Dr. Esfandiar Tabari
Sozialtheoretische Ansätze:
1) Aus der Differenztheorie von Jacques Derrida lässt sich eine Theorie der Mode ableiten. Die Differenz in der Mode heißt danach: nicht identifizieren, das Andere und das Verschiedene nicht zurückführen auf dasselbe und das Gleichartige. Die Mode gilt nicht mehr als Identitätsfaktor für eine Kultur. Die Mode ist einerseits ein Ausdruck für ihre Differenz von der Kultur: was Kultur nicht ist. Andererseits ist sie ein Ausdruck für Differenz mit sich selbst: Gegenmode. Diese doppelte Differenz führt dazu, dass Mode nur als sich wandelnd verstanden werden kann.
2) Die Wahrnehmung der „Formen“ ist neben der Sprache und Schrift für die Menschen elementar. An diesem Punkt soll die Differenztheorie von Derrida erweitert werden. Die Wahrnehmung der Formen hat einen arationalen Charakter, d.h. sie erfolgt ohne Grund. Sie kann weder rational noch irrational sein, worin sich die Form mit Schrift und Sprache unterscheidet.
Mode und Macht:
3) Die Mode ist keine Erfindung der modernen Zeit. Schon in den primitiven Mikrogesellschaften hat sich der Stärkere durch symbolische Schmucke oder Bekleidung von Untertanen abgesondert. Man kann in solchen Mikrogesellschaften von der Mode reden, sofern sich die Schmucke oder Bekleidung eines Herrschers in einer Gruppe auf Herrscher anderer Gruppen als Trend durchgesetzt hat.
4) Mode ist ein besonderes Gestaltungsprinzip, das zum allgemeinen Gestaltungsprinzip des Alltags wird. Die Mode hat ihren Ursprung darin, dass der Mensch ein unvollständiges Individuum ist. Die Unvollständigkeit besteht darin, dass er an seinen Mitmensch angewiesen ist um überleben zu können auch wenn er bestrebt ist, dabei seine Individualität zu bewahren.
5) Die Mode war schon immer ein Ausdruck für die Macht und Machtausübung. In der Klassengesellschaft gilt die Mode als eine Konstante der Klassen. Mit der technischen Revolution wird die Mode von den Klassen abgekoppelt und in einen 3 dimensionalen autonomen Rollensystem bestehend aus Agent/Akteur/Zuschauer umgewandelt. In diesem System tauschen sich tauschen sich die Rollen wechselhaft, was für die Dynamik der Mode spricht.
Mode und Kultur
6) Nicht nur der Inhalt der Mode, sondern auch der Begriff der Mode änderte sich in Lauf ihrer Geschichte. Der Mode war am Anfang ihrer Geschichte den moralischen und religiösen Komponente der Kultur unterworfen (Kultur überholte die mode). Heute überholt Mode die Kultur und durch Provokation der Kultur produziert die Mode die eigene Kultur, die in die Konkurrenz mit der bestehenden Kultur eintritt.
7) Der Prozess der Kulturproduktion durch die Mode erfolgt mit Sozialisierung ihrer Entwürfe. Die modische Kultur ist eine Bewusstseinskultur und hat ihre Wurzel in der Mode. Es existiert damit eine Polarität zwischen Bewusstseinskultur und Kultur der Gesellschaft.
8) Das moralische Gebot für die Mode besteht in einer Gleichgewicht zwischen Mode und Kultur: Mode als Ausdruck für die Kultur und Kultur als Bestätigung für die Mode. Dies kommt aber mit Autonomie der Mode im Widerspruch: Mode will sich über die Grenzen der Kulturen hinaus ihr Zeichen setzen.
9) In diesem Zusammenhang taucht die Frage auf, ob die Mode zur interkulturellen Verständigung dienen kann und wenn ja wie fern.