Esfandiar Tabari, et@uni.de
Dezember
2000
Was ist Wahrheit?
Eine der grundlegenden Probleme der Philosophie in Lauf ihrer Geschichte ist die Frage nach Wahrheit. Was ist wahr? Was macht etwas wahr oder falsch? Wie sind wahr und falsch unterscheidbar? Wie erlangen wir Wahrheit?
Diese Frage kann man in zwei Fragen zusammengefasst umformulieren:
1. Was ist Wahrheit? (Wahrheit à Entitäten)
2. Wie die Entitäten (Aussagen, Dingen usw.) wahr sind? (Entitäten à Wahrheit)
Bei der ersten Frage handelt es sich darum, eine philosophische Definition für die Wahrheit herauszufinden. Es soll mit anderen Worten untersucht werden, wie der Begriff Wahrheit zu Entitäten[1] steht, d.h. unsere Frage bezieht sich hier auf den Begriff Wahrheit, ob und welche Entitäten sie beansprucht. Hier brauchen wir eine Definition über Wahrheit. Eine der möglichen Antwort auf die Definition der Wahrheit, wie wir sehen werden, ist die Korrespondenztheorie. Die zweite Frage bezieht sich aber auf Entitäten selbst: Es soll dabei geklärt werden, von welchen Werten sie zu erfüllen sind, um überhaupt wahr zu werden. Hier müssen wir nach Kriterien suchen, mit denen eine Unterscheidung zwischen wahr und falsch bzw. richtig und falsch möglich wird. Eine mögliche Antwort auf diese Frage wäre z.B. die Kohärenztheorie, die ausführlich diskutiert werden soll.
Damit können die ganze philosophische Diskussionen über Wahrheitstheorie zwei großen Problemkreis klassifiziert werden: die Klasse der Fragen, die nach Definitionen suchen und die Klasse der Fragen, die auf die Suche nach bestimmten Kriterien sind. In folgenden wird das Wahrheitsproblem der moralischen Urteilen innerhalb dieser beiden Klassen abstrahiert behandelt
Einfachheitsprinzip
Quine beschreibt in seine Theorie, wie die Menschen mit dem Tendenz zur Einfachheit Erkenntnis erwerben, in dem sie versuchen die Faktoren wie die Vielfalt der Gegenstände und die Unregelmäßigkeiten der Naturgesetze minimieren. Die Struktur der klassischen Logik ist ein Beispiel für Einfaches Denken: Die Grundaxiome der klassischen Logik sind die Sätze von Identität, vom Widerspruch und vom ausgeschlossenen Dritten. Alle diese Sätze sind eine Nährung der Realität. Der Identitätssatz beschreibt eine feste Zuordnung jedes Begriffs zu sich selbst (A=A). Begriffe ändern sich aber, sobald sie in Verbindung mit Gegenständen, Situationen und Fakten, die sie repräsentieren gebracht werden, sodass von einer wirklichen Identität schwer zu reden sein kann. So ist es mit auch mit dem Satz Widerspruch, wen wir an widerspruchliche jedoch logisch wahre Begriffe wie Metapher denken. Der Satz der ausgeschlossenen Dritten repräsentiert eine zweiwertiges wahr/falsch- Logik, die mit der Realität der Mehrwertigkeiten vieler logische Aussagen nicht in Übereinstimmung steht.
Im Hinblick auf das Wahrheitsproblem kommt der Logiker Tarski deshalb zu folgendem Schluß: In Bezug auf die Umgangssprache scheint nicht nur die Definition des Wahrheitsbegriffs, sondern sogar sein konsequenter und mit den Gesetzen der
Logik
übereinstimmender Gebrauch unmöglich." [2]
Die Einfachheit stimmt nach Quine mit der Beobachtungen überein: "die Beobachtung dient dazu, Hypothesen zu testen, nachdem man sie sich zu eigen gemacht hat; die Einfachheit bestimmt, welche man zum Test annimmt."[3] Durch Einfachheit wird die Reichweite einer Theorie - ihre Fülle an beobachtbaren Konsequenzen- vergrößert.[4] Solche Die Einfachheit zeigt sich vor allem in der wissenschaftlichen Forschungen und besonders in Statistiken.
Eine weitere Dimension des Einfachheitsprinzips ist unser Tendenz zur Einheit. Einheit zeigt sich in aller unseren Wahrnehmungen und Theorien. Im bereich der Wahrnehmung tendieren wir die wahrgenommene Gegenstände als ein einzigen Gegenstand wahrzunehmen oder differenzierte Begriffe innerhalb einer einzige Oberbegriff einzuordnen.
Im bereicht der Theorien möchte man alle Theorie möglichst in einem Gesetz unterzuordnen.
Man sucht nach geltenden Gesetze, die alle unsere Theorien daraus abgeleitet werden können.
Erst in unserem Jahrhundert mit der Fortschritte in der Physik fühlte man sich von der Logik der Natur unterlegt: Nicht mehr die einheitlich Newtonsche Naturgesetze, die die Axiome der klassischen Logik entsprechen sorgen für die Einheit der Natur, sondern die vielfältige Gesetze, die zur Differenzierung zwischen der mikroskopischen und makroskopischen Welt führen. Die Quantenmechanische Logik ist weit von unserer herkömmlichen Logik entfernt. Jede Welt hat ihren Raum: unsere Theorien können nur in einem vernünftigen raum existieren. Daher wurden getrennte logische Räume wie Hilbertraum in der Mikroskopischen und Riemanschen Raum in der Makroskopischen Welt entwickelt, deren Logik weit von von uns vorstellbaren euklidischen Raum distanziert sind. Die scharfe Beobachtungen der unscharfen quantenmechanischen Phänomene in der Welt der unendlich kleinen Teilchen war erst mit den technologischen Fortschritte in diesem Jahrhundert möglich. Das war eine Niederlage der Intuitionen zur Einheit. Jedoch gibt der Mensch nicht auf und sucht nach weiteren Theorien (wie Strings usw.) um eine Einheit zwischen den beiden Welten zu erreichen. Zurück in die Moralphilosophie: hier suchen wir nach einheitlichen Definitionen und Strukturen über die Wahrheit und Falschheit. Nach Möglichkeit sollen alle unsere moralischen Theorien die uns alles st der Tendenz zur Einheitsbildung ebenfalls spürbar: In der Philosophie suchen wir nach einheitlicher Definitionen. Dies ist besonders in der Suche auf eine einheitliche Wahrheitsdefinition ersichtlich. Dabei bleiben die Sprache der Definitionen uns Transparent. Die Kriterien der Wahrheitserfindung in der mikroskopischen Welt ist anders als in der Makroskopischen Welt. Sie ist wiederum anders als in der Mathematik. In der Moralphilosophie als Wissenschaft, wie in der anderen Wissenschaften haben wir mit verschiedenen Welten, die durch verschiedene Sprache gekennzeichnet sind zu tun. Tendenz zur Einheit in der Theorienbildung als Einfachheitsprinzip ist ebenfalls in der Wahrheitstheorie in Form von Vereinheitlichung der Definitionen und Kriterien zu sehen, wie Nicolas Rescher bemerkbar macht: "Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Wahrheit
Von Propositionen zu explizieren. Die eine ist der definitorische Weg: der Versuch, eine Definition des Begriffs "ist wahr" als eines Charakteristikums von Propositionen zu geben. Die andere ist der Weg über die Kriterien: der Versuch, die Überprüfungsbedingungen anzugeben, von denen abhängt, ob es berechtigt ist die Beziehung "ist wahr" auf eine bestimmte Proposition anzuwenden. Über die Wahrheitstheorie lässt sich erst verbindlich diskutieren,, wenn Klarheit darüber besteht, welche dieser Fragen die Theorie beantworten soll. Soll sie die Bedeutung von Wahrheit erklären und auf diese Weise eine Definition dieses Begriffs geben? Oder soll sie die Bedingungen für die Korrekte Anwendung des Begriffes und damit ein Wahrheitskriterium liefern."[5]
Viele Philosophen haben diesen Unterschied versehen und konträre weise versuchen die Korrespondenz und Kohärenz gegenüberstellen. Mit solche feine Unterscheidung zwischen Definition und Kriterien können wir jedoch Korrespondenz für die Definition und Kohärenz für die Kriterien der Wahrheit verwenden. Bereits die Autoren wie Arthur Pap versuchten die semantische Wahrheitstheorie von Tarski so weit verwendet werden, dass sie uns eine Definition der Wahrheit liefert, mit anderen Worten sie expliziert die Bedeutung dieses Begriffs. Kohärenz oder "wechselseitige Bestätigung" operiert dann als Test für die Wahrheit.[6]
Wir werden versuchen mit der Berücksichtigung dieser fundamentalen Unterscheidung die Definitionen und Kriterien der Wahrheit in der Moralphilosophie aufzubauen
Definition der
Wahrheit
Man kann aus dem Schriften der vorattischen Philosophie erkennen, dass für den damaligen Philosophen ein Wahrheitsproblem noch nicht gab. Anscheinend war für sie diese Frage intuitiv und stillschweigend dadurch beantwortet, dass die Wahrheit der Dingen in ihrem wirklichen Dasein inbegriffen war: das wahre existiert und das falsche existiert nicht. Daher besaß in dieser Zeit die Gedanken über die Wahrheit und das Wahre hauptsächlich einen moralischen Charakter:
"Das Denken ist der größte Vorzug, und die Weisheit besteht darin, die Wahrheit zu sagen und nach der Natur zu handeln, auf sie hinhörend."
[Heraklit aus Ephesus: Fragmente., S. 15. (vgl. Diels-Vorsokr. Bd. 1, S. 99)]
Jedoch hat der Wahrheitsbegriff für Demokrit etwas tiefere Bedeutung, die die Reichweite unserer Wahrnehmungen überschreiten kann:
"Daß wir nun, wie jedes Ding in Wahrheit beschaffen, oder nicht beschaffen ist, nicht wahrnehmen können, ist oft dargelegt worden."
[Demokrit aus Abdera: Fragmente, S. 4. (vgl. Diels-Vorsokr. Bd. 2, S. 60)]
oder an einer anderen Stelle:
"In Wirklichkeit wissen wir nichts; denn die Wahrheit liegt in der Tiefe."
[Demokrit aus Abdera: Fragmente, S. 15. (vgl. Diels-Vorsokr. Bd. 2, S. 83)]
Erst mit Aristoteles' Organon war eine explizit philosophische Theorie über Wahrheit und das Wahre möglich. Die bis heute in vielen philosophischen und wissenschaftlichen Bereichen gültige Korrespondenztheorie der Wahrheit stammt ursprünglich von Aristoteles.
Für Aristoteles sind "die dem Gegenstande zukommenden Bestimmungen in die zu sondern, welche in seinem Begriff enthalten sind, und in die, welche ihm eigentümlich zukommen, und endlich in die, welche nur nebenbei von ihm ausgesagt werden in jeder dieser Klassen ist wieder das zu sondern, was nur nach der Meinung ihm zukommt, von dem, was ihm in Wahrheit zukommt. Je mehr man dergleichen Bestimmungen angeben kann, desto schneller wird man zum dem Schlusssatze gelangen, und je mehr diese Bestimmungen der Wahrheit entsprechen, desto stärker wird der Beweis werden."
[Aristoteles: Organon, S. 218. (vgl. Arist.-1.Analyt., S. 62)]
Nach der Korrespondenztheorie besteht Wahrheit in die Übereinstimmung zwischen einen urteil und der Wirklichkeit. Die Objektivität unserer Urteilen sind demnach durch eine Zuordnung der Wirklichkeit bestimmt. Die Korrespondenztheorie gibt uns, wie bereits erwähnt eine mögliche Definition über die Wahrheit und nicht die Kriterien, mit denen wir sagen können, was falsch und was wahr ist.[7] Es gibt jedoch die positivistische Tendenzen, die Korrespondenztheorie gleichzeitig als Werkzeug für die Bestimmung des Wahrheitsgehalts der Aussagen und Urteilen zu verwenden. Für viele Positivisten schrumpft sich den Begriff Entität im wahrnehmbaren Bereich und die Wahrheit ist das was durch Sinnesorganen wahrgenommen wird. Eine wahre Aussage ist somit wahrnehmungsbedingt. Aufbauend auf Korrespondenztheorie kann man jedoch keine zu keiner Moralphilosophie erlangen, die uns eine Unterscheidung zwischen richtig und falsch, bzw. gut und böse ermöglicht. In der Moralphilosophie geht es nicht darum, wie wahr einen Begriff ist, um ihn als gut bezeichnen zu können. Für einen Mörder ist "Mord" einen wahren Begriff, was nicht besagt, zu morden gut sei. Eine Definition von Wahrheit ist in der Moraltheorie soweit wichtig, dass wir zuerst wissen müssen, worüber wir philosophieren. Mit anderen Worten mit so einer Definition soll uns die begriffliche Bedeutung erhellt werden. Außerdem ist der Aufbau einer Moralwissenschaft aus der Moralphilosophie nach unserer wissenschaftlichen Gewohnheiten nur dann möglich wenn wir bestimmen können, welchen objektiven Wert unsere moralische Aussagen besitzen.
Eine andere korrespondenztheoretische Interpretation der Wahrheit, die in die Richtung Konstruktivismus geht, ist, dass man jeder Bewusstseinszustand zu einer Aktivität der Sinnesorganen zuordnet. Das bedeutet dann, dass die Wirklichkeit, mit dem wir zu tun haben, ist nicht die Außenwelt sondern Gesamtheit der elektrischen Signale, die in unserem Gehirn geschehen. Dabei stellt sich aber die Frage, ob alle diese Bewusstseinszustände uns bekannt sind und ob alle diese Zustände in der Wirklichkeit einen solchen elektrischen Signal verursachen und weiterhin die Mechanismen wie diese Signale sich unterscheiden können wissenschaftlich nicht eindeutig sind.
Korrespondenztheoretisch betrachtet dürfen wir uns nun die Frage stellen, wie wahr die Korrespondenztheorie selbst ist? Welche Wirklichkeit kann der Korrespondenztheorie zugeordnet werden, wenn sie wahr ist? Hier wird gezeigt, wie eine Antwort auf diese Frage uns zu einer Wahrheitsdefinition in der Moralphilosophie führen kann. Zu diesem Zweck ist eine zusammengefasste Einführung auf die Philosophie von Kant notwendig, da dort eine andere Wahrheitsdefinition zu entnehmen ist, die jedoch nicht die Korrespondenztheorie gegenüber steht.
Im Hinblick auf das Wahrheitsproblem kommt der Logiker Tarski deshalb zu folgendem Schluß: In Bezug auf die Umgangssprache scheint nicht nur die Definition des Wahrheitsbegriffs, sondern sogar sein konsequenter und mit den Gesetzen der
Logik
übereinstimmender Gebrauch unmöglich." [8]
Die Einfachheit stimmt nach Quine mit der Beobachtungen überein: "die Beobachtung dient dazu, Hypothesen zu testen, nachdem man sie sich zu eigen gemacht hat; die Einfachheit bestimmt, welche man zum Test annimmt."[9] Durch Einfachheit wird die Reichweite einer Theorie - ihre Fülle an beobachtbaren Konsequenzen- vergrößert.[10] Solche Die Einfachheit zeigt sich vor allem in der wissenschaftlichen Forschungen und besonders in Statistiken.
Eine weitere Dimension des Einfachheitsprinzips ist unser Tendenz zur Einheit. Einheit zeigt sich in aller unseren Wahrnehmungen und Theorien. Im bereich der Wahrnehmung tendieren wir die wahrgenommene Gegenstände als ein einzigen Gegenstand wahrzunehmen oder differenzierte Begriffe innerhalb einer einzige Oberbegriff einzuordnen.
Im bereicht der Theorien möchte man alle Theorie möglichst in einem Gesetz unterzuordnen.
Man sucht nach geltenden Gesetze, die alle unsere Theorien daraus abgeleitet werden können.
Erst in unserem Jahrhundert mit der Fortschritte in der Physik fühlte man sich von der Logik der Natur unterlegt: Nicht mehr die einheitlich Newtonsche Naturgesetze, die die Axiome der klassischen Logik entsprechen sorgen für die Einheit der Natur, sondern die vielfältige Gesetze, die zur Differenzierung zwischen der mikroskopischen und makroskopischen Welt führen. Die Quantenmechanische Logik ist weit von unserer herkömmlichen Logik entfernt. Jede Welt hat ihren Raum: unsere Theorien können nur in einem vernünftigen raum existieren. Daher wurden getrennte logische Räume wie Hilbertraum in der Mikroskopischen und Riemanschen Raum in der Makroskopischen Welt entwickelt, deren Logik weit von von uns vorstellbaren euklidischen Raum distanziert sind. Die scharfe Beobachtungen der unscharfen quantenmechanischen Phänomene in der Welt der unendlich kleinen Teilchen war erst mit den technologischen Fortschritte in diesem Jahrhundert möglich. Das war eine Niederlage der Intuitionen zur Einheit. Jedoch gibt der Mensch nicht auf und sucht nach weiteren Theorien (wie Strings usw.) um eine Einheit zwischen den beiden Welten zu erreichen. Zurück in die Moralphilosophie: hier suchen wir nach einheitlichen Definitionen und Strukturen über die Wahrheit und Falschheit. Nach Möglichkeit sollen alle unsere moralischen Theorien die uns alles st der Tendenz zur Einheitsbildung ebenfalls spürbar: In der Philosophie suchen wir nach einheitlicher Definitionen. Dies ist besonders in der Suche auf eine einheitliche Wahrheitsdefinition ersichtlich. Dabei bleiben die Sprache der Definitionen uns Transparent. Die Kriterien der Wahrheitserfindung in der mikroskopischen Welt ist anders als in der Makroskopischen Welt. Sie ist wiederum anders als in der Mathematik. In der Moralphilosophie als Wissenschaft, wie in der anderen Wissenschaften haben wir mit verschiedenen Welten, die durch verschiedene Sprache gekennzeichnet sind zu tun. Tendenz zur Einheit in der Theorienbildung als Einfachheitsprinzip ist ebenfalls in der Wahrheitstheorie in Form von Vereinheitlichung der Definitionen und Kriterien zu sehen, wie Nicolas Rescher bemerkbar macht: "Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Wahrheit
Von Propositionen zu explizieren. Die eine ist der definitorische Weg: der Versuch, eine Definition des Begriffs "ist wahr" als eines Charakteristikums von Propositionen zu geben. Die andere ist der Weg über die Kriterien: der Versuch, die Überprüfungsbedingungen anzugeben, von denen abhängt, ob es berechtigt ist die Beziehung "ist wahr" auf eine bestimmte Proposition anzuwenden. Über die Wahrheitstheorie lässt sich erst verbindlich diskutieren,, wenn Klarheit darüber besteht, welche dieser Fragen die Theorie beantworten soll. Soll sie die Bedeutung von Wahrheit erklären und auf diese Weise eine Definition dieses Begriffs geben? Oder soll sie die Bedingungen für die Korrekte Anwendung des Begriffes und damit ein Wahrheitskriterium liefern."[11]
Viele Philosophen haben diesen Unterschied versehen und konträre weise versuchen die Korrespondenz und Kohärenz gegenüberstellen. Mit solche feine Unterscheidung zwischen Definition und Kriterien können wir jedoch Korrespondenz für die Definition und Kohärenz für die Kriterien der Wahrheit verwenden. Bereits die Autoren wie Arthur Pap versuchten die semantische Wahrheitstheorie von Tarski so weit verwendet werden, dass sie uns eine Definition der Wahrheit liefert, mit anderen Worten sie expliziert die Bedeutung dieses Begriffs. Kohärenz oder "wechselseitige Bestätigung" operiert dann als Test für die Wahrheit.[12]
Wir werden versuchen mit der Berücksichtigung dieser fundamentalen Unterscheidung die Definitionen und Kriterien der Wahrheit in der Moralphilosophie aufzubauen.
Die philosophische Debatte der Ethik spaltet sich in drei Teilen:
Metaethik, normative Ethik und deskriptive Ethik.
Die Metaethik
beschäftigt sich mit der theoretischen Fragen über das moralische Argumentieren
und die moralische Begründungen. Die Metaethik ist theoretische
Moralphilosophie, während die normative und deskriptive Ethik die praktische
Moral darstellen. Für metaethische Theorien stellen sich nicht die Frage nach
"Gut" oder "Böse" bzw. richtig und falsch, sondern sie fragen nach dem Wesen
der Moral und die Begriffe wie "Gut" und "Böse" überhaupt. Mit anderen Worten
untersucht die Metaethik nach der Methoden in der Moral und ihre Bedeutung und vermeidet
jede Bewertung über die moralischen
Aussagen. Die Rolle der Metaethik in der Ethik kann verglichen werden mit der
Rolle der Wissenschaftstheorie für die Wissenschaft: Wissenschaftstheorie ist die Metatheorie der Wissenschaft, die
sich mit der Methoden und Bedeutung dieser Methoden in der Wissenschaft
beschäftigt. Es ist nicht die Aufgabe der Wissenschaft die richtige oder
falsche Methode der Wissenschaften zu bestimmen, sondern die bestehende
Methoden zu analysieren und nach deren "Gültigkeitsbegründung" zu untersuchen.
Damit ermöglicht die Wissenschaftstheorie, als ein Zweig der Wissenschaft, die
"theoretische Maßstäbe" zur Unterscheidung zwischen "Wissenschaft" und
"Nicht-Wissenschaft". Metaethik, als ein Zweig der Ethik, versucht die moralischen
von den nicht-moralischen abzugrenzen und die erkenntnistheoretischen und
sprachphilosophischen Grundlage der moralischen Urteile zu forschen.
Was rechtfertigt die Existenz der Metaethik? Eine Antwort auf diese Frage finden wir in der Analogie mit der Wissenschaftstheorie: In der Wissenschaft vor allem die Vielzahl der verschiedenen Methoden in der verschiedenen Wissenschaften gibt die Wissenschaftstheorie Anlass für die Forschung über diese Methoden.
In der Ethik
haben wir mit einer Vielzahl der einander widerstreitenden Theorien und
Methoden zu tun, was ein Anlass für die Metaethik ist, diese zu untersuchen.
Eine Metaethik arbeitet die Grundvoraussetzungen heraus, die jeder
normativen Ethik vorausgehen müssen. Somit ist die zentrale Frage der Metaethik
ist : In welcher Sprache werden moralische Fragen formuliert und wird über
ethische Probleme gesprochen?
Thema der
normativen Ethik ist die Geltung der
moralischen Urteile. Die normative Urteilen haben einen präskriptiven
Charakter, die im Unterschied zu den deskriptiven urteilen, die auf einen
individuellen Basis als wahr oder falsch beurteilt werden können, einen
bedingten Geltungsbereich besitzen.
Es kann somit
nicht allein eine einzige Wahrheitsdefinition
für moralischen Urteilen gegeben werden. Es muß vor allem festgestellt sein,
wir uns auf welche Ebene der moralischen Urteilen bewegen: Metaethische,
normative oder deskriptive Ebene?
Die These
lautet:
1.
Auf der metaethischen
Ebene soll unsere moralische Aussagen begründet sein. Das bedeutet, das jeder
Element der moralischen Theorie als Aussage oder Urteil muß rational begründet
sein. Begründung und Rationalität ist hier ein Maß für
Objektivität der Theorie. Auf dieser Ebene korrespondieren unsere Urteile
einerseits mit Begründungen anderseits.
2.
Für eine Definition
der Wahrheit auf der normativen Ebene gilt die Geltung als korrespondierte Objektivitätsgehalt. Je mehr Geltung
ein moralischer Urteil auf der normativen Ebene besitzt, um so objektiver ist
sie.
3.
auf der deskriptiven
Ebene bestimmen unsere praktische Feststellungen der Objektivitätsgrad unserer
moralischen Urteilen. Diese praktische Feststellungen sind persönliche Erfahrungen und intersubjektive
Gedankenexperimente.
Diese Definitionen werden wir nun aus der Sicht der Tarski Formulierungen näher untersuchen.
Alfred Tarski Darstellungen sind die beste Formulierungen von Korrespondenztheorie. Daher wird seine Theorie als Korrespondenztheorie der Wahrheit bezeichnet. Tarski nennt seine Wahrheitstheorie selbst "die semantische Wahrheitskonzeption".
Unter Semantik versteht Tarski "den Teil der Metalogik, der grob gesprochen, die Bezeichnungen zwischen sprachlichen Gegenständen, z.B. Sätzen, und dem, was von diesen Gegenständen ausgedruckt wird, untersucht."[13] Demnach kann Semantik als eine Theorie der Beziehungen zwischen sprachlichen und außersprachlichen Entitäten bezeichnet werden, zu der auch die Wahrheit gehört. Tarski versucht die Aristotelische Konzeption von Wahrheit zu präzisieren und darauf einen neuen Logik aufzubauen. Demzufolge hat Jede Wahrheitsdefinition folgende Form:
"p" ist wahr dann und nur dann, wenn p,
wobei "p" kann durch den Satz ersetzt werden, für den die Definition konstruiert wird.
Diese Formulierung ist eine Wahrheitsdefinition, die als Korrespondenztheorie der Wahrheit bezeichnet wird.
Ein Satz, der diese Bedingung erfüllt, ist nach Tarski inhaltlich adäquat oder schlicht adäquat, mit anderen Worten wahr.[14] "Schnee ist weiß" ist nun dann wahr, wenn Schnee weiß ist, bzw. "Schnee ist weiß" ist nur dann falsch wenn Schnee nicht weiß ist.
Wir fragen uns nun, welche Wirklichkeit kann der Korrespondenztheorie selbst zugeordnet werden. Mit anderen Worten, wie wird die Wahrheit der Korrespondenztheorie definiert?
Diese Frage kann in Tarski Form der Wahrheitsdefinition eine komplizierte Form haben:
""p" ist wahr dann und nur dann, wenn p," ist nur dann wahr wenn "p" ist wahr dann und nur dann, wenn p.
Tarski unterscheidet jedoch zwischen zwei Sprachen: die Metasprache und die Objektsprache. In der Objektsprache konstruieren wir die Definition von Wahrheit während in der Metasprache die Definition formuliert und ihre Konsequenzen untersucht wird. Die Metasprache muss die objektive Sprache als einen Teil enthalten. Eine inhaltlich adäquate Definition von Wahrheit nach Tarski, wie bereits erwähnt, muss alle partiellen Definitionen dieses Begriffs implizieren, also alle Äquivalenzen der Form: "p" ist wahr dann und nur dann, wenn p. Dabei soll "p" auf beiden Seiten durch einen beliebigen Satz der Objektsprache ersetzt werden. "Weil all diese Konsequenzen in der Metasprache formuliert ind, muss jeder Satz der Objektsprache auch ein Satz der Metasprache sein."[15]
Damit ist die Frage nach der Wahrheit der Korrespondenztheorie in bereits erwähnte Tarski Formulierung nicht erlaubt, weil diese Formulierung keine Objektsprache sondern nur Metasprachliche Elemente beinhaltet und so zu sagen eine "Metamatesprache" darstellt.
Moreno formuliert in seinem Buch einige wichtige Merkmale für diese von Tarski definierte Sprachen.[16] Diese Merkmale sind:
1) diese Sprachen müssen semantisch aufgeschlossen sein. Diese Bedingung soll die Entstehung der semantischen Antinomien und insbesondere Antinomie des Lügners vermeiden. Die semantische Aufgeschlossenheit der Sprache soll die Zirkularität in der Wahrheitsdefinitionen verhindern. Wie bereits erwähnt, die Frage nach der Wahrheit der Korrespondenztheorie in der Wahrheitsdefinition nach Korrespondenztheorie ist nicht erlaubt: Für p in ""p" ist wahr, wenn p" darf nur eine Aussage aus der Objektsprache gesetzt werden, mit anderen Worten ein Objekt und nicht eine Metaaussage.
2) Solche Sprachen müssen eine exakt bestimmte Struktur besitzen. Nach Tarski muss in der Sprache die Grundtermini und der Definitionsregeln angegeben sein, aufgrund deren definierte Termini eingeführt werden können. Weiterhin müssen bestimmte Formregeln die Klasse der wohlgeformte Ausdrücke der Sprache und insbesondere der Sätze bestimmen. Eine weitere Bedingung ist die Formulierung der Bedingungen, unter denen ein Satz der Sprache behauptet werden kann, wofür die Axiome und Schlussregeln aufgezählt werden müssen.
3) Die Sprachen, in der die Wahrheitsdefinition aufgestellt wird, muss in ihrem logischen Teil "wesentlich reichhaltiger" sein als die Sprache, für die die Wahrheit definiert wird. Die Metasprache muss in ihrem logischen Teil wesentlich reichhaltiger sein als die Objektsprache. Die Reichhaltigkeit der Sprache bedeutet hier eine logische Stärke der Sprache. Die Metasprache besitzt mehr Begriffe und verfügt über höhere logische Kombination zwischen dieser Begriffen.
Die Begriffe
Metasprache und Objektsprache werden bei Tarski für die Präzisierung der
Korrespondenztheorie verwendet. Mit der Objektsprache werden die Objekte und
Sachverhalte ausgedrückt, während die Metasprache mach Aussagen über die
Objektsprache.
Die Frage
ist nun, welche Sprache hat die Moralphilosophie? Der Begriff
moralische
Entitäten ersetzt den Begriff Objekt in der Moralphilosophie.
Neben dieser beiden Sprachen lässt sich eine weitere
definitorische Sprache nach Beobachtungen von Psychologe Watzlawick und
Philosoph Russel einführen, nämlich "Relationale Sprache".
Watzlawick weist darauf hin, dass wir umdenken
lernen müssen. Ihm zufolge wie so ein Umdenken aussehen kann, dafür bietet uns
Bertrand Russell einen sehr wichtigen und brauchbaren Hinweis. Nach Betrand
Russel liegt in der Wissenschaft ein häufiger Fehler und zwar darin, dass man
zwei Sprachen nicht unterscheidet, die streng voneinander getrennt sein
müssten. Nämlich die Sprache, die sich auf die Objekte bezieht, und die, die
sich auf Beziehungen bezieht. "Ein Beispiel: wenn ich sage, dieser Apfel ist
rot, dann habe ich in der Objektsprache eine Eigenschaft dieses Objektes Apfel
bezeichnet. Sage ich dagegen, dieser
Apfel ist größer als jener, dann habe ich eine Aussage
über die Beziehung gemacht, die sich nicht mehr auf den einen oder den anderen
Apfel zurückführen lässt. Die Eigenschaft des Größerseins kann nur in bezug auf
die Beziehung verstanden werden. Das ist so schwer zu begreifen. Unser
beginnendes Verständnis der Eigenschaften von Beziehungen ist noch ein sehr
rudimentäres und gibt uns bisher eigentlich mehr Rätsel auf als Erklärungen."[17]
Somit sind in der relationalen Sprache, nicht direkt
die Objekte sondern die Beziehungen zwischen Objekten in Betracht. Als
Individuum haben wir in unseren moralischen Urteilen nicht direkt mit den
moralischen Entitäten als Objekt konfrontiert, sondern wie sich diese Entitäten
in Beziehung mit mir und anderen setzen. Die relationale Sprache ist damit die
Sprache der deskriptiven Ethik Die
moralische Normen sind jedoch die Geltung der moralische Entitäten und hier ist
die Sprache der Moral eine Objektsprache. Auf der Metaebene in der Metaethik
analysieren wir die moralische Entitäten mit Hilfe weitere Begriffe, die uns in
einer Metasprache zur Verfügung steht.
Die Tarski Formulierung der Korrespondenztheorie für
die Definition der Wahrheit ("p" ist wahr, wenn p) kann in der
Moralphilosophie erweitert werden. Diese Erweiterung wird uns jedoch nicht
helfen, da in der Moral, wie bereits
erwähnt, "wahr sein" im Sinne der
Objektiven Existenz ist nicht gleichbedeutet mit "richtig sein".
Wenn wir statt "p" in der semantischen
Wahrheitstheorie von Tarski "ermorden" setzen, werden wir haben: "ermorden" ist
wahr, wenn ermordet wird.
"ermorden" ist jedoch moralisch nicht erlaubt, wenn
auch wahr ist, soll nicht richtig sein. Es ist ersichtlich, dass der Begriff
"richtig" mit bestimmten individuellen und sozialen Werten verknüpft ist, die sich von dem Begriff
"wahr" aus der Wissenschaften unterscheidet. Dies gilt auch für den Begriff
"falsch": In der Ethik ist etwas falsch
wenn "nicht erlaubt" ist mit anderen Worten wenn "nicht richtig" ist. D.h.
"falsch" ist nicht der konträre Begriff zu "wahr" sondern er ist das Gegenteil
von "richtig".
Auf der anderen Seite gibt es moralisch Entitäten,
die "rechtfertigt" sind, wenn sie "wahr" sind: die moralische Urteilen als
Normen, die aus der Sicht der anderen Kulturen unmoralisch gezählt werden. Z.B.
in manschen sozialschwachen Ländern, in denen das Ermorden der behinderten
Babys als ein moralischen Norm gilt. Solche Normen als moralische Entitäten
sind wahr, wenn sie der Fall sind, mit den anderen Worten Geltung besitzen. Sie
werden aber gleichzeitig innerhalb des Geltungsbereichs als rechtfertigt
gesehen, d.h. jede Person wird sich danach richten. Solche relative
Rechtfertigungen werden nicht mit der Richtigkeit solcher Urteilen
gleichgesetzt, da sie in anderen Kulturkreis als unmoralisch betrachtet werden.
Die moralische Normen, haben durch ihre Geltung ihre
Rechtfertigung, ihre Richtigkeit haben sie nur dann, wenn sie als ein
allgemeines Gesetz in Konsistenz mit allen anderen Normen bleiben. Darauf
werden wir in einem anderen teil der Arbeit zurückkommen. Was aber uns an
dieser Stelle einleuchtend wird, ist die Tatsache, dass nicht eine einzige
Definition für die Wahrheitstheorie in
der Moralphilosophie ausreichend sein kann. Hier sind wir an mehrere
Definitionen angewiesen, wobei bei jeder Definition die Rahmenbedingungen und
die Geltungsbereich der jeweiligen Definition festgestellt werden muss.
Damit ist es aber auch klar, dass wir eine
Unformulierung der Tarski Definitionen benötigen. Wir werden in folgenden den
Begriff "wahr" in der Moraltheorie erweitern und mit dem Begriff "richtig" gleichsetzen,
da eine rein onthologische Betrachtung, wie bereits erwähnt keinen großen Sinn
macht. Mit dieser Annahme werden wir mit unserer Definitionen fortsetzen. Ohne
solche Definitionen werden wir nicht in der Lage sein, bestimmte Kriterien für
die Wahrheit und Richtigkeit der moralischen Urteilen aufzustellen.
***
Hume hat Kant, nach dessen eigenem Bekenntnis, aus seinem "dogmatische Schlummer" geweckt: In unserem Alltagsdenken halten wir Ursache und Wirkung für "Notwendig" miteinander verbunden. Diese Verbindung denken wir uns in den äußeren Gegenständen gelegen. Das bekannte Beispiel von Hume ist Billardspielen. Beim Billardspielen sehen wir die Ursache für die Bewegung einer gestoßenen Kugel in der Bewegung der stoßenden. Der Physiker würde sagen: Es wurde ein Impuls von der Kugel A auf die Kugel B übertragen. Nach Hume existiert in den Kugel keine Notwendigkeit, diese kommt nur durch unsere wiederholten Beobachtungen, die als Erfahrungen gelten, zustande. Was wir bei der Kausalität "Notwendigkeit" nennen, so Hume, ist nichts anderes als "Gewöhnung".
Auf diese Beobachtungen von Hume wurde kant
aufmerksam. Mit Humes "Gewöhnung" konnte er sich zwar nicht anfreunden, aber
dass die Notwendigkeit nicht in den Äußeren Gegenständen, sondern in unserem
Denken stattfindet, wurde zu seiner "kopernikanischen Wende".
Kant`s Versuch aus der Ethik eine Wissenschaft
aufzubauen, führte ihm zu einer exakten Analyse des Urteilsbegriffs. Hieraus
unterscheidet Kant zwischen analytischen und synthetischen Urteilen. Analytisch
ist ein Urteil wie "Alle Körper sind ausgedehnt", da dem Subjekt Körper durch
das Prädikat "ist ausgedehnt" keine neue Erkenntnis hinzugefügt wird.
Ausdehnung ist ein unmittelbares Merkmal eines Körpers, etwas was unbedingt zum
Körper selbst gehört. Charakteristisch für einen analytischen Urteil ist diese
unbedingte Verbindung zwischen Subjekt und Prädikat und das Subjekt wird durch
Prädikat nicht erweitert. Die umgekehrte Relation gilt ebenfalls: etwas was
ausgedehnt ist muss ein Körper sein. Es gibt aber auch Urteile, die nicht
umkehrbar sind, wie "Kupfer ist ein Metall"; denn nicht jedes Metall Kupfer
ist. Solche Urteile sind analytisch a priori, da es Erfahrungsunabhängig sind.
Das Gegenteil eines analytischen Urteils a priori
ist ein synthetisches Urteil a posteriori. Beispiel dafür ist der Satz " alle
Körper sind schwer". In diesem Satz ist das Begriff "schwer" nicht ein Merkmal
des Begriffs "Körper". Mit anderen Worten ist das Prädikat im Subjekt nicht
vorhanden und wird ihn hinzugefügt. Schwere ist etwas was durch Erfahrung
erkannt werden kann, weshalb solche Urteile a posterirische Charakter besitzen.
Weiterhin beschäftigt sich Kant mit der Existenz
synthetische Urteile a priori: es gibt Urteile die Erfahrungsunabhängig sind,
jedoch deren Prädikate nicht im Subjekt enthalten sind. Kant`s These ist, dass
solche Urteile im allen Breichen der Wissenschaft, wie Mathematik,
Naturwissenschaft und Metaphysik vorhanden sind.
In der Mathematik 20 + 10 = 30 die Zahl 30 ist weder
in 10 noch in 20 vorhanden, jedoch
ergibt sich aus der anschaulichen Summe der beiden die Zahl 30. nach Kant ist der arithmetische Satz
jederzeit synthetisch a priori. Weiterhin zeigt Kant, dass in der Geometrie und
Physik synthetische Urteile a priori gibt.
Vielleicht kann man erklären, wie synthetische
Urteile a priori zustande kommen, wenn man annimmt, dass unsere Erkenntnisse
nicht in erster Linie sich nach den Gegenständen richten sondern die
Gegenstände (d.h. auch die Vorgänge) der Erfahrung, so Kant, richten sich nach
unserem Erkenntnisvermögen. Wir können nur das erkennen, was unser
Erkenntnisvermögen zulässt. Es ist ersichtlich, dass eine Korrespondenztheorie
der Wahrheit in diesem Gedankenrahm nur dann akzeptabel ist, wenn die
Wirklichkeit durch unsere Erkenntnisvermögen über die Realität ersetzt wird.
Mit anderem Worten, die korrespondierte Wirklichkeit zur Korrespondenztheorie
ist die Wirklichkeit unseres Erkenntnisvermögens. Dies steht jedoch in
Widerspruch zur Korrespondenztheorie selbst, da Erkenntnisvermögen nicht eine
wahrnehmbare Wirklichkeit ist. Es handelt sich dabei um eine Fähigkeit, die uns
transparent bleibt.
Ein Korrespondenztheoretiker mag unsere Frage so
beantworten, dass die korrespondierte Wirklichkeit zur Korrespondenztheorie
unseren Alltagserfahrungen sei; Und zwar diese Alltagserfahrungen, die Kant
zufolge nach unserem Erkenntnisvermögen formiert sind, beziehen sich direkt auf
materielle und objektive Welt. dagegen kann man argumentieren, dass die
Korrespondenztheorie eine generalisierte Form alle möglich wahre Einzelaussagen
ist, die Einzelempfindungen über das Erkenntnisvermögen des Subjekts
wiedergibt, was aber die noch nicht geäußerte Aussagen auch einschließt. Somit
landen wir bei bekanntem Induktionsproblem, das ein Thema diese Arbeit sein
soll.
Um die Struktur unseres Erkenntnisvermögens zu
bestimmen, führte Kant dazu seine 12 "Kategorien" ein, wozu auch die Kausalität
und vor allem auch die "Anschauungsformen" Raum und Zeit gehört. D.h. Raum und
Zeit sind nichts was für sich bestünde, sondern diese sind (eben wie die
Kausalität) so etwas wie Strukturen unseres Denkens. Unsere Welt ist also
räumlich und zeitlich, nicht weil sie "an sich" so wäre, sondern, weil wir gar
nicht anders können, als alles Geschehen auf die weise von Raum und Zeit
wahrnehmen.
Habermas ersetzt den Begriff praktischen Vernunft von Kant durch kommunikativen
Vernunft:
Habermas stellt die Frage nach der normativen Basis der kritischen Theorie und sieht den Ursprung der Vernunft in der Kommunikation. Unter Kommunikation versteht er eine vermittelte Interaktion von mindestens zwei Individuen. Habermas versucht, durch rationale Unterscheidung zwischen Lebenswelt und Sprechakt auf der einen Seite und Sprechakt und Gesellschaft auf der anderen Seite, die normative Voraussetzung seiner Theorie zu finden. Bei einer Verständigung zwischen Sprecher und Hörer über etwas in der Welt, wird ihrer Kommunikation ein gemeinsames unterstelltes System von Welten und Geltungsansprüchen zugrundelegt. Dies wird in Sprechakten zum Ausdruck gebracht. Die objektive Welt mit der Wahrheit als Geltungsanspruch hat einen konstativen Sprechakt, während die innere Welt bzw. die soziale Welt mit dem Geltungsanspruch der Wahrhaftigkeit bzw. der Richtigkeit einen expressiven bzw. regulativen Sprechakt besitzen. Diese Geltungsansprüche werden zugleich thematisiert.
Nach Marcuse ist Vernunft etwas, das in den Trieben
sitzt, " ... in dem Drang erotischer Energie, die Destruktion aufzuhalten...
Der Vernunftbegriff steckt in der Triebstruktur insofern, als Eros identisch
ist mit dem Streben, destruktive Energie zu bändigen."[18]
Es ist gesunder Menschenverstand und Menschentrieb zu wissen, ob etwas vernünftig ist. Jeder Mensch ist in der Lage nach seiner Triebstruktur etwas gutes von etwas schlechtem zu unterscheiden und nach einem guten Leben zu streben. In der Triebstruktur sind die grundlegenden Tendenzen und Interessen vorhanden. Infolgedessen ist es möglich in einer gegebenen Situation zu bestimmen, was das allgemeine Interesse ist. Dieses wird durch die Ideologie der herrschenden Klasse charakterisiert. Solch ein allgemeines Interesse kann jedem, welcher der Sprache fähig ist, theoretisch demonstriert werden.[19]
Marcuse bewegt sich innerhalb der von Horkheimer aufgestellten instrumentellen Vernunft.
In diesem Begriff wird der Aspekt der vernünftigen
Bestimmung von Zwecken ausgeblendet. Die Vernunft dient somit nur der
Selbstbestimmung des Individuums. Sie lässt keine rationale Wahl mehr zu. Eine
solche Selbsterhaltung wird durch die Bereitstellung bestimmter Mitteln realisiert, wodurch sie selbst zu einem bloßen
Mittel instrumentalisiert wird.
Habermas kritisiert die Haltung Marcuses, welche die
idealistische Herkunft des Vernunftbegriffs leugnet und in den Kontext der
Freudschen Triebtheorie setzt. Für ihn hat die Vernunft ihren Ort in der
Kommunikation. Er stellt die funktionalistische Vernunft der instrumentellen
gegenüber. Demnach sind gewisse Vernunftgegenstände nicht Realitäten, sondern
nur Funktionen der Kommunikation und der Sprache. Der intuitive Begriff von
Vernünftigkeit liegt allein in der Verständigung, nicht aber in unserer
Interessenstruktur.
Nach Freud
hatte der Eintritt des Menschen in die Kultur und die Gesellschaft die
Ersetzung des Lustprinzips durch das Realitätsprinzip zur Folge. Die bedeutet
einen Wandel im menschlichen Verhalten. Marcuse addiert noch eine historische
Komponente dazu und charakterisiert die Triebstruktur durch zwei Prinzipien:
Realitätsprinzip und Leistungsprinzip. Das Realitätsprinzip ist "die
Gesamtsumme der Normen und Werte, die das Verhalten in einer gegebenen
Gesellschaft beherrschen, verkörpert in deren Institutionen, menschlichen
Beziehungen usw."[20]
Das Leistungsprinzip ist die in der heutigen Zeit
"vorherrschende historische Form des Realitätsprinzips" [21]Die
Dynamik dieser beiden Prinzipien strebt zur Emanzipation der erotischen
Energie, was die Vernünftigkeit bedeutet. Von dem Begriff der Triebstruktur
geht Marcuse zum Wahrheitsbegriff über: "Wie immer man Wahrheit und
Objektivität definiert, sie bleiben auf die menschliche Triebkraft von Theorie
und Praxis bezogen und auf deren Fähigkeit, die Welt zu begreifen und zu
verändern. Diese Fähigkeit wiederum hängt von dem Umfang ab, in dem die Materie
als das anerkannt und verstanden wird, was sie in allen besonderen Formen ist. In dieser Hinsicht ist die
zeitgenössische Wissenschaft von unermesslich größerer objektiver Gültigkeit
als ihre Vorgängerinnen." [22]
Marcuse fasst Wahrheit als mögliche objektive
Zustände. Diese Objektivität hat zwei
Realitätsschichten: "1. Die physische (natürliche) Struktur der Materie und 2.
Die Form, welche die Materie in der kollektiven geschichtlichen Praxis erlangt
hat, die sie (die Materie) zu Objekten für
ein Subjekt gemacht hat."[23]
Er formuliert weiterhin die Kriterien für objektive geschichtliche
Wahrheit als die Kriterien seiner
Rationalität:"1) Der transzendente Entwurf muß mit den realen Möglichkeiten
übereinstimmen, die auf dem erreichten Niveau der materiellen und geistigen
Kultur offen sind. 2) Um die je bestehende Totalität als falsch zu erweisen,
muß der transzendente Entwurf seine eigene höhere Rationalität in dem
dreifachen Sinne belegen, daß er a) die Aussicht bietet, die produktiven
Errungenschaften der Zivilisation zu erhalten und zu verbessern; b) die
bestehende Gesellschaft in ihrer Wesensstruktur, ihren Grundtendenzen und -
beziehungen bestimmt; c) der Verwirklichung einer Befriedigung des Daseins eine
größere Chance bietet im Rahmen von Institutionen, die der freien Entwicklung
der menschlichen Bedürfnisse und Anlagen eine größere Chance bieten."[24]
Habermas faßte im Gegensatz dazu die Wahrheit als
Eigenschaft von Sätzen auf und stellte
universelle Geltungsansprüche auf. In seiner Theorie des kommunikativen
Handelns bestehen vier universale Geltungsansprüche, die jede Aussage implizit
beinhalten muß, damit es zu einer Einigung kommen kann: Verständlichkeit,
Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Richtigkeit.
Zusammen mit der funktionalistischen Vernunft-
Konzeption der idealen Sprechsituation
wird den universellen Geltungsansprüchen Rechnung getragen. Dieser Diskurs der
idealen Sprechsituation hat für Habermas nicht nur einen semantischen Wert,
sondern ist das Mittel der Wahrheitsfindung, die zu einer Konsensustheorie der
Wahrheit führt. "Die Bedingung für die Wahrheit von Aussagen ist die
potentielle Zustimmung aller anderen" [25]
Aufgrund dieser Konsensustheorie ist ein wahrer
Konsensus immer rational motiviert und allein die Argumentation ist für den
Wahrheitswert entscheidend. " Dieser gilt als Wahrheitskriterium, aber der Sinn
von Wahrheit ist nicht der Umstand, daß überhaupt ein Konsensus erreicht wird,
sondern: daß jeder Zeit und überall, wenn wir nur in einen Diskurs eintreten,
ein Konsensus unter Bedingungen erzielt werden kann, die diesen als begründeten
Konsensus ausweisen".[26]
Marcuse sieht im Gegenteil eine Wahrheitstheorie der
Sätze als banal und sucht den Wahrheitsbegriff in Zuständen des wirklichen
Lebens.
Die Wahrheitstheorien von Marcuse und Habermas
können vielleicht innerhalb einer bipolaren Wahrheitstheorie vereinigt werden.
Nach diesem Wahrheitsmodell ist die Struktur des Wahrheitsbegriffs durch eine
Bipolarität gekennzeichnet: "einerseits meint Wahrheit einen Geltungsanspruch,
andererseits das Sichverhalten der Sache selbst (die Offenbarkeit der Sache
selbst). Die integrale Struktur der Wahrheit bildet die Einheit dieser
Biopolarität."[27]
In der Aussage "P ist wahr" ist diese Bipolarität anschaulich, wenn wir denken, daß P unabhängig von dem Satz "P ist wahr" wahr oder falsch sein kann, je nachdem, ob P auf den betreffenden Gegenstand objektiv zutrifft oder nicht. Auf der anderen Seite, stecken in dem Ausdruck "P ist wahr" die Geltungsansprüche, die den Wahrheitsgehalt des Satzes bestimmen können.
Die philosophische Debatte der Ethik spaltet sich in drei Teilen:
Metaethik, normative Ethik und deskriptive Ethik.
Die Metaethik
beschäftigt sich mit der theoretischen Fragen über das moralische Argumentieren
und die moralische Begründungen. Die Metaethik ist theoretische Moralphilosophie,
während die normative und deskriptive Ethik die praktische Moral darstellen.
Für metaethische Theorien stellen sich nicht die Frage nach "Gut" oder "Böse"
bzw. richtig und falsch, sondern sie fragen nach dem Wesen der Moral und die
Begriffe wie "Gut" und "Böse" überhaupt. Mit anderen Worten untersucht die
Metaethik nach der Methoden in der Moral und ihre Bedeutung und vermeidet jede
Bewertung über die moralischen
Aussagen. Die Rolle der Metaethik in der Ethik kann verglichen werden mit der
Rolle der Wissenschaftstheorie für die Wissenschaft: Wissenschaftstheorie ist die Metatheorie der Wissenschaft, die
sich mit der Methoden und Bedeutung dieser Methoden in der Wissenschaft
beschäftigt. Es ist nicht die Aufgabe der Wissenschaft die richtige oder falsche
Methode der Wissenschaften zu bestimmen, sondern die bestehende Methoden zu
analysieren und nach deren "Gültigkeitsbegründung" zu untersuchen. Damit
ermöglicht die Wissenschaftstheorie, als ein Zweig der Wissenschaft, die
"theoretische Maßstäbe" zur Unterscheidung zwischen "Wissenschaft" und
"Nicht-Wissenschaft". Metaethik, als ein Zweig der Ethik, versucht die
moralischen von den nicht-moralischen abzugrenzen und die
erkenntnistheoretischen und sprachphilosophischen Grundlage der moralischen
Urteile zu forschen.
Was rechtfertigt die Existenz der Metaethik? Eine Antwort auf diese Frage finden wir in der Analogie mit der Wissenschaftstheorie: In der Wissenschaft vor allem die Vielzahl der verschiedenen Methoden in der verschiedenen Wissenschaften gibt die Wissenschaftstheorie Anlass für die Forschung über diese Methoden.
In der Ethik
haben wir mit einer Vielzahl der einander widerstreitenden Theorien und
Methoden zu tun, was ein Anlass für die Metaethik ist, diese zu untersuchen.
Eine Metaethik arbeitet die Grundvoraussetzungen heraus, die jeder
normativen Ethik vorausgehen müssen. Somit ist die zentrale Frage der Metaethik
ist : In welcher Sprache werden moralische Fragen formuliert und wird über
ethische Probleme gesprochen?
Thema der
normativen Ethik ist die Geltung der
moralischen Urteile. Die normative Urteilen haben einen präskriptiven
Charakter, die im Unterschied zu den deskriptiven urteilen, die auf einen
individuellen Basis als wahr oder falsch beurteilt werden können, einen
bedingten Geltungsbereich besitzen.
Es kann somit
nicht allein eine einzige Wahrheitsdefinition
für moralischen Urteilen gegeben werden. Es muß vor allem festgestellt sein,
wir uns auf welche Ebene der moralischen Urteilen bewegen: Metaethische,
normative oder deskriptive Ebene?
Die These
lautet:
4.
Auf der metaethischen
Ebene soll unsere moralische Aussagen begründet sein. Das bedeutet, das jeder
Element der moralischen Theorie als Aussage oder Urteil muß rational begründet
sein. Begründung und Rationalität ist hier ein Maß für
Objektivität der Theorie. Auf dieser Ebene korrespondieren unsere Urteile
einerseits mit Begründungen anderseits. Hier sind die philosophische Gedanken
von Descartes im Vordergrund unserer Untersuchungen:
5.
Für eine Definition
der Wahrheit auf der normativen Ebene gilt die Geltung als korrespondierte Objektivitätsgehalt. Je mehr Geltung
ein moralischer Urteil auf der normativen Ebene besitzt, um so objektiver ist
sie.
6.
auf der deskriptiven
Ebene bestimmen unsere praktische Feststellungen der Objektivitätsgrad unserer
moralischen Urteilen. Diese praktische Feststellungen sind persönliche Erfahrungen und intersubjektive
Gedankenexperimente.
Wie bereits erwähnt, es ist nicht ausreichend eine
Wahrheitsdefinition für moralische Urteilen zu liefern. Viel wichtiger
besonders für die Moralphilosophie ist die Entdeckung der Prinzipien, die uns
erlauben eine wahre von einer falschen Aussage zu unterscheiden. Die Definition
der Wahrheit hilft uns so weit, dass wir bestimmen können, wie objektiv unsere
Aussagen sind bzw. woraus die Objektivität besteht. Dabei wurde die
Definitionen in drei verschiedene Ebene, nämlich theoretische Ethik oder
Metaethik, normative und deskriptive Ethik. Analog dazu werden folgende Kriterien
auf jede Ebene untersucht:
Für die
Aufstellung der Kriterien in der Moralphilosophie müssen ebenfalls diese
Kants großer Leistung ist der Aufbau eine
Philosophie aufgrund der reinen Vernunft, die eine Erneuerung der Metaphysik
ermöglicht. Die ausgezeichnete Rolle der Vernunft in seiner Theorie schaltet
jedoch die Rolle der psychosoziale Dimension völlig aus. Somit fehlen in seiner
Philosophie Konkrete moralische Handlungsvorschläge. Daher versucht er aus dem
Begriff "Der reine Wille" sogenannte "kategorische Imperativ" abzuleiten. Der
reine Wille ist aber nach Kant von allen Neigungen, Interessen unabhängig und
kann allein durch die eigene Gesetzgebung der Vernunft bestimmt werden. Die
Gesetze, die den Willen oder die praktische Vernunft leiten, müssen von
Objekten des Begehrens frei sein, ansonsten wären sie von Sinnen abgeleitet und
somit keine reine Gesetze. Solche praktische Vernunft besitzt objektive
Notwendigkeit ohne jegliche Erfahrung. Die Suche von Kant nach einem Gesetz,
das a priorisches Charakter hat, führte ihm zu Formulierung des kategorischen
Imperativs: "Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit
zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."
Die Quelle dieses Imperativs ist die reine Vernunft, die unbeeinflusst von sinnlichen Motiven und Naturgesetzen dieses Gesetz formuliert, welches Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit besitzt. Der kategorische Imperativ (KI) ist nicht zu begründen, da er a priorische Notwendigkeit besitzt. KI ist damit Grundbaustein der kantischen Moralphilosophie.
Die
fundamentalste Frage der Metaethik, in Analogie zur Wissenschaftstheorie, soll
lauten, ob eine moralische Theorie, als Vertreter einer moralischen Methode,
objektive Richtigkeit besitzt. Auf die Antwort auf die objektive Richtigkeit
der moralischen Urteilen trennen sich Kognitivisten und Non-Kognitivisten
voneinander.
Der
Kognitivist vertritt die These, dass die moralische Urteilen
Objektivitätsanspruch besitzen können. Darunter zählen Natutalisten und
Intuitionisten. Demgegenüber der Non-Kognitivist bestreitet ihrer objektiven
Erkenntnischarakter.
Deskriptive
Ethik
Die Tarski Formulierungen ("p" ist wahr, wenn p der
Fall ist) soll in der deskriptiven Ethik folgende Form erhalten:
"p" ist richtig,
wenn p ßà p' (1.2.1.1)
im Worten:
"p" ist richtig wenn aus p ein p' abgeleitet werden kann, aus dem
wiederum p ableitbar ist. wobei p und p' mit Begriffe aus der objektiven
Sprache ersetzt werden können.
p und p' sind in dieser Definition im Prinzip
identisch aber nicht gleich.[28]
Während p eine Aussage von einer Person oder Gruppe von Personen ist, p' ist
identische Aussage von einer anderen Person oder Gruppe von Personen. Beispiel:
brechen eines Versprechen ist unmoralisch. Es gibt
bestimmte moralische Normen, die diese Aussage unterstützen. Außerdem ich bin
selbst überzeugt, dass die Aussage richtig ist. Es gibt eine Situation, in der
ich mir aufgrund meiner eigenen Überzeugung Lügen erlaube. Genau aufgrund
dieser Überzeugung bewerte ich mein Tat als moralisch rechtfertigt. Dieser Tat
bezeichne ich mit der Buchstabe p. Diese Rechtfertigung besitzt jedoch keine
Objektivität solange ich keine andere vergleichbare Situation p' finden kann,
in der eine andere Person oder eine Gruppe von Personen der ähnliche Tat für
richtig halten können. Diese Situation wie p' wird hier ein projizierter Zustand genannt. Je mehr
solche projizierte Zustände für mein Tat gibt um so besser ist mein Tat
unterstützt, mit anderen Worten, um so
richtiger ist mein Tat. Wie bereits erwähnt für p gibt es keinen
moralischen Norm. Es gibt kein moralischer Norm, der sagt "Lügen ist erlaubt"
oder "Versprechen brechen ist geboten". Solche nicht-normierte Zustände wie p und vergleichbare projizierte Zustände wie p' und p" usw. sind
Situationsabhängig und ihre Richtigkeit kann nur in einer relationalen Sprache, in der solche Zustände konstruiert werden zu
erklären. In dieser Sprache existieren die moralische Entitäten in Relation mit anderen Mitmenschen. Die
moralische Entitäten wie "Versprechen brechen ist erlaubt" (normiert) oder
"Versprechen brechen ist nicht erlaubt" (nicht normiert) existieren in solcher
Situationen für den Person nicht.
Diese Definition liefert gleichzeitig bestimmte
Kriterien, wenn wir sie mit der Kantischen Version der Moral, Kategorischer Imperativ (KI) kombinieren.
Die Kantische Version von KI steht jedoch nicht im vollen Einklang mit dieser
Definition. Um die Diskrepanzen klären zu können, ist es notwendig die Kant und
seine KI näher kennenzulernen.
Der
Kategorischer Imperativ
Kants großer Leistung ist der Aufbau eine
Philosophie aufgrund der reinen Vernunft, die eine Erneuerung der Metaphysik
ermöglicht. Die ausgezeichnete Rolle der Vernunft in seiner Theorie schaltet
jedoch die Rolle der psychosoziale Dimension völlig aus. Somit fehlen in seiner
Philosophie Konkrete moralische Handlungsvorschläge. Kant versucht aus dem
Begriff "Der reine Wille" sogenannte "Kategorische Imperativ" (KI) abzuleiten.
Der reine Wille ist aber nach Kant von allen Neigungen, Interessen unabhängig
und kann allein durch die eigene Gesetzgebung der Vernunft bestimmt werden. Die
Gesetze, die den Willen oder die praktische Vernunft leiten, müssen von
Objekten des Begehrens frei sein, ansonsten wären sie von Sinnen abgeleitet und
somit keine reine Gesetze. Solche praktische Vernunft besitzt objektive
Notwendigkeit ohne jegliche Erfahrung.
Die Quelle dieses Imperativs ist die reine Vernunft, die unbeeinflusst von sinnlichen Motiven und Naturgesetzen dieses Gesetz formuliert, welches Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit besitzt. Der kategorische Imperativ (KI) ist nicht zu begründen, da er a priorische Notwendigkeit besitzt. KI ist damit Grundbaustein der kantischen Moralphilosophie.
Ein vernünftiges Wesen, so Kant, hat das Vermögen, nach der Vorstellung der Gesetze, die moralische Prinzipien dazu gehören zu handeln. Vernunft ist aber in seiner Philosophie überall erforderlich, auch bei der freien Wille. "...der Wille ist ein Vermögen, nur dasjenige zu wählen, was die Vernunft, unabhängig von der Neigung, als praktisch notwendig, d.i. als gut erkennt."[29] Das Alltagsleben der Menschen sieht aber anders aus: Der Wille ist an sich nicht völlig der Vernunft gemäß. In diesem Fall sind nach Kant die Handlung "subjektiv zufällig."[30] KI arbeitet nach diesem Prinzip der Objektivität der Vernunft, wie aus subjektiv zufällige Handlungen, objektiv richtige Handlungen abgeleitet werden können. "Die Vorstellung eines objektiven Prinzips, sofern es für einen Willen nötigend ist, heißt ein Gebot (der Vernunft) und die Formel des Gebots heißt Imperativ. Alle Imperativen werden durch ein Sollen ausgedruckt, und zeigen dadurch das Verhältnis eines objektiven Gesetzes der Vernunft zu einem Willen an, der seiner subjektiven Beschaffenheit nach dadurch nicht notwendig bestimmt wird (eine Nötigung)."[31]
Die Imperative bestimmen, was ich tun soll. Die von Kant beschriebene drei Arten von Imperativen unterscheiden sich in der Reichweite der Vernunft.[32] Die erste zwei haben hypothetische Charakter und die dritte ist kategorisch. Die Technische Imperative in der ersten Stufe gebieten die notwendigen Mittel zu einer beliebigen Absicht. Die zweite Stufe ist die pragmatische Imperative der Klugheit, die tatsächliche Absicht bedürftiger Vernunftwesen, das Glück, vorschreiben. Die dritte Stufe, der kategorische Imperativ, haben ihre Spielraum in der Moralität. Die kategorische Eigenschaft der Imperativen bestimmen die Notwendigkeit und Objektivität der imperativen Handlung. "Der kategorische Imperativ würde der sein, welcher eine Handlung als für sich selbst, ohne Beziehung auf einen andern Zweck, als objektiv-notwendig vorstellte."[33] Dieses Zweckfreies Charakter Des kategorischen Imperativs mach ihm apodiktisch.
Aus den Kants Schriften kann man die folgende fünf
verschieden Formulierungen für den kategorischen Imperativ annehmen:[34]
I. Die Formel des allgemeinen Gesetzes:
Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
Ia. Die Formel des Naturgesetzes:
Handle nach Maximen, die sich selbst zugleich als
allgemeine Naturgesetze zum Gegenstande haben können.
II. Die Formel des Zwecks an sich selbst:
Handle so, dass die Menschheit, sowohl in deiner Person als auch in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.
III. Die Formel der Autonomie:
Handle so, dass dein Wille durch seine Maxime sich selbst zugleich als allgemein gesetzgebend betrachten könne.
IIIa Die Formel des Reiches der Zwecks:
Handle so, als ob du durch deine Maximen jederzeit ein gesetzgebendes Glied im allgemeinen Reiche der Zwecke wärest.
Die zwei Gegenstände aller diesen Formeln sind : die
Maximen und die Allgemeinheit, die in folgendem nhäer untersucht werden.
Der Wille, so Kant, ist die Quelle aller unechten Prinzipien der Sittlichkeit. Wenn die Maxime der Wille nicht in einer allgemeinen Gesetzgebung sondern in irgendeines seiner Objekte gesucht wird, so entsteht Heteronomie. Nicht der Wille selbst, sondern das Verhältnis des Objekts der Handlung zum Willen bestimmt das Gesetz. is zum Der Wille gibt als denn sich nicht selbst, sondern das
Objekt durch sein Verhältnis zum Willen gibt diesem
das Gesetz. Dies Verhältnis, es beruhe nun auf der Neigung, oder auf
Vorstellungen der Vernunft, lässt nur hypothetische Imperativen möglich werden:
ich soll etwas tun darum, weil ich etwas anderes will.
Dagegen sagt der moralische, mithin kategorische
Imperativ: ich soll so oder so handeln, ob ich gleich nichts anderes wollte. Z.
E. jener sagt: ich soll nicht lügen, wenn ich bei Ehren bleiben will; dieser
aber: ich soll nicht lügen, ob es mir gleich nicht die mindeste Schande zuzöge.
Der letztere muß also von allem Gegenstande so fern abstrahieren, daß dieser
gar keinen Einfluß auf den Willen habe, damit praktische Vernunft (Wille) nicht
fremdes nteresse bloß administriere, sondern bloß ihr eigenes gebietendes
Ansehen, als oberste Gesetzgebung, beweise.
[Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, S. 97]
Die Maxime ist als Replik
meiner Handlung zu verstehen, die ich "persönlich" für richtig halte. Jedoch
ist sie nur dann richtig, wenn sie mit der Reziproke der Verbindlichkeit
anderer Person übereinstimmt. Einfacher ausgedrückt, ich soll so behandeln, wie
ich behandelt hätte, wenn ich an der Position der behandelte wäre. Aus dieser "Denkweise" bildet sich ein
allgemeines Gesetz für konkrete Handlungen heraus. Beispiel: Die Maxime in mir
sagt, ich soll ein Versprechen brechen. Der allgemeine Gesetzt soll hier
lauten, dass diese Handlung nur dann richtig ist, wenn die anderen in gleicher
weise ebenfalls diese Maxima besitzen.
Allgemeinheit
In Formel I bzw. Ia sollen allgemeine Gesetze bzw.
Naturgesetze für die Handlungen bestimmend sein. Allgemeine Gesetze sind ein
Produkt meines Verstandes. Sie entstehen, wenn ich mich in der Lage eines
anderen Menschen oder eine Gruppe von Menschen versetze. Sie ist, mit anderem
Worten, ein Gedankenexperiment, erfüllt mit meiner eigener Handlung.
Wenn ich Jemand etwas
tue, soll
Das was ich von jemandem
erwarte, soll
Charakteristisch für alle diese Formeln ist, dass
die Maxime als Vermittler zwischen der moralischen Entität und der
individuellen Handlung vorkommen. Der Begriff Maxima ist aber von einigen
Autoren so abstrahiert, dass ihre Verbindung und Vermittler Rolle mit Gesetzen
und moralischen Entitäten verliert, was weit entfernt von Kantischer Bedeutung
von KI ist. Dies führte diese Autoren dazu, ganz abwegige Auffassung von
kategorischen Imperativ darzustellen, aufgrund dessen jede Maxime für richtig
gehalten wird.[35]
KI ist in voller Übereinstimmung mit der Definition
(1.2.1.1). Jedoch KI liefert weder notwendige noch hinreichende Bedingung für
eine Wahrheitstheorie in der Moralphilosophie:
Erstens handelt man nicht immer nach seiner Maximen.
Zweitens es ist nicht immer möglich aus der Summe der vorhandenen Maximen ein
allgemeines Gesetz abzuleiten. Besser gesagt, durch die individuelle Handlungen
entstehen nicht immer allgemeine Gesetze, die Richtigkeit meiner Handlung
unterstützen können. Der Versuch von Kant die Kriterien für eine absolute
Richtigkeit der individuellen Handlungen zu definieren, führte ihm dazu, dass
der Wille selbst als Widerspiegelung der praktischen Vernunft dargestellt wird.
Als Beispiel nehmen wir an bestimmte emotionale Grunde für ein von sozialen
Normen abweichende Handlung zuständig ist:
Wenn auch oft kein allgemeines Gesetz für ein Replik
der Handlung (Maxime) geben kann, gibt es jedoch immer für eine nicht-normierte
Handlung, mindestens ein vergleichbar projezierter Handlungszustand, aufgrund
dessen ich von einer "Relativität" und "Unschärfe" der Handlung reden kann.
Damit ist gemeint, eine Handlung kann relativ richtig oder relativ falsch sein,
je nachdem wie viel vergleichbare Zustände für sie existieren kann. Der
wesentliche Unterschied zwischen unserer Definition von (1.2.1.1) und KI ist ihre Reichweite: Wenn eine Handlung
durch KI erfüllt ist, ist sie auch durch (1.2.1.1) erfüllt. Wenn eine Handlung
durch (1.2.1.1) erfüllt ist, ist nicht unbedingt durch KI rechtfertigt.
1.1.1
Normative Ethik
Die Frage ist: wozu brauche ich eine normative
Definition der Ethik, wenn die Definition (1.2.1.1) der deskriptiven Ethik mir
die notwendige Kriterien liefert. Die Antwort ist, dass wir nicht immer nach
der Richtigkeit unserer Handlungen nach (1.2.1.1) suchen. Mit anderen Worten,
(1.2.1.1) ist notwendig, wenn wir uns von den bestehenden Normen abweichen. Wie
bereits erwähnt, die moralische Aussage "Lügen ist nicht erlaubt" ist eine
Norm, es gibt jedoch keine Norm, die besagt "ich darf lügen". In dem Fall werde
ich nach Situation handeln und (1.2.1.1) ist notwendig, mit geprüft wird, "wie
richtig" meine Handlung ist.
Es ist somit plausibel, dass wir eine weitere
Definition brauchen, mit der die Richtigkeit der Normen, wie "Lügen ist nicht
erlaubt", oder "Rassentrennung ist unmoralisch" unter Beweis stellen zu können.
Es gibt aber auch Normen wie "die behinderte Babys sollen nicht in die Welt
kommen" oder "Homosexualität ist nicht moralisch" usw. wie können solche Normen
bewertet werden?
Normen: absolute, relative und individuelle
wobei "p"
steht für einen Begriff in der objektiven Sprache und y
(p ist wahr, wenn p der Fall ist und nach y gilt)
[1] Entität steht hier für einen übergreifenden Begriff für alles seienden: materielle Dingen sowie unsere Aussagen und Äußerungen.
[2] Wilhelm Köller, Logik und Sprache in Philosophie der Grammatik, Stuttgart 1988
[3] W.V.Quine, Wort und Gegenstand, Reclam, 1998, S48
[4] Ebenda, S49
[5] N. Rescher, Die Kriterien der Wahrheit, in "Wahrheitstheorien", Hrg. G. Skirbekk, Suhrkamp 1996, S337
[6] Ebebda, S339
[7] vgl. "die Kriterien der Wahrheit" von Nicholas Rescher in "Wahrheitstheorien" Hrg. Gunner Skirbekk, Suhrkamp 1996
[8] Wilhelm Köller, Logik und Sprache in Philosophie der Grammatik, Stuttgart 1988
[9] W.V.Quine, Wort und Gegenstand, Reclam, 1998, S48
[10] Ebenda, S49
[11] N. Rescher, Die Kriterien der Wahrheit, in "Wahrheitstheorien", Hrg. G. Skirbekk, Suhrkamp 1996, S337
[12] Ebebda, S339
[13] Alfred Tarski, Einführung in die mathematische Logik, Vendenhoek & Ruprechet 1977, S246
[14] Ebenda, S250
[15] Ebenda, S. 262
[16] L.F.Moreno, Wahrheit und Korrespondenz bei Tarski, Königshausen & Neumann1992, S13
[17] Paul Watzlawick, Vom Unsinn des Sinns oder vom Sinn des Unsinns, Picus Wien 1993, S.30
[18] Philosophisch-politische Profile, J. Habermas, Suhrkamp, dritte Auflage 1998, S287
[19] Ebenda, S291
[20] Zeitmessungen, H. Marcuse, Suhrkamp 1975, S9
[21] Triebstruktur und Gesellschaft, H. Marcuse, Suhrkamp 1979, S38
[22] Der eindimensionale Mensch, H. Marcuse, dtv 1998, S180
[23] Ebenda, S230
[24] Ebenda, S232
[25] Wahrheitstheorien, Helmut Fahrenbach, Neske 1973, S219
[26] Ebenda, S239
[27] Wahrheitstheorien, L.Bruno Puntel in Handbuch philosophier Grundbegriffe, Kösel 1974, S1653
[28] Der Begriff "abgeleitet" ist hier im kantischen Sinne verwendet worden und bedeutet nicht "deduziert" sondern vielmehr eine Gegenüberstellung.
[29] Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, S. 47
[30] Ebenda, S. 47
[31] Ebenda, S. 48.
[32] Vgl. O.Höffe, Immanuel Kant, denker 2000, S. 183f
[33] Ebenda, S. 49
[34] Vgl. H.J.Paton, Der Kategorische Imperativ, W.D.G. & CO. Berlin 1962, S. 152f
[35] Als Beispiel: W.K.Frankena, Analytische Ethik, dtv 1975, S. 49f