicht
Wahrheit gewährleisten, sondern objektivere Kommunikation und damit
effizienteres arbeitsteiliges Handeln.
Die Überlegungen von
Aristoteles über wissenschafliche Theorien sind sehr aufschlussreich.
Das Abgrenzungsproblem
Was soll unter
"Wissenschaft" verstanden werden, und wie ist Wissenschaft von Nicht
Wissenschaft zu unterscheiden?
Wissenschaft : mehr
institutionellen Erscheinungsformen
Wissenschaftlich:
spezielle Wissensformen
Wissenschaft beduetet
einen besonderen Geltungs- oder Sicherheitsanspruch, ein besonderes Vertrauen
auf Verläßlichkeit und Geprüftheit, auf Interessenneutralität und Allgemeinheit
eines Wissens
à Wissenschaft
al eine besondere und besonders geschätzte oder abgelehnte Wissensform.
Wissenschaft nach
Aristoteles
wissenschaftlich ist nur
die Erkenntnis des Allgemeinen oder das Haben eines allgemeinen Begriffs von
der Sache,
die Stufe der Wissenschaft (und des
"praktischen Könnens") wird erst durch die Kenntnis des Warum, d. h.
durch die Erkenntnis der Ursachen und Prinzipien ( = Gründe) einer Sache
erreicht,
Wissenschaft ist Wissen
dessen, was nicht anders sein kann, d. h. notwendig (für ARISTOTELES: = ewig)
so ist, wie es ist,
Wissenschaft ist
lehrbar, weil logisch begründbar (demonstrierbar).
Wissenschaftstheorie
und Erkenntnistheorie:
Wissenschaftstheorie und
Erkenntnistheorie sind zwei besonders seit 19. Jahrhundert unterschiedlich aber
doch ergänzende philosophische Richtungen.
Die Rolle der
Wissenschaftstheorie für alle Fachbereiche bedeutend.
Grund dieser Entwicklung
ist die Praktizierbarkeit der Wissenschaftstheorie: Während sich die
Erkenntnistheorie, mit der Begründung der Erkenntnisprozesse beschäftigt, für
die Wissenschaftstheorie ist die Methodische Vorgehensweise für die
Begründungen und damit die Unterscheidung zwischen "richtige" und "falsche"
Erkenntnis vordergründig.
Wissenschaftstheorie
und Erkenntnistheorie:
Erkenntnistheorie ist
folge einer analytischen und historischen Untersuchung der Erkenntnisprozesse
(und Erkenntnisinteresse!). Wissenschaftstheorie sucht nach praktische Lösungen
in Form der "Methoden" für "wahre und
objektive Erkenntnis". Wie weit diese wahre oder objektive Erkenntnis möglich
ist, bestimmt die Zuverlässigkeitsgrad unserer Methoden.
Erkenntnistheorie
untersucht die Beziehung zwischen Mensch (als Subjekt) und Gegenstände (als
Objekt) und antwortet die Frage, "wie" Objekt durch Subjekt erkannt werden kann
und welche intensionale und extensionale Bedingungen hier existieren oder
existieren können. Wissenschaftstheorie schafft neue Bedingungen, in dem die
Möglichkeiten aus einer methodischen Sicht für eine objektive Erkenntnistheorie
geforscht werden.
Wissenschaftstheorie
als Methodenlehre:
Ziel ist die Gewinnung
wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei handelt es sich um allgemeine
wissenschaftliche Methoden, die für alle Wissenschaften von Bedeutung sind. à Wissenschaftstheorie
Im pragmatischen Sinn
befasst sich die Wissenschaftstheorie als einer Form menschlichen Handelns. Sie
formuliert Handlungsanweisungen, wie das Erkenntnisstreben zu ordnen ist,
welche Hilfsmittel eingesetzt, oder welche Verfahrensweisen praktiziert werden
sollen, um wissenschaftliche Erkenntnis gewinnen zu können.
In der
Wissenschaftstheorie wird die Wissenschaft selbst Wissenschaftlich untersucht.
Mit anderem Worten, die Wissenschaftstheorie ist eine Metatheorie aller
Wissenschaften.
Methodologie (oder
Methodenlehre) ist ein Begriff der Neuzeit. Vorher hat man zwischen
Wissenschaft und wissenschaftlicher Methode nicht unterschieden.
Die Methoden der
Erkenntnisgewinnung
Es gibt verschieden Wege
zur Erkenntnisgewinnung; Diese sind jedoch nicht alle als wissenschaftlich
begründet.
Alle diese Methoden
werden wissenschaftlich nach bestimmten Kriterien untersucht und
"wissenschaftlich" begründet. Dabei ist die wichtigste Kriterien die
Allgemeinheit der Methode und ihre Objektivitätsgehalt.
Es stellt sich die
Frage, was als wahr und objektiv gilt. Die Wahrheitstheorien beschäftigen sich
mit dieser Frage und versuchen ihre Modelle zu begründen. (Es wird ein Thema
dieser Vorlesungen werden!)
Die logische Methoden
in der Wissenschaft: begriffliche Erläuterungen:
Prämissen: (vom lat.
Praemissum, das Vorausgeschickte"), heißen die Vordersätze eines Schlusses; die
Voraussetzungen, von denen man ausgeht, um etwas folgern zu können.
Prädikat: was von einem
Subjekt ausgesagt wird; z.B.: "Die Materie ist ausgedehnt" ist eine Aussage mit
einem Prädikat.
Schluss: das logische
Verfahren, au mehreren Prämissen (oder Urteilen), ein einziges Urteil, die
Schlussfolgerung, begrifflich abzuleiten.
Einfachste
Schlussfolgerung ist Syllogismus.
Induktion und Deduktion gelten als logische
Schlussfolgerungen in der Wissenschaftstheorie
Weitere Methoden, deren
Schlussfolgerung weniger sicher sind: Abduktion und Analogie
Syllogismus
Das Wort Syllogismus:
"Zusammen", "Aufrechnung",
Syllogismus als eine
Rede, bei der, wenn man bestimmte Dinge als gegeben annimmt, etwas anderes
(nämlich: die Geltung einer bisher kontroversen Aussage) "mit Notwendigkeit",
"aus sich heraus", folgt.
Es geht um den Zusammenhang
zwischen den verschiedenen Attributen konkreter Gegenstände, in denen sich eine
bestimmte Wesenheit, ein Eidos, dem Betrachter darbietet; und die
Vergegenwärtigung dieses Zusammenhangs dient dem Zweck, einen Opponenten zu der
Einsicht zu bringen, dass eine von ihm bisher bestrittene Behauptung über gewisse Beziehungen zwischen
diesen Attributen doch zu Recht erhoben wird.
Dabei handelt es sich um
ein Schluss vom allgemeine auf das besondere.
Grundelemente der
Syllogismus
Die Grundelemente der
Syllogistik kann wie folgt zusammengefasst werden:
"Alle A sind B" und "Alle C
sind A" à
"Alle C sind B"
Wie wir sehen eine
syllogistische Schlussfolgerung besteht aus drei Elementen: Zwei von denen werden
Prämissen genannt. Die dritte Aussage, deren Geltung notwendigerweise aus den
Prämissen folgt, heißt "Konklusion" oder "Schlusssatz". Die Richtigkeit der Konklusion folgt aus der
Richtigkeit beider Prämissen. Wenn eine Prämisse falsch ist, dann ist die
Konklusion ebenfalls falsch. Eine Prämisse ist damit eine Aussage, die zur
Begründung der Konklusion verwendet wird. Mit den Prämissen werden also die
Gründe für die Geltung der mit der "Konklusion" formulierten Behauptung
angegeben. Ein solche Schlussform ist z. B.:
"Alle Menschen sind
sterblich" und "Sokrates ist ein Mensch" à
Sokrates ist sterblich
Die Notwendigkeit der
Konklusion aus Prämissen ist auch so zu verstehen, dass in der Konklusion
selbst gleichzeitig beide Prämissen vorhanden sind. Das bedeutet aber nicht,
dass aus der Konklusion die Prämissen 1 und 2 logisch ableitbar sind. Die
Prämissen dienen zur Begründung von Konklusion.
Zitat aus
Arist.-Nikomanische Ethik, (S. 125)
das syllogistische
Verfahren geht vom Allgemeinen aus. Es gibt mithin Prinzipien, aus denen der
Syllogismus fließt, die nicht auf syllogistischem Wege gewonnen werden ...
Wissenschaftliche Erkenntnis trägt demnach den Charakter eigentlicher
Beweisbarkeit ... soweit er irgendwie zu voller Gewißheit gelangt ist und die
Kenntnis der Prinzipien besitzt. Denn sind ihm diese nicht in höherem Maße
bekannt als die Konklusion des Schlusses, so hat er ein Wissen nur von
uneigentlicher Art. Damit mag der Charakter der wissenschaftlichen Erkenntnis
gekennzeichnet sein.
Analogie
"die Übereinstimmung
gemäß einem Verhältnis" (Thomas von Äquin[1]).
"Zusammengehörigkeit von Identität uns Differenz" (Heideger[2]).
"dialektische Identität und Einheit von Einheit und Gegensatz oder Identität
der Identität und Nichtidentität" (Hegel[3]).
"Mitte zwischen Identität und Widerspruch" (Lakebrink[4]).
Im Philosophischen
Wörterbuch lesen wir: " Ähnlichkeit, Gleichheit von Verhältnissen, aber auch
Erkenntnis durch Vergleich. Zwischen vergleichbaren Dingen muss sowohl Verschiedenheit
als auch Ähnlichkeit bestehen."
Ohne Analogie konnte es
zu keiner Philosophie oder Wissenschaft kommen. Der analogische Gedankengang
ist überall im Alltag, Wissenschaft und Philosophie und in aller unseren
methodischen Vorgehensweise zusehen.
Trotzdem ist sie nicht als eine logische Methode anerkannt. So zusagen die
Analogie wird stillschweigend überall verwendet. Obwohl historisch gesehen die
philosophische Überlegungen über analogischen Gedankengang eine lange Tradition hat, aus einer systematischen
Sicht gibt es kaum philosophische Forschungen über Analogie. Analogie wird vor
allem nur von Juristen als ein unter Frage gestelltes Verfahren angesehen, mit
deren Hilfe der Richter sein Urteil geben kann. Daher in diesem Zusammenhang
gibt es eine Reihe von Rechtsphilosophischen Arbeiten. Dort beschäftigt man
sich mit der Frage, ob die Analogie die Möglichkeit für eine logische
Schlußfolgerung anbietet.
[1] Thomas con Aquin,
Untersuchungen über die Wahrheit, Edith Stein, Bd. I, 1952, S.75
[2] Heideger, Identität
und Differenz, 2.Aufl. 1957, S.10
[3] Hegel: Wissenschaft
der Logik, S. 88
[4] Lakebrink, Hegels
dialektische Onthologie und die thomistische Analektik, 1995, S. 12.
Abduktion
Einfache Abduktion:
Schluss auf die beste Erklärung. Beispiel: Aus einem Fußspur eine bestimmte
Person in Betracht kommt.
Abduktion ist von
unseren Hintergrundannnahmen abhängig: wenn wir wissen, dass es in der Umgebung
keinen Mensch Existiert, dann ändern sich unsre Hypothesen über Fußspuren. à die gesuchten Erklärungen sollten möglichst
selbst wieder nur erklärbare Bestandteile enthalten (Regreß) à Lösung: Kohärenz!
Ist die Abduktion
typisches Schlussverfahren nur im Alltag? à Falsch!! Auch inder Wissenschaft oder
Gericht sind die Schlüsse auf die besten Erklärungallgegenwärtig. Z.B.
Mordprozess... Verteidigung: alternative Erklärungshypothesen
In der Wissenschaft:
Wahrheit wissenschaftlicher Theorien: Erklärungsleistung: Eine Theorie genau
dann besser begründet ist als eine andere, wenn sie mehr Phänomene und diese
möglichst auch noch besser erklärt als ihre Konkurrentin: z.B. Kosmologische
Theorien...
"Für wissenschaftliche Theorien und auch für viele
Aalltagsüberzeugungen ist ihre Erklärungsstärke der zentrale Aspekt ihrer
epitemischen Beurteilung"
Induktion
In der Induktion steigt
man von beobachteten Einzelfällen zu allgemeinen Gesetzen auf.
Induktion: Schlüsse in
denen wir über das uns Bekannte hinausgehen.
Zwischen Prämissen und
Konklusion besteht keine logisch notwendige Verbindung.
Antike Induktionsverfahren:
Konservative oder enumerative Induktion: Danach sammeln wir eine Reihe von
gleichartigen Fällen und schließen
dann, dass wir auch in allen weiten Fällen auf ähnliche Zusammenhänge
stoßen werden. Wenn 20 Raben Schwarz à alle
Raben Schwarz!
Deduktion
Demnach wird nach Regeln
des logischen Schließens eine Aussage (Konklusion) aus anderen Aussagen
(Prämissen) abgeleitet.
Beispiel: mit der
allgemeinen Regel: "wenn es regnet, ist die Straße naß" gilt für Prämisse: "Es regnet" die Konklusion "Die
Straße ist naß".
Syllogismus stellt eine
Deduktion dar.
Die Gültigkeit eine
Deduktion beruht auf der logischen Beziehung zwischen Prämissen und Konklusion.
Die deduktive Methode
stammt vor allen aus der Mathematik.
Zusammenfassung
Deduktion:
Regel + Fall
à Resultat
Beispiel: Alle Bohnen aus diesem Beutel sind weiß.
(Regel)
Diese Bohnen sind aus
diesem Beutel. (Fall)
Diese Bohnen sind weiß.
(Resultat)
Induktion:
Resultat + Fall
à Regel
Beispiel:Diese Bohnen sind weiß. (Resultat)
Diese Bohnen sind aus
diesem Beutel. (Fall)
All Bohnen aus diesem
Beutel sind weiß. (Regel)
Abduktion:
Resultat + Regel
à Fall
Beispiel:Diese Bohnen sind weiß. (Resultat)
Alle Bohnen aus diesem
Beutel sind weiß. (Regel)
Diese Bohnen sind aus
diesem Beutel. (Fall)
Analogie:
Fall1 + Fall2 à Resultat
Beispiel:Bohne A ist weiß (1. Fall)
Bohne B ist weiß. (2.
Fall)
Die Bohne A und B sind aus einem Beutel.
(Resultat)
· Wolfgang Stegmüller:
Nach ihm kann die Analogie erst im nachhinein
festgestellt werde, erst dann wenn die Gesetze beider Bereiche bekannt sind.
Stegmüller verweigert die "theoretische Funktion der Analogie, aber billigt er
ihr wenigstens ein "praktische" zu. Die praktische Funktion ist die
heuristische, d.h. die Analogie leistet einen Beitrag für neue Entdeckungen.
·
Wie Ulrich Klug beschreibt, kann
man nicht immer von einer bestimmten Ähnlichkeit ausgehen. Analogieschlüsse
sind besonders verdächtig, wenn man von einer allgemeinen Ähnlichkeit ausgeht.
In dem genannten Beispiel sind "Krieg" oder "übel" die bestimmten
Ähnlichkeiten. Bei den allgemeinen Ähnlichkeiten unterscheidet man zwischen
"formaler" und "wahrer" Richtigkeit. Die Tatsache, dass Mars und Erde ähnlich
sind, kann uns, analogisch gesehen, zu dem Schluss führen, dass der Mars
ebenfalls auf der Oberfläche belebt ist. Diese Schlussfolgerung ist formal
richtig aber nicht in der Tat richtig.
Kohärenz und Konsistenz
·
In der Kohärenztheorie
wird zwischen Kohärenz und Konsistenz unterschieden.
Wir unterscheiden zwischen
Konsistenz- und Kohärenzgrade jeweils
von 0 bis 1 . Damit können wir der
Menge aller Aussagen sowohl den Kohärenzgrad als auch den Konsistenzgrad 0
zuordnen. Eine maximale konsistente Menge hat sicher den Konsistenzgrad 1 und
Kohärenzgrad 1.
Aber bei allen nicht maximalen konsistenten Mengen
stimmen Kohärenzgrad und Konsistenzgrad
bereits nicht mehr überein. Solche Mengen haben gewiss den Konsistenzgrad 1, aber
sicherlich einen Kohärenzgrad der kleiner ist als der Kohärenzgrad einer
maximalen kohärenten Menge, also kleiner als 1. Somit entsteht ein mehrwertige Logik in einem Überzeugungssystem.
·
Um den Unterschied
zwischen Kohärenz und Konsistenz deutlich zu machen, vergleichen wir folgende
Aussagen:
A: Vor mir liegt die Freiheitsstatue.
B: Vor mir liegt der Kölner Dom.
C: Vor mir liegt der Himalaja.
Dieses Überzeugungssystem entspricht nicht der
Vorstellung eines kohärenten Überzeugungssystems. Das System kann jedoch
als logisch konsistent betrachtet
werden, denn es ist natürlich nicht logisch unmöglich im Sekundenabstand an so
weit entfernten Plätzen der Welt zu sein, sondern höchstens physikalisch oder
eher verkehrstechnisch unmöglich. Die Aussagen stehen jedoch völlig
zusammenhanglos nebeneinander, was auf keinen Fall unserer Vorstellung eines
kohärenten Überzeugungssystems entspricht.
·
Die Kriterien für die
Kohärenzstärke der Aussagen in einem Überzeugungssystem sind von Bartelborth
untersucht worden.
Nach Bartelborth wird in der
Kohärenztheorie bei der Analyse der
Kohärenz zwischen relationaler und systematischer Kohärenz unterschieden. Dem
Begriff der systematischen Kohärenz stellt er den Begriff der Inkohärenz
gegenüber. Die systematische Kohärenz ist dabei die Kohärenz eines
Überzeugungssystems. Ein Überzeugungssystem ist nach Bartelborth um so
kohärenter:
1.
je mehr inferentielle
Beziehungen (logische und Erklärungsbeziehungen) die Propositionen in X
vernetzen (Vernetzungsgrad)
2.
je besser die Erklärungen
sind, die X vernetzen (Erklärungsstärke)
3.
je weniger Inkohärenzen
in X vorliegen (Inkohärenzgrad)
4.
je bewährter X ist
(Stabilitätsbedingung)
Die relationale Kohärenz gibt dabei an, wie gut eine
Aussage oder Meinung P in ein Überzeugungssytem X paßt. Nach Bartelborth paßt
eine Aussage p um so kohärenter in das Überzeugungssystem X:
(Abduktionsbedingung)
1.
je mehr Propositionen
aus X die Aussage P erklärt oder
abzuleiten gestattet und
2.
um so besser es sie
erklärt,
(Einbettungsbedingung)
1.
je öfter P aus X abzuleiten
ist und
2.
je öfter und besser P
von den Propositionen aus X erklärt wird.
Abduktion
· Pierce beschreibt das allgemeine Muster des Übergangs von Explanandum (Schluss) zu Explanans (Regel):
"The surprising
fact C is observed. But if A were true, C would be a matter of course. Hence,
there is reason to suspect, that A is true."
Mit dieser Formulierung fasst Peirce den allgemeinen Fall einer, neben Deduktion und Induktion dritten Form logischer Schlussfolgerungen, der sogenannten Abduktion.
· Unter den heuristischen Methoden spielt die Abduktion eine herausgehobene Rolle. Heuristik ist die Lehre zum Finden von Neuem und Problemlösen. Bei der heuristischen Verfahren handelt sich oft nicht um direkte, formalisierbare Schlüsse, sondern sind zur Lösung führende Hilfsmittel für Fragestellungen, zu deren Beantwortung eindeutige Verfahren fehlen oder unvertretbar aufwendig erscheinen.
· Vorgang der Abduktion: Resultat + Regel à Fall
·
In den nichtdeduktiven
Systemen ist die Erklärungsstärke ein Maß für die Kohärenz. Dies ist besonders
bei Abduktion der Fall, da es hier um den Schluss der besten Erklärung geht.
Der Begriff der Erklärungsstärke ist ein zentraler Begriff der Kohärenztheorie.
Dort treten die Begriffe der unscharfen Logik wie "je besser", "je weniger",
"je bewährter", "je öfter" usw. auf.
·
Unsere gesamte
Erkenntnisstruktur ist von reinen Hypothesen überzogen, die mit Hilfe der
Induktion bestätigt und weiter entwickelt wird.
·
Peirce stellt fest,
dass die Reproduktion auf die Hofnung gerichtet ist, dass zwischen dem Geist
des Denkenden und der Natur eine hinreichende Verwandschaft besteht, um die
Formulierung von Annahmen nicht völlig hoffnungslos werden zu lassen,
vorausgesetzt, dass jede Annahme durch den Vergleich mit der Beobachtung
geprüft wird.
·
Die Abduktion ist also
nicht nur eine spezielle Schlussform in der theoretischen Logik, sondern sie
vollzieht sich ständig bei den alltäglichen Wahrnehmungen, weil wir nie die
Dinge selbst sehen, sondern nur deren Zeichen, von denen wir auf die
begriffliche Kategorie zurückschließen, zu der das durch die Zeichen
signalisierte Phänomen mutmaßlich gehört.
Aus dem Buch: Eberard, Kurt, Erkenntnis-
Und Wissenschaftstheorie, Kohlhammer, 1987, S. 126 ff):
·
Die Abduktion führt zu
Schlussfolgerungen, die logisch illegitim sind, aber wenn sie stimmen,
vermitteln sie neue Informationen, gerade weil sie nicht denknotwendig aus der
theoretischen Vorgabe und der Beobachtung resultieren.
·
Die Abduktion bildet
die medizinische Form des zuordnenden Schließens ab: Die Wahrneh1i1ung eines
oder mehrerer Zeichen, genannt Symptome, führt zur Diagnose, d. h. zur
Einordnung in eine (alte oder neue) Kraikheitskategorie der medizinischen
Nosologie. Von daher ist nicht überraschend, dass die historischen Wurzeln der
Semiotik auf Mediziner zurückgehen - auf HIPPOKRATES und GALEN, die beiden
berühmtesten Ärzte der griechisch-römischen Antike Zuordnendes, diagnostisches,
subsumierendes Denken ist die tägliche Praxis auch aller anderen sozialen
Berufe und das wi<1Ytigste Anliegen hermeneutischer Deutungsarbeit.
·
Beispiele für abduktive
Konzeptionen:
Welcher Heimplatz passt
zu einem bestimmten Jugendlichen?
Welche Pflegeeltern
passen zu einem bestimmten Kind?
Welche Arbeitsstelle
passt zu einem bestimmten Arbeitslosen?
·
Eine Sozialpädagogin
betreut im Kinderhort einen Jungen, an dem ihr folgende Eigenschaften
auffallen: langsame Bewegungen, meistens still, trauriges Gesicht, manchmal
lächelnd, nie lachend, aber auch nie Tränen, im Gespräch und in Bildern
Todesphantasien.
Die Soziafp!idagogin abduziert: der Junge
könnte zur Kategorie der Depressiven gehören und veranlasst die Vorstellung in der
Erziehungsberatungsstelle. Die Erziehungsberatungsstelle bestätigt ihre
Vermutung: >psychogene Depression<.
Der Sozialpädagogin kommt allerdings
merkwürdig vor, dass der Junge besonders freundliche und zuverlässige Eltern
hat, während die psychologischen Lehrbücher mangelhafte bzw. unzuverlässige
emotionale Zuwendung in der frühen Kindheit als wesentliche Ursache der
psychogenen Depression angeben.
Die Eltern kümmern sich viel um den
Jungen, und die Sozialpädagogin hatte beobachtet, dass sie unabhängig von
seinem Verhalten stets geduldig und nett waren. Sie versetzte sich in den
Jungen und fühlte, dass die Haltung der Eltern sie wütend machen würde, und
wenn das auch nichts ändern würde, kämen in ihre Stimmungen der Ohnmacht und
schließlich der Resignation auf.
Dann wäre die Depressivität des Jungen
eventuell keine Folge von mangelhafter emotionaler Zuwendung, sondern ein
Ergebnis von Ohnmacht, eine Reaktion auf die Unbeeinflussbarkeit der eigentlich positiven elterlichen
Gefühle?
Eine weniger aufmerksame und
denkkritische Sozialpädagogin hätte vielleicht ihre Beobachtungen dahingehend
gedeutet, dass die emotionale Zuwendung der Eltern >unecht< sei und keine
Veranlassung gesehen, die herkömm1iche Depresssionstheorie in Frage zu stellen.
Sie wäre wohl auch nicht auf die Idee gekommen, dem Kind gezielt Erlebnisse der
Macht und der affektiven Wirksamkeit zu vermitteln. Statt dessen hätte sie
womöglich auf die Depressivität mit betont unerschütterlicher emotionaler
Zuwendung reagiert und damit die Ohnmachtserlebnisse des Kindes gesteigert.
Das Beispiel ist gar nicht so weit
hergeholt. Vergleichbare Beobachtungen) führten SELIGMAN zu dem neuen Begriff
bzw. zu der neuen Theorie der ,.Erlernten Hilflosigkeit« als Erklärung für
psychogene Depressionen und zu bemerkenswerten experimentellen Bestätigungen
dieser ätiologischen Hypothese (SELIGMAN, 1979).
In diesem Beispiel wird die kreative begriffsbildende
bzw. teoriegenerierende Funktion der Abduktion deutlich. Hierzu schreibt PEIRCE:
»Abduktion ist jene Art von Argument, die von einer
überraschenden Erfahrung ausgeht, das heißt von eine ;Erfahrung, die einer
aktiven oder passiven Überzeugung zuwiderläuft. Dies geschieht in Form eines
Wahrnehmungsurteils oder einer Proposition, die sich auf ein solchesUrteil bezieht,
und eine neue Form von Überzeugung wird notwendig, um die Erfahrung zu
verallgemeinern.« (1983, S. 95)
Rückblickend lassen sich also zwei Abduktionsformen
unterscheiden: Die subsumierende Abduktion, die ein vorfindliches Phänomen
einer schon bekannten Begriffsklasse zuordnet, und die terminogene Abduktion,
die eine neue terminologische Kategorie eröffnet und damit neue theoretische
Hypothesen anregt bzw. bereits impliziert. Die subsumierende Abduktion
entspricht dem >bestimmenden Urteil< in KANTs Kritik der Urteilskraft,
die terminogene ähnelt dem >reflektierenden Urteil<> nur dass KANT
diesem schon vor der Begriffsfindung eine wichtige, nämlich ästhetische
Erkenntnisfunktion zumisst (vgl. Kap. G).
·
Induktion erlaubt von beobachteten
Einzelfällen zu allgemeinen Gesetzen aufzusteigen.
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In der Induktion wird
1.
eine Hypothese in
Verbindung mit einer Beobachtung wird aufgestellt (Kupfer leitet Strom) à [Resultat]
2.
Die Hypothese durch
Beobachtung überprüft (Dieses Kupfer leitet Strom) à [Fall]
3.
Der Einzellfall wird
als Gesetz anerkannt (Alles Kupfer leiten Strom) à [Regel]
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Die universell gültige
Gesetze werden Theorien genannt.
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Neben der Gesetze
existieren sogenannte individuelle Gegebenheiten; sie beschreiben die fallspezifische
Besonderheiten (reines Kupfer leitet den Strom besser)
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Protokollsätze sind Aussagen über die Beobachtungen. Die Aussage
"Kupfer leitet Strom" geschieht zunächst in Folge einer Beobachtung. Diese
Beobachtung muss dann durch Experiment(e) bestätigt werden.
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Mit Hilfe der Statistiken
können wir die Allgemeinheit der Gesetze eingrenzen und deren Richtigkeit
einschätzen. Statistik ist eine Methode, die uns hilft, aus Feststellungen
einzelner Tatbestände induktive Schlüsse zu ziehen. Dabei wählt man aus einer
zu untersuchenden Menge von Gegenständen eine Stichprobe aus, untersucht sie
und schließt aus den Eigenschaften bzw. Eigenschaftsverteilungen dieser
Stichprobe auf die der Grundgesamtheit.
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Mit Hilfe der Statistik
kann man die Lage der Stichprobe (S) in der Population (P) besser erkennen.
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In vollständiger
Induktion werden alle Stichproben untersucht. à zuverlässig!
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In unvollständiger
Induktion wird von einer Stichprobe auf die Gesamtheit geschlossen. à nicht zuverläsig!
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Das Problem der
Induktion ist der Übergang von Fall zu Regel:
[Resultat] à [Fall] à [Regel]
Die Frage ist, warum man die Gültigkeit
einer Hypothese (die in der logischen Form als "Resultat" steht) auf einen Fall
(oder mehrere Fälle) zu noch unbekannten Fällen verallgemeinern darf?
David Hume (1711-1776): Gewohnheit und Wiederholung
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Die Humesche
Formulierung des Induktionsproblems kann
in zwei Feststellungen zusammengefasst werden:
4.
All unser Wissen über
Reales muss sich in irgendeiner Form auf das stützen, was wir wahrnehmen und
beobachten (negativ formuliert: Durch rein logische Beweisführungen vermögen
wir kein Wissen über die Beschaffenheit unserer Welt zu erlangen).
5.
Wir bilden uns jedoch
ein ungeheuer viel mehr an Realwissen zu besitzen, als wir durch
Sinneserfahrung erworben haben können.
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Bei dieser
Feststellungen handelt es sich darum,
wie man den Übergang von Fall zu Regel in der Induktion rechtfertigen
kann. Da hier eine logische Beweisführung nicht auftaucht, kann man die Rechtfertigung
nur den Weg über Argumente nehmen, deren Prämisse das in (1) angeführte
Beobachtungswissen enthalten, deren Konklusion hingegen die in (2) erwähnten,
über das Beobachtungswissen hinausführende Erkenntnisse ausdrücken. Das
Induktionsproblem reduziert sich somit auf die Frage: Von welcher Art sind
die Argumente, die vom Beobachteten zum nicht Beobachteten führen?
·
Nach Hume bezieht sich
all unser Beobachtungswissen bezieht sich auf vergangene Geschehnisse.
Behauptungen über das, was sich erst ereignen wird, sind nicht im Gehalt von
Aussagen über Vergangenes eingeschlossen.
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Humes Resultat: eine
klare Absage an jede Form von Induktivismus, wie immer auch eine bestimmte
Induktionsregel definiert werden mag.
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Humes Antwort auf das
Induktionsproblem: Es gibt keine Erweiterung unseres Wissens vom Beobachteten
auf das Nichtbeobachtete.
· Induktive Schlüsse sind Wahrscheinlichkeitsschlüsse. Statt mit Wahrheit müssten wir uns mit bloßer Wahrscheinlichkeit begnügen.
· Auch die Gedanke der Wahrscheinlichkeitsschlüsse führt nach Hume überhaupt nicht weiter: Woher wissen wir, dass vergangene Häufigkeitsverteilung auch in Zukunft gelten werden?
· Hume zeigt damit, dass wir nicht beweisen können, irgendein induktiver Schluss mit wahren Prämissen jemals eine wahre Konklusion habe, wobei es ganz gleichgültig ist, wie wir die Induktionsregel charakterisieren.
· Nach Hume spielen zwei Faktoren bei unserer induktiven Schlüsse eine wesentliche Rolle: Wiederholung und Gewohnheit: In unserem Alltagsdenken halten wir Ursache und Wirkung für "Notwendig" miteinander verbunden. Diese Verbindung denken wir uns in den äußeren Gegenständen gelegen. Das bekannte Beispiel von Hume ist Billardspielen. Beim Billardspielen sehen wir die Ursache für die Bewegung einer gestoßenen Kugel in der Bewegung der stoßenden. Der Physiker würde sagen: Es wurde ein Impuls von der Kugel A auf die Kugel B übertragen. Nach Hume existiert in den Kugel keine Notwendigkeit, diese kommt nur durch unsere wiederholten Beobachtungen, die als Erfahrungen gelten, zustande. Was wir bei der Kausalität "Notwendigkeit" nennen, so Hume, ist nichts anderes als "Gewöhnung".
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Die induktive
Schlussfolgerung ist damit zu erklären: Durch Wiederholt bestätigte Fälle
werden die beobachtete Wissens auf nichtbeobachtete erweitert. Die Tatsache, dass verschiedenes Kupfer im Labor sehr
gute Leitfähigkeit zeigen, ist ein "Argument" für die Erweiterung diese
Tatsache auf nicht experimentiertes Kupfer.
Karl Popper: Falsifikation
· Der Unterschied zwischen erfahrungswissenschaftlichen und metaphysischen Vermutungen nach Popper: Alle empirischen Vermutungen oder Hypothesen können einer strengen empirischen Prüfung unterzogen werden. Bei dieser Prüfung werden aber keine Induktionsregeln benützt, sondern ausschließlich Regeln der deduktiven Logik.
Rudolph Carnap (1891-1970): Theorie der induktiven Bestätigung wissenschaftlicher Hypothese
Nelson Goodman: Eine
neue Auffassung der Induktion
· Diese gegenseitige Abstimmung gilt nach Goodman sowohl für unsere Regeln als auch für unsere Schlüsse. In dem gegenseitigen Prozess wird schließlich nach der besten Regel und dem besten Schluss gesucht. Das Goodmansche Überlegungsgleichgewicht geht von Beobachtungen aus. Die Aussagen zu diesen Beobachtungen können zufällig oder gesetzartig sein. Eine Aussage wie: "Alle Butter schmilzt bei 65 C" hat einen gesetzartigen Charakter, während: "Alle Münzen in meiner Hosentasche sind aus Silber" als Beschreibung einer zufälligen Tatsache genommen wird, nachdem alle ihre Anwendungsfälle bekannt sind und die Aussage zu keiner Voraussage herangezogen wird.
Weiterführende Literaturen:
Wolfgang Stegmüller, Das Problem der
Induktion, WBD, 1974
Wolfgang Stegmüller,
Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, B1,Kröner, 1989